Große Kreuzkirche Hermannsburg
Die evangelisch-lutherische Große Kreuzkirche Hermannsburg, Junkernstraße 12, in der niedersächsischen Gemeinde Südheide, Ortsteil Hermannsburg, im Landkreis Celle, wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebaut. Sie gehört zur Großen Kreuzkirchengemeinde im Kirchenbezirk Niedersachsen-West der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK). Das Gebäude steht unter Denkmalschutz (siehe auch Liste der Baudenkmale in Südheide (Gemeinde)).
Geschichte
Pastor Ludwig Harms von der Peter-und-Paul-Kirche gründete mit anderen 1849 die Hermannsburger Mission, die er als Direktor zu einem der größten deutschen Missionswerke machte. Sein Bruder Theodor Harms folgte ihm 1865 in seinen Ämtern.
1866 annektierte das Königreich Preußen das Königreich Hannover. Obwohl die preußische Union in der Provinz Hannover nicht eingeführt wurde, sahen konfessionelle Lutheraner einen Eingriff in die Gottesdienstordnung, Verfassung und Lehre der Kirche. Pastor Theodor Harms weigerte sich, die neue Trauliturgie anzuwenden, und wurde deshalb von der lutherischen Landeskirche am 4. Februar 1878 seines Amtes enthoben und aus dem Pfarrhaus verwiesen.
Zwei Drittel seiner Gemeindemitglieder traten daraufhin aus der Landeskirche aus („Hermannsburger Separation“). Am 13. Februar 1878 gründeten sie die selbständige Große Kreuzkirchengemeinde. Mit weiteren gleichgesinnten Gemeinden entstand die Hannoversche evangelisch-lutherische Freikirche, deren Präses Theodor Harms wurde. Die neue Kirchengemeinde plante eine große Kirche, um ausreichend Platz auch für die Besucher der Missionsfeste zu haben. Sie wurde nach Plänen von Architekt Pingel (Hamburg) errichtet und 1879 geweiht.
Beschreibung
Gebäude
Die neogotische Saalkirche für 1000 Besucher in rotem Backsteinmauerwerk mit eingezogenem Chorpolygon besteht aus dem Kirchenschiff mit ziegelgedecktem Satteldach und dem Westturm.
Die Fassaden sind durch Strebepfeiler, sechs hohe zweibahnige Maßwerksfenster auf jeder Seite sowie Bogenfries gestaltet, sowie südlich mit zwei Ausluchten als Seiteneingänge. Sanierungen fanden 1978 (innen), 1980 (Turmdach), 1986 (Eingang), 1994 (Dach), 2010 (Fundamente) und 2011 (Saal, Foyer, Turm) statt.
Der 52 m hohe quadratische, verklinkerte Westturm mit breiterem Erdgeschoss mit Pultdächern, Westportal, Turmschaft mit spitzbogigen Lichtfenstern sowie oben mit gekuppelten spitzbogigen Schallarkaden, hat einen etwas eingerückten Aufsatz mit den Uhren und dem Knickhelm mit einer oktogonalen Turmspitze. Die Erhöhung und Ummauerung des Kirchturmes als Anbau stammt von 1928.[1]
Innen
Der Innenraum hat keine tragenden Säulen und ist eines der größten freitragenden Holzkirchenschiffe Europas. Er hat eine umlaufende Holzempore und ein flachgeneigtes Scheindach mit freien Fachwerkbindern in gotischer Formensprache.
Orgel
Die Orgel war von der Berliner Orgelbauwerkstatt Karl Schuke ursprünglich 1967 für eine Kirche in Essen gebaut worden. Als diese Kirche geschlossen werden sollte, erwarb die Große Kreuzgemeinde die Orgel. 2008 wurde sie von der Orgelbauwerkstatt Karl Schuke eingebaut, um ein Register erweitert und neu intoniert. Die Orgel hat jetzt 31 Register auf zwei Manualen und Pedal.[2]
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- Koppeln: II/I, I/P, II/P
- Cymbelstern
Kirchengemeinde
Seit 1972 gehört die Große Kreuzgemeinde zum Kirchenbezirk Niedersachsen-West der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK). Sie hatte um 2020 rund 2200 Gemeindeglieder, die von zwei Pfarrern betreut werden. Posaunenchor, Singchor, Jugendchor, Blockflötenkreise, Tastengruppe sind die musikalischen Aktivitäten der Gemeinde. Der Wahlspruch der Gemeinde lautet: „Ohne Kreuz keine Krone“.[3]
Das Pfarrhaus Junkernstraße 23 dient der Kirche als Wohnhaus und auch als Teil des Gemeindezentrums. Zur Gemeinde gehören auch der Gemeindesaalneubau (1968) und das Lutherhaus (2014).
Hinweis: Es gibt zudem die ev.-luth. Kleine Kreuzkirche Hermannsburg, die auch zum Kirchenbezirk Niedersachsen-West der SELK gehört.
Literatur
- F. Wolff, E. Bingmann: Geschichte der Hannoverschen evangelisch-lutherischen Freikirche. Romberger, Celle 1924.
- G. Weiß, K. Eichwalder, G. Dehio, E. Gall: Bremen, Niedersachsen, Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Deutscher Kunstverlag, München 1992, S. 689.
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Beschreibung/Bilder im Denkmalatlas Niedersachsen
- ↑ Daniel Kunert: Die Orgel der "Große Kreuzkirche" Hermannsburg. Disposition. Daniel Kunert - Musik-Medienhaus, 11. Dezember 2024, abgerufen am 1. Januar 2026.
- ↑ Andrea Grünhagen: Erweckung und konfessionelle Bewußtwerdung: Das Beispiel Hermannsburg im 19. Jahrhundert. ISBN 3-643-10600-9.
Koordinaten: 52° 50′ 5,8″ N, 10° 5′ 19,6″ O