Rettenbach am Auerberg
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
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| Basisdaten | ||
| Koordinaten: | 47° 46′ N, 10° 45′ O | |
| Bundesland: | Bayern | |
| Regierungsbezirk: | Schwaben | |
| Landkreis: | Ostallgäu | |
| Verwaltungsgemeinschaft: | Stötten am Auerberg | |
| Höhe: | 832 m ü. NHN | |
| Fläche: | 12,88 km² | |
| Einwohner: | 924 (31. Dez. 2024)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 72 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 87675 | |
| Vorwahl: | 08860 | |
| Kfz-Kennzeichen: | OAL, FÜS, MOD | |
| Gemeindeschlüssel: | 09 7 77 183 | |
| Gemeindegliederung: | 6 Gemeindeteile | |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: |
Dorfstraße 1 87675 Rettenbach a.Auerberg | |
| Website: | www.rettenbach-amauerberg.de | |
| Erster Bürgermeister: | Reiner Friedl (Dorfgemeinschaft) | |
| Lage der Gemeinde Rettenbach a.Auerberg im Landkreis Ostallgäu | ||
Rettenbach am Auerberg (amtlich: Rettenbach a.Auerberg) ist eine Gemeinde im schwäbischen Landkreis Ostallgäu und ein Mitglied der Verwaltungsgemeinschaft Stötten am Auerberg. Der gleichnamige Hauptort ist Sitz der Gemeindeverwaltung und ein staatlich anerkannter Erholungsort.
Geographie
Es gibt nur die Gemarkung Rettenbach a.Auerberg. Der Auerberg selbst gehört nicht zum Gemeindegebiet von Rettenbach, sondern zu Bernbeuren und Stötten a.Auerberg. Die höchste Erhebung in Rettenbach ist mit 967 Metern die Kappelhöhe bei Weichberg. Auf der Kappelhöhe befindet sich neben einer Kapelle ein Fernmeldeturm.
Die Gemeinde hat sechs Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[2][3]
- Birkenberg (Einöde)
- Frankau (Dorf)
- Oberlöchlers (Weiler)
- Rettenbach am Auerberg (Kirchdorf)
- Unterlöchlers (Weiler)
- Weichberg (Einöde)
Daneben bestehen die Einödhöfe Höllbauer und Rupprechts, die jedoch beide keine amtlich benannten Gemeindeteile sind.
Geschichte
Bis zur Gemeindegründung
Rettenbach wurde um 1100 erstmals urkundlich erwähnt.[4] Ulrich von Frechenried schenkte dem Kloster Ottobeuren 1167 das ganze Dorf und zahlreiche Güter um Rettenbach. Daraus entstand die Herrschaft Rettenbach. Sie blieb bis 1280 im Besitz des Klosters.
Um 1228 wurde die vom Kloster Ottobeuren gegründete Kirche St. Vitus erstmals erwähnt. Ein spätgotischer Neubau erfolgte 1500, und am 9. November 1508 wurde sie mit drei Altären vom Augsburger Weihbischof Heinrich von Adranyt geweiht. Im Jahr 1650 wurde der Bau nach Beschädigungen im Dreißigjährigen Krieg wieder instand gesetzt und 1685 mit neuer Ausstattung erweitert.[5]
Das Hochstift Augsburg erwarb 1453 die Gerichtsbarkeit und alle Herrschaftsrechte des Dorfes Rettenbach. Der Ort kam im Jahr 1803 durch die Säkularisation an Bayern. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die Gemeinde Rettenbach.
Eingemeindung und erneute Selbständigkeit
Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Mai 1978 Rettenbach nach Stötten am Auerberg eingemeindet.[6] Nach zähen Auseinandersetzungen ist Rettenbach seit dem 1. Januar 1994 wieder selbstständig.[7] Seitdem besteht eine Verwaltungsgemeinschaft mit Stötten.
Im Jahre 2007 beauftragte der damalige 2. Bürgermeister Reiner Friedl den Südtiroler Komponisten Gottfried Veit, über diese politische Situation ein Lied zu komponieren. Die verschiedenen dargestellten Themen sind:
- Motiv der Freiheit
- der ungetrübte Alltag
- die Zwangseingliederung zu Stötten
- Depression macht sich im Dorf breit.
- Erinnerungen an glückliche Tage
- Gedanken an die Freiheit
- die russische Zuwanderung
- der Kampf um die Selbständigkeit
- Freudenglocken (symbolisieren die Kirchenglocken, die am Tag der wiedergewonnenen Selbstständigkeit durch den Beschluss des Landtags, 6. Oktober 1993, stundenlang im Dorf läuteten)
- Hymnus der Freiheit (Hauptthema). Das Freiheitsthema wurde auch am Eingang zur Weichberghalle (oberhalb des Weichbergmarktes) an die Wand gemalt, als Symbol der wiedergewonnenen Selbstständigkeit.
Einwohnerentwicklung
Die Gemeinde wuchs zwischen 1995 und 2015 um 52 Einwohner bzw. ca. 7 %.
| Bevölkerungsentwicklung | ||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Jahr | 1995 | 2000 | 2005 | 2008 | 2010 | 2012 | 2015 | 2016 | 2018 | 2020 | ||||
| Einwohner | 775 | 732 | 766 | 792 | 810 | 805 | 827 | 845 | 896 | 922 | ||||
Politik
Bürgermeister
Erster Bürgermeister ist seit 1. Mai 2014 Reiner Friedl (Dorfgemeinschaft); dieser wurde am 15. März 2020 mit 88,4 % der Stimmen im Amt bestätigt.
Gemeinderat
Für die Wahl am 15. März 2020 lag nur der Wahlvorschlag der Dorfgemeinschaft Rettenbach mit 16 Bewerbern vor. Die 8 Bewerber dieser Wählergruppe mit den höchsten Stimmenzahlen bilden für Mai 2020 bis April 2026 zusammen mit dem Ersten Bürgermeister den Gemeinderat. Die Wahlbeteiligung lag bei 70,10 %.
Wappen
| Blasonierung: „Durch eine Wellenlinie schräg geteilt; vorne eine goldene Rosette auf Schwarz; hinten ein roter Wellenbalken auf Silber.“[8] | |
| Wappenbegründung: Das vordere Feld erinnert mit der Rosette und den Farben an das Kloster Ottobeuren. Rettenbach wird 1167 erstmals urkundlich erwähnt. Ulrich von Frechenried schenkte dem Kloster Ottobeuren damals das ganze Dorf und zahlreiche Güter um Rettenbach. Daraus entstand die Herrschaft Rettenbach. Sie blieb bis 1280 im Besitz des Klosters. Der rote Wellenbach steht redend für den Ortsnamen, der früher Rotinbach bzw. Rotenbach lautete. Zugleich erinnern die Farben an das Hochstift Augsburg, das 1453 die Gerichtsbarkeit und alle Herrschaftsrechte des Dorfes Rettenbach erwarb. Rettenbach a. Auerberg, das 1978 nach Stötten a. Auerberg eingemeindet worden war, ist seit 1994 wieder selbstständige Gemeinde.
Wappenführung seit 1996 |
Baudenkmäler
Wirtschaft
Die Wirtschaft von Rettenbach ist einerseits landwirtschaftlich geprägt; andererseits haben hier auch mehrere mittelständische Gewerbebetriebe (Maschinenbau) ihren Sitz, etwa der Forstmaschinenhersteller Pfanzelt Maschinenbau oder der Kommunalmaschinenhersteller Kugelmann. Rettenbach besitzt die deutschlandweit erste SB-Tankstelle für reines Pflanzenöl.
Zur Förderung regionaler Wirtschaftskreisläufe wurde ein neuer Dorfladen, der „Weichbergmarkt“, gebaut und am 14. Juni 2007 feierlich eröffnet. Auch belegte Rettenbach jeweils in der Saison 2003/04, 2004/05, sowie 2006/07 und 2007/08 den ersten Platz in der Solarbundesliga, in der sich Gemeinden in der installierten Photovoltaik- und Solarthermieleistung messen.
Im Jahr 2022 erzielte Rettenbach Einnahmen aus der Gewerbesteuer in Höhe von 1,1 Millionen Euro.[9] Mit einem Gewerbesteuerhebesatz von 250 % zählt die Gemeinde zu den steuerlich attraktivsten Standorten Deutschlands.[10] So ist Rettenbach steuerlich deutlich günstiger als die Landeshauptstadt München (Gewerbesteuerhebesatz 490 %).[11] Im Landkreis Ostallgäu sind Rettenbach und Untrasried die Gemeinden mit dem niedrigsten Gewerbesteuerhebesatz von jeweils 250 %.[12]
Persönlichkeiten
- Anton Geiß (1858–1944), Politiker (SPD), Staatspräsident des Freistaates Baden 1918–1920
Weblinks
- Rettenbach am Auerberg
- Bilder vom Weichberg und der Kappelhöhe
- Rettenbach am Auerberg: Amtliche Statistik des Bayerischen Landesamtes für Statistik (PDF; 1,05 MB)
Einzelnachweise
- ↑ Einwohnerzahlen – Stand: 31. Dezember 2024. (PDF; 4,1 MB) Gemeinden, Kreise und Regierungsbezirke in Bayern – Basis: Zensus 2022. In: statistik.bayern.de. Bayerisches Landesamt für Statistik, Juni 2025, abgerufen am 15. August 2025 (Hilfe dazu).
- ↑ Gemeinde Rettenbach a.Auerberg in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 17. August 2019.
- ↑ Gemeinde Rettenbach a.Auerberg, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 21. Dezember 2021.
- ↑ Rettenbach am Auerberg. In: Ortsnamen - Geschichte Bayerns. Abgerufen am 14. Dezember 2025.
- ↑ Dehio-Handbuch: Bayern III. Schwaben. 2. Auflage. Deutscher Kunstverlag, München 2008, ISBN 978-3-422-03116-6, S. 232–233.
- ↑ Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 779 (Statistische Bibliothek des Bundes und der Länder [PDF; 41,1 MB]).
- ↑ StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1994
- ↑ Wappen von Rettenbach am Auerberg in der Datenbank des Hauses der Bayerischen Geschichte
- ↑ Gewerbesteuer.net: Gewerbesteuerhebesatz Rettenbach a.Auerberg - Gewerbesteuer 2024. Abgerufen am 21. November 2024.
- ↑ Gewerbesteuer.net: Niedrigste Gewerbesteuer-Hebesätze 2024 in Deutschland (Top 25). Abgerufen am 21. November 2024.
- ↑ Gewerbesteuer.net: Gewerbesteuerhebesatz München (Landeshauptstadt) - Gewerbesteuer 2024. Abgerufen am 21. November 2024.
- ↑ Gewerbesteuer.net: Gewerbesteuerhebesatz Untrasried - Gewerbesteuer 2024. Abgerufen am 21. November 2024.