Paul Gottereau

Alfred Jules Paul Gottereau (* 29. März 1843 in Perpignan; † 5. August 1924 in Marly-le-Roi) war ein französischer Architekt, dessen Werk maßgeblich die architektonische Szene Rumäniens, insbesondere in Bukarest, während der späten Monarchie prägte. Er gestaltete zahlreiche repräsentative öffentliche und private Gebäude in einem überwiegend neoklassizistischen und eklektizistischen Stil.

Biografie und Ausbildung

Alfred Jules Paul Gottereau war der Sohn des Ingenieurs Jean Alfred Gottereau. Er schrieb sich 1864 an der École Nationale Supérieure des Beaux-Arts in Paris ein, wo er bis 1866 Architektur studierte. Er beendete sein Studium ohne formelles Diplom.[1]

Anfang der 1870er-Jahre siedelte Gottereau nach Rumänien über. Hier wurde er zum Chefarchitekten der Königlichen Zivillistenverwaltung (Administraţia Casei Civile a M. S. Regelui) ernannt und war somit direkt für die Umsetzung der wichtigsten staatlichen und königlichen Bauprojekte unter König Carol I. verantwortlich. Diese Funktion machte ihn zu einem der einflussreichsten Architekten im Königreich Rumänien über einen Zeitraum von mehr als 30 Jahren.[2] Gottereaus architektonischer Stil wird dem Beaux-Arts-Stil zugeordnet, der sich durch Symmetrie, klassische Ornamente, hierarchische Raumaufteilung und die Verwendung von Säulenordnungen auszeichnete. In Rumänien trug er maßgeblich zur Optik des Bukarester Stadtbilds im sogenannten Petit Paris-Look bei. Anfang des 20. Jahrhunderts kehrte Gottereau nach Frankreich zurück, wo er 1924 in Marly-le-Roi verstarb.

Hauptwerke in Rumänien

  • CEC-Palast
    • Bauzeit: 1875–1900
    • Dieses repräsentative Bauwerk am Calea Victoriei gilt als eines seiner bekanntesten Projekte und ist ein markantes Beispiel des eklektizistischen Stils, der im späten 19. Jahrhundert in Bukarest populär war.
  • Zentrale Universitätsbibliothek „Carol I.“
    • Bauzeit: 1891–1893 (Eröffnung 1895)
    • Die Bibliothek wurde auf Initiative von König Carol I. errichtet. Gottereau lieferte den Entwurf für das monumentale Gebäude, das heute ein zentrales architektonisches Element des Revolutionsplatzes ist.[3]
  • Schloss Cotroceni (Umbau und Erweiterung)
    • Gottereau war maßgeblich an den Umbau- und Erweiterungsarbeiten des Cotroceni-Palastes beteiligt, der als Residenz des Kronprinzen diente.
  • Königlicher Palast in Bukarest (heutiges Nationales Kunstmuseum Rumäniens)
    • Zusammen mit Karel Liman war Gottereau ab 1882 an den umfangreichen Umbau- und Erweiterungsarbeiten beteiligt, die dem Königlichen Palast bis 1906 seine heutige Ausdehnung verliehen.[4]
  • Kunstmuseum Craiova (ehemaliger Palast „Jean Mihail“)
    • Bauzeit: 1899–1907
    • Dieser Palast, ursprünglich für den reichen Adligen Constantin Mihail errichtet, ist ein weiteres herausragendes Beispiel für den Neoklassizismus und Eklektizismus in Rumänien.

Neben diesen Großprojekten entwarf Gottereau zahlreiche private Residenzen für prominente rumänische Familien (u. a. Cantacuzino, Lahovari, Marghiloman).

Ehrungen

Literatur

  • George Opreanu: Paul Gottereau, un regal în arhitectură. Editura Simetria, Bukarest 2004.
  • Dinu C. Giurescu: The Razing of Romania's Past. Brookings Institution Press, Washington D.C. 1990, ISBN 0-8157-3171-X.
  • Academia Română: Istoria Românilor. Vol. VII/2: De la Independența la Marea Unire (1878–1918). Editura Enciclopedică, Bukarest 2003, ISBN 973-45-0430-4.
  • Constantin C. Giurescu: Istoria Bucureștilor. Din cele mai vechi timpurii pînă în zilele noastre. Editura Pentru Literatură, Bukarest 1966.
Commons: Paul Gottereau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Fundatia META: Paul Gottereau. (Biografie und Werkverzeichnis).
  2. Constantin C. Giurescu: Istoria Bucureștilor. Din cele mai vechi timpuri pînă în zilele noastre. Editura Pentru Literatură, Bukarest 1966, S. 331.
  3. Dinu C. Giurescu: The Razing of Romania's Past. Brookings Institution Press, 1990, S. 31.
  4. Academia Română: Istoria Românilor. Vol. VII/2: De la Independența la Marea Unire (1878–1918). Editura Enciclopedică, 2003, S. 784.