Pünder (Familie)
Pünder ist der Name einer deutschen bürgerlichen Familie, die aus dem Mechernicher Raum in der Eifel stammt, wo sie seit Jahrhunderten ansässig war. Der Familienname leitet sich vom Amt des Pünders im Bergbau ab, welches Männer der Familie über mehrere Generationen bekleideten.[1] Der Pünder war ein bergrechtliches Funktionsamt, das als Wiege- und Kontrollinstanz die Abgabenberechnung und damit landesherrliche Rechte absicherte, sozial zwischen obrigkeitlicher Verwaltung und Bergwerksbetrieb angesiedelt. Matthias Werner Pünder wird bereits als Gutsbesitzer angegeben; mit dessen Sohn, dem Richter am Reichsmilitärgericht in Berlin Hermann Joseph Pünder (1841–1917),[2] stieg die Familie in akademisch geprägte Bildungs- und Berufsstände auf. Seit dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert sind mehrere Persönlichkeiten in Politik, Recht, Wissenschaft und Kirche aus der Familie hervorgegangen. Die Familie ist im katholischen Milieu verwurzelt. In der Zeit des Nationalsozialismus bestanden über enge Verwandtschafts- und Milieubezüge Verbindungen zum Widerstand, insbesondere über Erich Klausener sowie durch das Wirken von Marianne Pünder und Werner Pünder.
Familie
Zentralgestalt der Familie ist der Politiker Hermann Pünder (1888–1976). Er war seit 1920 mit Magda geb. Statz verheiratet, einer Schwester von Leo Statz und Cousine von Erich Klausener. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor, Hermann, Adelheid, Winfried und Tilman Pünder (1932–2021), der später als Politiker und Autor hervortrat. Hermann Pünder wurde nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 vorübergehend verhaftet.
Ein Enkel Hermann Pünders ist der Jurist Hermann Pünder (* 1966).
Hermann Pünder war Bruder der Nationalökonomin und Staatsrechtlerin Marianne Pünder (1898–1980), die im wissenschaftlichen Bereich tätig war und dem Widerstand gegen das nationalsozialistische Regime zugerechnet wird. Ein weiterer Bruder war der Jurist Werner Pünder (1885–1973), der im Zusammenhang mit dem Mord an Erich Klausener in Konflikt mit der Gestapo geriet.
Aus der Linie Werner Pünders stammt Reinhard Pünder (1939–2011), der als römisch-katholischer Geistlicher in Brasilien wirkte und Bischof der Diözese Coroatá im Bundesstaat Maranhão war. Dessen Bruder Godehard Pünder (1935–2017) war ebenfalls als Jesuit in Brasilien tätig. Nach seinem Austritt aus dem Jesuitenorden ließ er sein Priesteramt ruhen und war ab 1995 als Lehrer am St. Benno Gymnasium und als Referent für die Fortbildung von Religionslehrern im Bistum Dresden Meißen tätig.[3]
Versippung
Über Werner und Hermann Pünders Mutter Carola Schoemann, Tochter der Trierer Bankherrn Damian Ernst Schoemann (1807–1876), sind die Pünder mit den von Othegraven und dem katholischen Zweig der Jauch versippt.
Herkunft des Namens
Dem Familiennamen Pünder begegnet man im Kreis Schleiden in der Eifel. In diesem Namen lebt eines der drei Ämter fort, denen die Verwaltung des Bergregals oblag. Es waren dies das Amt des Bergmeisters, des Pünders oder Wiegemeisters und das Amt des Stürzers oder Erzmeisters. Die Eisenarbeit wurde auch Puntwerk genannt, weil sie nach Pfunden berechnet wurde. Der Pünder hatte die Aufgabe, das von dem Stürzer mit einer geeichten Stürzkarre zusammengebrachte und auf Haufen gestürzte Erz der gesamten Werke an der Waage zu wiegen, um den landesherrlichen Zehnten zu sichern.[4]
Literatur
- Tilman Pünder, Von rheinischen Bürgern : Lebensbilder, Werte, Zeitgeschehen; die Familien Pünder/Schoemann und Statz/Biesenbach von ihren Wurzeln bis in die Gegenwart, Münster 2013
- Tilman Pünder, In den Fängen des NS-Staates – Schicksale meiner Familie in der Nazi-Zeit, Studium Generale-Veranstaltung in der Bucerius-Law-School, Hamburg, 1. Dezember 2021 [5]
- Tilman Plünder, herausgegeben von Hermann Pünder und Bernd Haunfelder: In jenen Jahren – Kindheit in Münster während der Endphase des Dritten Reichs. Ein Tagebuch. Münster 2023
Einzelnachweise
- ↑ Biografie Hermann Pünders im Stadtporträt von Bad Münstereifel [1]
- ↑ Rudolf Morsey: Pünder, Hermann Joseph Maria Ernst in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 762 f. Online-Version [2]
- ↑ Todesanzeige [3]
- ↑ Julia Borsch und Joachim Schröder: Von Waldschmieden und Eisenhütten - Eefeler Verzellcher, in: Wochenspiegellive vom 23. Januar 2024 [4]