Palais-Musée des Archevêques Narbonne
Das Palais-Musée des Archevêques de Narbonne[1] (Musée d’Art et d’Histoire de Narbonne, Musée archéologique de Narbonne) ist ein städtisches Museum in Narbonne im Département Aude in der Region Okzitanien in Frankreich. Es befindet sich in den historischen Räumen des Palais des Archevêques (Palast der Erzbischöfe) und zeigt Sammlungen der bildenden und angewandten Kunst sowie Bestände zur lokalen Geschichte von der Vor- und Frühgeschichte bis ins 20. Jahrhundert.[2]
Geschichte
Die Idee zur Einrichtung des Museums entstand in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts: Aus dem Umfeld der während und nach der Französischen Revolution beschlagnahmten Kunst- und Kulturgüter sollte ein öffentliches Museum für Narbonne entstehen. Das Museum wurde schließlich im Jahr 1833 auf Initiative des Narbonner Gelehrten Paul Tournal (1805–1872) gegründet. Seine Sammlungen wuchsen durch Ankauf, Schenkungen, Legate und Einlagerungen. Bedeutende Stiftungen aus dem 19. Jahrhundert (unter anderem von Peyre im Jahr 1859, von Barathier im Jahr 1867 und von Bonnel im Jahr 1889) erweiterten die Bestände. Seit seiner Gründung umfasst das Museum eine Abteilung für Kunst, Kunstgewerbe und archäologische Artefakte.[2]
Architektur
Das Museum ist im historischen Palais des Archevêques untergebracht. Das Bauwerk weist eine mehrphasige Bautradition auf (Romanik, Gotik, Renaissance und spätere Restaurierungen) und seine Bauteile und Dekorationen erstrecken sich über mehrere Jahrhunderte. Zu den wichtigen Ausstattungsstücken zählen beispielsweise die Chambre du Roi mit einem im Jahr 1633 von den Brüdern Rodière ausgeführten Kassettendeckenprogramm sowie neogotische Deckenmalereien und Dekorelemente aus dem 19. Jahrhundert. Letztere wurden nach Entwürfen von Viollet-le-Duc von Alexandre Denuelle gestaltet. Im Palais sind außerdem mittelalterliche Kapellen und historische Repräsentationsräume erhalten, die als Ausstellungsräume genutzt werden.
Sammlung
Die Sammlungen des Musée d’Art et d’Histoire de Narbonne decken ein breites Spektrum ab: Gemälde der italienischen, französischen, flämischen und spanischen Schulen vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert, Skulpturen, Grafiken, Druckgrafiken sowie bedeutende Bestände der dekorativen Kunst (Möbel, Emaille, Keramik und insbesondere eine umfangreiche Fayence-Sammlung des 17. und 18. Jahrhunderts mit Stücken aus Nevers, Moustiers, Marseille und Rouen). Darüber hinaus besitzt das Museum archäologische Stücke und Funde zur lokalen Geschichte von der Vorgeschichte bis zum Mittelalter. Eine Besonderheit der Sammlungen ist eine der ersten und dauerhaft ausgestellten Sammlungen von Orientmalerei in Frankreich. In den 1990er Jahren wurde sie um weitere Werke ergänzt.[2]
Besondere Kunstwerke
Im Musée d’Art et d’Histoire de Narbonne werden unter anderem folgende Kunstwerke gezeigt:
- Gemälde der italienischen und europäischen Malerei, darunter Arbeiten von Neri di Bicci, Francesco Solimena und Giovanni Paolo Pannini,
- ein Fresko aus der Villa della Magliana in Rom, das dem Umkreis von Raffael zugeschrieben wird,
- eine Reihe bedeutender Ölbildnisse und religiöser Gemälde, darunter Werke von Tintoretto, Jusepe de Ribera und anderen,
- ein bemerkenswertes Ensemble orientalistisch geprägter Werke von Künstlern wie Jean-Joseph Benjamin-Constant, Hippolyte Lazerges, Fernand Cormon, Émile Bernard, Gaston Casimir Saint-Pierre und Jacques Majorelle.
Werke (Auswahl)
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Tintoretto: Jungfrau in der Glorie
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Pieter Breughel d. J.: Hochzeitstanz (1620)
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Anonymer Maler des 17. Jahrhunderts: Raub der Euopa
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Jean-Baptiste Monnoyer: Fleurs dans un vase
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Ciacinto Brandi: Die Poesie
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Französisch: Portrait André Rigauds, Konsul von Narbonne 1662
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Andrea Locatelli: Leto und die Bauern von Lykien
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(nach) Poussin: Saint Jean baptisant le peuple sur les bords du Jourdain
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Firmin Girard: Ulysse et les sirènes
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Giuseppe Gabani: Reiter vor einem Trödelladen
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Eugène Deshayes: Campement nomade dans le sud Algérien
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Französischer Maler: Marchand et Hemmel sur les quais (1871)
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Paul Cirou: Jour de marché à Nedroma (Algérie)
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Anonymer Bildhauer: Büste Andrea Morosinis
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Alexandre Falguière: Baigneuse surprise
Literatur
- Paul Tournal: Catalogue du Musée de Narbonne et notes historiques sur cette ville, Caillard, Narbonne, 1864.[3]
- Eugène Fil: Catalogue raisonné des objets d’art et de céramique du Musée de Narbonne, Caillard, Narbonne, 1877.[4]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Palais-musée des Archevêques de Narbonne - POP. Abgerufen am 22. Dezember 2025.
- ↑ a b c Musée d’Art et d’histoire. Abgerufen am 22. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ Paul (1805-1872) Auteur du texte Tournal: Catalogue du musée de Narbonne et notes historiques sur cette ville / par M. Tournal,... 1864 (bnf.fr [abgerufen am 22. Dezember 2025]).
- ↑ Eugène Auteur du texte Fil: Catalogue raisonné des objets d’art et de céramique du musée de Narbonne, par M. Eugène Fil,... 1877 (bnf.fr [abgerufen am 22. Dezember 2025]).
Koordinaten: 43° 11′ 3,1″ N, 3° 0′ 13,5″ O