Eileen Mary Casey

Eileen Mary Casey (* 4. April 1881 in Deniliquin, New South Wales; † 12. Oktober 1972 in Lee-on-the-Solent, Hampshire) war eine britische Suffragette, Übersetzerin und Lehrerin.

Leben

Casey war das erstgeborene Kind der irisch-stämmigen Phillip Forth Casey, einem Arzt, und seiner Frau Isabella Julia Agnes Raey. Im April 1882 zog die Familie nach Hay, New South Wales. Im März 1890 führte die Arbeit des Vaters die Familie zurück nach Europa, wo sie sich in Göttingen niederließen. Casey beherrschte daher Deutsch fließend.[1]

Casey wurde durch eine Kundgebung mit Emmeline Pankhurst inspiriert, sich der Women’s Social and Political Union (WSPU) anzuschließen. Sie galt als extrem militant.[2] Sowohl ihre Mutter Isabella Casey wie ihre Schwester Kathleen Casey waren Suffragetten. Die Mutter wurde ebenfalls inhaftiert. Das Haus der Caseys stand Suffragetten immer offen.[3]

Als im November 1911 Premierminister H. H. Asquith ankündigte, in der sogenannten Conciliation Bill 1911 ein erweitertes Männerwahlrecht einem Frauenwahlrecht vorziehen zu wollen, führte die WSPU am 21. November 1911 eine „offizielle Fenstereinschlagaktion“ entlang der Whitehall und Fleet Street durch. Ziele waren Büros der Zeitungen sowie die offiziellen Residenzen oder Häuser führender liberaler Politiker. Der Gesetzentwurf wurde daraufhin ganz fallen gelassen. Casey gehörte zu den Beteiligten, entging aber der Verhaftung.[1][4][5]

Anfang März 1912 beteiligte sich Casey zusammen mit über 100 anderen Frauen an einer Protestaktion der WSPU in Form von Einschlagen von Schaufenstern im Zentrum Londons. Die Frauen verbargen große Steine und Hämmer unter ihren Röcken und zerstörten in einer koordinierten Aktion Schaufenster in der Regent Street, der Oxford Street und in der Umgebung. Zusammen mit ihrer Mutter und der Mitstreiterin Olive Grace Walton warf sie die Fenster des Kaufhauses Marshall & Snelgrove in der Oxford Street ein und wurde wie viele andere zu der schweren Strafe von vier Monaten Haft verurteilt. Im Gefängnis trat sie in den Hungerstreik, wurde zwangsweise ernährt.

Nach ihrer Freilassung wurde sie von der WSPU-Führung mit der sogenannten „Hungerstreik-Medaille“ For Valour, datiert auf den 4. März 1912, den Tag der Tat, ausgezeichnet. Casey war eine von 68 Frauen, die ihre Unterschrift oder Initialen auf das von den Gefangenen in Holloway im März 1912 bestickte sogenannte „Suffragetten-Taschentuch“ setzten.[6]

Am 17. März 1913 wurde Casey unter dem Namen „Eleanor Cleary“ erneut verhaftet, weil sie „eine schädliche Substanz in einen Briefkasten eingebracht“ hatte. Sie wurde freigelassen, nachdem sie eine Geldstrafe bezahlt hatte. Im Juni 1913 unterstützten Casey und ihre Tochter Bella die Idee von Kitty Marion, die Tribüne auf dem Hurst Park Racecourse in Brand zu setzen – als „äußerst angemessenes Signal, nicht nur als üblicher Protest, sondern zu Ehren der kühnen Tat unserer Kameradin“, in Anspielung auf Emily Davisons Handlung, sich beim Epsom Derby vor das Pferd des Königs zu werfen.[7] Im Oktober 1913 wurde sie unter dem Namen „Irene Casey“ in Bradford verhaftet, zu drei Monaten Haft verurteilt und trat in den Hungerstreik. Sie wurde nach dem Cat and Mouse Act vorläufig zur Genesung freigelassen. Sie entkam, indem sie sich in Männerkleidung verkleidete, während ihre Mutter sich als Eileen Casey ausgab. Acht Monate lang war sie auf freiem Fuß, bis sie im Juni 1914 in Nottingham wegen Besitzes von Sprengstoff verhaftet wurde.[1] Sie wurde zu 15 Monaten Haft verurteilt, trat erneut in den Hungerstreik und wurde entgegen der Beurteilung des Gefängnisarztes zwangsernährt. Das Innenministerium war fest entschlossen, sie diesmal nicht nach dem Cat and Mouse Act freizulassen, verlegte sie ins Winson Green Prison, wo der zuständige Mediziner weniger Hemmungen hatte, wo Casey ihren Hunger- und Durststreik fortsetzte.[5] So wurde schließlich im Zuge der im Rahmen eines Stillhaltabkommens der WSPU-Führung zu Beginn des Krieges gewährten Generalamnestie freigelassen.[8][3]

Casey ist in der sogenannten Roll of Honour of Suffragette Prisoners der Suffragette Fellowship aufgeführt.[9]

Während des Ersten Weltkriegs arbeitete Casey als Landarbeiterin und Gärtnerin in den Kew Gardens. Von 1923 bis 1940 zog sie nach Japan, um Englisch zu unterrichten. Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, ging sie nach Australien, wo sie als Übersetzerin für das Board of Censors tätig war.[4] Sie wurde Master einer Freimaurerloge.[3] 1951 kehrte Casey nach England zurück. 1956 wurde sie Mitglied von Calling All Women. Als sie 1968 wieder nach Australien zog, beteiligte sie sich an der australischen Niederlassung der Suffragette Fellowship.[1]

Casey starb am 1972 in Lee-on-the-Solent, Hampshire.[1]

Einzelnachweise

  1. a b c d e Eileen Luscombe: Eileen Mary Casey (1881–1972). In: People Australia. National Centre of Biography, Australian National University, abgerufen am 22. Dezember 2025.
  2. Joyce Marlow: Suffragettes: The Fight for Votes for Women. Virago, London 2015, ISBN 978-0-349-00774-8, S. 1918.
  3. a b c Rebecca Simpson: The Hunger Games: The Centenary of the Women's Suffrage Movement. In: Blog. The National Archives, 28. Mai 2013, abgerufen am 22. Dezember 2025.
  4. a b Elizabeth Crawford: Bryer, Constance (1870–1952). In: The Women's Suffrage Movement: A Reference Guide 1866–1928. Routledge, London 2003, ISBN 0-7484-0379-5, S. 86 f., 100 (google.de).
  5. a b Miss Eileen Casey. In: Database. Women’s Suffrage Project, abgerufen am 22. Dezember 2025.
  6. The Suffragette Handkerchief. Sussex Past, August 2011, archiviert vom Original am 13. Mai 2021; abgerufen am 18. Dezember 2024.
  7. Diane Atkinson: Rise up, women! : the remarkable lives of the suffragettes. Bloomsbury, London 2018, ISBN 978-1-4088-4404-5, S. 421.
  8. Suffragettes: Amnesty of August 1914: index of people arrested, 1906-1914. In: HO 45/24665. The National Archives, abgerufen am 20. Dezember 2025.
  9. Suffragette Fellowship: Roll of Honour of Suffragette Prisoners 1905-1914. In: London University: London School of Economics, The Women's Library, Papers of Annie Lacon. The National Archives, 1950, abgerufen am 4. Dezember 2024.