Nuussuaq (Halbinsel)

Nuussuaq

Halbinsel Nuussuaq von Uummannaq (Norden).
Geographische Lage
Koordinaten 70° 30′ N, 52° 42′ W
Gewässer Baffin Bay
Länge 170 km
Breite 50 km
Fläche 7 250 km²

Nuussuaq („großes Kap“) ist eine grönländische Halbinsel in der Avannaata Kommunia.

Geografie

Nuussuaq erstreckt sich im zentralen Westgrönland in die Baffin Bay hinein und liegt zwischen dem Fjord Uummannap Kangerlua im Norden und dem Sullorsuaq (Vaigat) im Süden. Südlich liegt mit der Diskoinsel die größte Insel Grönlands. Mit einer Fläche von rund 7250 km² ist die Halbinsel etwa halb so groß wie Schleswig-Holstein und mit einer Länge von rund 170 km etwa so lang wie die Hälfte der Schweiz in Ost-West-Ausdehnung.

Nuussuaq ist bis zu 2100 m hoch und stark vergletschert. Zwischen den Bergen befinden sich zahlreiche Seen, von denen der Uigorleq, der mit über 40 km Länge, aber nur 1000 bis 2500 m Breite eher einem Fjord gleicht, der größte See Westgrönlands nördlich der Diskobucht ist.[1]

Die Halbinsel bildet die Grenze zwischen dem Distrikt Uummannaq im Norden und dem Distrikt Ilulissat im Süden. An der Küste der Halbinsel befinden sich zahlreiche bewohnte und verlassene Siedlungen: Heute noch bewohnt sind Qaarsut und Niaqornat an der Nordküste und Saqqaq und das auf einer Insel vorgelagerte Qeqertaq an der Südküste.[2]

Geologie

Die Halbinsel zählt zu den geologisch am besten erforschten Regionen Grönlands. Der Osten der Halbinsel besteht hauptsächlich aus etwa 2,5 Milliarden Jahre alten (Paläoproterozoikum) Gneisen und Amphiboliten des Grönländischen Schildes. Entlang der Südküste finden sich steil einfallende Quarzite, Vulkanite und Bändereisenerz, die durch die Kollision zweier Mikrokontinente vor etwa 1,8 Milliarden Jahren gefaltet wurden. Zu Beginn der Oberkreide, vor etwa 100 Millionen Jahren, bildeten sich im Zusammenhang mit der Öffnung der Davisstraße (knapp vor der Öffnung des Atlantischen Ozeans) mehrere Verwerfungssysteme. Am absinkenden Kontinentalrand lagerte sich bis zum Paläogen (vormals Alttertiär) eine über 3 km mächtige Sedimentfolge mit Wechsellagerungen aus Sandstein, Schiefer und Kohle ab. Diese Ablagerungen stammen von Flüssen, die große Teile des damals eisfreien Grönlands entwässerten. Es entstand ein großes Flussdelta, das in der Oberkreide die östliche Diskoinsel, Nuussuaq und den äußeren Teil des Fjords Uummannap Kangerlua bedeckte. Im östlichen Teil von Nuussuaq und auf der Diskoinsel sind diese Ablagerungen von weiteren Sedimenten bedeckt, die reich an Fossilien wärmeliebender Pflanzen sind und sich in tiefen Seebecken ablagerten. Vor etwa 60 Millionen Jahren (immer noch im Paläogen) begann eine vulkanisch aktive Periode mit der Bildung von Kissenlava und vulkanischen Brekzien unter Wasser, die die Becken zunächst von Westen nach Osten füllten. Schließlich erreichte die Lava die Wasseroberfläche und bildete flächige Lavaströme, die als Flutbasalte in der Landschaft zu finden sind. Verwerfungen im Neogen (vormals Jungtertiär) haben die Gesteinsschichten verstellt, und Nuussuaq und die Diskoinsel wurden im Vergleich zum Niveau der Kreide-Paläogen-Grenze um etwa 1 km angehoben. An mehreren Stellen entlang der Küste von Nuussuaq sind Strandterrassen in einer Höhe von 60–70 m sichtbar, die gebildet wurden, als die Gletscher der Eiszeit vor etwa 10.000 Jahren vor Nuussuaq abschmolzen – die ganze Landmasse stieg jedoch seither durch postglaziale Landhebung entsprechend an.[2]

Geschichte

Archäologische Spuren zeigen Jahrtausende alte Besiedelung und die Saqqaq-Kultur ist sogar nach dem an der Südküste liegenden Ort Saqqaq benannt.[3] An der Westspitze der Halbinsel liegt die künstliche Steinformation Pullassuaq (Bjørnefælden), die Europäern bereits seit dem 18. Jahrhundert bekannt ist und bei der der Archäologe Jørgen Meldgaard davon ausging, dass sie von den Grænlendingar 750 km nördlich ihrer eigentlichen Siedlungsgebiete errichtet worden ist. Deswegen geht man auch davon aus, dass der in altnordischen Sagas belegte Ortsname Eysunes Nuussuaq bezeichnet.[4]

1755 wurde in Saqqaq an der Südküste die Kolonie Ritenbenk gegründet, womit die Halbinsel erstmals von Kolonisten besiedelt wurde. 1758 wurde in Nuussuaq an der namensgebenden Westspitze der Halbinsel die Kolonie Nordsoack gegründet. Die Kolonie Ritenbenk wurde 1781 nach Appat versetzt, während die andere Kolonie bereits 1763 nach Uummannaq verlegt worden war. Dennoch verblieben zahlreiche koloniale Siedlungen auf der Halbinsel. Auf Nuussuaq wurde von 1778 bis 1924 Kohle abgebaut, zuletzt in Qaarsuarsuk auf der Nordseite. In der Nähe befindet sich mit dem Flughafen Qaarsut der Regionalflughafen für den Distrikt Uummannaq.[5]

Commons: Nuussuaq (Halbinsel) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Nunat Aqqi. Karte über die vom Grönländischen Ortsnamenausschuss offiziell anerkannten Ortsnamen. Oqaasileriffik.
  2. a b Einar Lund Jensen, Rasmus Ole Rasmussen: Nuussuaq (halvø i Grønland). Danmarks Nationalleksikon.
  3. Nunniffiit (Karte der archäologischen Fundstellen in Grönland). Grönländisches Nationalmuseum und -archiv.
  4. Alfred Rosenkrantz: Bjørnefælden ved Nûgssuaq og nordboernes Eysunes i geologisk belysning. In: Tidsskriftet Grønland. Nr. 1967/12, S. 377–384 (Online [PDF]).
  5. Therkel Mathiassen: Umanak kommune – Historie. In: Niels Nielsen, Peter Skautrup, Christian Vibe (Hrsg.): Grønland (= Trap Danmark. Femte Udgave. Band XIV). G. E. C. Gads Forlag, 1970, ISBN 87-12-88316-6, S. 583 ff.