Olive Grace Walton

Olive Grace Walton (* 1886 in Royal Tunbridge Wells, Kent; † 1937) war eine englisch-britische Suffragette und Polizistin.

Leben

Walton war eines von vier Kindern von Charles Walton und seiner zweiten Frau. Ihr Vater war bei ihrer Geburt bereits über siebzig Jahre alt und hatte als Weinhändler gearbeitet. Er starb als sie sieben Jahre alt war.[1][2] Sie hatte einen Bruder und eine Schwester und fühlte sich intellektuell unterlegen, da sie nur Kochen und Kunst gelernt hatte. Sie ging nach London, um dort Sozialarbeit zu leisten.[3]

Walton trat noch in Royal Tunbridge Wells um 1908 dem dortigen Zweig der National Union of Women’s Suffrage Societies bei. In London wurde sie dann ehrenamtliche Sekretärin der militanten Women’s Social and Political Union (WSPU), was sie von ihrer Familie entfremdete.[3] Walton wurde insgesamt dreimal verhaftet.[2][4]

Als im November 1911 Premierminister H. H. Asquith ankündigte, in der sogenannten Conciliation Bill 1911 ein erweitertes Männerwahlrecht einem Frauenwahlrecht vorziehen zu wollen, führte die WSPU am 21. November 1911 eine „offizielle Fenstereinschlagaktion“ entlang der Whitehall und Fleet Street durch. Ziele waren Büros der Zeitungen sowie die offiziellen Residenzen oder Häuser führender liberaler Politiker. Der Gesetzentwurf wurde daraufhin ganz fallen gelassen. Walton gehörte zu den Beteiligten, wurde verhaftet und zu einer Woche Haft im Holloway Prison verurteilt.[1][2][3]

Anfang März 1912 beteiligte sich Walton zusammen mit über 100 anderen Frauen an einer Protestaktion der WSPU in Form von Einschlagen von Schaufenstern im Zentrum Londons. Die Frauen verbargen große Steine und Hämmer unter ihren Röcken und zerstörten in einer koordinierten Aktion Schaufenster in der Regent Street, der Oxford Street und in der Umgebung. Zusammen mit Eileen Mary Casey warf sie die Fenster des Kaufhauses Marshall & Snelgrove in der Oxford Street ein und wurde wie viele andere zu Haft verurteilt. Im Aylesbury Prison trat sie in den Hungerstreik und wurde zwangsernährt. Walton berichtete, sie habe außerhalb des Gefängnisses eine Band gehört, die The March of the Women spielte, und Menschen mit Fahnen gesehen, „die uns zujubeln und uns Bravo rufen. Es war alles großartig, aber oh, wie sehr sehnt man sich danach, von diesem Ort wegzukommen.“ Die Hungerstreikenden wurden dreimal täglich zwangsernährt, und Walton berichtete von „heftigen Auseinandersetzungen, bevor sie uns an den Stuhl fesselten“. An anderen Tagen spielten die Suffragetten gemeinsam Spiele, um sich bei Laune zu halten, wie Hindernisrennen, Golf mit Stöcken und Steinen, Tennis mit Steinen und Mülleimerdeckeln, wobei eine Gefängnisbank als Netz diente, obwohl Walton ihre Beine als „sehr dünn und wackelig“ empfand. Die Frauen konnten ihre Strafe durch die Herstellung von Schürzen verkürzen, und der Gefängnisdirektor William Winder ignorierte, dass sie Suffragetten-Slogans wie „Deeds not Words“ und „Dare to be Free“ stickten, obwohl sie diese vor ihrer Entlassung aus dem Gefängnis wieder auftrennen mussten.[3]

Nach ihrer Freilassung wurde Walton von der WSPU-Führung mit der sogenannten „Hungerstreik-Medaille“ For Valour ausgezeichnet.[1]

Walton wurde 1914 in Dundee, Schottland, ein drittes Mal verhaftet, weil sie eine Petition gegen die Zwangsernährung von Suffragetten, die an einem Gummiball befestigt war, in die königliche Kutsche mit König George und Königin Maria geworfen hatte. Sie wurde verhaftet, aber die Königin bat darum, dass sie nicht strafrechtlich verfolgt werden sollte.[2][5]

1914, zu Beginn des Ersten Weltkriegs, trat Walton als eine der ersten Suffragetten den Women Police Volunteers bei und wurde Inspector. 1920 wurde sie nach Dublin geschickt, um im Women’s Auxiliary Service der Royal Irish Constabulary zu arbeiten.[3] Nachdem sie bei einem Motorradunfall verletzt worden war, beendete sie die Polizei-Karriere und wurde Krankenhausseelsorgerin.[5]

Nach der Erinnerung ihrer Nichte gehörte es zu ihrem persönlichen Stil, die Haare kurz zu tragen und sich mit Anzug und Krawatte zu kleiden. Sie heiratete nie. Sie adoptierte ein Waisenmädchen und nannte es Christabel. Sie war Vegetarierin und wählte die Labour Party.[3][5]

Walton starb 1937 an Krebs; als Christliche Wissenschaftlerin hatte sie eine Behandlung abgelehnt.[3]

Einzelnachweise

  1. a b c Elizabeth Crawford: Walton, Olive Grace (1886–1937). In: The Women's Suffrage Movement: A Reference Guide 1866–1928. Routledge, London 2003, ISBN 0-7484-0379-5, S. 86 f., 100, 699 f.
  2. a b c d Miss Olive Grace Walton. In: Database. Women’s Suffrage Project, abgerufen am 5. Januar 2026.
  3. a b c d e f g Diane Atkinson: Rise up, women!: the remarkable lives of the suffragettes. Bloomsbury, London 2018, ISBN 978-1-4088-4404-5, S. 299 f., 563.
  4. Suffragettes: Amnesty of August 1914: index of people arrested, 1906-1914. In: HO 45/24665. The National Archives, abgerufen am 20. Dezember 2025.
  5. a b c Elizabeth Elmor (Lizelmore): Inspiring Women. In: Women’s Auxiliary Service. Olive Edis Project, Norfolk Museums Service, 1. Juli 2016, abgerufen am 5. Januar 2026.