Nouvelle Vague (1990)
| Film | |
| Titel | Nouvelle Vague |
|---|---|
| Produktionsland | Frankreich, Schweiz |
| Originalsprache | Französisch |
| Erscheinungsjahr | 1990 |
| Länge | 90 Minuten |
| Stab | |
| Regie | Jean-Luc Godard |
| Drehbuch | Jean-Luc Godard |
| Produktion | Alain Sarde Ruth Waldburger |
| Kamera | William Lubtchansky |
| Schnitt | Jean-Luc Godard |
| Besetzung | |
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Nouvelle Vague (französisch für "Neue Welle") ist ein französischer Film aus dem Jahr 1990, geschrieben und inszeniert von Jean-Luc Godard. Er erzählt die Geschichte des Vagabunden Lennox („Er“, im Original Lui, gespielt von Alain Delon), der von der wohlhabenden Industriellen Elena Torlato-Favrini („Sie“, im Original Elle, gespielt von Domiziana Giordano) aufgenommen wird. Der Film lief 1990 bei den Filmfestspielen von Cannes.[1]
Nouvelle Vague ist als „rätselhaft“ und „vertrackt“ beschrieben worden; was diesen Film „tatsächlich ausmach[e]“, sei „nicht einfach [zu] sagen“, „die passende Sprache dafür“ sei noch gar nicht gefunden.[2]
Der Film hat eine mythische Anmutung. Die Dialoge und die aus dem Off gesprochenen Kommentare bestehen fast ausnahmslos aus literarischen Zitaten. Die Handlung wird viele Male durch Zwischentitel (weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund) unterbrochen, die überwiegend lateinisch sind (z. B. zu Beginn Incipit lamentatio = „Beginn des Klagelieds“); Ort und Zeit der Handlung sind unbestimmt; das Schlossgelände, auf dem sich alles abspielt, liegt von der Welt abgeschieden; Diener und andere Nebenfiguren erzeugen eine formelle, statische Atmosphäre. Am Ende werden alle Bediensteten entlassen und das Paar fährt gemeinsam zu neuen Abenteuern wie in einem Märchen. Godard, selbst in sehr wohlhabender Familie und zeitweilig in einem ähnlichen Ambiente aufgewachsen, zeigt ein Märchen. Doch er bricht die märchenhafte Struktur gelegentlich mit subversiven Dialogzeilen, die die Basis der Situation zeigen: Die gehobene Lebensweise beruht nur auf dem Geld der reichen Protagonistin.[3]
Handlung
Contessa Elena Torlato-Favrini ist eine reiche italienische Industrielle, die auf einem weitläufigen Anwesen am Genfer See lebt. In ihrer Gesellschaft befinden sich der Gärtner Jules, dessen Frau Yvonne, ihre Tochter Cécile, der Chauffeur Laurent und die Sekretärin Della Larue (oder Della Street). Zu Beginn des Films unternimmt Elena eine Autofahrt, auf der sie Roger Lennox begegnet, der mit einem Koffer zu Fuß unterwegs war und von einem Lastwagen von der Straße gedrängt wurde. Sie hält an, beugt sich zu dem auf dem Boden Liegenden hinunter und betrachtet den Anhänger an seiner Halskette. Es ist das Anch-Symbol. Lennox hebt langsam seine Hand, und Elena bietet ihm ihre.[A 1]
Die direkt daran anschließende Szene spielt, ohne dass verdeutlicht wird, wie viel Zeit inzwischen vergangen ist, in einer Fabrikhalle der Torlato-Favrini Industrias. Alle sind beschäftigt und miteinander im Gespräch, der Generaldirektor und ein Staatssekretär, der Fabrikleiter und die Sekretärin Della, und natürlich die Haupteigentümerin, Elena. Nur Roger Lennox steht wie verloren herum.[A 2]
Von nun an sind Elenas Villa und der angrenzende Park am Genfer See Hauptschauplatz des Geschehens. In Lennox hat sie einen willfährigen Liebhaber gefunden, aber schon bald stört sie sich an seiner Passivität und Trägheit. Weitere Personen ihres Gefolges werden eingeführt: Elenas Anwalt Raoul Dorfman und dessen Freundin, sowie Doktor Parker, einer der Kleinaktionäre ihres Unternehmens, und dessen Frau Dorothy, eine junge Schriftstellerin. Die Episoden, in denen diese Figuren in unterschiedlichen Konstellationen präsent sind, werden immer wieder unterbrochen von Auftritten des Dienstpersonals. Eine solcher Episoden spielt in einem noblen Restaurant, und hier ist es eine junge Kellnerin, die sich vor der versammelten Entourage Elenas selbstbewusst zeigt.[A 3] Zurück auf dem eigenen Anwesen beschließt Elena, mit einem Motorboot über den See zu fahren, um ein paar Freunde zu besuchen. Lennox fährt das Boot und hält gehorsam an, als Elena baden möchte, weigert sich jedoch, sie zu begleiten, da er nicht schwimmen könne. Durch ein Missgeschick – oder hat Elena ihn absichtlich hinunter gezogen?, der Film lässt das offen – fällt Lennox ins Wasser, als sie wieder ins Boot steigt. Sie hilft ihm nicht, sieht seinem Ertrinken tatenlos zu.
Schnell wird versucht, Spuren von Lennox‘ Existenz zu beseitigen. Raoul Dorfman hat eine neue Freundin, aber ansonsten geht das Leben in der Villa für eine Weile so weiter wie zuvor. Doch dann taucht ein Mann auf, der genau wie Roger Lennox aussieht, sich jedoch „Richard“ nennt und behauptet, dessen Bruder zu sein. Er weiß von dem Bootsunfall und nutzt dies als Druckmittel, um eine von Elenas Firmen zu übernehmen. Während Roger zuvor passiv und fügsam war, ist Richard nun aktiv und aggressiv. Eine Szene führt zu einem kleinen privaten Flugplatz, wo der zu Geld gekommene Lennox – nach einem klugen Deal – nichts Geringeres als das aus Beirut eingeflogene Gemälde Die nackte Maja in Empfang nimmt. So gerissen dieser Lennox ist, so gefügig ist nun ihrerseits Elena.
Der Machtkampf erreicht seinen Höhepunkt in einer Wiederholung der Bootsszene. Nun ist es Lennox, der beschließt, mit dem Boot hinauszufahren – diesmal ist es ein Ruderboot, und Elena fällt ins Wasser, offenbar unfähig zu schwimmen. Lennox, zunächst ebenso gleichgültig wie sie es war, ergreift schließlich Elenas Hand und rettet sie. Es hat sich ein Gleichgewicht eingestellt, und nachdem Lennox den Verkauf des Anwesens arrangiert hat, wird das Dienstpersonal verabschiedet. Als Elena den Anch-Kettenanhänger an Lennox‘ Hals entdeckt, erkennt sie, dass Richard und Roger identisch sind. Auch Elena und Lennox fahren nun fort, offenbar auf zu weiteren Abenteuern als Gleichberechtigte.[A 4]
Musik
- Paolo Conte: Blue Tango
- David Darling: Far Away Lights, Solo Cello, Clouds, Solo Cello And Voice
- Gabriella Ferri: A Zaza
- Paul Giger: Crossing
- Paul Hindemith: Mathis der Maler (Grablegung), Trauermusik, Mathis der Maler (Versuchung des heiligen Antonius), Sonate für Viola (1937), Sonate für Bratsche allein Op. 25/1
- Heinz Holliger: Trema für Violoncello solo
- Werner Pirchner: Kammer-Symphonie, Sonate vom rauen Leben, Do You Know Emperor Joe, Kleine Messe um „C“ für den lieben Gott
- Dino Saluzzi: Winter, Transmutation, Andina
- Arnold Schönberg: Verklärte Nacht
- Jean Schwartz: Charta Koa
- Patti Smith: Distant Fingers
Hintergrund
Dialoge und Off-Kommentare
Die Dialoge und Off-Kommentare des Films bestehen fast ausschließlich aus Zitaten verschiedener literarischer Quellen,[4] etwa von Georges Bataille, Raymond Chandler, Fjodor Dostojewski, William Faulkner, André Gide, Ernest Hemingway, Karl Marx, Arthur Rimbaud, Jean-Jacques Rousseau, Arthur Schnitzler, Mary Shelley und Dante Alighieri.
Als die junge Cécile einmal ihre Mutter fragt: „Aber sind denn die Reichen so viel anders als wir?“, antwortet diese mit den Worten Hemingways in der von F. Scott Fitzgerald erzählten Anekdote: „Ja, sie haben mehr Geld.“[5]
Wenn der Chauffeur Lennox regelmäßig fragt: „Wurden Sie schon einmal von einer toten Biene gebissen?“, so ist dies eine Anspielung auf Howard Hawks’ Haben und Nichthaben mit Humphrey Bogart und Lauren Bacall.
Auch Godards frühere Filme waren schon voller Zitate und Anspielungen, doch dies ist sein erster Film, in dem sie nahezu ausschließlich verwendet werden – eine Praxis, die er in Filmen wie Film Socialisme und Adieu au Langage fortgeführt hat.
Der Soundtrack
Dies ist auch der erste von vielen Filmen, bei dem Godard die Musik für den Soundtrack überwiegend aus dem Katalog von ECM Records nahm, während er in den 80er Jahren vor allem klassische Musik eingesetzt hatte. ECM wiederum hat später den kompletten Soundtrack zum Film von Anfang bis Ende veröffentlicht, einschließlich der Filmmusik, der Dialoge und der Umgebungsgeräusche.[6]
Herkunft einiger Rollennamen
- Roger/Richard Lennox: Terry Lennox ist eine Figur in Raymond Chandlers Roman The long Good-bye (Der lange Abschied).
- Elena Torlato-Favrini: Eleanora Torlato-Favrini ist eine Figur in Joseph L. Mankiewicz’ Film The Barefoot Contessa (Die barfüßige Gräfin).
- Schpountz, der Fabrikdirektor von Torlato-Favrini Industrias: Le Schpountz ist der Titel einer Filmkomödie von Marcel Pagnol.
- Della Larue/Street: Della Street ist die Sekretärin in den Perry-Mason-Romanen von Erle Stanley Gardner.
- Dorothy Parker: Name der Schriftstellerin Dorothy Parker (1893–1967).
Die Dreharbeiten
Die Dreharbeiten begannen Anfang September 1989[7] und dauerten zwei Monate; sie fanden überwiegend in einem Herrenhaus und der es umgebenden Parklandschaft auf der Schweizer Seite des Genfer Sees statt.[8]
Delon, der Hauptdarsteller, war damals schon 55 Jahre alt und hatte, im Gegensatz zu seinem großen Konkurrenten Jean-Paul Belmondo, noch nie zuvor mit den Regisseuren der französischen Nouvelle Vague gedreht. Mit der Rolle in Nouvelle Vague bot sich ihm die Möglichkeit, diese Lücke in seiner Karriere zu schließen[9], und als ihm Godard 1989 die Hauptrolle anbot, akzeptierte Delon, der von seinen stereotypen Krimirollen gelangweilt war, sofort.[4] Während der Dreharbeiten stritten Delon und Godard oft, weil Godard häufig die Dialogtexte kurzfristig änderte, was Delon nicht gewohnt war. Der Kameramann William Lubtchansky erinnerte sich später, Godard sei auch gegenüber ihm unerträglich aggressiv gewesen; er arbeitete nie wieder mit ihm.[10]
Themen
Die erste Idee zu Nouvelle Vague hatte Godard bereits 1964 entwickelt, mitten in der Glanzzeit der neuen französischen Welle, die unter diesem Namen Furore machte. Er kam damals aber mit der Produzentin Mag Bodard zu keiner Einigung über die Besetzung der weiblichen Hauptrolle.[11] Erst 1988 griff er den Plan wieder auf und legte dem Produzenten Alain Sarde einen ersten Drehbuchentwurf vor, dem vor der endgültigen Fassung noch zwei weitere folgten.[12]
Aufgrund seines Titels und seiner zweiteiligen Handlung – ein Mann, der vor den Augen einer Frau ertrinkt, eine Frau, die von einem Mann vor dem Ertrinken gerettet wird – sah der Autor Richard Brody in dem Film eine Allegorie auf die Filmgeschichte. Hatte Godard selbst im ersten Drehbuchentwurf die zwei Teile als Altes und Neues Testament bezeichnet, so sah Brody im ersten Teil des Films eine allegorische Darstellung der „klassischen Ära des Kinos“, im zweiten Teil eine der Nouvelle Vague. Demnach verkörpere der Mann die Regisseure, die Frau die Produzenten und die Filmindustrie.[13]
Für den Filmtheoretiker Volker Pantenburg bliebe im Fall von Nouvelle Vague eine reine „Erzählung des Plots [...] hinter den Bildern zurück, weil sie den Landschaften und Gesten des Films nicht gerecht würde.“ Der Film messe „zum einen der Topographie des Genfer Sees und des Anwesens, die in fast schwebenden, langsamen Kamerafahrten abgetastet wird, zum anderen den Bewegungen und kommunikativen Gesten der Handelnden mehr Bedeutung bei als einer konventionell erzählten Geschichte.“[14]
Die Weise, wie Godard und sein Kameramann William Lubtchansky den See und die Parklandschaft des Anwesens ins Bild setzten, nannte die Filmkritikerin Frieda Grafe „lyrisch“ und bezeichnete die betreffenden Filmbilder als „schweizerische, Rousseausche Naturromantik“.[15] Einen „Rousseauschen Film“ („un film rousseauiste“) nannte auch Godard-Biograph Antoine de Baecque Nouvelle Vague: „Die Natur ist wunderbar gefilmt, aber alles weist auch darauf hin, wie der Mensch versucht, sich von ihr zu distanzieren, anstatt mit ihr im Einklang zu sein.“[16]
Zu den Gesten, die in ihrer Darstellung „eher an ein Gemälde erinnern“, als dass sie „als Teil der Erzählung erkennbar“ wären, gehört für Pantenburg die erste Berührung der Hände von Lennox und Elena.[17] Er zitiert dazu Harun Farocki aus dessen Gespräch mit Kaja Silverman: „Das Bild der Hände von Elena und Lennox, die einander ergreifen, ist wie ein Gemälde gefilmt. [...] Die Hände von Lennox und Elena [...] werden wie menschliche oder mythologische Figuren im dreidimensionalen Raum dargestellt.“[18]
Rezeption
Vincent Canby schrieb in einer zeitgenössischen Kritik[19] in der New York Times, dass der Film kaum mehr als ein „abendfüllender Lippenstift-Werbespot“ sei und schlussfolgerte, dass „nur Leute, die die großen Godard-Filme verachten, ... von diesem hier nicht enttäuscht sein können“. Sein abschließendes Urteil lautete „die Party ist vorbei“, bezogen offenbar auf den Film und auf Godards ganze Karriere.
Dagegen wurde der Film auch hochgelobt und von Kritikern wie J. Hoberman[20] und Jonathan Rosenbaum[21] und den Redakteuren der Cahiers du cinéma[22] als einer der besten Filme des Jahres bewertet.
Canbys Meinung wurde auch von späteren Kritikern und Wissenschaftlern nicht geteilt. In seinem Buch The Films of Jean-Luc Godard: Seeing the Invisible[23] widmet David Sterritt dem Film ein ganzes Kapitel und nennt ihn ein „komplexes Werk“, das „besonders starke Bezüge zu Hail Mary und den anderen ‚erhabenen‘ Filmen“ aufweise. Auch Kaja Silverman und Harun Farocki widmen dem Film in ihrem Buch Speaking About Godard ein ganzes Kapitel. Basierend auf sechs Kritiken hat Nouvelle Vague auf dem Kritikaggregator Rotten Tomatoes eine Zustimmungsrate von 67 %.[24]
Weblinks
- Nouvelle Vague bei IMDb
- Informationen des Co-Produzenten und Filmverleihs Vega Film
- Fernsehreportage Sur le tournage de Nouvelle vague – Suisse (1989) von Radio Télévision Suisse (französisch)
- „Trailer“ des Films bei Mubi (2:38; ohne Credits odgl.; enthält eine mehr als zwei Minuten lange nächtliche Kamerafahrt – erst von links nach rechts, dann von rechts nach links – an der Fassade des Château entlang; Musik aus Verklärte Nacht von Arnold Schönberg; eine „Paraphrase“ dieses Travellings hat die Künstlerin Constanze Ruhm 1999 als Computersimulation hergestellt[25]).
- Nouvelle Vague. In: Lexikon des internationalen Films. Filmdienst, abgerufen am 26. Oktober 2025.
Literatur
- Augen-Blick 34: Godard und die Folgen. Marburg 2003, ISSN 0179-2555, ISBN 3-89472-044-1. Darin die Aufsätze Godards Nouvelle vague in der Kulturgeschichte des Fragments von Hanno Möbius und Ein Mann und eine Frau – Anmerkungen zu Jean-Luc Godards Film Nouvelle vague (1990) von Thomas Koebner. Online verfügbar bei mediarep.org.
- Alain Bergala (Hrsg.): Jean-Luc Godard par Jean-Luc Godard – Tome 2 – 1984–1998, darin S. 189–203. Cahiers du cinéma, Paris 1998, ISBN 2-86642-198-1.
- Richard Brody: Everything is cinema: the working life of Jean-Luc Godard, Kapitel 25 "Nouvelle Vague". Holt Paperbacks, New York 2009. ISBN 978-0-8050-8015-5.
- Antoine de Baecque: Godard. Biographie définitive, darin S. 688–696. Grasset, Paris 2023, ISBN 978-2-246-83437-3.
- Frieda Grafe: Mach’s nochmal, Jules – Das Neueste von Jean-Luc Godard – Nouvelle Vague. Zuerst erschienen in: Süddeutsche Zeitung vom 22. November 1990. – Wiederveröffentlicht in: Nur das Kino – 40 Jahre mit der Nouvelle Vague (Schriften, 3. Band). Brinkmann & Bose, Berlin 2003, ISBN 3-922660-82-7.
- Volker Pantenburg: Film als Theorie – Bildforschung bei Harun Farocki und Jean-Luc Godard, darin S. 260–267. Transcript Verlag, Bielefeld 2006, ISBN 978-3-89942-440-9. Als PDF verfügbar bei transcript-verlag.de.
- Kaja Silverman und Harun Farocki: Speaking about Godard. New York University Press, New York 1998, ISBN 978-0-8147-8066-4. – Deutsche Erstausgabe: Von Godard sprechen, darin das Kapitel Derselbe, und doch ein Anderer. Aus dem Englischen übersetzt von Roger M. Buergel. Vorwerk 8, Berlin 1998, ISBN 3-930916-18-5. – Wiederveröffentlichung als Farocki: Schriften, Band 2. Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2018, ISBN 978-3-96098-224-1.
Anmerkungen
- ↑ Zu diesem Bild hört man aus dem Off einen Dialog der Stimmen von Elena und Lennox: „Quelle merveille que de pouvoir donner ce qu’on n’a pas.“ – „Le miracle de nos mains vides.“ – „Dolce miracolo!“ („Wie wunderbar es ist, etwas geben zu können, das man selbst nicht hat.“ – „Das Wunder unserer leeren Hände.“ – „Welch süßes Wunder!“) Es ist dies ein Zitat aus Georges Bernanos‘ Roman Journal d’un Curé de Campagne (Tagebuch eines Landpfarrers) bzw. aus Robert Bressons gleichnamiger Verfilmung.
- ↑ Den Dialog dieser Szene nutzt Godard für ein Wortspiel mit dem Verb „faire“ (machen): „Mais qu’est-ce que vous faites là?“ („Was machen Sie denn hier?“), fragt der Generaldirektor Lennox, und der antwortet: „Je fais pitié.“ („Ich errege Mitleid.“)
- ↑ Die junge Kellnerin beendet die Sequenz, indem sie Schillers Zweizeiler Gewissensskrupel rezitiert.
- ↑ So jedenfalls sah es Richard Brody: „Their departure is the end of the film, but it suggests the beginning of an intimate and contemplative adventure“ („Ihr Abschied markiert das Ende des Films, deutet aber gleichzeitig den Beginn eines ebenso intimen wie gedankenvollen Abenteuers an“), schrieb er in Everything is cinema (s. Literatur, S. 526). – Frieda Grafe hingegen war anderer Auffassung: „Man soll also nicht annehmen, dass nach dem Ende des Films die Geschichte zwischen den beiden mit neuerlich sich verkehrenden Vorzeichen weitergeht. Der Mann behält die Oberhand und deshalb ist auch der Film eine richtige Geschichte, eine Erzählung, wie Alain Delons Stimme unterm Vorspann nachdrücklich zu verstehen gibt.“ (Nur das Kino, s. Literatur, S. 133).
Einzelnachweise
- ↑ Festival de Cannes 1990, In Competition: Nouvelle Vague ( vom 14. Dezember 2013 im Internet Archive)
- ↑ Hanno Möbius: „Nouvelle Vague ist ein rätselhaft erscheinender Film [...] Er besteht aus Handlungsfragmenten, die im Extremfall sogar irreal werden.“ (Text in Augen-Blick 34, s. Literatur, S. 14) – Für Thomas Koebner handelt es sich „bei Nouvelle Vague um eine der raffiniertesten und vertracktesten Produktionen aus dem Spätwerk des Regisseurs.“ (Text in Augen-Blick 34, s. Literatur, S. 20) – Harun Farocki im Gespräch mit Kaja Silverman: „Was den Film tatsächlich ausmacht, läßt sich also gar nicht so einfach sagen. Vielleicht wird es noch fünfzig Jahre dauern, bis wir die passende Sprache dafür gefunden haben.“ (Von Godard sprechen, s. Literatur – deutsche Erstausgabe, S. 226)
- ↑ Gemäß Richard Brody: Everything is cinema (s. Literatur, S. 525, dort der Absatz „a mythical place in a mythical time“).
- ↑ a b Brody 2009
- ↑ Hier zitiert nach Kaja Silverman und Harun Farocki, Von Godard sprechen (s. Literatur, S. 233).
- ↑ Nouvelle Vague (Complete Soundtrack). ECM Records, 5. Mai 1997, abgerufen am 26. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Antoine de Baecque: Godard (s. Literatur, S. 692).
- ↑ Richard Brody: Everything is cinema (s. Literatur, S. 524).
- ↑ Alain Delon et la Nouvelle Vague, l'histoire d'un rendez-vous manqué. 20. August 2024, abgerufen am 24. April 2025 (französisch).
- ↑ Richard Brody: Everything is cinema (s. Literatur, S. 524–525).
- ↑ Richard Brody: Everything is cinema (s. Literatur, S. 523).
- ↑ Jean-Luc Godard par Jean-Luc Godard (s. Literatur, S. 189–194).
- ↑ Richard Brody: Everything is cinema (s. Literatur, S. 523).
- ↑ Volker Pantenburg: Film als Theorie (s. Literatur, S. 261).
- ↑ Frieda Grafe: Nur das Kino (s. Literatur, S. 135).
- ↑ Antoine de Baecque: Godard (s. Literatur, S. 690; das Zitat im französischen Original: „la nature y est superbement filmée, mais tout dit également comment l’homme cherche à s’en éloigner plutôt qu’à se fondre en elle.“)
- ↑ Volker Pantenburg: Film als Theorie (s. Literatur, S. 264).
- ↑ Kaja Silverman und Harun Farocki: Von Godard sprechen (s. Literatur – deutsche Erstausgabe, S. 230).
- ↑ Vincent Canby: Nature's Splendor and Aphorisms in Godard's Latest. In: The New York Times. 29. September 1990, ISSN 0362-4331 (nytimes.com [abgerufen am 23. Oktober 2025]).
- ↑ J. Hoberman's Top Ten Lists 1977-2006 ( vom 14. Februar 2014 im Internet Archive)
- ↑ Jonathan Rosenbaum's Top Ten Lists 1977-2006 ( vom 7. Juni 2011 im Internet Archive)
- ↑ Palmarès annuels Cahiers, Inrocks et Télérama depuis 1990. In: forum.plan-sequence.com. Abgerufen am 27. Oktober 2025 (französisch).
- ↑ The Films of Jean-Luc Godard | Film and cinema. Abgerufen am 24. April 2025 (englisch).
- ↑ Nouvelle Vague | Rotten Tomatoes. Abgerufen am 24. April 2025 (englisch).
- ↑ Constanze Ruhm: Travelling - Plan 234 - Extérieur Nuit bei Vimeo (abgerufen am 30. Oktober 2025).