Palais Lelewel
Das Palais Lelewel wurde 1755 von Ephraim Schröger im Auftrag von Constance Lölhöffel von Löwensprung geb. Jauch im Stil des Rokoko in Warschau erbaut. Benannt wurde das Palais nach der von Constance von Lölhöffel später verwendeten polonisierten Form ihres Namens Lelewel. Es lag an der Ulica Miodowa, die im 18. Jahrhundert wegen ihrer zahlreichen Adelssitze auch Pałacowa-Straße genannt wurde.
Vorgängerbauten
Ursprünglich befand sich auf dem Grundstück ein hölzernes Palais, das Krzysztof Gembicki († 1659), zuletzt Kastellan von Gnesen und Woiwode von Inowrocław, gehörte.[1] Das Gebäude wurde durch schwedische und brandenburgische Truppen in den Zeiten des Chmelnyzkyj-Aufstands zerstört.
1662 errichtete der neue Eigentümer Stanisław Razicki ein weiteres hölzernes Palais. Der Komplex gelangte anschließend in den Besitz des Wojwoden von Sieradz Aleksander Kazimierz Szembek (1682–1756).[2] Er ließ 1739 bis 1740 einen Ziegelbau errichten, von dem der Grundriss in einem schematischen Gesamtplan späterer Erweiterungen erhalten ist.
1752 erwarb Constance von Lölhöffel den bis zur Długa-Straße reichenden Grundbesitz.[3]
Erweiterung
Schröger, der zuvor für Joachim Daniel Jauch im Sächsischen Bauamt tätig gewesen war, errichtete für die Bauherrin unter Beibehaltung des vorhandenen Corps de Logis den neuen Vorderbau und die Flügelbauten im Hof. Die Anlage „ist zweifellos nach dem Vorbild Pariser Hotels“[4] (vgl. Hôtel particulier) konzipiert und nimmt auf die durch Stiche verbreiteten Architekturwerke von Mariette (1727 bzw. 1738) und J. F. Blondel (1752) Bezug.
Schröger nutzte bei seiner Planung die Unregelmäßigkeiten des Grundstücks geschickt aus. Für die Inneneinrichtung sind Entwurfszeichnungen überliefert. An der Rückwand des Treppenhauses war ein Wandgemälde vorgesehen, dessen Vorbild – mit nur geringfügigen Abweichungen – die Treppe zum Appartement des Princes in Schloss Versailles war, wie sie in einem Stich des 1738 erschienenen dritten Bandes von Mariettes L’Architecture française wiedergegeben ist.
Die geistreich entworfene Straßenfront blieb zunächst unvollendet; das linke Hofgebäude wurde erst später durch den Architekten Simon Gottlieb Zug (1733–1807) fertiggestellt, nachdem Constance von Lölhöffel 1787 das Palais verkauft hatte. Ihr Mann war bereits 1763 verstorben.
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Schematischer Gesamtplan
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Rechter Flügelbau
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Hofportale
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Treppenhaus
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Treppenhaus
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Saal
Mit dem ebenfalls von Schröger errichteten bischöflichen Palais von Skierniewice bestehen zahlreiche stilistische Übereinstimmungen. Diese und ergänzende baugeschichtliche Untersuchungen begründen die Zuschreibung des Palais Lelewel an Ephraim Schröger.
„In den Entwürfen für das Palais Lelewel offenbart sich noch im Rahmen des Rokokostils des Sächsischen Bauamtes ein Architekt von hohen Qualitäten, der die schwierige Aufgabe mit großem Geschick meisterte und selbständige Erfindungsgabe spüren ließ. Die Entwürfe sind trotz ihres durch die Entstehungszeit bedingten anderen Stilcharakters durchaus der späteren bedeutenden Leistungen Schrögers würdig.“[5]
Das Palais ist damit architekturgeschichtlich wichtig für die Einflüsse in Schrögers Werk, die er im Sächsischen Bauamt erhielt und aus denen er sich später – neben Zug – zu einem der bedeutendsten frühklassizistischen Architekten Polens entwickelte.
Umbau und Zerstörung
1787 erwarb der Kaufmann Henryk Jarzewicz das Palais von Constance von Lölhöffel. Er ließ die Gebäudegruppe nach Schrögers Plänen durch Simon Bogumil Zug vervollständigen und im neoklassizistischen Stil umgestalten.
1850 bis 1851 wurden die einzelnen Gebäudeteile für die Familie Lesser grundlegend umgebaut und miteinander baulich verbunden. Dabei wurde der Ziegelbau Szembeks beseitigt.
Im Zweiten Weltkrieg wurden die Bauten zerstört.[6]
Bauherrin
Constance Jauch (1722–1802) heiratete 1741 in Warschau den Königlich-Polnischen Hofrat und Leibarzt des Königs August III. Heinrich Lölhöffel von Löwensprung (1705–1763). Sie war die Tochter von Joachim Daniel von Jauch (1688–1754), der als kurfürstlich-sächsischer Generalmajor, Königlich-Polnischer Oberst und Direktor des Sächsischen Bauamtes in Warschau ein beträchtliches Vermögen angesammelt und seiner einzigen Tochter hinterlassen hatte.
Siehe auch
Literatur und Quellen
- Walter Hentschel: Die sächsische Baukunst des 18. Jahrhunderts in Polen. Textband, Berlin 1967, S. 425 ff.; Bildband, Berlin 1967, Abb. 578 ff.
- Stanisław Lorentz: Architekt P.P. Wizytek z lat 1754–1762 (Der Architekt der Visitinerinnen in den Jahren 1754–1762). In: Biuletyn Historii Sztuki 21, 1959, S. 376–383.
Weblinks
- Ulica Miodowa in Warschau (polnisch)
- Ulica Długa in Warschau (polnisch)
Einzelnachweise
- ↑ Krzysztof Gembicki ( vom 6. Dezember 2009 im Internet Archive)
- ↑ Aleksander Kazimierz Szembek ( vom 5. Dezember 2009 im Internet Archive)
- ↑ Miodowa 21/23
- ↑ Walter Hentschel: Die sächsische Baukunst des 18. Jahrhunderts in Polen. Textband, Berlin 1967, S. 426.
- ↑ Hentschel, S. 430.
- ↑ Miodowa 21/23 mit Abbildungen des Gebäudezustands 1939.
Koordinaten: 52° 14′ 54,6″ N, 21° 0′ 22,3″ O