Obeliebatus
Obeliebatus, auch Obeliebato († um 800 in Venedig), war von etwa 774/776–798/802 der erste Bischof der Diözese Olivolo. Diese Diözese wurde auf Veranlassung des Dogen Mauritius (Maurizio Galbaio) aus dem Bistum Metamaucum ausgegliedert, der seinerzeitigen Hauptstadt des byzantinischen Gebietes entlang der nördlichen Adria zwischen den Lagunen von Venedig und von Grado. Sein Nachfolger war Christoforus, der griechischer Abstammung war.
Einordnung
Diese Bistumsgründung betrachtete Heinrich Kretschmayr als „ersten Gründungsakt“ Venedigs,[1] das erst im frühen 9. Jahrhundert zum Herrschaftskern der Lagune avancierte. Darüber hinaus bestimmte erstmals ein Doge darüber, wer im byzantinischen Dukat Venedig Bischof wurde – eine Art des Umgangs mit höchsten kirchlichen Ämtern, die geradezu kennzeichnend für Venedig wurde. Damit gelangten einerseits Rechte und Einnahmen in die Hand der von ihm bestimmten Männer, andererseits konnte diese Amtsvergabe dem Ausgleich zwischen den Interessen der einflussreichen tribunizischen Familien und damit dem Machtgleichgewicht dienen. Die venezianischen Bistümer unterstanden kirchenrechtlich dem Patriarchen von Grado.
Im abgelegenen Herrschaftsgebiet des byzantinischen Kaiserreichs, das im äußersten Norden der Adria lag, war es unter der Führung von Familien aus Heracleia und Metamaucum einerseits zu einer Verlagerung der Hauptstadt vom Nord- an den Ostrand der Lagune gekommen. Andererseits war es unter dem Gründer des Bistums Olivolo, also schon unter Mauritius, dann unter dessen Sohn Johannes sowie seinem Enkel Mauritius (II.) zu einer Art Dynastiegründung gekommen. Deren uneingeschränktes Recht, den Bischof von Olivolo einzusetzen, wurde notfalls mit Gewalt durchgesetzt. So ermordete der Enkel des Dogen im Auftrag seines Vaters den Patriarchen Johannes von Grado im Jahr 802, als dieser sich der Einsetzung Christoforus’ als Nachfolger des Obeliebatus widersetzte. Am Ende wurden die Dogen ihrerseits gestürzt, ihr Versuch einer Dynastiegründung, des ersten in der venezianischen Geschichte, war gescheitert.
Überlieferung
Zu Obeliebatus, der gleichfalls von den Galbaii abhängig war, heißt es im Chronicon Altinate: Seine Familie kam aus Padua, doch als sein Heimatort zerstört wurde, ging er nach Metamaucum. Bischof in Olivolo war er demnach 22 Jahre lang.[2]
Noch lakonischer ist die um 1000 entstandene Istoria Veneticorum, Liber II, 21: „Mortuo vero Obeliebato episcopo, qui Olivolensem episcopatum rexerat annis XX et III, Christoforus extitit ei successor.“ Demnach war Obeliebatus ein Jahr länger im Amt, nämlich 23 Jahre. Zuvor heißt es dort über den Dogen Mauritius den Älteren, er habe im 11. Jahr seiner Herrschaft mit apostolischer Autorität die Gründung eines neuen Episkopats veranlasst und dort einen Kleriker namens Obeliebatus als Bischof ordiniert („ordinavit“).[3]
Nach der Chronik des Dogen Andrea Dandolo, die erst im 14. Jahrhundert entstand, wurde das neu zu schaffende Bistum „Olibolo“ – dies, so führt der Verfasser aus, sei die lateinische Fassung des Namens, während „Olivolo“ die griechische sei – aus dem bis dahin bestehenden Bistum Metamaucum ausgegliedert und diesem die Inseln „Geminis, Rivoalti, Luprii et Dorsoduri“ unterstellt; all dies wurde von Papst Hadrian I. durch ein Privileg bestätigt.[4] Dann wurde der Sohn des Tribuns von Metamaucum, eines „En'eaglis“, vom Dogen investiert und inthronisiert, schließlich vom Patriarchen von Grado konsekriert.[5]
Dem ersten Bischof folgte der gerade einmal 12 oder 16 Jahre alte Christoforus im Amt, nachdem Obeliebatus 22 oder 23 Jahre das Bischofsamt versehen hatte.[6] Dieser Christoforus war ein Freund der Dogen Johannes und des Mauritius, Sohn und Enkel des älteren Mauritius († 787), durch deren Gunst er in sehr jungen Jahren Bischof wurde.
Quellen
- Johannes Diaconus: Istoria Veneticorum, Liber II, 21.
- Henry Simonsfeld (Hrsg.): Chronicon Venetum quod vulgo dicunt Altinate, Monumenta Germaniae Historica, Scriptores XIV, Hannover 1883, S. 1–69, hier: S. 21 f. (Digitalisat, ab S. 21)
- Ester Pastorello (Hrsg.): Andreae Danduli Ducis Venetiarum Chronica per extensum descripta aa. 46–1280 (= Rerum Italicarum Scriptores XII,1), Nicola Zanichelli, Bologna 1938, S. 121, Z. 27–31. (Digitalisat, S. 121)
Literatur
- Alessandro Orsoni: Cronologia storica dei Vescovi Olivolensi detti dappoi Castellani e successivi Patriarchi di Venezia corredata di annotazioni illustranti ecclesiastico-civile veneta storia, Gaspari S. Felice, Venedig 1828, S. 30–36. (Digitalisat, S. 29 f.)
Weblinks
- Elenco cronologico dei Vescovi di Castello e dei Patriarchi di Venezia, Conoscere Venezia, archive.org, 20. Januar 2018
Siehe auch
Anmerkungen
- ↑ Heinrich Kretschmayr: Geschichte von Venedig, 3 Bde., Bd. 1, Gotha 1905, S. 52.
- ↑ „Obeliebatus, qui fuit nacione Ausolum,“ (gemeint ist Auxiolum castrum) „suorum parentorum, habitantes fuerunt in Padua; destructa civitate dehic“ „venerunt in Brendulo Metamauco. Iste et Obelierius et Beatus fratribus fuerunt filii Eneagilius, qui vixit et sedit in Olivolense episcopatu 22 an.“ Allerdings ist das Chronicon Altinate die einzige Quelle, in der es heißt, die beiden Dogen Obelerius und Beatus (Mitdoge), die die Galbaii stürzten und vertrieben, seien Brüder des Bischofs Obeliebatus gewesen.
- ↑ „Qui dum sapienter et honorifice Veneticorum causam in omnibus tractaret, undecimo sui ducatus anno apud Olivolensem insulam apostolica auctoritate novum episcopatum fore decrevit, in quo quendam clericum, Obelliebatum nomine, episcopum ordinavit.“ (Textedition).
- ↑ „… parte subtracta, cleri et populi pari conlaudacione in castro Olibolensi insula vetustissima sedes kathedralis instituta est, eique cohaderentes insule Geminis, Rivoalti, Luprii et Dorsoduri subposite sunt; que, privilegio Adriani pape, roborata fuerunt.“ (S. 121, Z. 23–26).
- ↑ „Post hec, Venetorum cleri et populi synodus adunata, asistentibus duce et patriarcha, Obeliebatum clericum, filium En'eaglii tribuni Methamaucensis, sedis prephate episcopum laudavit, et laudatus, a duce investitus et inthroniçatus, a patriarcha que consecratus est, xio ducis anno, titulus autem ei, iuxta grecam pronunciacionem, epìscopus olivolensis decretus est, secundum latinam vero olibolensis; tenuit quoque episcopatum annis xxiiia.“ (S. 121, Z. 27–31).
- ↑ So heißt es in der Istoria Veneticorum des Johannes Diaconus: „Mortuo vero Obeliebato episcopo, qui Olivolensem episcopatum rexerat annis XX et III, Christoforus extitit ei successor.“ (Istoria Veneticorum, Liber II, 21).