Eduard Stodtmeister

Eduard Stodtmeister, auch anglisiert Edward, (geboren am 12. November 1813 in Helmstedt; gestorben am 3. Juni 1873 in Cape Girardeau, Missouri) war ein deutscher Holzschnitzer, Huf- und Waffenschmied sowie Mitglied einer Räuberbande, die in Helmstedt mehrere Raubzüge durchführte.

Leben

Stodtmeister war ein Sohn eines Helmstedter Schmieds, bei dem er auch seine erste Ausbildung erhielt. Er hatte eine Schule besucht und zeigte früh das Talent zum Schnitzen. So verzierte er beispielsweise während der Schulzeit im Jahr 1827 den Rahmen einer Tafel, die in Eichenholz eingefasst war, mit Bildnissen. Darunter den Glockenturm seiner Schule, das elterliche Haus mit dem Schild für die Schmiede, eine Kirche und eine Windmühle. Er fügte seinen Namen und das Jahr hinzu. Das Gesellenstück, das er zum Ende seiner Lehrzeit anfertigte, stieß auf allgemeine Bewunderung. Es wurde von der Innung der Schmiede als Anerkennung in ihrem Zimmer aufgehängt. Zudem wurde er aufgrund dieser Arbeit von der Verpflichtung zum Militärdienst entbunden, um sich ganz der Schmiedekunst widmen zu können. Um 1833 begab er sich auf die Gesellenwanderschaft. Als er zurückgekehrt war, arbeitete er als Geselle in der Werkstatt seines Vaters. Die Aufträge für die Werkstatt reichten vermutlich nicht, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Stodtmeister war für seine Geschicklichkeit bekannt, Schlösser ohne passende Schlüssel zu öffnen, und so stellte er Werkzeuge her, die zum Einbruch dienten. Bereits während seiner Wanderschaft war er mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt gekommen und kleinerer Diebstähle, unter anderem ein Uhrendiebstahl im Königreich Bayern oder der Diebstahl von Geld aus der Gesellenlade der Helmstedter Schmiede, bezichtigt worden. Zudem stand er gemeinsam mit dem Kupferschmiedegesellen Löhmann im Verdacht, Münzen zu fälschen.

Um 1840 gehörte er zu der Bande des Räubers Carl Wallmann, die am 2. Weihnachtstag 1840 in das obere Stockwerk eines Hauses in der Neumärker Straße in Helmstedt eindrang und dem Besitzer, einem Brauer namens Müller, sein gesamtes Vermögen raubte, ohne dass die anwesenden Familienmitglieder es bemerkten. Dabei sollen sie auch den Hund der Familie getötet haben. Am 6. Juli 1841 wurde er verhaftet und nach Wolfenbüttel geführt und dort inhaftiert. Seinen Platz als zweiter Anführer der Bande nahm nun Carl Bockelberg ein.

Die Untersuchung zog sich lange hin, da er die Tat standhaft leugnete. Um sich die Zeit ein wenig zu vertreiben, begann er, die Bank in seiner Zelle auseinanderzunehmen und mit Schnitzereien zu verzieren. Er schnitzte zunächst mit seinem Messer. Als ihm dieses abgenommen wurde, setzte er die Arbeit mit einem angespitzten Nagel fort. Neben zahlreichen Bildern schrieb Stodtmeister seine eigenen Gedanken in Versform nieder. Er stelle sich selbst darauf als einen bärtigen Mann mit Hammer in einem Brustbild dar, aber auch als Opfer der Justiz. Die fertiggestellte Bank wurde Herzog Wilhelm gezeigt, der sie in das Herzogliche Museum bringen ließ. Stodtmeister erhielt vom Herzog ein Geldgeschenk und forderte einen Bericht über den Fortgang des Verfahrens gegen ihn an.

1845 wurde er zu 6 Jahren und 8 Monaten Zuchthaus verurteilt. Als ihm wenige Jahre danach angeboten wurde, die Freiheit zurückzuerlangen, wenn er nach Amerika auswandern würde, erklärte er sich dazu bereit. Am 12. Oktober 1848 wurde ihm vom Notar Asseburg ein Schreiben für die Auswanderung zur Unterschrift übermittelt, aber es passierte erst einmal nichts. In seinem Brief vom 22. Februar 1849 an seine Eltern beklagte er sich über die lange Haft und ließ sie wissen, wie sehr er sie vermisste. Erst im Herbst des Jahres wurde er entlassen und trat am 12. Oktober 1849 die Reise mit dem Vorsatz an, sich fortan auf ehrliche Weise seinen Lebensunterhalt zu verdienen. In Amerika arbeitete er zunächst 10 Jahre lang als Geselle, ehe er sich mit seinen Ersparnissen ein Haus in Cape Girardeau kaufen und seine eigene Schmiede errichten konnte. Er war inzwischen mit einer aus dem Braunschweigischen stammenden Frau aus Schlewecke bei Bockenem verheiratet. Ihn plagte aber auch immer die Sehnsucht nach der Heimat und er sparte sich bis 1864 einen Betrag zusammen, um dorthin reisen zu können. Doch der Ausbruch des Sezessionskrieges verhinderte seine Reise, so dass er sich erst 1866 wieder in Helmstedt aufhielt und seine Verwandten besuchte. Schnell verbreitete sich das Gerücht, dass er die Dollars, die er hier ausgab, selbst hergestellt habe. Bei seiner Rückkehr nach Missouri nahm er sein Gesellenstück mit und starb dort im Alter von 60 Jahren.[1][2]

Literatur

Einzelnachweise

  1. Otto Schütte: Edward Stodtmeister, der Schnitzer der Bank im Vaterländischen Museum. In: Braunschweigisches Magazin. Neue Folge, 16. Jahrgang. Julius Zwißler, Wolfenbüttel 1910, S. 26–28, doi:10.24355/dbbs.084-202010140933-0 (tu-braunschweig.de [PDF]).
  2. Mechthild Wiswe: Soziale Realität und Mythos – Eine Helmstedter Einbrecherbande um 1840. In: Braunschweigisches Jahrbuch. Band 74, Braunschweig 1993, doi:10.24355/dbbs.084-201202131540-0, S. 129–146 (leopard.tu-braunschweig.de).