Otto Schütte

Otto Schütte (geboren am 29. Mai 1860 in Schöningen; gestorben 1920 oder 1924 vermutlich in Braunschweig) war ein deutscher Gymnasialprofessor und Lokalhistoriker, der sich insbesondere mit der Geschichte des Brauchtums, der Namensforschung und der Sprachhistorie im Raum Braunschweig beschäftigte.

Leben

Schütte besuchte die Bürgerschule in Schöningen und von Ostern 1872 bis Ostern 1880 das Gymnasium in Helmstedt. Nach der Reifeprüfung studierte er bis Ostern 1882 Philologie an der Universität Leipzig und anschließend bis Ostern 1884 an der Universität Göttingen. Er begann zunächst als Probekandidat, dann als Hilfslehrer eine Lehrtätigkeit am Realprogymnasium in Gandersheim. Im Juni 1885 bestand er vor der Herzoglichen Wissenschaftlichen Prüfungskommission in Braunschweig das Examen pro facultate docendi ‚Fähigkeit zu lehren‘ und musste am 29. September 1885 seine einjährige Militärpflicht erfüllen. 1886 wurde Schütte als Hilfslehrer an das Herzogliche Neue Gymnasium nach Braunschweig berufen.[1] Seit 1888 war er Lehrer[2] und betrieb nebenbei historische und volkskundliche Studien.[3] Er verfasste eine Vielzahl an Beiträgen, die er unter anderem in der Zeitschrift des Vereins für Volkskunde veröffentlichte, deren Mitarbeiter er war. Seine Aufzeichnungen, die dem Braunschweigischen Landesmuseum 1951 von seiner Schwiegertochter geschenkt wurden, galten als Quelle für die Erforschung geistiger Volksüberlieferungen des ostfälischen Raumes und als wichtige Ergänzung zu Richard Andrees Werk Braunschweiger Volkskunde, die 1901 erschienen war. Im Nachlass befanden sich Fragebogen zum Brauchtum und zur Mundart, Ergebnisse zur Namenforschung und Volkskunde. Schütte hatte aus archivalischen Quellen des Braunschweiger Stadtarchivs eine umfangreiche Sammlung mittelniederdeutscher Wörtern, oder Orts-, Flur- und Personennamen zusammengetragen. Er hatte mehrmals Erkundungsfahrten durch das Braunschweiger Land unternommen und hatte dabei aus dem Volksmund überlieferte Bräuche oder Angaben zu Wetterregeln und Lebensläufen aufgezeichnet. Zudem sammelte er Zeugnisse über den Volksglauben oder die angewandte Volksmedizin, Kinderlieder und -spiele, Sprichwörter, Reime, Rätsel lokale Sagen und Neckereien. Schütte hatte aus seinen umfangreichen Aufzeichnungen nur einen kleinen Teil in Aufsätzen selbst veröffentlicht.[4]

Biografie Eduard Stodtmeisters

Schütte verfasste auch eine kurze Biografie über den Schmied und Schnitzer Eduard Stodtmeister (oder anglisiert Edward; 1813–1873) aus Helmstedt, der am 6. Juli 1841 wegen zweifachen Diebstahls, den er gemeinsam mit dem Räuberhauptmann Rose durchgeführt haben soll, verhaftet wurde. Er verbrachte mehrere Jahre im Gefängnis in Wolfenbüttel und fertigte dort eine kunstvoll verzierte Holzbank an (Teilansicht), die später in das Vaterländische Museum in Braunschweig kam. Stodtmeister war 1845 zu mehr als 6 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Er kam vorzeitig frei, da er sich bereit erklärt hatte das Land zu verlassen und nach Amerika auszuwandern. Am 12. Oktober 1849 endete seine Haftstrafe und er ließ sich 1860 in Cape Girardeau nieder, wo er auch starb.[5]

Familie

Schütte war mit Elise Anna Bertha (geborene Matte; 29. Januar 1863 in Delligsen – 10. Februar 1944 in Braunschweig) verheiratet, mit der er mehrere Kinder hatte.

Schriften (Auswahl)

  • Sagen. In: Braunschweigisches Magazin. Nr. 14, 2. Juli 1899, S. 110–111; Nr. 15, 16. Juli 1899, S. 117–119.
  • Deutung der Thierstimmen im Braunschweigischen.Braunschweigische Tauf- und Hochzeitsgebräuche.Die Bräutigamsmagd. In: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde. 10. Jahrgang, 1900, S. 221–224 (digi-hub.de).
  • Braunschweiger Personennamen nach Urkunden des 14. bis 17. Jahrhunderts. Johann Heinrich Meyer, Braunschweig 1901 (digital.ulb.hhu.de).
  • Vier Liebesbriefe einer Braunschweigerin vom Jahre 1642 und 1643. In: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde. 19. Jahrgang, 1909, S. 423–426 (digi-hub.de).
  • Volkstümliche Obſt- und Speisennamen im Braunschweigischen. In: Zeitschrift des Vereins für Volkskunde. 21. Jahrgang, 1911, S. 216–218 (digi-hub.de)
  • Familien- und Vornamen der Braunschweiger Studenten im 15. u. 16. Jahrhundert. In: Zeitschrift des Allgemeinen deutschen Sprachvereins. 26, 1911, S. 276–278.
  • Lehrer und Schüler in Braunschweig im 16. und 17. Jahrhundert. In: Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde. 45. Jahrgang, 1912, S. 226–233 (zs.thulb.uni-jena.de).
  • Der Scharfrichter in Braunschweig. In: Festschrift für Paul Zimmermann (= Quellen und Forschungen zur Braunschweiger Geschichte. Band 6). Wolfenbüttel 1914, S. 204–211 urn:nbn:de:hebis:30-1096618.
  • Die Flurnamen aus den Kreisen Blankenburg, Gandersheim und Holzminden und den Ämtern Calvörde, Harzburg und Thedinghausen (= Beilage zum Jahresbericht des Herzoglichen Wilhelm-Gymnasiums zu Braunschweig.) Johann Heinrich Meyer, Braunschweig 1915 (digital.ulb.hhu.de).

Literatur

  • Zeitschrift des Vereins für Volkskunde. 20. Jahrgang, Heft 4. Behrend & Co., Berlin 1910, S. 474–475 (Textarchiv – Internet Archive).
  • Schuette, Otto Karl Wilhelm. In: Franz Kössler: Personenlexikon von Lehrern des 19. Jahrhunderts. Band: Schaab–Scotti. Universitätsbibliothek, Gießen 2008, S. [393–394] (geb.uni-giessen.de PDF, Vorabdruck Stand: 18. Dezember 2007).

Einzelnachweise

  1. Schuette, Otto Karl Wilhelm. In: Franz Kössler: Personenlexikon von Lehrern des 19. Jahrhunderts. Band: Schaab–Scotti. Universitätsbibliothek, Gießen 2008, S. [393–394] (geb.uni-giessen.de PDF, Vorabdruck Stand: 18. Dezember 2007).
  2. V. Höhere Lehranstalten für Knaben. – 2. Herzogl. neues Gymnasium. In: Verzeichnis der Schulen und sonstigen Bildungsanstalten des Herzogtums Braunsehweig nebst ausführlichen Angaben über Aufsieht, Schulvorstand, Leitung, Lehrkörper, Gehaltsverhältnisse, Schülerzahl, Schulgeld, Mittel, Lehrgang u. Lehrziel und Geschichte. Verlag von Hellmuth Wollermann, Braunschweig / Leipzig 1906, S. 16–35, hier S. 18 (leopard.tu-braunschweig.de PDF).
  3. Walter Heinemann: Auf dem Schreibtisch der Braunschweiger Löwe: Lebenserinnerungen eines jüdischen Arztes. Wallstein Verlag, 2025, ISBN 978-3-8353-8861-1, S. 45 (books.google.de – Leseprobe).
  4. Werner Flechsig: Das Braunschweigische Landesmuseum für Geschichte und Volkstum als volkskundliche Forschungsstätte. In: Braunschweigische Heimat. 52. Jahrgang, Heft 1–4, April 1966, S. 80–87 hier S. 87 (leopard.tu-braunschweig.de PDF).
  5. Otto Schütte: Edward Stodtmeister, der Schnitzer der Bank im Vaterländischen Museum. In: Braunschweigisches Magazin. Neue Folge, 16. Jahrgang. Julius Zwissler, Wolfenbüttel 1910, S. 26–28, doi:10.24355/dbbs.084-202010140933-0 (tu-braunschweig.de [PDF]).