Fernmeldetruppe EloKa
Die Fernmeldetruppe EloKa ist eine Truppengattung der Bundeswehr, die für die elektronische Kampfführung (EloKa) zuständig ist. Neben dem Erfassen von elektromagnetischen Signalen des Gegners und deren Auswertung, sind das Stören dessen Systeme und die Sicherung der eigenen Leit- und Kommunikationssysteme Aufgabe der EloKa-Truppe.
Als Teil der Teilstreitkraft Kommando Cyber- und Informationsraum stellen die Bataillone Elektronische Kampfführung allen militärischen Organisationsbereichen der Bundeswehr EloKa-Fähigkeiten zur Verfügung. Die Bundeswehr verfügt über vier EloKa-Bataillone mit rund 3000 Soldaten.[1] Der Aufwuchs um zwei weitere auf sechs Bataillone ist mit Stand 2025 geplant.[2]
Unterstellung und Geschichte
Bis zur Neuausrichtung waren jeder Division eine EloKa-Kompanie, jedem Korps ein EloKa-Bataillon unterstellt, um den Fernmeldeverkehr beim Gegner zu überwachen und zu stören.
Beim Bundeswehreinsatz in Afghanistan und in Mali spielten die Fähigkeiten der EloKa zur Aufklärung von Handys oder analogen, unverschlüsselten Funk von Aufständischen und Terroristen eine besondere Rolle.[3] Nach dem Russischen Überfall auf die Ukraine 2022 gewinnt die Aufklärung und Störung verschlüsselter, gehärteter militärischer Systeme wieder zunehmend an Bedeutung.
Im Rahmen der Neugliederung der militärischen Organisationsbereiche wurde das damalige Kommando Strategische Aufklärung und die ihm unterstellten Verbände zum 1. Juli 2017 aus der Streitkräftebasis herausgelöst und dem Kommando CIR unterstellt.
Auftrag und Organisation
Die von mobilen und stationären Truppenteilen erfasste Informationen werden zur Auswertung an das Kommando Aufklärung und Wirkung geleitet.
Mobile Verbände
Die Aufgaben von mobilen EloKa-Truppenteilen lassen sich in drei Bereiche gliedern:
Aufklären (EloUM)
Mittels hochempfindlicher Empfangsgeräte werden durch geeignete Messverfahren feindliche Funkabstrahlungen erfasst, aufgezeichnet und ausgewertet sowie deren Quelle ermittelt, um daraus abgeleitet geeignete Gegenmaßnahmen einleiten zu können (z. B. Luftwaffeneinsatz, Artillerie-Schlag). Die so gewonnenen Informationen können über Stärke, Position und Pläne des Gegners Aufschluss geben.
Stören (EloGM)
Durch das Stören der Signale des Gegners wird dieser in seiner Handlungsfähigkeit eingeschränkt. Stören umfasst einen weiten Bereich, der von Falschzieldarstellung über Geräteausfallsimulation beim Gegner bis zum Übersteuern dessen Prozessdatenverarbeitung reichen kann. Deshalb gewinnt der elektronische Kampf entscheidende Bedeutung in kommenden Kriegsszenarien.
Schutz eigener Kommunikation (EloSM)
Das Aufgabenspektrum des elektronischen Kampfes umfasst auch Maßnahmen, feindliche EloKa-Verbände davon abzuhalten, die eigenen Ausstrahlungen zu erfassen oder zu stören. Diese Aufgabe gehört zwar zur EloKa, ist aber Aufgabe aller Truppengattungen.
Stationäre Verbände
Ortsfeste EloKa-Verbände in allen drei Teilstreitkräften betreiben Fernmelde- und elektronische Aufklärung in der Regel über Distanzen im mindestens dreistelligen Kilometerbereich.
Die Gesamtheit dieser Aufgaben wird als elektronischer Kampf (in der Bundeswehr) oder elektronische Kriegsführung (englisch electronic warfare) bezeichnet. Da ihr Auftrag die EloKa-Truppen quasi zu einem militärischen Nachrichtendienst macht, werden sie in den USA auch als signal intelligence (SIGINT) bezeichnet.
Ausrüstung
Die vier mobilen EloKa-Truppenteile verfügen als Hauptsystem über den Transportpanzer Fuchs mit dem Rüstsatz für die elektronische Kampfführung und -Aufklärung. Die Variante wird „Hummel“ genannt und hat neben einem 15-kW-Stromaggregat an der linken Hecktür und mehreren Antennen (Mehrfachantennenanlage Richtantenne LPU mit zwölf verschieden langen Stabantennen) auf dem Dach. Als Störpanzer ist er mit dem Störsender EK 33 ausgestattet. Dieser kann im automatischen Mehrkanalstörbetrieb gegen Sprach- und Datenverbindungen eingesetzt werden und breitbandig im VHF-Bereich bei 20 bis 80 MHz und im UHF-Bereich bei 100 bis 500 MHz Signale stören.
Ab 2000 wurden die Fahrzeuge mit Cassidian-SGS-2000-Störsendern nachgerüstet und 2007 eine verbesserter Antennenanlage. Eine GSM-Störantenne (900/1800 MHz) wurde nachgerüstet, sowie eine ausfahrbare VHF-LPD-Antenne für den Frequenzbereich zwischen 80 und 500 MHz am Heck. Das Fahrzeug wurde mit einem 2-kW-HF-Leistungsverstärker und zwei analogen VHF-Funkgeräten SEM80/90 ausgestattet.
Speziell gegen funkausgelöste Unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen wurde in einige Radpanzer des Typs im Laufe des Afghanistan-Einsatzes ein Störsender eingebaut, der Frequenzbänder von 20 MHz bis 2,17 GHz stört. Neben einer speziellen Software nutzt das System direct digital synthesis (DSS) und eine Sweep-Technik.
Stützpunkte
Die Bundeswehr war in drei Fernmeldebereiche untergliedert, die direkt dem Kommando Strategische Aufklärung unterstellt waren.
| Fernmeldebereich | Ortsfester Stützpunkt | Mobiles Bataillon |
|---|---|---|
| FmBer 91 (Flensburg, aufgelöst) | FmAufklAbschn 911 (Stadum) (wird EloKaBtl 911) | EloKaBtl 912 (Clausewitz-Kaserne, Nienburg a. d. Weser) |
| FmBer 92 (ehem. FmBer 70, Trier, aufgelöst) | FmAufklAbschn 921 (Berlin-Gatow) aufgelöst | EloKaBtl 922 (Donauwörth) (aufgelöst) |
| FmBer 93 (ehem. FmEloAufklBrig 94; Daun, aufgelöst) | Fernmeldeaufklärungsabschnitt 931 (ehem. FmAufklRgt 940; Daun; wird EloKaBtl 931) | EloKaBtl 932 (Frankenberg (Eder)) |
Literatur
- Rudolf Grabau: Die Fernmeldetruppe EloKa des Heeres 1956–1990, 4 Bände, Bonn 1995–1998.
- Rudolf Grabau: Der Neubeginn der FmEloAufkl und der EloKa der Luftwaffe ab 1956 und das dem Neuaufbau zugrundeliegende Konzept, Much 2000.
- Rudolf Grabau: Funküberwachung und elektronische Kampfführung. Grundlagen, Technik und Verfahren, Stuttgart 1986, ISBN 3-440-05667-8.
- Rudolf Grabau: Technische Aufklärung. Sensoren, Systeme und Verfahren, Stuttgart 1989, ISBN 3-440-06044-6.
- Konrad Guthardt, Heinz Dörnenburg: Elektronischer Kampf. Historische Entwicklung mit Beispielen aus acht Jahrzehnten, Heidelberg 1986, ISBN 3-7785-1155-6.
Siehe auch
Weblinks
- Erinnerungen an den Fernmeldesektor C (private Website)
- Website des Freundeskreises der ehemaligen Fernmeldekompanie 3
Einzelnachweise
- ↑ Schwachstelle der Bundeswehr? Kommandeur reagiert auf Kritik an Elektronischer Kampfführung. 22. Oktober 2025, abgerufen am 9. Dezember 2025.
- ↑ „Nachgefragt“. Elektronischer Kampf: „Die Ukraine war ein Eye-Opener“. In: bundeswehr.de. 5. Dezember 2025, abgerufen am 15. Dezember 2025.
- ↑ Florian Flade, WDR, und Reiko Pinkert NDR: Bedrohung aus Russland – bei der elektronischen Kampfführung hat die Bundeswehr offenbar Schwächen. 7. Oktober 2025, abgerufen am 9. Dezember 2025.