Paul Morgan (Geistlicher)

Paul William Morgan[1] (* 1964) ist ein britischer Geistlicher.

Leben

Paul William Morgan war zeitweise Distriktoberer der Priesterbruderschaft St. Pius X. im Vereinigten Königreich und lehnte in dieser Eigenschaft im Jahr 2011 die Einigungsvorschläge der römisch-katholischen Kirche ab.[2]

1988 von Marcel Lefebvre zum Priester geweiht, arbeitete Morgan zunächst vier Jahre in London.[3] 1992 begann er zusammen mit Stephen Abraham für die Piusbruderschaft auf den Philippinen zu missionieren, nachdem zunächst Patrice Laroche dort einen sondierenden Besuch gemacht hatte.[4] 1996 kehrte er nach England zurück, wo er zwei Jahre lang die St Michael's School in Burghclere[5] leitete, ehe er für fünf Jahre nach Post Falls in Idaho wechselte. Bis 2015 diente er dann der Bruderschaft als „district superior“ von Großbritannien, Irland und Skandinavien, legte danach ein Sabbatjahr in Montgardin ein und wurde 2016 Prior in Vancouver.

Im August 2017 reichte er sein Rücktrittsgesuch ein. In einem Interview im Jahr 2017 erklärte er, seitdem kein Apostolat mehr zu haben, aber zahlreiche Gemeinden zu besuchen, Messen zu feiern etc.[3] Unter der Überschrift „Fake Resistant Cartel“ wurde im Jahr 2018 die angebliche Unabhängigkeit Morgans hinterfragt: „Fr. Paul Morgan may look like just an independent priest, until one scratches the surface and looks a little closer. He is always over at Avrillé to take part in whatever function Bishop Williamson, Bishop Zendejas or Bishop Faure (often all three) are there to perform. His online catechism is promoted on the website of the “seer” Dawn Marie Anderson [...] his Mass times and other sacraments are not public but for those in the know only“. Morgan und Konsorten seien nicht grundsätzlich unabhängig, sondern nur „independent“ von allen, die nicht auf der Linie des Bischofs Williamson seien. Der Textabschnitt endete mit den Sätzen: „The truth is that such priests are part of an organisation - just a secret one. A cartel. A secret society. Call it what you will. What is hardest to forgive is the lack of basic honesty or genuine care for souls. What is most hair-raising is why. This is not how the Catholic Church operates; it is, however, the way in which her enemies have always operated. Beware.“[6] Hatte sich Morgan im Jahr 2009 noch gegen die rassistische und antisemitische Einstellung Richard Williamsons positioniert,[7] so ließ er sich im Jahr 2022 mehr oder weniger heimlich von Williamson und Giacomo Ballini zum Bischof weihen.[1]

In dem Artikel The bishop who is the new link between Catholic radicals and far right wurde Paul Morgan im September 2025 – beleglos – als gewählter Nachfolger („chosen successor“) Williamsons bezeichnet.[8]

Morgan leitete 2025 die Begräbnisfeierlichkeiten für Richard Williamson in der Westgate Hall in Canterbury, nachdem die Piusbruderschaft es abgelehnt hatte, eine ihrer Liegenschaften dafür zur Verfügung zu stellen.[9]

Wenig später wurde bekannt, dass sowohl Paul Morgan als auch Giacomo Ballini es zugelassen hatten, dass ein Mann, der zeitweise Unterschlupf bei Williamson in Broadstairs gefunden hatte, nachdem er wegen Kindesmissbrauchs seinen Status als Geistlicher verloren hatte, in England und Irland Messen las, Beichten hörte etc., dass sie aber auf diesbezügliche Klagen und Nachfragen von Gläubigen nicht reagierten.[10] Die Vorgänge wurden im Oktober 2025 von William Mahoney auf der Webseite des Lepanto-Institutes zusammengefasst; der Text wurde allerdings fast unmittelbar nach seinem Erscheinen gelöscht.[11] Mahoney hatte sich jedoch ohnehin ausschließlich auf bereits publizierte, online auffindbare Materialien bezogen und dabei mindestens einen Fehler begangen: Der YouTuber Brendan Kavanagh, der den Fall des „defrocked priests“ an die Öffentlichkeit gebracht hatte, wurde nicht, wie Mahoney behauptet hatte, im Juni, sondern schon im April 2025 verhaftet, nachdem Morgan und besagter „defrocked priest“ der Polizei gemeldet hatten, Kavanagh habe „harassment“ betrieben. Im Juni wurde der Fall ad acta gelegt, nachdem man Mangel an Beweisen („lack of evidence“) festgestellt hatte.

Ein weiterer Artikel über die Vorfälle sollte auf der Seite Wherepeteris.com erscheinen, wurde aber offenbar durch den Editor Mike Lewis zurückgewiesen, nachdem am 18. Oktober 2025 eine „last minute "legal challenge"“ stattgefunden hatte, die Lewis abgeschreckt hatte. Gareth Thomas Weaver, der Autor des geplanten Artikels, vermutete, hinter dieser Aktion stecke „the fake priest himself“, der nun auch noch in die Rolle des Anwalts Alan Robert Kershaw geschlüpft sei und ein fingiertes juristisches Schreiben verschickt habe. Thomas Weaver hatte zunächst mit großem Engagement recherchiert und den „fake priest“ auch bei der Catholic Safeguarding Standards Agency (CSSA) gemeldet. Dort war der Fall zwar schon bekannt, Details etwa zum aktuellen Aufenthaltsort des Mannes wurden aber gerne entgegengenommen. Thomas Weaver war aber sehr enttäuscht, als er feststellen musste, dass Kavanagh die Angelegenheit auch von einem wirtschaftlichen Standpunkt aus betrachtete und ihm schlechtes Marketing vorwarf.[12]

Morgan war nach Williamsons Tod im Januar 2025 in dessen Haus in Broadstairs gezogen und beschäftigte Stephen Abraham, der mit Williamson dort gewohnt hatte, als seinen Sekretär weiter. Abraham bestätigte laut Thomas Weaver telefonisch, dass der Mann, den Brendan Kavanagh mittlerweile gern aus „Father Fake“ bezeichnete, sowohl von Carlo Maria Viganò als auch von Richard Williamson die Priesterweihe empfangen hatte. Ebenso habe Abraham bei diesem Telefonat die Vermutungen bezüglich des aktuellen Aufenthaltsortes des Mannes bestätigt. Morgan selbst hielt sich laut Thomas Weaver weiterhin bedeckt. Thomas Weaver plädierte eindringlich dafür, die systemimmanenten „safeguarding loopholes“, die Schlupflöcher für Menschen wie den „fake priest“, zu beseitigen.[13]

Insofern spielte dieser Thomas Weaver in die Karten, als er ihm im späten Oktober 2025 eine Bescheinigung über seine fehlenden Vorstrafen übermittelte, die am 6. August 2024 vom französischen Justizministerium ausgestellt worden war. Genau dies sei doch das Problem, das er schon die ganze Zeit anspreche, erklärte Thomas Weaver: Wenn die kirchliche nicht mit der weltlichen Behörde kooperiere, könnten Personen wie „Father Fake“ weiterhin das Kindeswohl gefährden, ohne dass Polizei und Justiz eine Handhabe gegen sie hätten.[14] Wenige Tage später befasste sich Thomas Weaver, der sich eigentlich schon aus dem Fall hatte zurückziehen wollen, mit einer E-Mail, die der „defrocked priest“ ihm unter falschem Namen geschickt hatte. Darin hatte dieser darauf hingewiesen, dass das Mindestalter für einvernehmlichen Sex auf Martinique bei 15 Jahren liegt. Es könne also auch sein, meinte Gareth Thomas Weaver, dass die Polizei schlicht keine Handhabe gegen den Täter gehabt habe, falls nämlich das Opfer ein entsprechendes Alter gehabt habe. Die Ausnutzung eines Vertrauens- oder Machtverhältnisses, wie es zwischen einem Geistlichen und einem Jugendlichen anzunehmen sei, könne aber auch in diesem Fall zu der Strafe durch das „Dicastery for the Doctrine of the Faith“ geführt haben. Man wisse im Augenblick schlicht noch zu wenig über die Vorgänge auf Martinique.[15]

Einzelnachweise

  1. a b Sacre de Mgr Morgan. M. l’abbé Pivert, 13. August 2023, abgerufen am 10. Januar 2025 (französisch).
  2. Gernot Facius: Verständigung mit Vatikan: Piusbrüder machen Front gegen Einigungspapier. In: WELT. 3. November 2011, abgerufen am 10. Januar 2025.
  3. a b An interview with Fr. Paul Morgan, Former Superior of the SSPX District of the UK. Dominicans of Avrille, France, 18. Januar 2018, abgerufen am 10. Januar 2025 (amerikanisches Englisch).
  4. New Manila, Quezon City: Our Lady of Victories Church and the History of the Society of Saint Pius X in the Philippines. In: Lakbay ng Lakan. 16. August 2019, abgerufen am 10. Januar 2025 (englisch).
  5. In den Übersetzungen des Interviews, das auf YouTube zu finden ist, wird die Schule fälschlicherweise als „St Mary's School“ bezeichnet.
  6. The Recusant. Nr. 50, Januar 2020, S. 4 (stmaryskssspxmc.com [PDF]).
  7. Heidi Beirich: Pope Calls for Ousting of Holocaust Denying, Anti-Semitic Bishop Richard Williamson. SPLC, 29. Mai 2009, abgerufen am 10. Januar 2025 (englisch).
  8. Vgl. Jonathan Kershaw, The bishop who is the new link between Catholic radicals and far right, 7. September 2025 auf searchlightmagazine.com, abgerufen am 5. Oktober 2025
  9. Fascists and antisemites mourn death of rogue bishop, 7. März 2025 auf searchlightmagazine.com, abgerufen am 25. Juni 2025
  10. The Recusant. Nr. 63, 2025, S. 45 ff. (digitaloceanspaces.com [PDF]).
  11. Die archivierte Version von Mahoneys Text findet sich auf www.lepantoin.org.
  12. Vgl. Gareth Thomas Weaver: One thought on Perspectives, 20. Oktober 2025 auf equusasinus.net, abgerufen am 20. Oktober 2025.
  13. Gareth Thomas Weaver, Unregulated schismatic groups and safeguarding failures, 19. Oktober 2025 auf equusasinus.net
  14. Gareth Thomas Weaver, Fake priest Moran’s papers, 29. Oktober 2025 auf equusasinus.net
  15. Gareth Thomas Weaver, Addendum 2nd November 2025, 2. November 2025 auf equusanimus.net