Peter-und-Paul-Kirche (Hermannsburg)

Die evangelisch-lutherische St. Peter- und Paul-Kirche, Billingstraße 14, in der niedersächsischen Gemeinde Südheide, Ortsteil Hermannsburg, im Landkreis Celle wurde als Chor zur Mitte des 15. Jahrhunderts und als Langhaus zur Mitte des 20. Jahrhunderts gebaut. Sie gehört zur Landeskirche Hannover, Sprengel Lüneburg, Kirchenkreis Soltau.

Das Gebäude steht unter Denkmalschutz (siehe auch Liste der Baudenkmale in Südheide (Gemeinde)).[1]

Geschichte und Beschreibung

Hermannsburg wurde 1059 als Heremannesburc erstmals schriftlich erwähnt.
Eine erste kleine Missionskirche wurde wohl um 850 errichtet. Sie brannte 955 ab und 970 entstand südlich der alten Kirche ein romanischer Kirchenbau. Er gehörte zum Archdiakonat Ahlden in der Diözese Minden. Die Kirche hatte einen fast quadratischen Altarraum mit den Innenmaßen 4,4 × 5,6 m und ein rechteckiges Langschiff von 6,5 m Innenbreite. Der Altarraum war durch eine 1 m breite Wand vom Kirchenschiff getrennt.

Auch der Bau brannte ab und ein gotischer Kirchenbau entstand 1450. Dieser wurde 1956/1959 vergrößert.

Pastor Ludwig Harms von der Peter- und Paul-Kirche gründete mit Anderen 1865 die Hermannsburger Mission, welche zum bis heute größtem deutschen Missionswerk wurde. Sein Bruder Theodor Harms folgte ihm in seinen Ämtern.

1866 annektierte das Königreich Preußen das Königreich Hannover und führte die Evangelische Union auch in der Provinz Hannover ein. Der Staat griff damit in die Gottesdienstordnung, Verfassung und Lehre der Kirche ein. Dagegen protestierte der Pfarrer der St.-Peter-Paul-Kirche, Pastor Theodor Harms, der deshalb von der hannöverschen lutherischen Landeskirche seines Amtes enthoben wurde. Zwei Drittel seiner Gemeindemitglieder traten daraufhin aus der Landeskirche aus („Hermannsburger Separation“) und gründeten 1878 die Große Kreuzkirchengemeinde, und es entstand die Hannoversche Freikirche.

Gebäude

Aufgrund von Baufälligkeit und dem Wunsch nach einem größeren Kirchraum wurde die alte Kirche bis auf den Chor abgerissen und es entstand ein Neubau. Zunächst sollte nur das Kirchenschiff vergrößert werden. Bei der Bauarbeiten stürzte das Dachgewölbe ein, sodass von 1954 bis 1959 nach Plänen von Bruno Fendrich (Lübeck) ein Neubau errichtet wurde. Für diesen wurden der bisherige Dachstuhl und die alte Apsis wieder verwendet.

Die Kirche besteht heute aus

  • dem spätgotischen östlichen Chorpolygon mit segmentbögigen Fenster und mit in Kupferblech verblendeten Strebepfeilern aus dem 18. Jh.,
  • der dreischiffige Hallenkirche als verputztes Langhaus mit Satteldach, dem etwas höherem Mittelschiff und den gestaffelten sechs Zwerchgiebeln an den Seitenschiffen,
  • dem oktogonalen Dachreiter mit hohen Schallarkaden, vierseitig platzierter Turmuhr sowie kupferblechgedeckter Welscher Haube, Laterne und Turmspitze.[2] 2012 wurde die Kirche saniert.

Das niedersächsische Landesdenkmalamt befand u. a.: „… Zeugnis- und Schauwert für die Bau- und Kunstgeschichte sowie für Siedlungs- und Stadtbaugeschichte, wie auch aufgrund seiner städtebaulichen Bedeutung von prägendem Einfluss auf das Ortsbild ….“

Innen

Der Innenraum wurde der gotischen Vorgängerkirche nachempfundenen durch Kreuzrippengewölbe auf profilierten kräftigen Pfeilern und durch große Fenster. Eine Empore trägt die Orgel.

Bei der Neugestaltung der Kirche 1956/1959 fand man alte Grundmauern. Dabei wurde im Chorbereich ein altes Bronze-Kruzifix von 12 cm Größe, eine Arbeit im romanischen Stil aus dem 10. Jahrhundert entdeckt. Seine originalgetreue Kopie ist in der Gebetsecke im linken hinteren Teil des Kirchenschiffes ausgestellt.

Älteste Inventarstücke sind das hölzerne Taufbecken und ein aus Holz gefertigter farbiger Kronleuchter, beide aus dem 18. Jahrhundert. Zur weiteren Ausstattung gehören: Altar, Kanzel, Orgel und 26 Messingleuchter.

Von den sechs Glocken im Dachreiter stammt die kleinste und älteste aus der vorreformatorischen Zeit (1495), die größte Glocke von 1681 und die weiteren vier Glocken von 1949.

Orgel

Die große Orgel, mit 33 Registern auf drei Manualen und Pedal wurde 1963 von der Firma Emil Hammer Orgelbau errichtet.[3]

I Hauptwerk
1. Quintadena 16′
2. Prinzipal 08′
3. Koppelflöte 08′
4. Oktave 04′
5. Rohrflöte 04′
6. Nasat 0223
7. Oktave 02′
8. Mixtur V–VII
9. Trompete 08′
II Rückpositiv
10. Gedackt 8′
11. Prinzipal 4′
12. Spitzgedackt 4′
13. Waldflöte 2′
14. Quinte 113
15. Scharf IV
16. Krummhorn 8′
Tremulant
III Brustwerk
17. Singend Gedackt 8′
18. Gedacktflöte 4′
19. Gemshorn 2′
20. Oktave 1′
21. Terzian II
22. Zimbel III
23. Vox humana 8′
Tremulant
Pedal
24. Subbass 16′
25. Gedacktpommer 16′
26. Gedackt 08′
27. Prinzipal 08′
28. Metallflöte 04′
29. Nachthorn 02′
30. Mixtur IV
31. Posaune 16′
32. Trompete 08′
33. Oboe 04′
  • Koppeln: II/I, III/I, I/P, II/P, III/P
  • Schleifladen mit mechanischer Spieltraktur und elektrischem Regierwerk

Daneben besteht eine kleine Chororgel, erbaut von Orgelbauer Ott, mit einem Manual und drei Registern.

Kirchhof und Umzu

Zum Kirchenareal gehören

  • der Kirchhof, südlich der Kirche, mit historischen Grabsteinen, altem Baumbestand und Gefallenendenkmalen,
  • das Wohn- und Wirtschaftsgebäude Billingstraße 16 von um 1880,
  • das alte Pfarrhaus wurde 2015 abgerissen und ein zweigeschossiger Neubau mit Satteldach entstand 2016.

Kirchengemeinde

Die Ev.-luth. Kirchengemeinde St. Peter-Paul Hermannsburg ist mit rund 4700 Mitgliedern (Stand 2020) die größte Kirchengemeinde am Ort. Sie gehört der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers an. Sie hat einen Posaunenchor, einen Chor, den Gospelchor Good News, einen Kinderchor, eine Kinder- und die Eltern-Kindgruppe, die „Gruppe Junge Leute“, Gesprächskreise und Projekte. Sie unterhält die Kindertagesstätte Pusteblume und Lütt Louis sowie eine Stiftung. Hauptamtlich sind zwei Geistliche, eine Diakonin, eine Sekretärin, eine Küsterin, die Friedhofsverwalter und eine Organistin tätig (Stand 2025).

In Hermannsburg gibt es auch die Große Kreuzkirche und die Kleine Kreuzkirche, beides Selbständige Ev.-Luth. Kirchen.

Literatur

  • F. Wolff, E. Bingmann: Geschichte der Hannoverschen evangelisch-lutherischen Freikirche. Romberger, Celle 1924.
  • G. Weiß, K. Eichwalder, G. Dehio und E. Gall: Bremen, Niedersachsen, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Deutscher Kunstverlag, München 1992, S. 689.
Commons: St.-Peter-Paul-Kirche (Hermannsburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Beschreibung/Bilder im Denkmalatlas Niedersachsen
  2. Beschreibung/Bilder im Denkmalatlas Niedersachsen
  3. Orgelinformation Peter-Paul-Kirche

Koordinaten: 52° 50′ 0,8″ N, 10° 5′ 26″ O