Ole Anton Qvam

Ole Anton Qvam (* 5. August 1834 in Bolsøy, heute Molde (Møre og Romsdal);[1]8. Juli 1904 auf Gjævran in Egge, heute Steinkjer (Trøndelag)[2]) war ein norwegischer Politiker, Rechtsanwalt und Beamter. In den Auseinandersetzungen um die Verfassung und die Union mit Schweden während der Jahre 1870 bis 1905 war Qvam der führende Vertreter des radikalen Flügels der liberalen Venstre-Partei. Seine bedeutendsten Leistungen waren die Reform des Strafprozessrechts und die Einführung der Geschworenengerichte im Jahr 1887. Er war zwanzig Jahre lang Parlamentsmitglied und mehrmals Parlamentspräsident, Parteivorsitzender und Justizminister. Am Ende seines Lebens bekleidete er 1902–1903 die Ehrenstellung eines „Norwegischen Ministerpräsidenten in Stockholm“.

Ole Anton Qvams Ehefrau, Fredrikke Marie Qvam, war eine der einflussreichsten norwegischen Frauenrechtlerinnen ihrer Zeit, Gründerin und langjährige Präsidentin der Fürsorgeorganisation Norske Kvinners Sanitetsforening.

Leben und Werk

Eltern und Ausbildung

Ole Anton Qvam war das zweitjüngste von sieben Kindern des Landwirts Ole Larsen Qvam (1782–1844) und der Johanne Pedersdatter Ryen (1797–1850).[3] Der Vater entstammt einer alteingesessenen Familie in Sogn und wurde auf dem Hof Kvam in Hafslo geboren. 1812 zog er nach Bolsøy auf den Hof Meeg (auch Mek oder Mekvik genannt). Er war für Romsdal Parlamentsabgeordneter und wurde in den Parlamentsprotokollen „nach damaligem Brauch“[4] unter dem Namen Ole Anton Meeg geführt. Um seinen Familiennamen auch für den offiziellen Gebrauch verwenden zu können, änderte er 1837 den Namen des Hofs Meeg in Kvam.[5]

Die Mutter Johanne Pedersdatter Ryen stammt aus einer in Nord-Østerdalen und Nordmøre weit verzweigten Bauernfamilie.[4]

Ole Anton Qvam verlor im Alter von zehn Jahren seinen Vater und mit sechzehn Jahren seine Mutter. In Folge wurde er von seinem älteren Bruder Peter Qvam (1822–1907), der in Kristiania eine Privatschule leitete, finanziell unterstützt.[6.1] 1847–1851 besuchte er die Molde middelskole og latingymnasium[7] und war dort Mitschüler von Bjørnstjerne Bjørnson.[8] Am 22. September 1850 wurde er konfirmiert.[9] Nach privater Vorbereitung legte er 1853 das examen artium (Abitur) mit Laud (gut) ab.[4]

Lehrer und Student

In den folgenden Jahren verdiente Ole Anton Qvam seinen Lebensunterhalt als Lehrer. Er war zunächst zwei Jahre lang Hauslehrer bei Sorenskriver Isaachsen in Setesdal, danach 1855–1856 Lehrer an Holths Lateinschule in Kristiania, 1856–1857 Vertretungslehrer an der Mittelschule in Arendal und zuletzt 1857–1859 Hauslehrer bei David Andreas Gram auf dem Gut Helge-Rein-By in Stod (heute Steinkjer) in Nord-Trøndelag.[10]

In seiner Freizeit lernte Qvam Fremdsprachen, was ihm in seiner späteren Karriere zugutekommen sollte. Er teilte auch das Bestreben, aus den ländlichen Dialekten die neue norwegische Schriftsprache Landsmål zu entwickeln. Bei den Treffen der Sprachreformer lernte er Aasmund Olavsson Vinje, Ivar Aasen, Ernst Sars, Hans Ross und andere kennen. „Kleine literarische Skizzen und ein Reisebericht von einer Wanderung im Sommer 1861 zeigen, wie sehr er sich für diese Zielsetzung engagierte.“[6.1]

Bereits in diesen Jahren pflegte er seine künstlerischen Interessen. Ende der 1850er Jahre besuchte er in der Hauptstadt die Malerschule von Johan Fredrik Eckersberg. Er spielte Kornett, aber noch lieber Klavier. Als er 1857 nach Stod kam, gründete er dort sowohl ein Orchester als auch einen Chor. Die bleibendsten Erinnerungen an Qvams musikalisches Talent sind die von ihm komponierten Klavierlieder, die Texte von Bjørnson, Aasen, Vinje und Arne Garborg vertonen.[6.1]

Die Lehrtätigkeit war ihm mehr als nur Brotberuf: „Es scheint, als hätte Qvam gewisse Schwierigkeiten gehabt, sich zwischen einem Jurastudium und einem Philologiestudium zu entscheiden.“[6.2] Schließlich entschied er sich für Jura (das Anden examen hatte er bereits 1856 abgelegt), und nach nur eineinhalb Jahren intensiven Studiums schloss er im Juni 1862 sein Studium durch die Staatsprüfung (embedsexamen) mit Laud als cand. jur ab.[6.3][4]

Anwalt und Bräutigam

Als Hauslehrer auf dem Gut By in Stod lernte Ole Anton Qvam 1857 die damals vierzehnjährige Tochter der Gutsbesitzerfamilie Frederikke Marie kennen und lieben. Nach seinen eigenen Worten erlebte er damit „das Glück, in die liebenswerteste und edelste Familie einzutreten, die unsere unvollkommene Zivilisation kannte, diejenige zu treffen, die meine Liebste auf Leben und Tod werden sollte, untrennbar mit all meinen Gedanken, Gefühlen und Handlungen verbunden“. (zitiert bei[6.2]).

Der Vater, David Andreas Gram (1812–1858), hatte in jungen Jahren Henrik Wergeland kennengelernt und war wie Ole Qvam der sprachlichen und kulturellen Ausbildung der norwegischen Nation verpflichtet. Der Bräutigam wurde – auch von der Mutter, Louise Augusta Bing (1808–1900) – in „in einem sozial hochstehenden Kreis willkommen geheißen“.[6.2]

Zunächst musste sich der junge Jurist als Rechtsanwalt etablieren, was ihm schnell gelang. In den Jahren 1863–1864 war er Bevollmächtigter des Sorenskrivers Bernt Anker Steen im Gericht Stjør- og Verdal.[11][4][12] 1863 wurde er als overrettssakfører (Senior-Rechtsanwalt mit dem Klagerecht vor allen Gerichten) zugelassen und im Folgejahr eröffnete er seine Anwaltskanzlei in Steinkjer.[3][4] Schließlich wurde er 1867 nach Ablegung einer weiteren Prüfung als Anwalt auch für den Obersten Gerichtshof (høyesterettsadvokat) zugelassen.[13][12]

1864 kaufte Ole Anton Qvam (wohl mit der Hilfe der sehr wohlhabenden Schwiegereltern) den großen Hof Gjævran in Egge bei Steinkjer. Am 21. Mai 1865 heiratete er in der dortigen Kirche seine Frederikke Marie (* 31. Mai 1843 in Trondheim; † 10. September 1938 in Egge).[14][15]

Noch im selben Jahr zog das junge Paar zu der Mutter der Braut nach Stod.[16] Frau Gram war seit einigen Jahren Witwe und Ole Anton Qvam verwaltete ihren Hof Helge Rein Bye. Erst 1873 ließ er sich endgültig mit seiner Familie in Gjævran nieder.[3][11]

Die Tragödie der Kinder

Ole und Fredrikke Qvam hatten vier Kinder:[17][18] Louise Gram (* 1866)[19], Olaf Hafslo (* 1868)[20], Marie Christine Lyng (* 1873)[21], David Andres Gram (* 1877)[22]. Nur die Tochter Louise Qvam überlebte ihre Eltern. Sie wurde eine der ersten Ärztinnen Norwegens und trat wie ihre Mutter für das Frauenwahlrecht ein. Nach dem Tode ihres Vaters kehrte sie heim nach Egge, eröffnete dort eine Praxis und unterstützte ihre Mutter bei der Bewirtschaftung von Gjævran.[6.4]

Die anderen Kinder starben hintereinander an Tuberkulose, Marie Christine 1878 im Alter von fünf Jahren, David Andreas 1888 als 10-Jähriger. Olaf Hafslo,[23] der wie sein Vater Jura studierte[6.4] und Gedichte und Zeitungsartikel verfasste, verstarb 25-jährig im Jahre 1893. (Die Eltern veröffentlichten im Folgejahr seinen literarischen Nachlass.)

Die Trauer über den Verlust ihrer Kinder war ein wichtiger Anstoß für Fredrikke Qvam, 1896 den Verein Norske Kvinners Sanitetsforening zu gründen, dessen ehrenamtliche Mitarbeiterinnen im Gesundheits- und Sozialbereich tätig sind.[15]

Bürgermeister und Parlamentsabgeordneter

Sein Interesse für nationale Fragen führte Ole Qvam in die Politik, zunächst in die lokale. 1867 wurde er zum Mitglied des Gemeinderats in Stod gewählt und 1868–1869 übte er das Bürgermeisteramt aus. Nachdem Egge als eigenständige Gemeinde von Stod abgetrennt wurde, war Qvam 1869–1885 Bürgermeister von Egge.[3][4] Er bemühte sich um die wirtschaftliche Entwicklung seiner Region als Gründer der Sparbu og Egge Sparebank und der Stenkjær Dampskibsselskab (Dampfschiffsgesellschaft). In beiden Unternehmen war er von 1873 bis 1886 Vorsitzender des Vorstandes.[8]

Ole Qvam wurde erstmals 1870 ins Parlament gewählt, zunächst als Ersatzmann (Vararepresentant). Danach vertrat er 1874–1885 das Amt Nordre Trondhjem, 1886–1888 und 1895–1897 das Amt Søndre Trondhjem und 1898–1900 erneut Nordre Trondhjem.[10] In der Legislaturperiode 1882–1885 war er Präsident des Lagting (Kleine Kammer) und 1886–1888 des Odelsting (Große Kammer).[24] Er war mehrere Amtsperioden lang Vorsitzender des Justizausschusses, ab 1880 Mitglied des Wahlausschusses und ab 1883 Mitglied des Vollmachtsausschusses.[12]

Unter den von ihm mitgestalteten Gesetzen ist die Einführung der Geschworenengerichtsbarkeit am wichtigsten. In den Jahren 1882 bis 1884 wurde diese von der parlamentarischen Jurykommission ausgearbeitet, die unter dem Vorsitz von Ole Qvam tagte. Anschließend war Qvam 1884–1889 Mitglied der durch königlichen Beschluss eingesetzten (zivilen) Strafrechtskommission. In der Militärstrafrechtskommission war er wiederum Vorsitzender.[8][4] „In all diesen Ämtern leistete er bedeutende Arbeit und lieferte einen wesentlichen Teil der Vorarbeiten, auf denen die so tiefgreifende Gesetzgebung basiert.“[12] 1889 veröffentlichte er Das norwegische Strafprozessgesetz vom 1. Juli 1887 mit Kommentar.[13]

„Als Qvam ins Storting kam, war er einer der wenigen aus der Beamtenklasse, die sich der linken Fraktion anschlossen. Neben ihm gab es höchstens drei weitere, die als ‚extreme Linke‘ gelten konnten, darunter Johan Sverdrup. Qvam galt als der radikalste und auch als der lautstärkste von allen.“[3] Die von Qvam angeführten Abgeordneten aus Nordre Trondhjems amt wurden bald als der radikalste Teil der Opposition empfunden und ihre Heimat als „das rote Amt“ verunglimpft. Qvam setzte sich früh für die Sprachreform ein und schlug bereits 1874 vor, die Lehrerausbildung um Altnordisch und Landsmål zu erweitern.[8]

Frauenrechte

Ole Qvam war der erste norwegische Politiker, der öffentlich für die Frauen das Wahlrecht einforderte. Nach Aussage seiner Frau geschah dies 1869 bei einer politischen Versammlung in Steinkjer. Das Ehepaar Qvam war in der Norsk Kvinnesaksforening (Norwegische Frauenrechtsvereinigung) seit deren Gründung 1884 aktiv und Anton Qvam einer von etwa zehn linken Abgeordneten, die von Anfang an dort Mitglieder waren. 1886 legte er zum ersten Mal im Storting einen Antrag zur Einführung des Frauenwahlrechts vor. Als über diesen 1890 erneut debattiert wurde, stellte er vom Rednerpult fest: „Wir sind ein kleines Volk, wir können es uns nicht leisten, uns kleiner zu machen, als wir sind.“[25] Er forderte auch, dass Frauen als Verheiratete voll geschäftsfähig bleiben sollten, um über ihr eigenes Vermögen verfügen zu können. Gütertrennung sollte zwischen Ehepartnern die Norm sein.[8]

In einem Nachruf in der feministischen Zeitschrift Nylænde wurde Ole Anton Qvam als die herausragendste Persönlichkeit bezeichnet, die jemals die Sache der Frauen unterstützt hatte: „Für den großen Vaterlandsfreund war die Befreiung der Frauen eine der Voraussetzungen dafür, dass Norwegen das Land der Zukunft werden konnte.“[26] Der rührend dankbare Kommentar schließt mit einer feinsinnigen Bemerkung:

„Es gibt Männer, die sich öffentlich für die Sache der Frauen einsetzen, sie aber privat ablehnen. Es gibt solche, die auf Festen schöne Worte über unsere Rechte sprechen, aber im Alltag und innerhalb ihrer eigenen vier Wände nicht nach ihren Worten handeln. Bei ihm war das anders. Es herrschte vollkommene Harmonie.“[26]

Venstre-Gründung und Krise

Die Stortingwahlen von 1882 waren für die linke Opposition sehr erfolgreich. Als die Parlamentssitzung im Februar 1883 begann, schloss sie sich zur Stortingets Venstreforening (Liberale Vereinigung des Storting) zusammen.[6.5] Am 28. Januar 1884 entstand daraus die Norges Venstreforening als älteste Partei Norwegens unter der Führung von Johan Sverdrup und mit Ole Qvam als stellvertretenden Vorsitzenden.

1883 leitete die linke Mehrheit im Storting ein Amtsenthebungsverfahren (riksrett) gegen die konservative Regierung Christian Selmer ein. Qvam war zu der Zeit Präsident des Lagtings und führte kraft dieses Amtes den Vorsitz in den vorläufigen Sitzungen des Reichsgerichts, wurde jedoch danach von den Angeklagten wegen Befangenheit abgelehnt. Der Konflikt mit der Regierung war verknüpft mit der Problematik des königlichen Vetorechts. Qvam gehörte zu den Initiatoren einer Proklamation, in der es hieß, wenn die Königsmacht und die Union nicht auf das absolute Veto verzichten könnten, „dann müssten wir die Königsmacht und die Union aufgeben“.[3] In Verfassungsfragen sollte das königliche Veto nur aufschiebende Wirkung besitzen. Qvams entschiedene Ablehnung jedes Kompromisses verschlechterte sein Verhältnis zu Johan Sverdrup zusehends.[8]

Die Verurteilung und damit Absetzung der Regierung wurde vom König am 27. Februar 1884 anerkannt. Sein Verzicht auf das Veto bedeutete den Übergang zum Parlamentarismus mit der Ministerverantwortlichkeit gegenüber dem Storting. Im Juni bildete Sverdrup die erste Venstre-Regierung Norwegens. Obwohl für Qvam kein Ministeramt vorgesehen war, wurde seine Position in der Fraktion gestärkt, und im September 1884 wurde er zum Parteivorsitzenden gewählt und blieb in dieser Funktion bis 1889.[3]

Als Parteivorsitzender trat Ole Qvam für eine straffe Organisation mit definiertem Programm und Einhaltung der Parteidisziplin ein.[8] „Im Konflikt zwischen den beiden neu gegründeten Institutionen, einer parlamentarischen Regierung und der Venstre-Partei, die sie unterstützen sollte, spielte Qvam die erste Geige. Er brachte die Partei dazu, eine radikale Reformpolitik zu verfolgen, und er kritisierte die Regierung immer wieder dafür, dass sie nicht schnell genug vorankam.“[6.6]

Auch die Storting-Periode 1886–1888, während der Qvam Präsident des Odelsting war, war von Auseinandersetzungen um die Union geprägt. Bei mehreren Anlässen war Qvam mit den von Ministerpräsident Sverdrup eingegangenen Kompromissen nicht einverstanden: „Ein Sturm ohne Gleichen mit einem aggressiven und kämpferischen Qvam an der Spitze brach über den Stortingssaal herein. Die Vorwürfe hagelten auf die Regierung nieder, die parlamentarische Wortwahl war eher scharf und rücksichtslos. […] Qvam sah es so, dass Sverdrup und seine Regierung völlig versagt hatten; die Regierung verdiente Schande und Schmach.“[6.7]

Zu Beginn des Jahres 1888 spaltete sich die Venstre-Partei und Sverdrup trat zurück. In den Wahlen im Herbst wurde die Venstre geschlagen und Qvam verlor seinen Parlamentssitz. Im Folgejahr wurde er als Parteivorsitzender durch Johannes Steen abgelöst. „Qvam stand daher einige Jahre lang außerhalb des politischen Lebens.“[3]

Ole Qvam als Beamter

In den 1880er Jahren wurde der bisher freiberufliche Anwalt verbeamtet. Am 22. Januar 1885 wurde Ole Qvam zum Richter (Sorenskriver) für den Bezirk Gauldalen am Fluss Gaula ernannt. Das war kurz nach dem Antritt der Sverdrup-Regierung und nachdem diese von der radikalen Presse dafür kritisiert worden war, keine Linken zu Beamten zu ernennen.[3][4]

Am 21. August 1889, nachdem Qvam sowohl seinen Parlamentssitz als auch den Parteivorsitz verloren hatte, wurde er zum Lagmand (Vorsitzender Richter) am Gericht Frostating befördert. Dies stand im Zusammenhang mit der Einführung einer neuen Gerichtsordnung.[4][12] Das Thing von Frosta, im Mittelalter einer der vier großen Gerichtsbezirke Norwegens, war neu als Berufungsgericht für Trøndelag und Møre og Romsdal eingerichtet worden.[27] Qvam wohnte danach wieder auf seinem Hof Gjævran.[28]

Am 19. Dezember 1894 wurde Qvam zum Amtmann von Nordre Trondhjems Amt ernannt.[3][4] Im selben Jahr war er nach sechsjähriger Pause wieder in das Storting gewählt worden. Die Funktion als administrativer Leiter der Provinz (Fylkesmann) übte er bis 1898 aus.

Ole Qvam war außerdem 1885–1890 ein Mitglied des Vorstands der Norwegischen Zentralbank (Norges Bank), die damals noch ihren Sitz in Trondheim hatte.[10][4]

Ole Qvam als Minister

Nachdem bei der Stortingwahl 1891 die Linke die absolute Mehrheit erreicht hatte, bildete Johannes Steen am 6. März eine nur aus Venstre-Mitgliedern bestehende Regierung. In dieser wirkte Ole Qvam als Justizminister bis zu ihrem Ende am 2. Mai 1893. Die Regierung zerbrach an den Auseinandersetzungen um eigenständige norwegische Auslandsvertretungen.[3]

Für Qvam jedoch war die zweijährige Zeit als Minister der Auftakt zur Rückkehr in die Politik. 1894 wurde er erneut Bürgermeister von Egge, wurde erneut ins Parlament gewählt und im Dezember Amtmann. Von 1894 bis 1896 war er erneut Vorsitzender der Venstre-Partei.[10] (Seit Johannes Steens Scheitern hatte vorübergehend Viggo Ullmann, ein Vertreter der jüngeren Generation, die Partei geführt.)

1897 konnte Qvam seinen Parlamentssitz verteidigen. Doch bereits am 17. Februar 1898 trat er in Johananes Steens zweite Regierung ein, zunächst als Justizminister, später als Innenminister, dann gleichzeitig als Revisionsminister und Landwirtschaftsminister und zuletzt wieder als Justizminister. Der Ämterwechsel hatte organisatorische Ursachen. Im April 1900 wurde für die Landwirtschaft ein eigenes Ministerium eingerichtet (Qvam war also der erste Landwirtschaftsminister Norwegens). Gleichzeitig tauschte Ministerpräsident Steen das von ihm mitbetreute Revisionsministerium gegen das Innenministerium ein.[3][12]

Als Statsråd (Minister) verlegte Qvam seinen Wohnsitz nach Kristiania in die Pilestrædet 81. Er lebte dort mit Frau Fredrikke und Tochter Louise (die bereits cand. med. war) und zwei Dienstmädchen. Bei der Volkszählung 1900 nannte er als Beruf (neben „Minister“, aber im Einklang mit seinem Ministerium) „Eigentümer und Nutzer von landwirtschaftlichen Flächen.“[29]

Ole Anton Qvam schied mit der gesamten Regierung am 20. April 1902 aus dem Amt.

Ole Qvam als Ministerpräsident

Am folgenden Tag bildete Otto Albert Blehr eine neue Regierung, die eigentlich die alte war, da alle Minister übernommen wurden. Nur Ole Qvam wechselte auf die Position des Norwegischen Ministerpräsidenten in Stockholm als Leiter der Norwegischen Staatsratsabteilung in Stockholm.

Der Norsk statsminister i Stockholm war 1814–1873 der Ministerpräsident von Norwegen, der allerdings seine Amtgeschäfte am Hof des Königs von Schweden-Norwegen führte. In Norwegen wurde er durch den königlichen Statthalter vertreten. Seit 1873 residierte der Ministerpräsident in Kristiania, die „Außenstelle“ in Stockholm blieb jedoch (bis zur Auflösung der Union 1905) bestehen. „The Norwegian Prime Minister in Stockholm now became second in rank after the Prime Minister in Christiania.“[30] Der Ministerpräsident in Stockholm war teilweise eine Ehrenstellung, leistete jedoch vor allem diplomatische Dienste in den Verhandlungen mit dem König und der schwedischen Regierung.

Dass Ole Qvams Ernennung nicht auf der Hand lag, beweisen die mit ihr einhergehenden „heftigen Proteste auch von Seiten der Linken. […] Es zeigte sich, dass die scharfe Klinge seines Schwertes gebrochen war, oder zumindest, dass er es verstand, es zur richtigen Zeit und am richtigen Ort in der Scheide zu lassen.“[31] Er erwies sich als umgänglich und kompromissbereit. „Ja, er wurde schließlich fast ein Freund des Königs Oscar II., den er in den 1880er Jahren noch aufs Schärfste herausgefordert hatte.“[6.8]

Während seiner Amtszeit führten Verhandlungen mit der schwedischen Regierung am 24. März 1903 zu einer Vereinbarung über ein separates norwegisches Konsulatswesen, das jedoch weiterhin einer gemeinsamen Außenpolitik unterstand. Die genaue Stellung der norwegischen Botschafter sollte durch übereinstimmende schwedische und norwegische Gesetze geregelt werden.[3][8]

Nach verlorener Stortingswahl und Meinungsverschiedenheiten zwischen den Ministern trat die Regierung am 22. Oktober 1903 zurück.[13][12] Die im März getroffene Vereinbarung konnte die Auflösung der Union mit Schweden durch den Stortingbeschluss vom 7. Juni 1905 nicht verhindern.

Ende

Ole Anton Qvam erlebte die Auflösung nicht mehr. Als er im Herbst 1903 nach Gjævran zurückkehrte, war er bereits durch Krankheit geschwächt.[8] Er starb in seinem Heim „nach mehrmonatiger Krankheit“[32] am 8. Juli 1904 und wurde am 16. Juli auf dem Friedhof der Kirche Egge begraben.[2] Er ruht neben seiner Frau. Im Jahr 1919 errichteten „junge Menschen aus Trøndelag und Freunde aus dem ganzen Land“ einen Gedenkstein auf seinem Grab. Sein von Erik Werenskiold im Jahr 1893 gemaltes Porträt wurde 1946 vom Storting aus dem Nachlass seiner Tochter Louise angekauft.[11]

Nachrufe

„Mit seiner unerschöpflichen Energie, seinem beachtlichen Können und seiner praktischen Erfahrung stieg Qvam nach und nach zu einem der einflussreichsten Führer seiner Partei auf.“[33] Dies wurde von politischen Gegnern, die „diese gesamte politische Richtung als unglückbringend für unser Land angesehen und sie und ihre Vertreter stets bekämpft“ hatten, auch so gesehen.[32] „Diejenigen, die mit Qvam im Parlament oder in Ausschüssen zusammengearbeitet haben, haben trotz politischer Gegensätze stets seine Einsichten und Fähigkeiten anerkannt. Die breite Öffentlichkeit hingegen kennt ihn eher als den heftigen Politiker und unerbittlichen Rechtsstreiter […] Über diesen harten Eindruck haben die letzten Jahre jedoch glücklicherweise einen versöhnlichen Schatten geworfen.“[31]

Jon Segtnan, Verfasser mehrerer Studien über Ole Anton Qvam, beschreibt „den hochgewachsenen, kräftigen Mann mit dem wogenden Bart und dem strengen Blick hinter den Brillengläsern“[31] als ambivalenten Charakter und er unterscheidet den Politiker Qvam vom Menschen Qvam. Seine politischen Ideale setzte er rigoros um; Kompromisse empfand er als Verrat an der richtigen Sache. Mit seiner Rücksichtslosigkeit in der Umsetzung stieß er auch die politischen Mitstreiter vor den Kopf.[6.8]

Der Mensch Qvam war warmherzig, „eine edle und freundliche Person, die die Schwachen und Schutzlosen in der Gesellschaft wahrnehmen und sich für sie einsetzen konnte.“[6.8] Musik und Literatur dienten ihm als Ausdrucksmittel für seine nach Harmonie suchende Persönlichkeit. Das Orgelspiel von Lindeman rührte ihn zu Tränen. Von den zeitgenössischen Literaten waren Bjørnstjerne Bjørnson und Jonas Lie seine Favoriten. Dagegen lehnte er die Kristiania-Bohème und den Kreis um Hans Jæger ab. „Das war keine Kultur und kein Geist, sondern erniedrigend und abstoßend. Kultur und Bildung sollten auf einem hohen, eleganten Niveau liegen.“[6.4]

Politische Ämter

(Quelle:[34])

Abgeordneter zum Storting
Von Bis Vertreter Für Partei
1871 1873 4. Ersatzmann Nordre Trondhjems Amt Unabhängiger
1874 1876 4. Vertreter
1877 1879 1. Vertreter
1880 1882 2. Vertreter
1883 1885 1. Vertreter
1886 1888 1. Vertreter Søndre Trondhjems Amt Venstre
1895 1897 2. Vertreter
1898 1900 1. Vertreter Nordre Trondhjems Amt
Mitgliedschaften in Stortingausschüssen
Ausschuss Von Bis
Justizausschuss von 1877 1880 1882
Justizausschuss Nr. 1 von 1883 1883 1885
Justizausschuss Nr. 1 von 1886 1886 1888
Justizausschuss von 1889 1895 1897
Kirchenausschuss 1874 1876
Protokollausschuss 1877 1879
Wahlausschuss 1880 1882
1883 1885
1886 1888
1895 1897
1898 1900
Vollmachtsausschuss 1883 1885
1886 1888
1895 1897
1898 1900
Mitgliedschaften in Venstre-Regierungen
Kabinett Von Bis Amt Ministerium
Johannes Steen (I) 6. März 1891 1. Mai 1893 Staatsrat Justizministerium
Johannes Steen (II) 17. Feb. 1898 28. Apr. 1899
28. Apr. 1899 24. März 1900 Innenministerium
24. März 1900 6. Nov. 1900 Revisionsministerium
1. Apr. 1900 6. Nov. 1900 Landwirtschaftsministerium
6. Nov. 1900 20. Apr. 1902 Justizministerium
Otto Albert Blehr (I) 21. Apr. 1902 21. Okt. 1903 Ministerpräsident in Stockholm Staatsratsabteilung in Stockholm

Auszeichnungen

(Quelle:[8])

Veröffentlichungen (Auswahl)

(Quellen:[8][4])

Monografien

  • Om Juryen. Skal vi beholde Enevældets Embedsmands-Domstole eller skal vi gjenindføre vore Forfædres Folkedomstole? (Über die Jury. Sollen wir die Beamtengerichte der absoluten Monarchie beibehalten oder die Volksgerichte unserer Vorfahren wieder einführen?) Norges Venstreforening, Kristiania 1884 (Digitale Version).
  • Strafretsplejen i forskjellige europæiske Lande, Lovudkastets System og Motiver til de enkelte Paragrafe. (Die Strafgerichtsbarkeit in verschiedenen europäischen Ländern, das System des Gesetzentwurfs und die Motive für die einzelnen Paragraphen.) In: Indstilling fra Jurykommissionen, 1885, Beilage 1 Seite 143–368, Beilage 3 Seite 467–511 und Beilage 4 Seite 513–541 und 554–579.
  • Hvad vil Juryens Indførelse koste? (Was wird die Einführung der Jury kosten?) 1887. Erstdruck im Dagbladet, 17. Jahrgang 1885, Nr. 27 vom 25. Januar 1885 (Digitale Version).
  • Den norske Straffeproceslov af 1ste Juli 1887 med Kommentar. (Das norwegische Strafprozessgesetz vom 1. Juli 1887 mit Kommentar.) Huseby, Kristiania 1889 (Digitale Version).
  • Venstres Valgprogram. Foredrag, holdt i Trondhjems liberale Forening den 17de August 1891. (Das Wahlprogramm der Liberalen. Vortrag, gehalten in der Liberalen Vereinigung von Trondheim am 17. August 1891.) 1891.

Zeitungsartikel

Als Herausgeber

  • Olaf H(afslo) Qvam: Efterladte blade. (Nachgelassene Papiere.) Nikolai Olsens bogtrykkeri, Kristiania 1894. (Mit biografischer Einleitung von Ole Anton Qvam) (Digitale Version).

Kompositionen (Auswahl)

(Quelle:[35])

  • Gud signe Noregs land. (Nynorsk) Für Klavier mit unterlegtem Text. Oslo 1925. In: Norsk jol. 1925 Seite 42.
  • Har du hørt, hva svendsken siger. (Bokmål) Für Klavier mit unterlegtem Text. Text von Bjørnstjerne Bjørnson. Christiania 1893. In: Dagbladet, 25. Jahrgang, Nr. 139 vom 17. Mai 1893 Seite 1 (Digitale Version).
    • Einzelausgabe Zapffe, Kristiania 1905.
  • Mit Kristian Wendelborg (1863–1938): Norge, Norge. (Bokmål) Text von Bjørnstjerne Bjørnson. Stavanger 1893.

Literatur

  • Jon Segtnan: Stortingsmann Ole Anton Qvam i 1870–åra. Nasjonal/kulturell og konstitusjonell politikk 1874–1880. Hovedoppgave. Universitetet i Bergen, 1974.
  • Jon Segtnan: Ole Anton Qvam. 1834–1904. Politikaren, stridsmannen og humanisten. In: Årbok 1995. Nord-Trøndelag Historielag, 1995, Seite 60–77 (Digitale Version).
  • Jon Segtnan: Ole Anton Qvam og „Det røde amt“. In: Årbok 2016. Nord-Trøndelag Historielag, 2016, Seite 49–64 (Digitale Version).
  • Live Anderson: Ole Anton Qvam: 1834–1904. In: Årsskrift. Romsdal sogelag, 81. Jahrgang, 2017, Seite 311–316 (Online über Google Books).
Commons: Ole Anton Qvam – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Ministerialbok for Bolsøy prestegjeld, Molde sokn 1818-1843 (1544P). Der Eintrag im Taufbuch lautet auf Ole Anthon Olsen Qvam.
  2. a b Ministerialbok for Steinkjer prestegjeld, Egge sokn 1895-1907 (1702Q).
  3. a b c d e f g h i j k l m Ole Qvam. Norsk statsminister i Stockholm 1902 - 1903. bei Regjeringen.no (Quelle für diesen Text ist der nicht mehr online vorhandene Artikel im Norsk biografisk leksikon.)
  4. a b c d e f g h i j k l m n J. B. Halvorsen: Norsk Forfatter-Lexikon 1814–1880. Band 4: M–R. Den Norske Forlagsforening, Kristiania 1896, Seite 493 bis 497 (Digitale Version bei Projekt Runeberg).
  5. Meeg, Ole Larsen. in: Stortinget og statsraadet: 1814–1914. B. 1 D. 2: Biografier L-Ø: samt tillæg Englisch. Steen'ske bogtrykkeri, Kristiania 1914, Seite 586 (Digitale Version in der Nasjonalbiblioteket).
  6. Jon Segtnan: Ole Anton Qvam. 1834–1904. Politikaren, stridsmannen og humanisten. In: Årbok 1995. Nord-Trøndelag Historielag, 1995, Seite 60–77 (Digitale Version).
    1. a b c S. 62
    2. a b c S. 63
    3. S. 64
    4. a b c S. 77
    5. S. 68
    6. S. 69
    7. S. 70
    8. a b c S. 76
  7. Elever uteksaminert fra Molde middelskole og latingymnasium 1832-1861.
  8. a b c d e f g h i j k Anders Kirkhusmo, Magnus A. Mardal: Anton Qvam. in: Store norske leksikon (Digitale Version).
  9. Ministerialbok for Molde prestegjeld 1843-1872 (1502P).
  10. a b c d Qvam, Ole Anton. in: Stortinget og statsraadet: 1814–1914. B. 1 D. 2: Biografier L-Ø: samt tillæg Englisch. Steen'ske bogtrykkeri, Kristiania 1914, Seite 698 f. (Digitale Version in der Nasjonalbiblioteket).
  11. a b c Ole Anton Qvam. im lokalhistoriewiki
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  23. 0026 - Portrett av Olaf Hafslo Qvam bei Arkivportalen NTNU.
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