Ottilienberg (Sankt Martin)
Ottilienberg ist die örtlich gebräuchliche Bezeichnung für einen plateauartigen Vorsprung in etwa 460 m Höhe an der Ostflanke des Hochbergs, südwestlich der Gemeinde Sankt Martin (Pfalz) am Osthang der Haardt, wie der Ostrand des Pfälzerwalds genannt wird. Hier finden sich in bewaldetem Gelände einige christliche Andachtsstätten. Sie sind Anhaltspunkte für unterschiedliche Formen der Volksfrömmigkeit, die dort praktiziert wurden und werden.
Wetterkreuz
Das älteste erhaltene Objekt ist eine fast drei Meter hohe denkmalgeschützte Kreuzigungsgruppe[1] aus rötlichem Sandstein, die 1755 von den Eheleuten Matthäus und Margaretha Hundemer als Votivkreuz erbaut wurde, das sie wahrscheinlich aus Dank nach einer Errettung aus Not oder Leid stifteten („ex voto“). Das Kreuz trägt einen steinernen Kruzifixus vom Dreinageltypus, der Leib Christi ist ausgezehrt und macht das Leiden deutlich. Am Fuß des Kreuzes kniet die trauernde Sünderin Maria Magdalena. Das Kreuz wird flankiert von zwei kleineren weißen, stehenden Statuen mit den Darstellungen von Maria (Mutter Jesu) und dem Apostel Johannes (vgl. Joh 19,25–27 ), die vermutlich um 1877 hier aufgestellt wurden.[2]
Die Inschrift in Versalien lautet:
KOMBT, LOBET ALL VND SCHWÖRET AN,
WAS GOT, AM CREUTZ FÜR EUCH GETHAN.
DIE SÜND GELÖSCHT DAS HEIL ERKAUFT
MIT TODT, UND BLUT, EUCH NEU GETAUFFT.
DRUM EYLT HERZU, UND SEYD NICHT LAU,
BEGIEST MEIN HERTZ MIT THRAENEN TAU.
EX VOTO
MATHAEI ET MARGARETHAE HUNDEMER.
Einige größer geschriebene Buchstaben ergeben als Chronogramm in römischen Zahlzeichen das Stiftungs- und Entstehungsjahr 1755.
Das „St. Martiner Wetterkreuz“[3] war und ist vermutlich das Ziel von Bittprozessionen vor dem Fest Christi Himmelfahrt oder von Hagelprozessionen. Am Karfreitag führt um 6 Uhr eine Prozession zum Kreuzweg und zum Wetterkreuz.[4]
Kreuzweg
Der Kreuzweg wurde 1772, wenig später als das Kreuz, errichtet und 1877 erneuert, wie zweien der Bildstöcke zu entnehmen ist.[5] Örtlich wird er auch „St.-Ottilia-Kreuzweg“ genannt. Er beginnt auf dem kleinen Vorplatz vor der Kropsburg und führt mit 14 Stationen in westlicher Richtung steil bergauf. Auf der zweiten Hälfte des Weges läuft er direkt auf die Kreuzigungsgruppe in der Sichtachse zu. Die Bilder in den 14 Bildstöcken waren früher auf Blech gemalt, wurden aber 2008 durch Bildtafeln aus Kunststoff ersetzt, nachdem sie unansehnlich geworden waren und sich zum Teil zersetzt hatten.[2] Die erste Station „Jesus wird zum Tode verurteilt“ zeigt, wie Jesus abgeführt wird und sein Richter Pontius Pilatus sich die Hände wäscht, als Zeichen seiner Unschuld am Tod des Gerechten (Mt 27,24 ).
Auf dem Weg von der Ortslage St. Martin zur Kropsburg, an der Einmündung der Ortsstraße „Kreuzweg“ in den Burgweg, trifft man bereits auf zwei Vorstationen von 1865 im Abstand von 200 m mit der Thematik „Jesus im Garten Getsemani“.
St.-Ottilia-Heiligenhäuschen
Die örtlich so genannte „St.-Ottilia-Kapelle“ ist ein nicht begehbares Heiligenhäuschen, das wenige Meter schräg rechts hinter dem Votivkreuz steht. Der Bildstock vom Typ eines Breitpfeilers steht erhöht und ist über eine siebenstufige Treppe zu erreichen. Es ist ein Steinbau mit einem gewölbten oberen Abschluss, der eine Blechabdeckung trägt. Er ist rosa angestrichen, im unteren Teil der Vorderfront befindet sich eine hellocker gestaltete Zierfläche ohne Aufschrift. Der obere Teil des Bildstocks ist als breite, oben gewölbte Nische gebaut.
In der Nische steht hinter einem Rautengitter eine farbig gefasste Statue der heiligen Odilia (auch Ottilia oder Ottilie), einer adeligen Ordensfrau, die nach 723 im möglicherweise von ihr gegründeten Kloster Niedermünster (Elsass) starb und vor allem im Elsass und in Südwestdeutschland besonders verehrt wird. Der Legende nach wurde sie blind geboren und erlangte bei ihrer Taufe im Alter von 12 Jahren das Augenlicht.[6] Daher erklärt sich ihr Heiligenattribut, ein aufgeschlagenes Buch mit zwei Augen, das auch bei dieser Statue zu sehen ist. Hinzu kommt das Modell einer Kirche zu ihren Füßen, das sie als Klostergründerin ausweist.
Entstehungszeit und -geschichte des Bauwerks sind unbekannt.
Weitere Andachtsstätten
- Links hinter der Kreuzigungsgruppe ist eine Tafel in einem Steinhaufen, gekrönt mit einem Kreuz, dem 1900-jährigen Todestag Jesu gewidmet, den man hier wohl im Jahr 1933 beging, womöglich im Rahmen der traditionellen Prozession am Morgen des Karfreitags hierhin. Die Inschrift auf der Tafel lautet: „Zur frommen Erinnerung an den 1900 jährigen Todestag Christi am Kreuze 1933“.
- Nach der dritten Station des Kreuzwegs zweigt der Weg rechts ab zur Mariengrotte unterhalb des „Ottilienbergs“. Sie gilt als eine der schönsten Nachbildungen der Lourdesgrotte in Deutschland.[7]
- Einige hundert Meter östlich von der Grotte liegt im Wald eine Quelle, die „Frauenbrunnen“ genannt wird. Der Name erinnert möglicherweise an Maria, die auch als „Unsere Liebe Frau“ verehrt wird.
Weblinks
- „Sankt Ottilia“ auf LANIS
- Pfälzer Weinsteig Etappe 06 St. Martin – Burrweiler
- Waymarked Trails: Wanderwege
Einzelnachweise
- ↑ Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland Pfalz: Denkmalverzeichnis Kreis Südliche Weinstraße, 7. Dezember 2023, S. 89 [1]
- ↑ a b Wetterkreuz und Ottilienkapelle auf dem Ottilienberg
- ↑ suedlicheweinstrasse.de: Kreuzweg St. Martin [2]
- ↑ outdooractive.com: Wetterkreuz & Kreuzweg [3]
- ↑ wunderkraeuter.de, abgerufen am 7. Dezember 2025.
- ↑ Karl Suso Frank: Odilia v.Elsaß. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche. 3. Auflage. Band 7. Herder, Freiburg im Breisgau 1998, Sp. 973 f.
- ↑ pfalz-info.com: Martinusrundweg
Koordinaten: 49° 17′ 49,5″ N, 8° 5′ 17″ O