Palazzo Revoltella
Der Palazzo Revoltella ist ein großbürgerlicher Stadtpalast in Triest, den der Wirtschaftsmagnat Pasquale Revoltella (1795–1869) von dem Berliner Architekten Friedrich Hitzig (1811–1881) für sich errichten ließ. Die Wohn- und Repräsentationsräume sind größtenteils erhalten. Das Gebäude ist heute Teil des Museo Revoltella – Galleria d’Arte Moderna, des städtischen Museums für Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts.
Geschichte
Pasquale Revoltella beauftragte 1852 Friedrich Hitzig, einen Schüler von Karl Friedrich Schinkel, für ihn einen Stadtpalast zu entwerfen. Wie sich die beiden Männer kennenlernten, ist nicht bekannt. 1853 legte Hitzig einen entsprechenden Entwurf vor.[1] Schon von Anfang an soll Revoltella das Ziel gehabt haben, das Haus letztendlich in ein Museum zu verwandeln.[2]
Zu der Einweihung des Palazzos am 23. Februar 1859 befanden sich unter den Gästen prominente Persönlichkeiten, wie der österreichische Finanzminister Karl Ludwig von Bruck, Erzherzog Ferdinand Maximilian von Österreich und Ferdinand de Lesseps, Präsident der Compagnie universelle du canal maritime de Suez, der Sueskanal-Gesellschaft.[3]
Pasquale Revoltella war nie verheiratet und hatte keine Kinder. Er vermachte der Stadt Triest den größten Teil seines Vermögens, darunter auch den Palazzo Revoltella.[4] Aufgrund seines Testaments wurde das Gebäude und die darin enthaltene Kunstsammlung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
Gebäude
Fassade
Das Gebäude wurde im Stil der Neorenaissance errichtet und weist drei Stockwerke auf, die in der Fassade unterschiedlich gestaltet sind. Dabei ist die Dekoration im obersten Stockwerk am prächtigsten gestaltet. Das entspricht der Funktion der dahinter liegenden Räume: Traditionell befanden sich die Privaträume in einer italienischen Villa unten, während das oberste Stockwerk die Repräsentationsräume umfasste. Das Erdgeschoss ist mit Bossenquadern rundbogigen Fenstern und Eingangsportalen gestaltet. Der erste Stock dagegen weist einen Verputz mit Quader-Muster und rechteckigen Fenstern auf, der zweite Stock wird durch die prächtigen Rahmungen der Fenster akzentuiert, die jeweils mit einem Säulenpaar in einer Ädikula gerahmt sind. Zur Via Torino, die sich hier zur Piazza Venezia verbreitert, gibt es im obersten Stockwerk zudem einen Austrittsbalkon, der von einer dreibogigen Arkade überdacht wird.[5]
Treppenhaus
Die Treppe verbindet in zwei halbrunden Läufen jeweils zwei übereinander liegend Stockwerke. Sie beginnt im Parterre an einer Durchfahrt durch das Gebäude, in der der Hausherr und seine Gäste mit ihren Kutschen ein- und vorfahren konnten. Im Bogen des unteren Treppenlaufs ist ein Brunnen als Marmorskulptur gestaltet. Sie stammt von Pietro Magni (1817–1877) und ist eine Allegorie auf den Bau des zweiten Triester Wasserwerks. Der untere Treppenlauf endet im ersten Stock in einem großen, quadratischen Foyer, in dessen Mitte eine weitere allegorische Großskulptur von Pietro Magni steht, „Durchstich durch den Isthmus von Sues“.[Anm. 1] Der Treppenbogen, der das erste und zweite Stockwerk verbindet, endet in einem identisch großen Foyer wie ein Stockwerk darunter. Dieses ist jedoch mit einer rechteckigen Aussparung im Boden versehen, die den Blick von oben auf den „Durchstich durch den Isthmus von Sues“ ermöglicht.[6] Beleuchtet wird das Treppenhaus durch ein Oberlicht. Im Halbrund der Treppe sind an der Wand die Büsten von Isaac Newton, René Descartes, Galileo Galilei und Gottfried Wilhelm Leibniz angebracht.[7]
Erdgeschoss
Im Erdgeschoss befand sich ein Billardsaal.[8] Daran schloss sich eine Bibliothek an. Von ihr führte eine als Buchregal getarnte Geheimtür in ein Badezimmer.[9] Während die mit reich geschnitzten Regalwänden ausgestattete Bibliothek erhalten ist, werden die anderen Räume heute als Ausstellungsräume der Gemäldegalerie genutzt.
1. Stock
Der erste Stock enthält die Privaträume von Pasquale Revoltella. Sie sind überwiegend mit originalen Möbeln ausgestattet, deren Stoffbespannungen allerdings – möglichst originalgetreu – ersetzt wurden.[10] Hier gab es ein privates Esszimmer, das Schlafzimmer[11] mit zwei begleitenden kleineren Räumen[12], einer davon ein Ankleidezimmer, mehrere Wohn- und Empfangszimmer[13] und das Büro von Pasquale Revoltella.[14] Im „Grünen Zimmer“ hängt ein lebensgroßes Porträt von Pasquale Revoltella.[15] Bemerkenswert ist im gesamten Stockwerk das aufwändig gearbeitete Parkett.[16]
2. Stock
Der zweite Stock wird von den Repräsentationsräumen eingenommen. Dazu gehören ein Speisesaal, in dem bis zu 36 Personen bewirtet werden konnten. Dem schloss sich der „Blaue Salon“ an[17], das im 19. Jahrhundert obligatorische Raucherzimmer für die Herren. Dort hängt ein Porträt von Erzherzog Ferdinand Maximilian von Österreich von Augusto Tominz. Im Zentrum des zweite Stockwerks liegt der Ballsaal ausgestattet mit grünem und rotem Stuckmarmor.[18] Diese Haupträume werden durch eine Reihe weiterer Salons ergänzt.[19]
Grundrisse
Grundrisse der Wohn- und Repräsentationsräume: Erdgeschoss (links), 1. Obergeschoss (Mitte), 2. Obergeschoss: (rechts).
Literatur
- Maria Masau Dan und Susanna Gregorat (Hg.): Museo Revoltella. Il Palazzo baronale. Comune di Triest 2022. ISBN 978-8-89808805-8
Weblinks
Anmerkungen
- ↑ Pasquale Revoltella war maßgeblich an der Finanzierung des Sueskanals beteiligt und seit 1861 Vize-Präsident der Suezkanal-Gesellschaft (Compagnie Universelle du Canal Maritime de Suez).
Einzelnachweise
- ↑ Dan / Gregorat: Museo Revoltella, S. 10.
- ↑ Dan / Gregorat: Museo Revoltella, S. 56.
- ↑ Dan / Gregorat: Museo Revoltella, S. 9.
- ↑ Dan / Gregorat: Museo Revoltella, S. 9.
- ↑ Dan / Gregorat: Museo Revoltella, S. 11.
- ↑ Dan / Gregorat: Museo Revoltella, S. 13–15, 31.
- ↑ Dan / Gregorat: Museo Revoltella, S. 41.
- ↑ Dan / Gregorat: Museo Revoltella, S. 18.
- ↑ Dan / Gregorat: Museo Revoltella, S. 25. Die Einrichtung des Badezimmers ist nicht erhalten.
- ↑ Dan / Gregorat: Museo Revoltella, S. 35.
- ↑ Dan / Gregorat: Museo Revoltella, S. 32.
- ↑ Dan / Gregorat: Museo Revoltella, S. 13.
- ↑ Dan / Gregorat: Museo Revoltella, S. 33.
- ↑ Dan / Gregorat: Museo Revoltella, S. 35.
- ↑ Dan / Gregorat: Museo Revoltella, S. 33.
- ↑ Dan / Gregorat: Museo Revoltella, S. 35.
- ↑ Dan / Gregorat: Museo Revoltella, S. 41.
- ↑ Dan / Gregorat: Museo Revoltella, S. 47.
- ↑ Dan / Gregorat: Museo Revoltella, S. 13, 51ff.
Koordinaten: 45° 38′ 49,1″ N, 13° 45′ 46,9″ O