Oluf Vilhelm Falck-Ytter

Oluf Vilhelm Falck-Ytter, eigentlich Falck Ytter, gelegentlich falsch Falch Ytter,[1][2] (* 6. März 1832 in Romedal (heute Stange); † 24. Oktober 1914 in Christiania (Oslo))[3] war ein norwegischer Beamter, Jugendbuchautor und Redakteur. Nach 27 Jahren als Beamter im Finanzministerium wurde er für 30 Jahre Stadtvogt in Sarpsborg, ein Amt, das die Kompetenzen eines Ortsvorstehers mit denen eines Richters am Amtsgericht vereinte. Bekannt wurde er vor allem durch seine Abenteuerromane für Jugendliche, die er im eigenen Verlag veröffentlichte und aus dem Englischen übersetzt oder nach englischen Vorbildern selbst verfasst hatte.

Falck-Ytter war auch langjähriger Chefredakteur von Zeitschriften vor allem für Kinder und Jugendliche. Er war ein begeisteter Sportler und Sportfunktionär, besonders als Skiläufer und Sportschütze und setzte sich erfolgreich für die Errichtung von Sportplätzen für Jugendliche ein. Auf seine Initiative hin erlaubte der König das Schlittenfahren im Schlosspark.

Leben und Werk

Eltern und Geschwister

Oluf Vilhelm Falck Ytter wurde als achtes und jüngstes Kind von Nils Ytter (1788–1868) und Marie Dorothea Falck (1786–1867) auf dem Hof Ljøstad im Romedal geboren. Seine Eltern stammten von den Höfen Vevla und Hverven in Ottestad (das wie Romedal zur Gemeinde Stange gehört). Nils Ytter war Rechtsanwalt (Procurator)[4] und wurde später zum Stadtvogt (Byfogd) von Moss ernannt, wonach die Familie umzog und 1841 den Hof Ljøstad verkaufte.[5][3][6]

Olufs Geschwister hießen: Ida Katrine Jacobine (* 1811), Helene (Laura) Margrethe Christiane (* 1816), Fredrik Adler Pløyen (* 1817), Johan Christian (* 1821), Klara Ottine Wilhelmine (* 1825), Helfred Falck (* 1827) und Karoline Mathilda (* 1829).[7]

Der Name Falck-Ytter

In norwegischen Familien wird gelegentlich ein Zwischenname geführt, indem ein oder mehrere Kinder den Familiennamen der Mutter oder eines anderen Vorfahrens annehmen. Dieser Zwischenname ist nicht Bestandteil des Nachnamens, sondern quasi der letztgereihte Vorname. Dieser Brauch wurde auch für Nils Ytters Söhne Helfred Falck und Oluf Vilhelm Falck geübt.

Oluf wird in der Taufurkunde[4] und in zeitgenössischen Nachschlagewerken[8][9][6][2][1][10] korrekt unter dem Familiennamen Ytter geführt. Seine ab den 1860er Jahren veröffentlichen Bücher erschienen jedoch mit der Verfasserangabe Falck Ytter und ohne die Vornamen Oluf bzw. Vilhelm.

Ab den 1910er Jahren wurde der Verfasser als Falck-Ytter angegeben, und diese Namensform – die vorher nur sporadisch aufgetreten war[11][10] – wurde als sein Familienname aufgefasst und für die Nachwelt gebräuchlich,[3][5] und zwar bereits beim Zeitpunkt seines Ablebens, wie die Nachrufe in den Zeitungen belegen.[12][13][14][15]

Ausbildung und Anstellung

Oluf Ytter legte, nach privater Vorbereitung durch den Oberlehrer cand. theol. L. C. Larsen, 1851 als Externer sein Examen artium (Abitur) mit Haud illaudabilis (befriedigend) ab. Bei der Zwischenprüfung an der Universität (Anden examen) wurde er mit Laudabilis (gut) benotet. 1857 schloss er seine juristischen Studien als cand. jur. durch das Embedsexamen (Beamtenprüfung) ab, und zwar zwei Mal: Am 11. Juni bestand er die Prüfung mit der Note Befriedigend, nach freiwilliger Wiederholung am 15. Dezember verbesserte er die Note auf Gut.[10][2]

Bereits am 4. Juli 1857 wurde er als Kopist im Finanzministerium angestellt. Nach zehn Jahren, am 16. November 1867, wurde er zum Bevollmächtigen (fuldmægtig, modern: fullmektig) befördert.[8] Als Kopist war Ytter nur ein untergeordneter Beamter gewesen. Als Bevollmächtigter konnte er im Namen seiner Behörde eigenständiger aktiv werden und er war nun Beamter auf Lebenszeit, der nur aufgrund von Verfehlungen entlassen werden konnte (Pragmatisierung).[16]

Ehe und Kinder

Am 19. Oktober 1860 heiratete der junge Beamte Oluf Ytter in Glemmen (heute Fredrikstad) die sechs Jahre jüngere Gleny Louise Anziøn (* 9. Februar 1838 in Trondheim; † 22. Januar 1925 in Oslo), die Tochter des Kantors an der Trondheimer Domkirche Lorenz Anziøn (* 1799) und der Gurine Holm (* 1798).[3][10][17] Die Familie wohnte in der Kristiania kjøpstad, zunächst in Pilestrædet (1865)[18] und später auf Kirkegade 3 (1875).[19]

Dem Ehepaar wurden sieben Kinder geboren: Marie Dorthea Gudrid (* 1862), Nils (* 1864), Gleny Louise (* 1867, nach der Mutter benannt), Hermana Ida Golette (* 1868[20]), Oluf Vilhelm (* 1870,[20] nach dem Vater), Laura Othilie Mathilde (* 1872) und Lorent Heldfried Anziøn (* 1879).[17] Alle Kinder trugen zusätzlich den Namen Falck, der ab 1875 in die Protokolle der Volkszählungen als Bestandteil des Familiennamens (Falck Ytter) eingetragen wurde.[19]

Sport

Während seiner Zeit im Finanzministerium war Oluf Falck Ytter in vielen Bereichen aktiv, vor allem im Sport. Er war selbst Skiläufer und Schlittschuhläufer und „setzte sich sehr für die Verbreitung verschiedener Arten von freiem Sport und Spiel ein“,[9] „als einer der ersten in unserem Land“.[21]

Er war einer der Gründer des Christiania Skiklubs.[13][21] Der 1877 gegründete Klub, der unter unverändertem Namen noch immer besteht, ist der traditionsreichste Skiklub Norwegens und einer der ältesten der Welt. Als Vertreter des Norsk Jæger- og Fisker-Forening (Norwegischer Jäger- und Fischer-Verein) stellte Falck-Ytter auf der Weltausstellung 1873 verschiedene Wintersportgeräte aus, die dem Wiener (und dem auswärtigen) Publikum erklärt werden mussten:

„Apparate, durch welche man in Norwegen im tiefen Schnee und auf dem Eise fortkommt […]:

  1. Ski (Schneeschuhe), zum Fahren im tiefen Schnee.
  2. Truger, zum Gehen im tiefen Schnee für Männer u. Pferde.
  3. Norwegische Eis-Schlittschuhe.
  4. Eis-Handschlitten, welcher durch Armkraft getrieben wird.
  5. Eis-Pfeil, von Fischern auf dem Eise benutzt.“[11]

Falck-Ytter war auch Mitbegründer des Kristiania skytterlag (Schützenverein) und zehn Jahre lang dessen Vorsitzender. Er war aktives Mitglied des Centralforeningen for Udbredelse af Legemsøvelser og Vaabenbrug (Zentralverband für die Verbreitung von Leibesübungen und Waffengebrauch), unter anderem als Sekretär, und wurde dafür vom Verband mit einer Silbermedaille geehrt.[3] Eine weitere Silbermedaille erhielt er anlässlich des 1. Norwegischen Turnfests 1886 in Fredrikshald.[8][10]

Jugendsport

„Sport und Spiel unter Jugendlichen hatten bei Falck-Ytter immer einen besonderen Stellenwert.“[13] Da ihm wichtig war, dass die Stadtkinder die Möglichkeit hatten, sich spielerisch körperlich zu betätigen, kümmerte er sich um die Einrichtung von Sportplätzen. Auf seine Initiative hin erlaubte der König das Schlittenfahren im Schlosspark. Er erreichte auch, dass Teile der Festung Akershus als Spielplatz für Kinder geöffnet wurden, und mietete Tullinløkka für denselben Zweck.[3][13]

Den praktischen Einsatz für den Jugendsport ergänzte Falck-Ytter durch Theorie: 1867 erschien sein Lehrbuch Ude og inde. Om Legemsøvelser og Leg. (Draußen und drinnen. Über Leibesübungen und Spiel.) Es sollte Lehrern dabei helfen, Bewegung und Gymnastik in den Schulalltag zu integrieren. Im Zentrum der Darstellung liegt nicht das klassische Geräteturnen, sondern die Bewegung im Freien, oft mit improvisiertem Sportgerät. Die Technik der Schwünge beim Skifahren und der Kurvenführung beim Eislaufen wird ausführlich (mit Skizzen) erklärt. Auch das zu dieser Zeit neue Fußballspiel wird vorgestellt. Die dem Buch beigegebenen Zeichnungen lassen vermuten, dass Leibesübungen nur von der männlichen Jugend erwartet wurden bzw. erwünscht waren.

Bereits im Folgejahr erschien eine (gekürzte) schwedische Übersetzung, und eine dafür werbende Zeitungsanzeige ist der „älteste Zeitungsausschnitt, […] in dem Fußball in schwedischen Zeitungen nach 1863 (als die ersten englischen Fußballregeln verfasst wurden) erwähnt wird.“ Zugleich ist dies „das erste Mal, dass Fußball in einem schwedischen Buch erwähnt wird.“[22] Eine norwegische Neuausgabe 1893 verschob schon im Titel den Fokus von der Gymnastik zum Spiel (Lek ude og inde, d. h. Spiele draußen und drinnen.)

Journalismus

Während seiner gesamten Zeit in Kristiania betätigte Falck-Ytter sich als Journalist und verfasste Beiträge für verschiedene Zeitschriften und Zeitungen. Er war Mitbegründer der ersten Journalistenvereinigung der Stadt.[3][6]

Zudem war er mehrmals Redakteur (d. h. Herausgeber) von kurzlebigen Publikationen. 1863 gab er den einzigen Jahrgang von For By og Bygd heraus[23.1] und 1872–1873 die beiden letzten Jahrgänge vom Norsk Folkeblad vor dessen Einstellung.[23.2] 1874 verwendete er den Namen Illustreret Nyhedsblad[6] eines 1866 eingestellten Wochenblatts erneut für eine wöchentliche Zeitschrift und hielt drei Jahre durch.[23.3]

Jugendzeitschrift(en)

Zwanzig Jahre lang war Falck-Ytter verantwortlicher Redakteur von Jugendzeitschriften. Zufällig wurde er 1864 gebeten, anstelle des erkrankten Herausgebers Anthon Bang die Leitung der Redaktion des Børnenes Blad (Das Kinderblatt) zu übernehmen. Im Juli 1865 schied Bang ganz aus und nun prägte Falck-Ytter der Zeitschrift immer mehr seinen Stempel auf, ab 1872 auch in der Funktion des Verlegers. Bemerkenswerterweise wurde die Zeitschrift unter alternierenden Namen veröffentlicht: Sie hieß Børnenes Blad 1861–1867, 1872–1874 und 1883–1884, aber For Ungdommen (Für die Jugend) 1868–1871 und 1875–1883. Die Umbenennungen erfolgten, „ohne dass sich jedoch der Inhalt änderte“.[3]

Die Zeitschrift war mehr unterhaltsam als belehrend (sie kündigte beides im Untertitel an). Sie enthielt Abenteuergeschichten aus der Vergangenheit und Gegenwart, Beschreibungen von exotischen Tieren und Menschen, aktuelle Nachrichten, Rätsel, Witze und Gewinnspiele. In einer eigenen Abteilung beantwortete Falck-Ytter Fragen der jugendlichen Leser. Die meist von ihm selbst geschriebenen oder zumindest übersetzten Fortsetzungsgeschichten (manche als separate Beilage der eigentlichen Zeitschrift beigegeben) wurden oft später als Bücher wiederveröffentlicht, ab 1868 in seinem eigenen Verlag, dem Falck Ytters Forlag. „Als Herausgeber und Autor war Falck-Ytter ein Erneuerer des Kinderzeitschriftengenres.“[3]

Abenteuerromane

Die Reihe der Jugendbücher Falck-Ytters begann mit bearbeiteten Übersetzungen meist aus dem Englischen. 1862 erschien A wonder-book for girls and boys von Nathaniel Hawthorne. Es folgten 1869 bzw. 1870 die beiden populären Teile von Jonathan Swifts Gullivers Reisen, die Reise zu den Zwergen nach Lilliput bzw. zu den Riesen nach Brobdingnag. Falck-Ytter blieb als Übersetzer anonym; wegen seiner starken Bearbeitung gelten die Bände nicht als erste Übersetzung von Gulliver’s Travels ins Norwegische (die wurde erst 1878 von Kristian Anastas Winterhjelm (1843–1915) geleistet), aber doch als die erste „in an adapted version“.[24]

In den folgenden Jahren erschienen die Reisen des Baron Münchhausen (anonym aus einer ungenannten Quelle übersetzt), eine Indianergeschichte nach Gabriel Ferry und ein Polarabenteuer nach Isaac Israel Hayes.

1868–1869 war die von Falck-Ytter verfasste Geschichte von Håkon Håkonsen, dem norwegischen Robinson, in For Ungdommen in Fortsetzungen erschienen. 1873 wurde sie erstmals als Buch veröffentlicht und seitdem und bis in die Gegenwart immer wieder. Der Titelheld muss wegen der großen Armut seiner Familie im Alter von 13 Jahren zur See fahren; er erlebt fremde und aufregende Länder, einen brutalen Steuermann, der sich als Waffenschmuggler und Seeräuber entpuppt. Schließlich sinkt das Schiff und Håkon rettet sich auf eine einsame Südseeinsel, auf der ein Piratenschatz vergraben ist. Das Buch ist Falck-Ytters erfolgreichstes und wurde 1990 unter der Regie von Nils Gaup mit Stian Smestad in der Hauptrolle verfilmt. Der Film Gestrandet (Shipwrecked) wurde unter anderem im Pazifik, in Spanien, England und Norwegen gedreht und war die bis dahin teuerste norwegische Filmproduktion.[5]

Bis zu seinem Tod veröffentlichte Falck-Ytter in seinem Verlag noch mehrere Bücher, die das Thema der abenteuerlichen Seefahrt variierten. Die Anklänge an Sindbad, Ali Baba und die Schatzinsel sind schon an den Titeln erkennbar: Der Seeräuber und seine Höhle (1896), Bjørulf Værholmens Abenteuer zu Lande und zu Wasser (1913), Aslaug und Elling unter den Indianern (1913), Don Pedros Höhle (1914), Olav Olavsens Geschichte (1914). All diese Werke, und besonders der Håkon Håkonsen, wurden mehrfach neu aufgelegt.

Die Verfasser der Nachrufe auf Falck-Ytter erinnerten sich übereinstimmend an die „Reihe spannender und fantasievoller literarischer Werke […] die man in seiner Jugend mit Begeisterung verschlungen hat“,[13] „Bücher, die zu den liebsten Kindheitserinnerungen gehören und sich durch ihren Inhalt und ihre Form auszeichnen.“[21]

Kunstinteressen

Falck-Ytter war sehr an Musik interessiert. Er war zusammen mit Edvard Grieg und anderen im Herbst 1871 an der Gründung des Musikforeningen (Musikverein) in Kristiania beteiligt.[6][21][12] In den ersten Jahren dirigierten neben Grieg noch Johan Svendsen, Ole Olsen und Johan Selmer für die bis 1920 bestehende Gesellschaft.

Von dem begeisterten Amateurfotografen Falck-Ytter sind eine Reihe von Fotos überliefert, die sich im Besitz des Oslo Museums und des Osloer Stadtarchivs befinden. Viele davon sind im DigitaltMuseum frei verfügbar.[5] Insbesondere ist ein von Falck-Ytter 1865 angelegtes Album komplett erhalten. Neben zahlreichen Landschaftsaufnahmen, vor allem aus Kongshavn am Oslofjord unweit der Hauptstadt, wo sich die Familie öfters zur Sommerfrische aufhielt, sind auch Aufnahmen von Familienmitgliedern überliefert. Hervorstechend sind zwei berührende Porträts von Oluf Falck-Ytters alten Eltern.

Byfogd von Sarpsborg

Der 13. Oktober 1884 stellte eine Zäsur in Oluf Falck-Ytters Leben dar. An diesem Tag wurde er zum Byfogd (Stadtvogt) von Sarpsborg ernannt und er blieb in dieser Position dreißig Jahre lang, bis er im Mai 1914 im Alter von 82 Jahren pensioniert wurde.[8][3] Dieselbe Stelle hatte sein Vater Nils ab den 1840er Jahren in Moss bekleidet.

Sarpsborg gehörte zu den kjøpsteder, in denen seit dem Mittelalter der König einen Beamten einsetzte, der seine Interessen wahrnahm. Dieser Vogt „war ursprünglich wohl der eigentliche Verwalter der Marktstadt und als solcher sowohl Steuereintreiber, Amtsperson und zumindest an einigen Orten Richter.“[25] Im 19. Jahrhundert war der Wirkungsbereich je nach der Größe der Kjøpstad unterschiedlich geregelt. Im Maximalfall war der Byfogd Amtsrichter, Nachlassverwalter, Auktionator, Stadtschreiber, Notar, Exekutor und Steuereintreiber, ja sogar Magistrat und Polizeichef.[26] Als Richter war er (mit Ausnahme größerer Fälle) Einzelrichter. Er wurde vom König auf Vorschlag des Justizministeriums ernannt und nicht durch die Gemeinde, sondern durch die Zentralverwaltung bezahlt.[27]

In Sarpsborg war der Byfogd auch Magistrat, also (anstelle eines Bürgermeisters) Leiter der Kommunalverwaltung, der auch die Sitzungen des gewählten Gemeinderats leitete.[28][15] In den drei Jahrzehnten unter dem Byfogd Falck-Ytter erlebte die Stadt eine rasante Entwicklung. Nach einer Phase des Niedergangs folgte ein starker Aufschwung:

Bevölkerungsentwicklung von Sarpsborg
Jahr Bevölkerung Quelle
1875 03.272 [29]
1888 02.800 [30]
1891 02.904 [31]
1910 10.542 [32]
1920 11.607

Die Verdienste Falck-Ytters wurden schon von seinen Zeitgenossen gewürdigt: „Man unterschätzt seine richterliche Tätigkeit nicht, wenn man sagt, dass sein Amt als Magistrat an erster Stelle steht. […] Er war ein äußerst fleißiger Mann mit einer liberalen Lebenseinstellung. Durch seine Tätigkeit hat er sich um die Entwicklung der Stadt verdient gemacht.“[15] Im Juli 1907 gratulierte das Illustreret Familieblad anlässlich seines 50-jährigen Jubiläums als Beamter.[33]

Am 1. Juli 1910 wurde Oluf Falck-Ytter die Königliche Verdienstmedaille in Gold (Kongens fortjenstmedalje i gull) verliehen.[1]

Leben in Sarpsborg

Die Familie Falck-Ytter bezog in Sarpsborg eine Wohnung in der Sannesundsgade[20][34] bzw. ab 1900, als alle Kinder schon aus dem Haus waren, im Sannesundsveien 12.[28] Oluf stellte seine Jugendzeitschrift ein, veröffentlichte aber seine Abenteuerromane weiter. In der Kleinstadt hatte die konservative Zeitung Sarpen das Pressemonopol, das 1888 durch die Gründung des liberalen Blattes Glommen angefochten wurde. Glommen wurde vom zugezogenen Buchhändler Lauritz Bødker gedruckt und der ebenfalls zugezogene Oluf Falck-Ytter wirkte als Herausgeber, allerdings anonym, da er im Impressum des Blattes nicht aufschien.[30]

In Sarpsborg war Falck-Ytter auch ein aktiver Freimaurer. Am 3. September 1904 wurde von 29 Brüdern die Bruderschaft von Sarpsborg gegründet und Oluf zum Vorsitzenden gewählt, ein Amt, das er bis 1911 innehatte. Aus dieser Bruderschaft ging die heutige Johannisloge St. Nikolas til det gyldne Anker hervor.

Als Magistrat bemühte sich Falck-Ytter um die Errichtung eines Festsaals für öffentliche Veranstaltungen der Stadt. Ein Verein sammelte sieben Jahre lang Geld, und das 1898–1900 errichtete Gebäude erhielt den Namen Festiviteten. „Es ist eines der wichtigsten Kulturdenkmäler in Sarpsborg mit großem Identitäts- und Symbolwert.“[35]

Ende und Nachleben

Nur wenige Monate nach seiner Pensionierung verstarb Oluf Vilhelm Falck-Ytter an einer Lungenentzündung.[21][14] Die Nachrufe würdigten ihn als „landesweit bekannten und geschätzten Mann der guten alten Schule“.[21]

Sein Name lebt im Falck Ytters plass in Ila, St. Hanshaugen (Oslo) weiter, der 1933 als Spiel- und Sportplatz für Jugendliche eingerichtet wurde. Insbesondere vor und nach dem Krieg wurde er intensiv als Fußball- und Eishockeyplatz genutzt. Heute befindet sich hier ein Einkaufszentrum mit Parkplatz.[36] Die Anwohner nahmen „in jüngerer Zeit“ Anstoß am Lärm der Skateboardfahrer und Basketballspieler und versuchten sie zu vertreiben.[5] Oluf Falck-Ytters Mission ist noch nicht überflüssig geworden.

Werke (Auswahl)

(Quellen:[3][8][10])

Sachbücher

  • (Hrsg. mit M. Ø. Berg): Norsk Lovsamling for Aarene 1667–1858, indeholdende de vigtigste Forordninger, Reskripter, Kgl. Resolutioner m. v., de gjældende almindelige Storthingslove, samt et Uddrag af Christian Vtes norske Lov af 1687. (Norwegische Gesetzessammlung für die Jahre 1667–1858, enthaltend die wichtigsten Verordnungen, Reskripte, königlichen Beschlüsse usw., die geltenden allgemeinen Storting-Gesetze sowie einen Auszug aus dem Norske Lov 1687 von Christian V.) Malling, Christiania 1859. (Digitale Version.)
  • Ude og inde. Om Legemsøvelser og Leg. (Draußen und drinnen. Über Leibesübungen und Spiel.) Cappelen, Christiania 1867. (Digitale Version.)
    • (Neue Ausgabe:) Lek ude og inde. (Spiele draußen und drinnen.) Falck-Ytters Forlag, Kristiania 1893. (Digitale Version.)
    • (Übersetzung ins Schwedische:) Kroppsöfningar och lekar. (Leibesübungen und Spiele.) Örebro 1868.

Eigene Erzählungen

  • Om Vinteraftenen. En Billedbog for Børn. (Am Winterabend. Ein Bilderbuch für Kinder.) Kristiania 1871.
  • Haakon Haakonsen. En norsk Robinson. (Haakon Haakonsen. Ein norwegischer Robinson.) Kristiania 1873. 2. Auflage mit Illustrationen von W. Bergstrøm, Christiania 1884. 4. Auflage, Kristiania 1895. Auflage Oslo 1927: Digitale Version bei Projekt Runeberg.
    • (Norwegische Ausgabe für die USA:) Den norske Robinson Crusoe eller Haakon Haakonson. (Der norwegische Robinson Crusoe oder Haakon Haakonson.) Chicago 1879. (Digitale Version.)
    • (Übersetzung ins Schwedische:) Håkan Håkanson. En norsk Robinson. Berätelse. (Håkan Håkanson. Ein norwegischer Robinson. Erzählung.) Stockholm 1875.
  • Sjørøveren og hans Hule. (Der Seeräuber und seine Höhle.) Mit Illustrationen von W. Bergstrøm, Falck-Ytters Forlag, Kristiania 1896. Neuauflage 1912: (Digitale Version.)
  • Bjørulf Værholmens eventyr tillands og tilvands. (Bjørulf Værholmens Abenteuer zu Lande und zu Wasser.) Falck-Ytters Forlag, Kristiania 1913.
  • Aslaug og Elling blandt indianerne. (Aslaug und Elling unter den Indianern.) Falck-Ytters Forlag, Kristiania 1913. (Digitale Version.)
  • Don Pedros hule. (Don Pedros Höhle.) Falck-Ytters Forlag, Kristiania 1914. (Digitale Version.)
  • Olav Olavsens historie. (Olav Olavsens Geschichte.) Falck-Ytters Forlag, Kristiania 1914. (Digitale Version.)

Übersetzungen/Bearbeitungen

  • Studenten og Børnene paa Hof. (Der Student und die Kinder am Hof.) Nach Nathaniel Hawthorne: A wonder-book for girls and boys. Bentzens Forlag, Christiania 1862. (Digitale Version: Projekt RunebergNasjonalbiblioteket.) 2. Auflage 1882.
  • (Anonym:) Gullivers Reise til Lilleput. (Gullivers Reise nach Lilliput.) Nach Jonathan Swift. Christiania 1869. 2. Auflage Kristiania 1882.
  • (Anonym:) Gullivers Reise til Kjæmpernes Land. (Gullivers Reise ins Land der Riesen.) Nach Jonathan Swift. Christiania 1870.
  • (Anonym:) Baron Münchhausens vidunderlige Reiser og Eventyr. (Baron Münchhausens wunderbare Reisen und Abenteuer.) Kristiania 1871.
  • Efter Guld. En Indianerfortælling. (Auf der Suche nach Gold. Eine Indianergeschichte.) Nach Gabriel Ferry: Guldsøgerne. Falck Ytters Forlag, Kristiania 1871. (Digitale Version.) Neuauflage 1915.
  • Imellem Isbjergene. To Gutters Ophold på en øde Ø under Nordpolen. (Zwischen den Eisbergen. Zwei Jungen auf einer einsamen Insel unter dem Nordpol.) Nach: Isaac Israel Hayes: Cast Away in the Cold. Falck Ytters Forlag, Kristiania 1874. (Digitale Version.) Neuauflagen Kristiania 1899 und 1917.

Herausgeberschaften von Zeitschriften

Børnenes Blad[23.4] / For Ungdommen[23.5]
Titel Erscheinungsweise Ab Datum Bis Datum Herausgeber Verleger
Børnenes Blad wöchentlich 1861 1865 Anthon Bang a B. M. Bentzen
1864 1867 Falck Ytter ?
For Ungdommen 1868 1870
monatlich 1871 1871
Børnenes Blad wöchentlich 1872 b 1874 Falck Ytter Falck Ytter
For Ungdommen 1875 1883
Børnenes Blad 1883 1884
a 
Herausgeber bis zum 1. Juli 1865; wurde ab 1864 krankheitshalber von Falck Ytter vertreten
b 
Falck Ytter war schon ab Herbst 1871 Herausgeber und Verleger

Børnenes Blad (Das Kinderblatt) erschien mit wechselnden Untertiteln:

  • 1861–1869: (Et) Ugeskrift for belærende og underholdende Børnelæsning. (Eine Wochenzeitschrift für lehrreiche und unterhaltsame Kinderliteratur.)
  • 1870–1871: Illustreret Ugeskrift for Ungdommen. (Illustrierte Wochenzeitschrift für die Jugend.)
  • 1872–1874: Et Ugeskrift for Ungdommen. (Eine Wochenzeitschrift für die Jugend.)

For Ungdommen (Für die Jugend) erschien mit folgenden Untertiteln:

  • 1868–1870: Et Ugeskrift. (Eine Wochenzeitschrift.)
  • 1871: Maanedsskrift for Gutter og Piger. (Monatszeitschrift für Jungen und Mädchen.)
  • 1875–1883: Illustreret Ugeskrift for belærende og underholdende Børnelæsning. (llustrierte Wochenzeitschrift für lehrreiche und unterhaltsame Kinderliteratur.)
Weitere Herausgeberschaften von Falck Ytter
Titel Erscheinungsweise Ab Datum Bis Datum Funktion Quelle
For By og Bygd a 2 mal monatlich 1863 b Herausgeber (mit P. A. Clausen) [23.1]
Norsk Folkeblad wöchentlich 15. Juni 1872 1873 c Redakteur und Herausgeber [23.2]
Illustreret Nyhedsblad d wöchentlich 1874 1876 c Redakteur [23.3]
Glommen Tageszeitung 1888 1941 e Anonymer Herausgeber [30]
a 
Untertitel: Tidsskrift for ældre og nyere Skønliteratur. (Zeitschrift für ältere und jüngere Schöne Literatur.)
b 
Einziger Jahrgang.
c 
Danach eingestellt.
d 
Neubelebung des 1866 eingestellten Illustreret Nyhedsblad
e 
Einstellung der Zeitung. Wie lange Falck Ytter für die Zeitung tätig war, ist nicht bekannt.

Literatur

  • Falck-Ytter. (Biografischer Text mit Bild) In: Folkebladet 1904, Nr. 19, Seite 289 f.
  • Ytter, Oluf Vilhelm Falck. in: J. B. Halvorsen: Norsk Forfatter-Lexikon 1814–1880. Band 6: U–Ø. Den Norske Forlagsforening, Kristiania 1908, Seite 706–709 (Mit ausführlichem Werksverzeichnis) (Digitale Version bei Projekt Runeberg).
  • Sonja Hagemann: Barnelitteratur i Norge 1850–1914. Aschehoug, Oslo 1970, ISBN 82-03038-68-9 bzw. 82-03038-69-7.
  • E. Økland: Norske barneblad. In: T. Ørjasæter u. a.: Den Norske barnelitteraturen gjennom 200 år. Lesebøker, barneblad, bøker, tegneserier. Cappelen, Oslo 1981, ISBN 82-02019-05-2.
  • Tone Birkeland, Gunvor Risa, Karin Beate Vold: Norsk barnelitteraturhistorie. Samlaget, Oslo 1997, ISBN 82-52143-81-4.
Commons: Oluf Falck-Ytter – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Tildelinger av ordener og medaljer. auf kongehuset.no.
  2. a b c Fortegnelse over de akademiske Borgere ved Norges Universitet i de første 50 Aar fra dets Stiftelse, 1813-1862. Chr. Schibsted, Kristiania 1867, Seite 48 (Digitale Version bei Projekt Runeberg).
  3. a b c d e f g h i j k Gunvor Risa: Oluf Vilhelm Falck-Ytter. in: Store norske leksikon (Digitale Version).
  4. a b Ministerialbok for Romedal prestegjeld 1829-1846 (0416P). Der Eintrag ins Taufbuch nennt übrigens als Geburtsdatum den 7. März 1832, im Widerspruch zu allen anderen Quellen. Es handelt sich wohl um einen Schreibfehler.
  5. a b c d e Rolf Olav Hårseth: Anno Domkirkeodden: Oluf Vilhelm Falck-Ytter. bei kulturpunkt.org
  6. a b c d e Ytter Oluf Wilhelm Falck. in: Chr. Brinchmann, Anders Daae, K. V. Hammer (Hrsg.): Hvem er hvem? 1912. H. Aschehoug & Co (W. Nygaard), Kristiania 1912, Seite 288 (Digitale Version bei Projekt Runeberg).
  7. Nils Ytter. in: Slekt skal følge slekters gang.
  8. a b c d e Ytter, Oluf Vilhelm Falck. in: J. B. Halvorsen: Norsk Forfatter-Lexikon 1814–1880. Band 6: U–Ø. Den Norske Forlagsforening, Kristiania 1908, Seite 706–709 (Digitale Version bei Projekt Runeberg).
  9. a b Ytter, Oluf Vilhelm Falck. in: Haakon Nyhuus (Hrsg.): Illustreret norsk konversationsleksikon. Band VI: Recambio – Öynhausen. H. Aschehoug & Co. (W. Nygaard), Kristiania 1913, Spalte 2019 (Digitale Version bei Projekt Runeberg).
  10. a b c d e f Mikael Sundt: Studenterne fra 1851. Biografiske meddelelser m.m. Cammermeyer, Kristiania 1887 Seite 42 f. (Digitale Version).
  11. a b 185. Norwegischer Jäger- und Fischerverein. in: Kommission for Verdensutstillingen i Wien, 1873 (Hrsg.): Norwegischer Special-Katalog der Weltausstellung 1873 in Wien. J. Chr. Gundersen, Christiania 1873, Seite 48 Vorschau Google Books
  12. a b † Fhv. Byfoged Falck-Ytter. In: Morgenbladet vom 24. Oktober 1914, Seite 4 (Digitale Version).
  13. a b c d e Dødsfald. Byfoged Falck-Ytter. In: Aftenposten vom 24. Oktober 1914, Seite 1 (Digitale Version).
  14. a b Falck-Ytter. In: 1ste Mai vom 24. Oktober 1914, Seite 4 (Digitale Version).
  15. a b c † Byfoged Falck-Ytter. In: Norske Intelligenssedler vom 25. Oktober 1914, Seite 8 (Digitale Version).
  16. Fullmakt. in: Th. Westrin (Hrsg.): Nordisk familjebok. Konversationslexikon och Realencyklopedi. Uggleupplagan. Band 9. Fruktodling – Gossensass. Nordisk familjeboks förlags aktiebolag, Stockholm 1908, Spalte 94 f. (Digitale Version bei Projekt Runeberg).
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