Paula Weiner-Odenheimer
Paula Weiner-Odenheimer (geboren 20. August 1889 in Karlsruhe; gestorben 1960) war eine deutsche Wissenschaftlerin. Sie war eine der ersten Frauen, die an der Ludwig-Maximilians-Universität München promovierten.
Leben
Paula Odenheimer wurde am 20. August 1889 in Karlsruhe geboren. Sie war die Tochter von Bernhard Odenheimer (1858–1930) und Henriette Jette Odenheimer geb. Baer (1864–1941). Sie hatte zwei Brüder, Stefan (1890–1933) und Julius Odenheimer (1893–1917), sowie eine Schwester, Anna Odenheimer (1892–?). Sie studierte Nationalökonomie an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort lernte sie den jüdischen Jurastudenten und späteren Rechtsanwalt Siegfried Weiner aus Steinweg bei Regensburg kennen. Sie heirateten, als er im November 1914 auf Heimaturlaub war, und im September 1915 wurde in München ihre Tochter Eleonore Lore geboren. Ihre Dissertation schrieb Paula Weiner-Odenheimer im Jahr 1914 mit dem Titel „Die Berufe der Juden in Bayern nach den Berufszählungen von 1882, 1895 und 1907“ und wurde damit am 14. Juli 1914 zum Rigorosum zugelassen. Sie zählte zu den wenigen Frauen, welche in dieser Zeit an der LMU promoviert wurden. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs zog die Familie nach Regensburg. Dort kam 1919 ihr zweites Kind, der Sohn Julius Franz, zur Welt. In Regensburg engagierte sich Paula Weiner-Odenheimer für den Jüdischen Frauenbund, einer Interessengemeinschaft für jüdische Kultur mit bis zu 50.000 Frauen als Mitgliedern vor dem Zweiten Weltkrieg. Im Zuge der Novemberpogrome 1938 wurde der Frauenbund von den Nationalsozialisten verboten. Paula Weiner-Odenheimer setzte sich für die Emanzipation der Frau ein und hielt Vorträge über geschichtliche Themen und sie organisierte musikalische Abende.[1]
Früh erkannte die Familie, dass sie in Regensburg nicht länger sicher sein würde, nachdem am 31. März 1933 im Zuge des sogenannten Judenboykotts das Praxisschild von Siegfried Weiner beschädigt wurde. Die jüdische Familie Weiner emigrierte 1933 nach Palästina[2] und ließ sich in Erez nieder. Siegfried Weiner war arbeitslos, da er als Rechtsanwalt das in Palästina geltende englische und türkische Recht nicht vertreten konnte.[1] Sie wurden 1940 durch die Nationalsozialisten ausgebürgert und ihr wurde der Doktortitel der LMU aberkannt.[3] Ihre Tochter Lore, die als Säuglingsschwester arbeitete, heiratete 1943 den Philosophen Hans Jonas, der aus Berlin geflohen war, und sie zogen gemeinsam nach Kanada. Sie bekamen drei Kinder. Hans Jonas erhielt 1987 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Sie lebten zuletzt in New Rochelle, Vereinigte Staaten.[4] Julius Franz Weiner starb 1948 in Jenin als Soldat im Arabisch-Israelischen Krieg.[5] Paula und Siegfried Weiner kehrten 1950 nach Deutschland zurück und lebten wieder in Regensburg. Bei der Ludwig-Maximilians-Universität München beantragte sie eine Bestätigung ihres Doktortitels, da sie diesen offiziell führen wollte. Aus diesem Anlass stellte die Fakultät erst den Entzug des Titels fest. Der Rektor stufte die „nazistische Maßnahme“ als unrechtmäßig und somit nicht erfolgt ein. So wurde sie ungewollt zu einer der wenigen Personen der Ludwig-Maximilians-Universität München, die in der unmittelbaren Nachkriegszeit individuell von ihrem Doktorentzug rehabilitiert wurde.[3]
Später zogen sie in die Vereinigten Staaten, um bei ihrer Tochter und den Enkelkindern zu leben, und kehrten 1960 für eine Reise zurück nach Deutschland. Paula Weiner-Odenheimer starb auf dieser Reise und wurde in Regensburg auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt. Drei Jahre später wurde dort auch ihr Mann bestattet.[1]
Ehrungen
Paula Weiner-Odenheimer wurde in Regensburg mit einem FrauenOrt geehrt.[6]
Einzelnachweise
- ↑ a b c Personen Detailseite – Digitales Gedenkbuch. In: saarbruecken.de. gedenkbuch.saarbruecken.de, abgerufen am 26. Dezember 2025.
- ↑ Redaktion: Vortrag: Der lange Weg nach New Rochelle. In: ostbayern-kurier.de. Ostbayern-Kurier, abgerufen am 26. Dezember 2025 (deutsch).
- ↑ a b Dezember 2014 - Universitätsarchiv - LMU München. In: uni-muenchen.de. -muenchen.de, abgerufen am 26. Dezember 2025.
- ↑ Biografische Daten – Hans Jonas Gesellschaft. In: hansjonas.de. Abgerufen am 26. Dezember 2025.
- ↑ citoidWikitext * NO TITLE PROVIDED. In: cjh.org. archives.cjh.org, abgerufen am 26. Dezember 2025.
- ↑ Starke Frauen Bayern: Paula Weiner-Odenheimer. In: bayerns-frauen.de. Starke Frauen Bayern, abgerufen am 26. Dezember 2025.