Parlamentswahl auf den Komoren 2025

Die Parlamentswahlen auf den Komoren 2025 (französisch Élections législatives comoriennes de 2025) wurden am 12. Januar und am 16. Februar 2025 auf den Komoren durchgeführt. Die Assemblée de l’union des Comores wurde für fünf Jahre wiedergewählt. Die Kommunalwahlen (élections municipales) wurden am gleichen Tag durchgefüht wie die zweite Wahlrunde der Parlamentswahlen.

Wie schon bei den Parlamentswahlen 2020 und den Präsidentschaftswahlen 2024 wurde die Abstimmung durch schwerwiegende Unregelmäßigkeiten beeinträchtigt, die von der Opposition angeprangert wurden. Die Partei von Präsident Azali Assoumani, die Convention pour le renouveau des Comores (CRC), gewann im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit, doch in vier Wahlkreisen wurden die Ergebnisse aufgrund von Unregelmäßigkeiten annulliert, und es wurden am 30. Januar 2025 Nachwahlen abgehalten, wobei die CRC in drei davon den Sieg davontrug.

Nachdem alle Sitze in der ersten Runde vergeben waren, wurde die zweite Runde, welche ursprünglich für den 16. Februar 2025 vorgesehen war, gleichzeitig mit den Kommunalwahlen, nicht mehr durchgeführt.

Kontext

Präsidentschaftswahlen auf den Komoren 2024

Azali Assoumani kündigte am 6. November 2023 seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2024, für eine vierte Amtszeit und die dritte in Folge, an. Die Umsetzung der Verfassungsrevision von 2018, welche den Zähler der Anzahl der Präsidentschaftsmandate zurückgesetzt hatte.

Der Sieg von Azali Assoumani wurde von der Unabhängigen Nationalen Wahlkommission (commission électorale nationale indépendante, CENI) am 16. Januar 2024 bekannt gegeben. Bei einer Wahlbeteiligung von 16 % und einer Auszählung von 63 % der Stimmen widersprach dies den vorläufigen Schätzungen von 60 %. Diese Unstimmigkeiten, gepaart mit einer Rekord-Wahlenthaltungsrate von 84 %, führten zu Betrugsvorwürfen der Opposition.[1] Die Bekanntgabe der Ergebnisse löste in Moroni gewaltsame Ausschreitungen aus, bei denen es zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften kam, in deren Folge ein Demonstrant erschossen und weitere verletzt wurden. Am 18. Januar rief die Opposition erfolglos zu einem nationalen Mobilisierungstag auf für den 19. Januar.[2][3]

Der Oberste Gerichtshof bestätigt das Endergebnis am 24. Januar. Die Einsprüche der Opposition wurden zurückgewiesen. Die endgültigen Zahlen wichen von den vorläufigen Ergebnissen ab: Assoumani erhielt 57 % der Stimmen, und die Wahlbeteiligung stieg von 16 % auf über 56 %[4] Er wurde am 26. Mai für eine vierte Amtszeit vereidigt.[5]

Assoumanis wachsender Autoritarismus

Am 30. April 2024 wurde der Vorsitzende der Oppositionspartei Organisation républicaine pour l’avenir des nouvelles générations (ORANGE), Mohamed Daoudou, verhaftet. Ihm wurde vorgeworfen, einen Polizeibeamten gefährdet, Gewalt ausgeübt, entführt, Propaganda betrieben und zu Gewalt angestiftet zu haben. Außerdem warf man ihm vor, Aktionen zur Störung der Amtseinführung von Präsident Assoumani vorbereitet zu haben, dessen Wahlsieg er anfocht.[6][7] Am 7. August 2024 ernannte Assoumani seinen Sohn und mutmaßlichen Nachfolger Nour el-Fath Azali zum Generalsekretär der Regierung. Dieser verfügte über wichtige Befugnisse, wie etwa die Ratifizierung oder Ablehnung aller Ministererlasse, und konnte somit in verschiedenen Phasen des Regierungsentscheidungsprozesses eingreifen. Diese Rolle, die der eines Premierministers ähnelte, wurde von seinem politischen Gegner Saïd Larifou als „monarchische statt demokratische Praxis“ („des pratiques monarchiques plutôt que démocratiques“) kritisiert.[8] Am 13. September wurde Assoumani während der Beerdigung eines Geistlichen Opfer eines Attentats. Laut Präsidialamt wurde Assoumani „durch eine Stichwaffe leicht verletzt“. Sein Angreifer war ein junger Soldat namens Ahmed Abdou, der noch am selben Tag festgenommen wurde und am folgenden Tag in Haft starb. Die Hintergründe des Angriffs sind weiterhin unklar. Die Ermittlungen zu seinem Tod wurden vorzeitig eingestellt, was Kontroversen auslöste, und die Regierung zögerte nicht, Personen einzuschüchtern, die die offizielle Version der Ereignisse infrage stellten.[9]

Organisation

Im Februar 2023 erhöhte ein von 21 Parlamentsabgeordneten verabschiedetes Gesetz die Anzahl der Wahlkreise für die Unionsversammlung von 24 auf 33, um die Repräsentation der verschiedenen Regionen des Landes zu verbessern. Grande Comore erhielt 16 Sitze, Anjouan 12 und Mohéli 5.[10][11] Assoumani rief per Dekret vom 12. Oktober 2024 die Abhaltung von Parlamentswahlen für den 12. Januar 2025 für die erste Runde ein, gefolgt von einer zweiten Runde am 16. Februar. Diese sollte gleichzeitig mit den Kommunalwahlen organisiert werden.[12] Am 10. Oktober 2024 beschlossen die Oppositionsparteien, sich in einer einzigen Struktur, der Vereinigten Opposition der Komoren (Opposition unie des Comores, OUC) gegen das herrschende Regime zusammenzuschließen. Ihre Hauptforderung blieb die Organisation von Wahlen auf der Grundlage der Fomboni-Abkommen (Accords de Fomboni), die eine rotierende Präsidentschaft zwischen den verschiedenen Inseln des Archipels vorsahen.[13]

Wahlsystem

Die Unionsversammlung ist das Einkammerparlament der Komoren. Sie besteht aus 33 Abgeordneten, die in ebenso vielen Wahlkreisen für eine fünfjährige Amtszeit nach dem Mehrheitswahlrecht mit zwei Wahlgängen gewählt werden. In jedem Wahlkreis gewinnt der Kandidat, der im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erzielt. Erreicht kein Kandidat die absolute Mehrheit, findet ein zweiter Wahlgang zwischen den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen aus dem ersten Wahlgang statt. Der Kandidat mit den meisten Stimmen wird zum gewählten Abgeordneten erklärt.[14] Ein im Jahr 2000 verabschiedetes Gesetz regelt die Wahl der Unionsversammlung.Februar 2023Die Anzahl der per Direktwahl zu besetzenden nationalen Wahlkreise wird von 24 auf 33 erhöht, um die Repräsentation der verschiedenen Wahlkreise zu verbessern. Die Insel Grande Comore hat 16 Sitze, Anjouan 12 und Mohéli 5.[15][11]

Es sind zudem zwei Sitze für Abgeordnete reserviert, die Komorer vertreten, die außerhalb der Komoren leben.[11] In der Praxis werden diese Sitze jedoch nicht besetzt, da es kein Gesetz zur Einrichtung von Auslandswahlkreisen gibt.[16]

Wahlkampf

Wie schon bei den vorherigen Wahlen im Jahr 2020 beschloss die Opposition, die Abstimmung zu boykottieren. Die Juwa-Partei des ehemaligen Präsidenten Ahmed Abdallah Mohamed Sambi prangerte das „Klima der Repression durch das Regime“ („le climat de répression du régime“) an.[17] Am 5. Dezember 2024 veröffentlichte der Oberste Gerichtshof die offizielle Kandidatenliste, bestätigte 107 Kandidaturen und wies neun weitere zurück.[18] Die Opposition kritisierte diese Bekanntgabe, da Kandidaten der vorläufigen Liste der Wahlkommission fehlten, insbesondere der ehemalige Innenminister Mohamed Daoudou und Abdallah Djae Nourdine, der im selben Wahlkreis wie Präsident Azali Assoumanis Sohn Nour el-Fath Azali kandidierte.[19] Auf der Insel Mohéli führte der Boykott der lokalen politischen Klasse dazu, dass nur in einem der fünf Wahlkreise zwei Kandidaten antraten[20] Einige Oppositionelle widersetzten sich dem Boykott jedoch und traten gegen die Partei des Präsidenten, die Convention pour le renouveau des Comores (CRC) an.[21]

Der Beginn des Wahlkampfs war geplant für den 11. Dezember 2024 und sollte am 10. Januar 2025 zu Ende sein.[15] Da nur acht von 107 Kandidaten Frauen sind, wurde die Debatte über ihre Repräsentation im politischen Leben des Landes neu entfacht. Trotz der Erklärungen von Präsident Azali Assoumani, der eine stärkere Beteiligung von Frauen an der Politik forderte, stellte seine Partei nur fünf Frauen von 33 Kandidaten auf.[22]

Auf Ersuchen der komorischen Regierung entsandten die Ostafrikanische Eingreiftruppe (Force en attente de l’Afrique Orientale), die Afrikanische Union und die Internationale Organisation der Frankophonie (Organisation internationale de la francophonie) Beobachter für die erste Abstimmungsrunde.[23][24][25]

Ergebnisse

Ergebnisse der Wahlen auf den Komoren 2025
Partei Stimmen % Veränderung Sitze +/−
Convention pour le renouveau des Comores (CRC) 114.261 69,60  8,66 31 +11
Organisation républicaine pour l’avenir des nouvelles générations (ORANGE) 8.104 4,94  0,62 0 −2
Parti pour la réforme des institutions (PARI) 6.674 4,07 1 +1
Espoir des Comores (TWAMAYA)gü 2.496 1,52
Rassemblement démocratique des Comores pour l'égalité (RDCE) 2.513 1,53 0,26
Parti SWAUTI 711 0,43
Unabhängige 29.404 17,91   12,91 1 −1
Gültige Stimmen 164.163 68,72
Nicht abgestimmt 6.845 2,86
Gesamt 238.895 100 33[26] +9
Nicht gewählt 100.045 29,52
Wahlberechtigte/ Wahlbeteiligung 338.940 70,48

Analyse und Konsequenzen

Am 13. Januar 2025 verweigerte die Vereinigte Opposition der Komoren die Teilnahme an der Stichwahl und begründete dies mit schwerwiegenden Unregelmäßigkeiten wie Wahlfälschung, die sie nach eigenen Angaben bereits in der ersten Runde beobachtet hatte. In einer Stellungnahme gegenüber der AFP verurteilte sie die Wahl als „die schlimmste Wahlfarce unserer 50-jährigen Unabhängigkeit“ („la pire des mascarades électorales de notre demi-siècle d'indépendance“).[27][28]

Ein Video, das sich im Land rasant verbreitete und mutmaßliche Wahlfälschung durch einen Mann in Moroni zeigte, veranschaulicht die betrügerischen Praktiken eindrücklich.[29]

Einzelnachweise

  1. Noé Hochet-Bodin: Comores: le président, Azali Assoumani, réélu pour un troisième mandat après une élection controversée. In: Le Monde. lemonde.fr. 17. Januar 2024, abgerufen am 12. Januar 2025 (französisch).
  2. David Baché, Abdallah Mzembaba: Comores: les réactions après l’appel à manifester non suivi de l’opposition. In: Radio France internationale. 21. Januar 2024, abgerufen am 12. Januar 2025 (französisch).
  3. Agence France-Presse (AFP): Comores: l’opposition appelle le pays à manifester vendredi. In: L’Orient-Le Jour. lorientlejour.com. 18. Januar 2024, abgerufen am 12. Januar 2025 (französisch).
  4. Noé Hochet-Bodin: Comores: la Cour suprême valide l’élection d’Azali Assoumani, l’opposition rejette les résultats «en bloc». In: Le Monde. lemonde.fr. 24. Januar 2024, abgerufen am 15. Februar 2024 (französisch).
  5. Comoros President sworn in for fourth term after disputed poll. In: Reuters. reuters.com. 26. Mai 2024, abgerufen am 27. Mai 2024 (englisch).
  6. Raphaël Cann: Le dirigeant du parti Orange, Mohamed Daoudou, arrêté aux Comores. In: Mayotte La Première. la1ere.francetvinfo.fr. 2. Mai 2025, abgerufen am 1. April 2025 (französisch).
  7. Abdallah Mzembaba: Comores: l’ancien ministre de l’Intérieur Daoudou Abdallah Mohamed arrêté. In: Radio France internationale. rfi.fr. 3. Mai 2024, abgerufen am 1. April 2024 (französisch).
  8. Agence France-Presse. (AFP): Le président des Comores accorde de nouveaux pouvoirs à son fils. In: Voice of America. voaafrique.com. 7. August 2024, abgerufen am 21. Januar 2025 (französisch).
  9. Noé Hochet-Bodin: Aux Comores, la justice clôt l’enquête sur la mort de l’agresseur du président Azali Assoumani. In: Le Monde. lemonde.fr. 27. September 2024, abgerufen am 7. Februar 2025 (französisch).
  10. Découpage électoral: désormais 33 sièges à l’Assemblée nationale. In: Al-fajr. al-fajrquotidien.com. 8. Februar 2023, abgerufen am 12. Januar 2025 (französisch).
  11. a b c Décret N°23-018/PR portant promulgation de la loi N°23-002/AU du 6 février 2023, fixant le nombre de circonscriptions électorales de l’élection des membres de l’Assemblée de l’union des Comores. (pdf) In: droit-et-politique-en-afrique.info. 11. Februar 2023, abgerufen am 12. Januar 2025 (französisch).
  12. Ibnou Mohamed: Élections législatives et communales: Les Comoriens appelés aux urnes le 12 janvier. In: La Gazette des Comores. lagazettedescomores.com. 14. Oktober 2024, abgerufen am 13. Januar 2025 (französisch).
  13. Abdallah Mzembaba: Aux Comores, l’opposition se coalise «pour lutter contre la mauvaise gouvernance». In: Radio France internationale. rfi.fr. 11. Oktober 2024, abgerufen am 28. Januar 2025 (französisch).
  14. Interparlamentarische Union. archive.ipu.org: Comores Assemblée de l’Union. Texte intégral. Abgerufen am 6. November 2019 (französisch).
  15. a b Comores: les élections législatives et communales auront lieu en janvier et février 2025. In: Radio France internationale. rfi.fr. 13. Oktober 2024, abgerufen am 11. Januar 2025 (französisch).
  16. A. S. Kemba: Elections législatives et communales. Le collège électoral convoqué pour un double scrutin. In: Al-Watwan. alwatwan.net. 14. Oktober 2024, abgerufen am 13. Januar 2025 (französisch).
  17. Ibnou Mohamed: Législatives et communales 2025: le parti Juwa boycotte. In: La Gazette des Comores. lagazettedescomores.com. 5. November 2024, abgerufen am 12. Januar 2025 (französisch).
  18. Chamsoudine Said Mhadji: Élections législatives et communales 2025. La Cour suprême publie la liste définitive des candidats. In: Al-Watwan. alwatwan.net. 6. Dezember 2024, abgerufen am 12. Januar 2025 (französisch).
  19. Ilona Youssouffa: Comores: des opposants d’Azali Assoumani recalés pour les législatives de 2025. In: Mayotte La Première. la1ere.francetvinfo.fr. 6. Dezember 2024, abgerufen am 12. Januar 2025 (französisch).
  20. Abdallah Mzembaba: Législatives aux Comores: sur l’île de Mohéli, la classe politique boycotte le scrutin. In: Radio France internationale. rfi.fr. 7. Januar 2025, abgerufen am 12. Januar 2025 (französisch).
  21. Abdallah Mzembaba: Aux Comores, certains opposants sont candidats aux législatives malgré le boycott. In: Radio France internationale. rfi.fr. 8. Januar 2025, abgerufen am 14. Januar 2025 (französisch).
  22. Abdallah Mzembaba: Comores: la campagne des législatives relance le débat sur la représentation des femmes en politique. In: Radio France internationale. rfi.fr. 5. Januar 2025, abgerufen am 12. Januar 2025 (französisch).
  23. Organisation internationale de la francophonie: Comores: déploiement d’une Mission électorale de la Francophonie. In: francophonie.org. 8. Januar 2025, abgerufen am 25. Februar 2025 (französisch).
  24. Législatives: Annonce de l’arrivée de la mission d’observation électorale de l’Union Africaine. In: Habariza Comores. habarizacomores.com. 10. Januar 2025, abgerufen am 25. Februar 2025 (französisch).
  25. Mohamed Ali Nasra: Élections législatives: 24 observateurs de la MOE-EASF aux Comores. In: La Gazette des Comores. lagazettedescomores.com. 10. Januar 2025, abgerufen am 25. Februar 2025 (französisch).
  26. Die zwei Parlamentsmitglieder, welche die Auslands-Komorer repräsentieren, sind hier nicht eingerechnet.
  27. Abdallah Mzembaba: Législatives aux Comores: l’opposition rejette les résultats du premier tour et refuse de participer au second. In: Radio France internationale. rfi.fr. 14. Januar 2025, abgerufen am 24. Januar 2025 (französisch).
  28. Fabrice Floch: Législatives aux Comores: le parti présidentiel majoritaire à l’Assemblée nationale. In: Réunion La Première. la1ere.francetvinfo.fr. 16. Januar 2025, abgerufen am 25. Februar 2025 (französisch).
  29. Chloé Lauvergnier: Législatives aux Comores: une vidéo montre un supposé bourrage d’urnes dans un bureau de vote. In: observers.france24.com France 24. 20. Januar 2025, abgerufen am 28. Januar 2025 (französisch).