Pestelsches Haus

Das als Pestelsches Haus bezeichnete Wohnhaus Markt 12 ist ein denkmalgeschützter Renaissancebau in der Altstadt von Weimar. Es befindet sich an der Ostseite des Marktes.

Geschichte

Das auffällige, mit Säulen, Muschelnischen und Rundbogen-Ornamenten reich verzierte Haus ist ein bedeutender und denkmalgeschützter Renaissance-Bau Die Bauzeit erstreckte sich über die Jahre 1547 bis 1549. Errichtet wurde es vom Renaissance-Baumeister Nikolaus Gromann für den Sekretär des herzoglichen Kanzlers Christian Brück namens Antonius Pestel. Es ist gewissermaßen die Fortsetzung des Cranachhauses, das ebenfalls von Gromann errichtet wurde. Das Anwesen bestand 1737 aus Haus, Hof und Hinterhaus. Im Jahr 1865 eröffnete im Erdgeschoss ein Geschäft der Weingroßhandlung Hermann Becker. Bei der umfassenden Instandsetzung von 1969 bis 1972 wurden u. a. die Hofgebäude abgetragen und über den Kellern des ehemaligen Südflügels ein moderner Verwaltungsbau aufgeführt. Im Rahmen der baulichen Instandsetzung 2003/04 wurde die Fassade neu abgefärbt. Das dreigeschossige, vollständig unterkellerte Gebäude mit verschiefertem Satteldach ist traufständig in die östliche Platzwand des Marktes eingebunden. Vom Cranachhaus unterscheidet es sich in der Stellung der Fenster, die versetzte Anordnung des zweiachsigen Zwerchhauses und die Haube über dem Wendelstein. Auch das Renaissanceportal in der nördlichen Außenachse ähnelt in seiner Verzierung mit Rankenwerk, Muschelnischen und Kandelabersäulen dem des Cranachhauses, hat aber noch Sitzkonsolen, welche bei letzterem 1892 abgeschlagen wurden. In der Supraporte befindet sich das Wappen der Familie Pestel. Die heutige Gestaltung des Erdgeschosses mit mittlerer Ladentür und einem Schaufenster geht auf einem Umbau zurück, der 1857 beantragt, jedoch erst 1865 ausgeführt wurde. Über dem 1865 hinzugefügten, südlichen Torbogen ist ein „sprechendes Wappen“ (Wein und Weinglas) angebracht. An der Hofseite befindet sich der Treppenturm, über dem einst, wie mehrere vermauerte Portale erkennen lassen, auch der nördliche Seitenflügel zu betreten war. Die abschließende Schieferhaube wurde 1970 in alter Form rekonstruiert und 1987 zu Wohnzwecken umgebaut. Keller- und Erdgeschoss sind wie beim Cranachhaus als zweijochige Gewölbehallen mit einem Freipfeiler gestaltet. Auf dem südöstlichen Gewölbefeld der Erdgeschosshalle befindet sich eine Seccomalerei, vermutlich aus dem 19. Jahrhundert, die vier Porträts im Stile Lucas Cranach der Ältere. Die wandgebundene Ausstattung aus Feldertüren, Parkettfußböden, Decken, Bodentreppe mit Stabbalustern ist aus dem 18. bis 20. Jahrhundert. Von dem einstigen, 1970 im Wesentlichen neu erbauten an der südlichen Grundstücksgrenze blieben die Keller mit Bruchsteintonnengewölben und im ersten Obergeschoss, im Anschluss an das Vorderhaus, Reste einer Bohlenwand erhalten.[1] In diesem Haus wohnte u. a. der Historienmaler Hermann Wislicenus.[2]

Im Cranachaus bzw. Pestelschen Haus befinden sich das Theater im Gewölbe bzw. die Thüringer Tanz-Akademie.

Commons: Cranach - und Pestelsches Haus Weimar – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: Pestelsches Haus (Weimar) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Rainer Müller: Kulturdenkmale in Thüringen: Stadt Weimar, Bd. 4.1.: Altstadt, E. Reinhold Verlag, Erfurt 2009, S. 441 f.
  2. Fritz Kühnlenz: Erlebtes Weimar: Heimatgeschichtliche Wanderungen durch die Goethe- und Schiller-Stadt, Greifenverlag, Rudolstadt 2. Aufl. 1968, S. 102.

Koordinaten: 50° 58′ 45,8″ N, 11° 19′ 49,1″ O