Panzerjägertruppe (Bundeswehr)

Die Panzerjägertruppe war eine Truppengattung des Heeres der Bundeswehr. Sie zählte zuletzt zu den gepanzerten Kampftruppen. Hauptaufgabe war die Panzerabwehr. Im Jahr 2006 wurde die Panzerjägertruppe außer Dienst gestellt.

Auftrag

Auftrag war die Panzerabwehr – also die Bekämpfung feindlicher Kampf- und Schützenpanzer. Gleichzeitig konnte die Truppe Geländeräume überwachen. Die Panzerjägertruppe kämpfte, ausgestattet mit Jagdpanzern, im Verbund mit der Panzer- und Panzergrenadiertruppe und war dazu mittels selbständiger Kompanien bei der Brigade, später zugweise in die schweren Panzergrenadierkompanien eines jeden Panzergrenadierbataillons eingegliedert. Ihre Panzer konnten dabei die Flanken der eigenen Panzer- und Panzergrenadierverbände schützen oder deren Feuer in der Panzerabwehr aus zweiter Linie verstärken.

Jagdpanzer waren kostengünstige Waffensysteme, die durch ihre niedrige Silhouette vor allem in vorbereiteten Stellungen unauffällig waren. Ihre weitreichende und durchschlagskräftige Panzerabwehrkanone, später auch ihre Panzerabwehrlenkwaffen in Verbindung mit leistungsfähiger Optik und Zielerfassung ermöglichten die Bekämpfung auch weit entfernter und schwer gepanzerter Ziele.

Anders als Kampfpanzer verfügten Jagdpanzer über keinen drehbaren Panzerturm, was den Wirkungsbereich erheblich einschränkte; allerdings konnte der Jagdpanzer selbst sehr schnell auf der Stelle drehen. Der Schwerpunkt der eigenen Panzerung lag in Erwartung eines Frontalangriffs auf der Stirnseite, während die anderen Seiten relativ schwach gepanzert waren. Der fehlende Turm und die selektive Panzerung trugen zu den relativ geringen Kosten und der schnellen Produktionszeit der Jagdpanzer bei. Aufgrund dieser Merkmale war es daher das Ziel, aus überhöhten, zumeist flankierenden und entlang der zu erwartenden Angriffsrichtung vorbereiteten Feuerstellungen heraus angreifende feindliche Panzerfahrzeuge zu bekämpfen, noch bevor diese die Jagdpanzer in ihren getarnten Stellungen aufklären und bekämpfen konnten und/oder noch bevor die Jagdpanzer in die Reichweite der feindlichen Kampfpanzer gelangten.

Geschichte

Aufstellung

1955 – 1959 Heeresstruktur 1

Die Panzerjägertruppe der Bundeswehr wurde 1956 als eigene Waffengattung aufgestellt. Ihre Entwicklung war von Beginn an stark durch die jeweils verfügbaren Waffensysteme geprägt und spiegelte die wechselnden Heereskonzeptionen besonders deutlich wieder. Historische Erfahrungen aus der Wehrmacht, insbesondere mit Panzerjägerverbänden und Sturmgeschützen, flossen in Aufbau und Ausbildung ein.

In der ersten Entwicklungsphase wurden sieben Panzerjägerbataillone als Divisionstruppen aufgestellt. Diese waren den fünf ersten Heeresdivisionen (1–5) sowie der Gebirgsjägerdivision (Panzerjägerbataillon 8) und der Luftlandedivision (Panzerjägerbataillon 9) zugeordnet. Zusätzlich bestand bei der Panzerjägerschule in Bremen ein Panzerjäger-Lehrbataillon.

Die Ausrüstung der Panzerjägerbataillone bestand zunächst aus dem leichten US-Kampfpanzer M41, später ergänzt durch den M47. Jedes Panzerjägerbataillon gliederte sich in drei Panzerjägerkompanien mit jeweils 22 Kampfpanzern, ergänzt durch vier Fahrzeuge der Bataillonsführung.

Parallel dazu begannen Überlegungen zur Entwicklung eines deutschen Kanonenjagdpanzers, der ursprünglich aus der geplanten Schützenpanzerfamilie hervorgehen sollte. Ein erster Ansatz (HS 30-Kanonenjagdpanzer) scheiterte jedoch noch vor der Einführung an technischen und konzeptionellen Mängeln, sodass ab 1959 eine Neuentwicklung aufgenommen wurde.

In den Panzergrenadier-, Grenadier- und Jägerbataillonen war zwar planmäßig jeweils ein sogenannter ZBv-Gruppe Panzerjäger (zur besonderen Verwendung) vorgesehen, dieser wurde jedoch in der Praxis entweder gar nicht oder nur unzureichend aufgestellt. Ursache hierfür waren insbesondere materielle Engpässe, fehlende Standardisierung sowie die noch ungeklärte konzeptionelle Einbindung der infanteristischen Panzerabwehr.

Soweit solche Gruppen überhaupt existierten, wiesen sie eine große Bandbreite unterschiedlicher Fahrzeuge und Waffensysteme auf, sodass eine einheitliche Gliederung oder Ausrüstung nicht gegeben war. Zum Einsatz kamen unter anderem Leichtgeschütze 106mm, improvisierte Trägerfahrzeuge, M41 Leichte Panzer sowie britische Bren Carrier mit SS-11 Raketen oder vergleichbare Behelfslösungen. Eine genaue und vollständige Auflistung dieser Varianten ist aufgrund der Vielfalt und der oft nur kurzfristigen Nutzung kaum möglich.[1]

1959 – 1970 Heeresstruktur 2

Mit Einführung der Heeresstruktur 2 wurden die Panzerjägerbataillone wieder aufgelöst und erneut in Panzerjägerkompanien gegliedert. Die bis dahin eingesetzten Kampfpanzer M41 Walker Bulldog und M47 Patton blieben zunächst weiterhin im Dienst und wurden übergangsweise noch zur Panzerabwehr herangezogen.

Erst in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre erfolgte ihre schrittweise Aussonderung aus der Panzerjägertruppe. Der M41 wurde danach überwiegend nur noch bei den Panzeraufklärungseinheiten verwendet, während der M47 vollständig aus der aktiven Nutzung verschwand.

Untersuchungen zur Modernisierung, etwa durch den Einbau leistungsfähigerer Motoren oder die Umrüstung auf andere Kanonensysteme, wurden zwar geprüft, jedoch aus Kosten-Nutzen-Gründen nicht weiterverfolgt.

Die Panzerjägertruppe setzte stattdessen schwerpunktmäßig auf die Panzerabwehrlenkwaffe SS 11, eingeführt auf dem Raketenjagdpanzer 1 und 2, und ergänzte diese Fähigkeit ab 1965 durch den Kanonenjagdpanzer mit 90-mm-Kanone als speziell konzipiertes, gepanzertes Panzerabwehrfahrzeug.

Parallel dazu wurden in den Panzergrenadiebataillonen Panzerjägerzüge aufgestellt. Diese waren je nach Gliederung entweder mit drahtgelenkten Panzerabwehrlenkwaffen vom Typ COBRA oder mit Leichtgeschützen 106mm auf Lkw 0,25t DKW bzw. auf dem Schützenpanzer HS 30 ausgerüstet. Dadurch verfügten die infanteristischen Verbände erstmals über eine organische, bewegliche Panzerabwehrfähigkeit auf Kompanieebene.[1]

1970 – 1980 Heeresstruktur 3

Mit Einführung der Heeresstruktur 3 kam es erneut zu einer Stärkung der Panzerjägertruppe in Bataillonsstärke. Neben den weiterhin bestehenden selbstständigen Panzerjägerkompanien der Panzer- und Panzergrenadierbrigaden wurden wieder Panzerjäger- und Gebirgspanzerjägerbataillone aufgestellt.

Diese Bataillone waren in drei Kampfkompanien gegliedert. Die beiden ersten Kompanien verfügten jeweils über 16 Kanonenjagdpanzer oder alternativ Kampfpanzer M48. Die dritte Kompanie besaß zusätzlich zwei Raketenzüge mit insgesamt acht Raketenjagdpanzern 2 (SS 11).

Als Reaktion auf die fortgesetzte Aufrüstung der Sowjetunion wurde die Bundeswehr in der zweiten Hälfte der 1970er-Jahre umfassend mit neuem Wehrmaterial ausgestattet. Für die Panzerjägertruppe bedeutete dies insbesondere die Einführung moderner Panzerabwehrlenkflugkörper, darunter die HOT, die eine deutlich gesteigerte Reichweite, Treffergenauigkeit und Gefechtsentfernung gegenüber den Systemen der ersten Generation boten.

Im Rahmen der Heeresstruktur 3 bestanden fünf Panzerjägerbataillone, ergänzt durch 17 Panzerjägerkompanien (Rak) mit jeweils 13 Raketenjagdpanzern 2 sowie zehn Panzerjägerkompanien mit 16 Kanonenjagdpanzern und acht Raketenjagdpanzern 2. Eine Besonderheit stellte die Panzerjägerkompanie 300 (Ellwangen) dar, die als erste Einheit mit dem Panzerabwehrlenkflugkörpersystem TOW ausgerüstet war, dieses jedoch noch auf ungepanzten Lkw einsetzte.

Mit dem Umgliederungsbefehl Nr. 98/70 – Heer – vom 8. Dezember 1970 wurden unter anderem die 2. Grenadierdivision und die 4. Grenadierdivision in Jägerdivisionen umbenannt und entsprechend umgegliedert. In diesem Zusammenhang erhielten die bisherigen Panzer- bzw. Panzergrenadierbataillone dieser Divisionen die Bezeichnung Panzerjägerbataillone. Diese Verbände wurden mit Kanonenjagdpanzern oder Kampfpanzern M48 ausgerüstet.

Auch die im Zuge der Heeresstruktur 3 aufgestellten Heimatschutzkommandos verfügten über je zwei Panzerjägerkompanien, eine aktive und eine als Geräteeinheit.[1]

1980 – 1992 Heeresstruktur 4

Mit der Einführung der Heeresstruktur 4 wurden die zuvor aufgestellten Jägerdivisionen wieder in Panzergrenadierdivisionen rückgegliedert.

Gleichzeitig wurden die im Rahmen der Heeresstruktur 3 aufgestellten Panzerjägerbataillone erneut aufgelöst beziehungsweise in selbständige Panzerjägerkompanien umgegliedert.

Jede dieser Panzerjägerkompanien bestand aus vier Panzerjägerzügen mit jeweils vier Raketenjagdpanzern Jaguar 1 oder Jaguar 2. Zusätzlich verfügte die Kompanieführung über einen weiteren Raketenjagdpanzer als Fahrzeug des Kompanieführers (KpFü) (Insgesamt 17 Raketenjagdpanzer).

Zu diesem Zeitpunkt war deutlich geworden, dass der Kanonenjagdpanzer mit seiner 90-mm-Kanone gegenüber den modernen sowjetischen Kampfpanzerentwicklungen (T-62, T-64, T-72) zunehmend an Wirksamkeit verlor. Eine umfassende Modernisierung dieses Waffensystems hätte einen unverhältnismäßig hohen Kostenaufwand erfordert.

In der Folge wurde der Kanonenjagdpanzer aus den aktiven Panzerjägerverbänden des Feldheeres ausgegliedert und an nicht aktive Panzerjägerverbände des Territorialheeres (Heimatschutzregimentern der VBK's) abgegeben. Ein Teil der Fahrzeuge wurde umgebaut:

  • teilweise zur Raketenjagdpanzer-Variante Jaguar 2 mit TOW,
  • teilweise nach Entfernung der Hauptbewaffnung zu Beobachtungspanzern, unter anderem als Artilleriebeobachtungspanzer.

Mit der Umsetzung der Heeresstruktur 4 verlor die Panzerabwehrlenkwaffe SS 11(Raketenjagdpanzern 2) endgültig ihre militärische Bedeutung und wurde ersatzlos außer Dienst gestellt.

Die Raketenjagdpanzer Jaguar 1 und Jaguar 2 erwiesen sich gegenüber den bisherigen Systemen als deutlich überlegen, insbesondere hinsichtlich Feuerkraft, Reichweite und Treffgenauigkeit. Infolgedessen verlagerte sich die Panzerabwehr der Bundeswehr ab den 1980er-Jahren zunehmend auf den Einsatz lenkflugkörpergestützter Systeme.

Eine Ausnahme bildeten die dem Territorialheer zugeordneten Heimatschutzbrigaden. Diese verfügten weiterhin über M48-Kampfpanzer in der Panzerjägerrolle. Ende der 1970er-Jahre und zu Beginn der 1980er-Jahre wurden diese Fahrzeuge mit der 105-mm-Kanone L7, wie sie auch im Leopard 1 verwendet wurde, nachgerüstet, wodurch ihre Feuerkraft und Durchschlagsleistung deutlich gesteigert wurde.[1]

1993–1997: Heeresstruktur 5 / 5 N

Mit der Einführung der Heeresstruktur 5 und 5 N ab 1993 wurde etwa 40 % der im Feldheer befindlichen Panzerjägerkompanien aufgelöst. Ein kleiner Teil dieser Verbände wurde in nicht aktive Verbände (Geräteeinheiten) überführt, während der verbleibende Anteil zunächst weiterhin aktiv im Feldheer verblieb.

Die im Territorialheer eingesetzten Heimatschutzregimenter und Heimatschutzbrigaden mit ihren Panzerjägerzügen – ausgestattet mit Kanonenjagdpanzern und M48-Kampfpanzern – wurden vollständig und ersatzlos aufgelöst.

Die Kanonenjagdpanzer wurden überwiegend verschrottet oder als Hartziele auf Truppenübungsplätzen verwendet. Ein geringer Teil der M48-Kampfpanzer wurde zu Minenräumpanzern Keiler umgebaut.

Ab etwa Mitte der 1990er-Jahre wurde der Raketenjagdpanzer Jaguar 2 aus der Truppe ausgesondert. Ausschlaggebend hierfür waren unter anderem der geringe Schutz beim Kampf oberhalb der Luke sowie der daraus resultierende fehlende ABC-Schutz.

Parallel dazu wurde der Raketenjagdpanzer Jaguar 1 mit einem Wärmebildgerät nachgerüstet und erreichte dadurch die volle Tag- und Nachtkampffähigkeit.

Gegen Ende der Heeresstruktur 5 N im Jahr 1996 und mit dem endgültigen Wegfall der sogenannten „Restbedrohung aus dem Osten“ wurde deutlich, dass der weitere Einsatz selbständiger Panzerjägerkompanien nicht mehr erforderlich war. In der Folge verloren die verbliebenen Panzerjägerkompanien ihre Selbständigkeit und wurden als Panzerjägerzüge in die Panzergrenadierbataillone integriert. Damit endete die eigenständige Organisationsform der Panzerjägerkompanien endgültig.

Ab etwa 1996 verblieben in der Bundeswehr nur noch der Raketenjagdpanzer Jaguar 1 sowie der Waffenträger Wiesel 1 TOW in der klassischen Rolle der Panzerjäger. Der Wiesel 1 TOW wurde dabei insbesondere in den Jägerverbänden sowie bei den Fallschirmjägereinheiten eingesetzt und bildete dort das zentrale gepanzerte Panzerabwehrmittel.

Auflösung

Mit der Abschaffung des Waffensystems Jaguar 2 im Jahr 1996, und des Jaguar 1 im Jahr 2005 wurde die Panzerjägertruppe als Truppengattung 2006[2] aufgelöst und das bestehende Personal in die Panzertruppe, zu Teilen aber auch in die Panzeraufklärungstruppe sowie die Panzergrenadiertruppe eingegliedert.

Zu dieser Entwicklung trugen mehrere Faktoren bei. Zum einen war nach Ende des Kalten Krieges die Abwehr großer feindlicher Panzerverbände ein unwahrscheinliches Szenario. Zum anderen waren Fortschritte in der Waffentechnik dafür verantwortlich, dass die auf die Panzerjagd spezialisierten Jagdpanzer zunehmend durch andere Waffensysteme ersetzt werden konnten. Der Kampfpanzer Leopard 2 hatte eine beträchtliche Reichweite und Durchschlagskraft gepaart mit einer geeigneten Zielerfassung, die die effektive Panzerabwehr ermöglichte. Die Infanterie und die Panzergrenadiertruppe waren durch den Zulauf der Panzerabwehrlenkwaffe MILAN sowie der TOW nun ebenfalls in der Lage, feindliche Panzerfahrzeuge auf große Entfernung effektiv zu bekämpfen. Im Rahmen des Gefechts der verbundenen Waffen und der Entwicklung neuartiger Suchzünder-Munition für die Artillerie (die Bundeswehr setzt hierzu SMArt 155 ein) unterstützt heute die Artillerie bei der Panzerabwehr durch weitreichendes Feuer. Die Panzerabwehr wurde außerdem zunehmend durch Panzerabwehrhubschrauber wahrgenommen. Durch Fortschritte der vernetzten Kriegsführung können größere Panzeransammlungen auch durch Jagdbomber im Rahmen der Luftnahunterstützung (CAS) oder der Gefechtsfeldabriegelung (BAI) mit Bomblets oder Präzisionswaffen bekämpft werden.

Ausbildung

Die Panzerjägerschule für die Panzerjägertruppe existierte neben der Panzeraufklärungsschule bis 1957 in Bremen. 1957 wurde die Panzerjägerschule (spätere Bezeichnung: Panzerabwehrschule) nach Munster verlegt. Dort wurde sie im April 1959 zur Panzerabwehrschule umbenannt, 1963 zur Kampftruppenschule III erweitert und ging nach mehreren Zwischenschritten (ab 1972 Kampftruppenschule II/III, ab 1975 Kampftruppenschule II) letztlich in der Panzertruppenschule auf.[3][4] Die Ausbildung und Weiterentwicklung der Panzerjägertruppe erfolgte danach und bis zuletzt im Wesentlichen an der Panzertruppenschule in Munster. Der Kommandeur der Panzertruppenschule war gleichzeitig General der Gepanzerten Kampftruppen (heute: General der Panzertruppen). Er war verantwortlich für die Ausbildung und Weiterentwicklung der Gepanzerten Kampftruppen.

Organisation

Einordnung

Die Panzerjägertruppe gehörte wie die Panzertruppe, die Panzeraufklärungstruppe und die Panzergrenadiertruppe zu den gepanzerten Kampftruppen des Heeres und damit zu den Kampftruppen.

Grundsätzlich ist jede Truppengattung der Bundeswehr zur Panzerbekämpfung befähigt. Dies erfolgt je nach Auftrag und Ausstattung durch Panzerfaust 3, MELLS (Mehrrollenfähiges Leichtes Lenkflugkörpersystem) sowie durch Panzernahbekämpfungsmittel. Die Fähigkeit zur Panzerabwehr ist damit kein exklusives Merkmal spezialisierter Panzerjägerverbände mehr, sondern integraler Bestandteil nahezu aller Kampf- und Kampfunterstützungstruppen.

Die Panzergrenadiertruppe verlor mit der Außerdienststellung des Jaguar 1 ab etwa 2006 ihren letzten dedizierten Jagdpanzer. Die Panzerabwehr der Panzergrenadierverbände wurde seither bis etwa 2021 primär mit der Panzerabwehrlenkwaffe MILAN F2 wahrgenommen, seit 2022 mit MELLS[5] sowie ergänzend mit der Panzerfaust 3. Diese Panzerabwehr war und ist sowohl abgesessen als auch vom Fahrzeug aus möglich.

Auch die Panzerpioniertruppe ist zur Panzerbekämpfung befähigt und verfügt über entsprechende Waffen und Ausbildung, wenngleich dies nicht ihre primäre Kernaufgabe darstellt.

Als einzige Truppengattung verfügt heute nur noch die Jägertruppe/Fallschirmjägertruppe mit dem Waffenträger Wiesel (TOW bzw. MELLS[6][7]) über ein leicht gepanzertes, ausschließlich für die Panzerabwehr vorgesehenes Waffensystem in nennenswertem Umfang.

Alle Truppengattungen konnten zur Panzerabwehr aller Truppen Panzervernichtungstrupps bilden und mittels Panzerabwehrhandwaffen (v. a. Panzerfaust 3) feindliche Kampfpanzer auf kurze Distanz bekämpfen.

Ehemalige Truppenteile

Ausrüstung

Hauptwaffensysteme

In den ersten Jahren nach ihrer Aufstellung waren US-amerikanische M41 und M47 Panzer ihre Hauptwaffen, später auch M48 und drahtgesteuerte SS 11-Raketen auf Schützenpanzern HS 30. Ab Mitte der 1960er Jahre wurden diese durch den Kanonenjagdpanzer und den Raketenjagdpanzer 2 ersetzt. Ab den 1970er Jahren war dann der Raketenjagdpanzer Jaguar 1 das Hauptwaffensystem. Der Jaguar 1 war Waffenträger für die Panzerabwehrlenkwaffe HOT. Bis 1996 verfügte die Panzerjägertruppe auch über Raketenjagdpanzer vom Typ Jaguar 2, die mit TOW gerüstet waren. Die letzten Kanonenjagdpanzer 4-5 wurden bereits Mitte der 1980er Jahre beim Feldheer ausgemustert und wurden bis etwa 1990 nur noch beim Territorialheer eingesetzt.

Uniform

Die Waffenfarbe der Panzerjägertruppe, Grundfarbe der Litzen und der Kragenspiegel, war wie bei der Panzertruppe zuletzt rosa. Da die Panzerjäger ursprünglich zur Infanterie gezählt wurden, war die Waffenfarbe zunächst dunkelgrün, ab 1962 wie für alle Truppengattungen der Infanterie jägergrün. Das Barett war wie bei der Panzertruppe schwarz und wurde wie bei der Panzertruppe üblich häufig auch im Gefechtsdienst getragen. 1992 erhielt die Panzerjägertruppe ein eigenes Barettabzeichen. Bis 1992 hatten sie das Truppengattungsabzeichen der Panzertruppe getragen. Das 1992 eingeführte Barettabzeichen zeigte im Eichenlaubkranz mittig einen Jagdpanzer (vermutlich ein frühes Modell Jagdpanzer Jaguar 1) vor zwei gekreuzten Pfeilen.

Diese für die Truppengattung spezifischen Uniformteile waren aber bereits Mitte der 1990er Jahre relativ selten, da nach der Auflösung der Panzerjägerkompanien als selbstständige Einheiten die meisten Panzerjäger in die Panzergrenadierbataillone eingegliedert wurden und dort Barett, Truppengattungsabzeichen und Waffenfarbe der Panzergrenadiertruppe trugen.

Panzerbesatzungen trugen statt Feldhose und Feldbluse eine einteilige Panzerkombination.

Taktisches Zeichen

Das taktische Grundzeichen der Panzerjägertruppe war dem allgemeinen NATO-Schema folgend ein nach oben zeigendes Dreieck. War eine Panzerjägerkompanie mit Raketenjagdpanzern ausgestattet, wurden dem taktischen Zeichen unter dem Winkel zwei weitere, freistehende Winkel hinzugefügt, die allgemein als Kennzeichen für Raketen dienten.

Dienstgradbezeichnungen

Dienstgradbezeichnung des niedrigsten Dienstgrades Soldat in Truppenteilen der Panzerjägertruppe war Panzerjäger. Er entsprach dem Dienstgradbezeichnungen Schütze, Funker, Panzergrenadier usw. anderer Truppengattungen, Teilstreitkräfte und militärischer Organisationsbereiche. Die übrigen Dienstgrade entsprachen den allgemeinen Dienstgraden der Bundeswehr.

 Mannschaftsdienstgrad
Niedrigerer Dienstgrad[8]   Höherer Dienstgrad[8]
- Panzerjäger Gefreiter

Dienstgradgruppe: MannschaftenUnteroffiziere o.P.Unteroffiziere m.P.LeutnanteHauptleuteStabsoffiziereGenerale

Einzelnachweise

  1. a b c d Waffen-Arsenal Panzerjäger der Bundeswehr. Band 124. Podzun-Pallas-Verlag, ISBN 3-7909-0406-6, S. 2–3.
  2. Volker Schubert: Nachruf. Das Ende einer Truppengattung. In: Website des Heeres. Bundesministerium der Verteidigung, der Leiter des Presse- und Informationsstabes, 18. Oktober 2007, archiviert vom Original am 2009; abgerufen am 1. September 2014.
  3. Michael Poppe, Helmut R. Hammerich, Dieter H. Kollmer, Martin Rink: Das Heer 1950 bis 1970: Konzeption, Organisation und Aufstellung. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2006, ISBN 3-486-57974-6, S. 287 ff. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  4. Truppenschule der Panzerjäger. In: Die deutschen Panzerjäger 1916 – heute. Matthias Führ, 13. Juni 2009, abgerufen am 1. September 2014.
  5. MILAN. Abgerufen am 18. Dezember 2025.
  6. Waffenträger Wiesel 1 MELLS. Abgerufen am 18. Dezember 2025.
  7. Peter Steinmüller: Bundeswehr modernisiert ihre Panzerabwehrwaffen. In: VDI nachrichten - Das Nachrichtenportal für Ingenieure. 27. November 2019, abgerufen am 18. Dezember 2025.
  8. a b Die äquivalenten, ranghöheren und rangniedrigeren Dienstgrade sind im Sinne der ZDv 14/5 B 185 angegeben, vgl. Der Bundesminister der Verteidigung (Hrsg.): ZDv 14/5. Soldatengesetz. DSK AV110100174, Änderungsstand 17. Juli 2008. Bonn 21. August 1978, Dienstgradbezeichnungen in der Bundeswehr, S. B 185 (Nicht zu verwechseln mit dem Gesetz über die Rechtsstellung der Soldaten (Soldatengesetz). Die in der Infobox dargestellte Reihenfolge der Dienstgrade entspricht nicht notwendigerweise einer der in der Soldatenlaufbahnverordnung vorgesehenen regelmäßig durchlaufenen Dienstgradabfolgen und auch nicht notwendigerweise der in der Vorgesetztenverordnung beschriebenen Dienstgradhierarchie im Sinne eines Vorgesetztenverhältnisses).