Pasquale Revoltella

Baron Pasquale Revoltella (* 16. Juni 1795 in Venedig; † 8. September 1869 in Triest[1]) war ein Bankier und Unternehmer in Triest.

Revoltella beteiligte sich maßgeblich an der Finanzierung des Sueskanals und war Vize-Präsident der Suezkanal-Gesellschaft (Compagnie Universelle du Canal Maritime de Suez). Er war an der Gründung bedeutender Unternehmen beteiligt, wie der Assicurazioni Generali und dem Lloyd Austriaco. Auch förderte er die kulturelle Entwicklung der Stadt Triest. Er hinterließ der Stadt sein umfangreiches Vermögen und zahlreiche soziale und kulturelle Einrichtungen wie das Museum Revoltella (Galerie für Moderne Kunst) und die Handelsschule, aus der später die Universität Triest entstand.

Leben

Pasquale Revoltella wurde am 16. Juni 1795 als Sohn des Händlers Giobatta Revoltella und seiner Ehefrau Domenica Privato in Venedig geboren. Nach dem Niedergang der Republik Venedig und der darauf folgenden wirtschaftlichen Krise zog die Familie 1797 nach Triest, das zur Habsburgermonarchie gehörte. Hier absolvierte er ab 1817 zunächst eine Lehre bei Theodor Necker, einem Kaufmann und Schweizer Konsul in Triest.[2] 1827 verlieh Necker ihm Prokura. Als Vertreter einer der bedeutendsten Handelsunternehmen der Stadt, erhielt Revoltella so Zugang zu den führenden Kreisen des Bank- und Finanzwesens. Revoltella pflegte zunehmend Kontakte zu bedeutsamen Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft und entwickelte ein ausgedehntes Beziehungsnetzwerk.

1831 beteiligte er sich als Aktionär an der Gründung der Versicherungsgesellschaft Assicurazioni Generali und nahm dort eine führende Position ein. 1833 gründete Revoltella zusammen mit anderen Händlern den Lloyd Austriaco (ab 1921 Lloyd Triestino), ein weiteres Versicherungsunternehmen mit Sitz in Triest.[2] Mitbegründer und enger Vertrauter von Revoltella war Karl Ludwig von Bruck (1798–1860), 1848 bis 1851 Handelsminister und 1855 bis 1860 Finanzminister des Kaisertums Österreich.

Erst 1835, im Alter von 38 Jahren, gründete Revoltella mit einem Startkapital von 30.000 Florentinern ein eigenes Handelsunternehmen, das ihm bereits nach kurzer Zeit zu großem Reichtum verhalf.

1850 trat Revoltella selbst aktiv in das politische Leben ein und wurde in den Stadtrat von Triest gewählt. In dieser Funktion unterstützte er zahlreiche Bauprojekte der Stadt wie z. B. den Ausbau des Hafens von Triest.

1853 und 1854 beauftragte Revoltella den Berliner Architekten Friedrich Hitzig (1811–1881) mit dem Bau einer Sommerresidenz, der Villa Revoltella, und einer Stadtresidenz, dem Palazzo Revoltella. Bei der Einweihung des Palastes am 23. Februar 1859 wurde Revoltellas sozialer Aufstieg und sein hohes gesellschaftliches Ansehen deutlich: Unter den Gästen befanden sich einflussreiche Persönlichkeiten wie der österreichische Finanzminister Karl Ludwig von Bruck, Erzherzog Ferdinand Maximilian und der französische Graf Ferdinand de Lesseps (1805–1894).[3]

Revoltella sah im Sueskanal einen großen Vorteil für den österreichischen Seehandel, aber vor allem für die wirtschaftliche Entwicklung seiner Heimatstadt Triest. Denn die günstigste und kürzeste Seeverbindung vom mittleren und Fernen Osten nach Europa führte über den Isthmus von Sues durch das Mittelmeer, die Adria hinauf bis nach Triest und ließ die Stadt in das Zentrum des Handels mit dem Orient rücken. Als die Wiener Ministerien kein Interesse zeigten, das Bauprojekt zu finanzieren, traf er sich 1858 in Paris mit Ferdinand de Lesseps[2] und beteiligte sich mit ca. 25 Mio. Gulden an der Gründung der Suezkanal-Gesellschaft (Compagnie Universelle du Canal Maritime de Suez). Lesseps wurde Präsident der Gesellschaft, Revoltella aufgrund seines umfangreichen Aktienanteils 1861 Vize-Präsident. Im gleichen Jahr reisten beide nach Ägypten, um den Fortschritt des Kanalbaus zu überprüfen. Aufgrund seines großen Engagements beim Bau des Sueskanals wurde Revoltella am 10. Mai 1867 von Kaiser Franz Joseph I. zum Baron ernannt.[2] Schon zu Lebzeiten engagierte sich Revoltella in kulturellen und sozialen Projekten seiner Heimatstadt.[2]

Am 9. September 1869 starb Revoltella nach einer schweren Krankheit in Triest, ohne die Eröffnung des Suezkanals am 3. November desselben Jahres noch mitzuerleben. Er wurde an der Seite seiner Mutter im Park seines Landhauses beigesetzt.

Im Laufe seines Lebens hat Revoltella zahlreiche öffentliche Ämter eingenommen und war Teilhaber oder Eigentümer zahlreicher Triestiner Unternehmen wie den genannten Versicherungen, einer Brauerei und einer Mehlfabrik.

Revoltellas Nachlass

Revoltella war nie verheiratet und hatte keine Kinder. Er vermachte der Stadt Triest den größten Teil seines Vermögens, darunter auch den Palazzo Revoltella.[2] Nach seinem Testament wurde das Gebäude und die darin enthaltene Kunstsammlung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Da eine Klausel der Schenkung bestimmte, dass alle zeitgenössischen Kunstrichtungen durch entsprechende Ankäufe berücksichtigt werden müssen, umfasst das heutige Städtische Museum Revoltella und Galerie für Moderne Kunst (Civico Museo Revoltella e Galleria d’Arte Moderna) nicht nur die Sammlung aus dem 19. Jahrhundert, sondern auch Werke späterer Kunstrichtungen. Die stetige Erweiterung der Sammlung führte in den vergangenen Jahren dazu, dass benachbarte Gebäude in das Museum einbezogen wurden. Es umfasst heute u. a. Werke von Pietro Magni (Il taglio dell'istmo di Suez, La ninfa di Aurisina), Anders Zorn und Franz von Stuck und beherbergt zahlreiche Ausstellungen und Veranstaltungen.

Revoltellas Landbesitz Villa Revoltella wurde der Öffentlichkeit ebenfalls zugänglich gemacht und dient heute als Stadtpark. Der Nachlass aus seinen zahlreichen Unternehmen wurde zur Gründung verschiedener anderer kultureller und sozialer Einrichtungen verwendet. 1877 wurde in Triest u. a. eine Handelsschule (italienisch Scuola Superiore di Commercio) gegründet, die später zur Universität Triest wurde.

Literatur

Werke

  • Oesterreich's Betheiligung am Welthandel. Betrachtungen und Vorschläge. Österreichischer Lloyd, Triest 1864.

Sekundärliteratur

Commons: Pasquale Revoltella – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Dan und Gregorat :Museo Revoltella, S. 6, 9.
  2. a b c d e f Dan und Gregorat :Museo Revoltella, S. 6.
  3. Dan und Gregorat :Museo Revoltella, S. 9.