Mathilde Gabriel-Péri

Mathilde Gabriel-Péri (geboren als Mathilde Rose Thérèse Taurinya am 7. Juni 1902 in Canet-en-Roussillon; gestorben am 16. Dezember 1981 in Boulogne-Billancourt) war eine französische Résistante und Politikerin.

Leben

Mathilde Taurinya war die Tochter von Landarbeitern und war selbst Arbeiterin. Ihre Schwester Pauline (1898–1993) war mit dem kommunistischen Funktionär André Marty verheiratet. 1927 heiratete Mathilde den kommunistischen Politiker und späteren Abgeordneten Gabriel Péri, von dem sie später ein Jahr lang getrennt lebte, als er Ende 1929 inhaftiert wurde, und dann während des Zweiten Weltkriegs, als er eine Beziehung mit der Journalistin Sofia Jancu[1] hatte.[2]

Sie engagierte sich in der Kommunistischen Partei Frankreichs (PCF). 1940 wurde Mathilde Péri im Lager von Rieucros (Lozère) interniert. Am 18. Mai 1941 erfuhr sie dort von der Verhaftung ihres Mannes. Kurz vor seiner Hinrichtung schrieb er einen Brief an einen seiner Freunde: „Sie werden Mathilde mitteilen, dass ich mit erhobenem Kopf gestorben bin. Sagen Sie ihr, dass ich eine Reue hatte: die, ihr nicht immer das ernsthafte Leben geboten zu haben, das sie verdient hätte. Aber sagen Sie ihr, sie soll den Schleier der Witwe mit Stolz tragen“.[2] Nach dem Krieg gehörte er zu den bekanntesten Märtyrern der PCF, deren Abgeordnete zahlreiche öffentliche Straßen und Plätze nach Gabriel Péri benannten.[3]

Die politische Karriere von Mathilde Péri begann 1944, als sie als eine der wenigen Frauen Delegierte der Assemblée consultative provisoire (Provisorische Beratende Versammlung) in Paris wurde und dort auch als Sprecherin der Union des femmes françaises (Union der französischen Frauen) fungierte.[4] Am 8. November 1944 wurde sie zur Sekretärin der Provisorischen Beratenden Versammlung gewählt und war damit die erste Frau in einem Amt der Versammlung.[5] Am 5. Juni 1945 wurde sie in ihrem Amt bestätigt.[6] Mathilde Péri war nach ihrer Wahl am 24. November 1944 und ihrer Wiederwahl am 12. Juni 1945 auch Vizepräsidentin der Kommission für Justiz und Säuberung.[7]

Mathilde Péri war 1945–1946 Abgeordnete in beiden verfassungsgebenden Versammlungen[A 1] und anschließend 1946, 1951 und 1956 Abgeordnete des 1. Wahlkreises von Seine-et-Oise (Argenteuil-Bezons). Ab 1951 wurde sie unter dem Namen Mathilde Gabriel-Péri gewählt.[8] Sie zählt zu den ersten weiblichen Abgeordneten in der französischen Geschichte.

Als Nachfolgerin von Madeleine Braun wurde sie am 10. Januar 1950 zur Vizepräsidentin der Nationalversammlung gewählt und am 11. Januar 1951 bestätigt.[9][10] In zwei Jahren leitete sie 59 Sitzungen. Ihre Amtszeit endete am 3. Juli 1951, dem Ende der Legislaturperiode, und sie kandidierte bei der Neuwahl am 11. Juli 1951 nicht erneut.[11]

Sie war Mitglied der Kommission für Zivil- und Militärrenten sowie für Kriegs- und Repressionsopfer und engagierte sich aktiv als Parlamentarierin.[8] Außerdem war sie Vorsitzende der Vereinigung der Familien von Erschossenen.[12]

Am 21. Oktober 2025 fand in der Nationalversammlung eine Gedenkfeier zu Ehren der ersten weiblichen Abgeordneten statt. In diesem Zusammenhang enthüllte die Präsidentin der Nationalversammlung, Yaël Braun-Pivet, Gedenktafeln zu Ehren von Mathilde Gabriel-Péri, Germaine Peyroles[13] und Germaine Poinso-Chapuis[14].[15][16]

Mathilde Gabriel-Péris Großnichte Andrée Taurinya wurde 2022 zur Abgeordneten für La France insoumise gewählt.

Anmerkungen

  1. Siehe dazu Assemblée constituante de 1945 in der frankophonen Wikipédia.

Einzelnachweise

  1. Claude Pennetier: CONSTANT Étienne. Pseudonyme de JANCU Sofia (Sophie). In: Le Maitron. Abgerufen am 20. Dezember 2025 (französisch).
  2. a b Siehe Weblink Le Maitron
  3. Trefferliste auf Commons. In: Wikipedia Commons. Abgerufen am 20. Dezember 2025 (französisch).
  4. Femmes françaises vom 4. Januar 1945 auf Gallica
  5. Journal officiel de la République française vom 9. November 1944 auf Gallica
  6. Journal officiel de la République française vom 6. Juni 1945 auf Gallica
  7. Anne-Marie Gouriou, Roseline Salmon: Annexe du répertoire : Assemblée consultative provisoire (Paris) 1944–1945. In: Archives nationales. 2008 (gouv.fr [PDF]).
  8. a b Biographie de la IVe République im Weblink der Assemblée nationale
  9. Feuilleton / Assemblée nationale vom 11. Januar 1950 auf Gallica
  10. Feuilleton / Assemblée nationale vom 12. Januar 1951 auf Gallica
  11. Feuilleton / Assemblée nationale vom 5. Juli 1951 auf Gallica
  12. Mathilde Gabriel-Péri. In: Association Nationale des Familles de Fusillés et Massacrés de la Résistance Française et ses Amis. Abgerufen am 21. Dezember 2025 (französisch).
  13. Germaine Peyroles. In: Assemblée nationale. Abgerufen am 21. Dezember 2025 (französisch).
  14. Germaine Poinso-Chapuis. In: Assemblée nationale. Abgerufen am 21. Dezember 2025 (französisch).
  15. 80ème anniversaire de l’élection des premières femmes députées. In: Assemblée nationale. 21. Oktober 2025, abgerufen am 21. Dezember 2025 (französisch).
  16. L’Assemblée nationale rend hommage aux premières femmes députées, élues il y a 80 ans. In: L'Ouest-France. 21. Oktober 2025, abgerufen am 21. Dezember 2025 (französisch).