Pauline Ramart

Pauline Ramart (geboren als Marie Pauline Lucas am 22. November 1880 in Paris; gestorben am 17. März 1953 ebenda) war eine französische Chemikerin und Politikerin.

Leben

Pauline Ramart war die Tochter einer Hausangestellten, Marie Perrine Ceniguar, und eines Schmieds, René Lucas.[1][2] Dank Abendkursen schaffte sie ihr Grundschulzeugnis (Brevet de l’enseignement primaire) und den höheren Abschluss (Brevet supérieur).[1][3] Mit 18 Jahren (1898) war sie Floristin und brachte einen Sohn zur Welt, René Lucas, der später Physiker wurde.[4] Vater war der Rechtsanwalt Maurice Ramart und das Paar heiratete am 3. Oktober 1911.[2]

Wissenschaftliche Arbeit

1904 lernte sie im Fernunterricht, um ihr Baccalauréat (Abitur) zu machen.[2] Pauline Lucas studierte danach an der Fakultät für Naturwissenschaften in Paris (Faculté des sciences de Paris) im Labor von Albin Haller[2] und arbeitete gleichzeitig, um ihr Studium zu finanzieren.[3] 1911 trat sie der Société Chimique de France bei.[1]

Pauline Ramart trat von 1914 bis 1918 als Laborassistentin in das Institut Pasteur ein, wo sie zunächst für Antoine Béclère und später für Ernest Fourneau arbeitete.[1][2][3] 1919 schloss sie ihr Biologiestudium mit einer licence de biologie ab und promovierte 1924 in organischer Chemie mit einer Arbeit über die Synthese von Alkoholen.[2] Am 1. November 1924 wurde sie Stellvertreterin von Edmond Blaise[5], außerordentlicher Professor, eine Funktion, die sie auch behielt, als dieser einen Lehrstuhl erhielt.[1] 1925 wurde sie mit Unterstützung von Jean Perrin zur Dozentin und 1935 zur Professorin für organische Chemie an der Fakultät für Naturwissenschaften in Paris ernannt, wo sie bis 1941 tätig war.[2] Sie war nach Marie Curie die zweite Frau, die zur Professorin für organische Chemie an der Sorbonne ernannt wurde.[6] Ihre Arbeiten befassten sich mit dem Zusammenhang zwischen dem Ultraviolettspektrum und chemischen Reaktionen für die Radiologie.[2]

Politik

Als Mitglied der Französischen Liga für Menschenrechte, wo sie sich für die Gleichstellung von Frauen und Männern einsetzte, unterzeichnete sie 1934 den Aufruf des Comité de vigilance des intellectuels antifascistes (Wachsamkeitskomitee antifaschistischer Intellektueller).[2] Beim Internationalen Frauenkongress gehörte sie am 14. und 15. Mai 1938 dem Ehrenkomitee an.[2]

Während der deutschen Besatzung wurde sie von der Zeitung La France au travail als „rumänische Jüdin“ bezeichnet.[2] Da das Vichy-Regime gegen die Arbeit von Frauen war, wurde sie 1941 aus ihrer Position an der naturwissenschaftlichen Fakultät entlassen.[1] Möglicherweise spielten auch ihre linken politischen Ansichten eine Rolle.[7]

Ramart engagierte sich in der Résistance, indem sie Feiga Weisbuch[A 1] und deren Sohn bei sich versteckte.[8]

Im November 1944 wurde sie von der Union des femmes françaises (Vereinigung französischer Frauen) zusammen mit Mathilde Gabriel-Péri in die Assemblée consultative provisoire (Provisorische Beratende Versammlung) berufen.[3] Dort blieb sie bis zum 3. August 1945, arbeitete für die Kommission für nationale Bildung[9] und setzte sich stark für das Wahlrecht für Frauen ein.[2] Sie äußerte sich zum Thema Penicillin und zum französisch-sowjetischen Bündnis.[9] Später sympathisierte sie mit der Kommunistischen Partei.[2]

Rückkehr zur Wissenschaft

Am 1. Oktober 1944 kehrte sie auf den Lehrstuhl für organische Chemie an der Fakultät für Naturwissenschaften in Paris zurück und hatte diesen bis zu ihrem Tod im Jahr 1953 inne.[1] Zu Lebzeiten konnte sie nicht in die Académie des sciences aufgenommen werden, da damals keine Frauen zugelassen waren.[2]

Werke

Eine ausführliche Darstellung der Werke findet sich in der französischen Sprachversion; weder sind deutsche Übersetzungen noch online zugängliche Fassungen genannt.

Ehrungen

Pauline Ramart wurde als Offizier der Ehrenlegion ausgezeichnet und war 1941 Trägerin des Jecker-Preises; daneben wurden ihr die Médaille Berthelot, der Prix Ellen Richards, der Prix Jungfleisch und der Prix Nicolas Leblanc zuerkannt.[1][10]

Literatur

  • Christophe Charle, Eva Telkès: Ramart-Lucas (Pauline). Publications de l’Institut national de recherche pédagogique, 1989, ISBN 978-2-7342-0230-1 (persee.fr).
Commons: Pauline Ramart – Sammlung von Bildern

Anmerkungen

  1. Siehe dazu den frankophonen Wikipédia-Artikel Feiga Weisbuch.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h Siehe Literaturliste Christophe Charle, Eva Telkès 1989; Kap. 103, S. 245 ff.
  2. a b c d e f g h i j k l m n Siehe Weblink Le Maitron
  3. a b c d Femmes françaises vom 2. November 1844; Deux femmes viennent d’être désignées pour siéger à l’assemblée consultative auf Gallica
  4. LUCAS René. In: Le Maitron. Abgerufen am 29. November 2025 (französisch).
  5. Blaise, Edmond-Emile. In: Université Paris Cité. Abgerufen am 29. November 2025 (französisch).
  6. R. W. Soukup: Die ersten habilitierten Chemikerinnen. (PDF) Abgerufen am 30. November 2025 (französisch).
  7. Le Femme vom 25. Mai 1945; Une fleuriste et une servante = deux savants français auf Gallica
  8. Charles et Anne Lapique, une amitié construite autour de la science. In: Les Justes parmi les Nations de Paris. Abgerufen am 30. November 2025 (französisch).
  9. a b Le Femme vom 30. April 1945; Onze femmes dans un palais antiféministe auf Gallica
  10. Ramart. In: Base Léonore. Abgerufen am 30. November 2025 (französisch).