Naturschutzgebiet Unterlauf der Möhne
Das Naturschutzgebiet Unterlauf der Möhne mit einer Größe von 12,8 ha liegt nördlich von Neheim im Stadtgebiet von Arnsberg im Hochsauerlandkreis. Es wurde 1998 mit dem Landschaftsplan Arnsberg durch den Kreistag des Hochsauerlandkreises als Naturschutzgebiet (NSG) mit dem Namen Naturschutzgebiet Möhne und einer Flächengröße 13,2 ha ausgewiesen.[1] Bei der Neuaufstellung des Landschaftsplanes Arnsberg durch den Kreistag 2021 wurde das NSG mit verändertem Namen erneut ausgewiesen und etwas verkleinert.[2] Das NSG geht direkt bis an den Siedlungsrand.
Gebietsbeschreibung
Im NSG handelt es sich um die Möhne mit ihrer Flussaue bis zur Einmündung in die Ruhr. Die Möhne selbst ist weitgehend unverbaut, die südlichen und östlichen Ufer dagegen sind häufig mit Steinschüttungen versehen. Vor der Einmündung in die Ruhr sind die letzten 500 bis 600 m beidseitig durch Uferbefestigungen eingefasst. Weite Strecken des etwa 3 km langen Flussabschnittes haben einen bedingt naturnahen Charakter. Insbesondere unterhalb des mit einer Fischtreppe ausgestatteten Wehres, etwa in der Mitte des Gewässerabschnittes, verändert sich das Strömungsbild kleinräumig. An den Uferbereichen sind kleine Sand- und Kiesbänke entstanden und stellenweise Uferabbrüche und kleine, umflossene Inseln. Als Unterwasservegetation ist der Flutender Wasserhahnenfuß vorhanden. Weiter oberhalb des Wehres reichen an der westlichen Seite Laubmischwälder bis direkt an das Ufer. Zwei künstliche Sohlschwellen verändern die Gewässerstruktur, und die östlichen Uferbereiche dieses Abschnittes sind durch die Dominanz von Neophyten stark beeinträchtigt. Kurz oberhalb vor dem Wehr hat sich am westlichen Ufer ein kleiner Erlenbruchwald mit einem Rote-Liste-Pflanzenartvorkommen erhalten, der darüber hinaus jedoch ein nur eingeschränktes Artenspektrum typischer Erlenbrüche und nur geringe heterogene Altersstrukturen aufweist. Weitere Erlenbestände befinden sich auf der gegenüberliegenden Uferseite, die vor allem aufgrund eines hohen Freizeitdrucks stark eutrophiert und zum Teil vermüllt sind. Ebenso unter negativem Einfluss stehen ufernahe, gut zugängliche Brache- und Gebüschflächen im Süden des Gebietes.
Der Landschaftsplan führt zum Wert des Schutzgebietes aus: „Insgesamt zeichnet sich die Festsetzung durch eine hohe strukturelle Vielfalt und durch einen Komplex verschiedener Lebensraumstrukturen aus. Der Gewässerabschnitt dient insbesondere auch dem regionalen Gewässerverbund.“[2] Als zusätzliche Entwicklungsmaßnahme führt der Landschaftsplan aus, dass ein Wegekonzept für die Steuerung der Naherholung erstellt werden soll.[2]
Im März und April 2025 ließ die Stadt Arnsberg unnötige Baumfällungen durchführen.[3]
Pflanzen- und Tierarten im NSG
Auswahl vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen dokumentierte Pflanzenarten, ohne Gehölze, im Gebiet: Aronstab, Aufgeblasenes Leimkraut, Beifuß, Bitteres Schaumkraut, Bittersüßer Nachtschatten, Blasen-Segge, Dornige Hauhechel, Echter Beinwell, Echtes Johanniskraut, Echtes Mädesüß, Echtes Springkraut, Flutender Wasserhahnenfuß, Frauenfarn, Fuchssches Greiskraut, Gefleckte Taubnessel, Gelbe Schwertlilie, Gelber Steinklee, Gewöhnliche Goldnessel, Gewöhnliche Pestwurz, Gewöhnlicher Blutweiderich, Gewöhnlicher Gilbweiderich, Große Sternmiere, Gundermann, Hain-Gilbweiderich, Hain-Sternmiere, Hopfenklee, Knoblauchsrauke, Kohldistel, Rainfarn, Rote Lichtnelke, Rote Taubnessel, Schwarze Königskerze, Straußenfarn, Stumpfblättriger Ampfer, Sumpfdotterblume, Sumpf-Vergissmeinnicht, Ufer-Wolfstrapp, Wald-Engelwurz, Wald-Ziest, Wasserdost und Wiesen-Flockenblume.
Das Landesamt dokumentierte die Tierarten Bisamratte, Graureiher, Höckerschwan und Reiherente im Schutzgebiet.
2025 stellte man die Wiederbesiedlung des Möhneunterlaufs im Naturschutzgebiet durch den Biber fest, nach etwa 200 Jahren Abwesenheit durch Ausrottung. Die Tiere besiedelten einen Bereich, in dem der Angelverein Gut Wasserwaid 1993 Renaturierungs-Maßnahmen durchgeführt hatte. Damals pflanzte man 10.000 Bäume, meisten Weiden und Erlen. 2006 wurde das Flussbett auf über 600 Meter Länge auf bis zu 50 Meter verbreitert.[4]
Im Jahr 1877 war der letzte Biber in Westfalen an der Möhne abgeschossen worden. Über 150 Jahren später, im Jahr 2021, kam es an der Möhne im Arnsberger Staatswald erstmals wieder zu Beobachtungen dieser Tiere.[5]
Spezielle Schutzzwecke für das NSG
Wie bei allen Naturschutzgebieten in Deutschland wurde in der Schutzausweisung darauf hingewiesen, dass das Gebiet „wegen der Seltenheit, besonderen Eigenart und Schönheit des Gebietes“ zum Naturschutzgebiet erklärt wurde. Laut Landschaftsplan erfolgte die Ausweisung zum:
- „Schutz, Erhaltung und Entwicklung eines strukturreichen und abschnittsweise unverbauten Flussabschnittes mit begleitenden Erlenwäldern, Ufergehölzen und Uferhochstaudenfluren;“
- „Entwicklung durch Optimierung der Gewässerrandbereiche.“
- „Das NSG dient auch der nachhaltigen Sicherung von besonders schutzwürdigen Lebensräumen nach § 30 BNatSchG und von Vorkommen seltener Tier- und Pflanzenarten.“[2]
Angebliche Verkehrssicherungsmaßnahmen 2025 im NSG
Im Februar 2025 ließ die Stadt Arnsberg angebliche Verkehrssicherungsmaßnahmen am Radweg an der dortigen Möhne durchführen. Die Bäume hatten keine Schäden und wiesen gesundes Kernholz auf. Dann war der Fällbagger defekt. Anfang April räumte man dann Totholzstämme aus der Möhne und entfernte Bäume am Ufer. Dabei wurden am Ufer ungefähr 40 Festmeter Bäume, meist Eichen und Eschen, gefällt. Die Totholzstämme wurden vorher vom Anglerverein Gut Wasserwaid bei einem großen Renaturierungs-Projekt in den Möhnefluss eingebracht, um Fischen und anderem Wassergetier Unterschlupf zu bieten. Diese Maßnahme bezahlte die Untere Naturschutzbehörde aus Ausgleichs- und Ersatzgeldern. Die Westfalenpost titelte damals „Renaturierung für 30.000 Euro: Und nun wurde alles zunichte gemacht“. Gut Wasserwaid übte scharfe Kritik, die Stadt Arnsberg sprach hingegen von erforderlichen Verkehrssicherungsmaßnahmen. Am 27. Oktober 2025 beschäftigte sich der Naturschutzbeirat des Hochsauerlandkreises mit dem Geschehen. Ende Oktober 2025 lief noch ein Verfahren gegen die von Stadt beauftragte Firma, da sie die Arbeiten nicht in der gesetzlich erlaubten Frist bis Ende Februar, sondern erst Anfang April durchgeführt hatte. Ein Reporter war bei der Naturschutzbeirat-Sitzung anwesend. Die Westfalenpost hatte schon im April ausführlich über die Baumfällungen berichtet, da diese bei Anwohnern für Empörung gesorgt hatten. Die Westfalenpost kommentierte nach der Naturschutzbeirats-Sitzung, die Vorgänge erinnerten an das vielzitierte „Hornberger Schießen“ (Redewendung: wenn eine Angelegenheit mit großem Getöse angekündigt wird, aber dann nichts dabei herauskommt und sie ohne Ergebnis endet).[6][7][8]
Siehe auch
Literatur
- Hochsauerlandkreis – Untere Landschaftsbehörde (Hrsg.): Landschaftsplan Arnsberg, Meschede 1998.
- Hochsauerlandkreis – Untere Landschaftsbehörde (Hrsg.): Landschaftsplan Arnsberg – Neuaufstellung. Meschede 2021.
Weblinks
- Naturschutzgebiet „Möhne“ im Fachinformationssystem des Landesamtes für Natur, Umwelt und Klima Nordrhein-Westfalen
Einzelnachweise
- ↑ Hochsauerlandkreis: Landschaftsplan Arnsberg. Meschede 1998, S. 25ff
- ↑ a b c d Landschaftsplan Arnsberg – Neuaufstellung, S. 20 ff. (PDF) Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 13. Juni 2020; abgerufen am 30. Januar 2022. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ Martin Lindner: „Hornberger Schießen“ im Sauerland. Irrgeister 42, 2025: 33-34.
- ↑ Renaturierter Lebensraum: An Möhne in Neheim nagt jetzt der Biber wp.de vom 26. Juni 2025
- ↑ Nach über 150 Jahren: Biber ist zurück im Arnsberger Wald sauerlandkurier.de vom 13. April 2021
- ↑ Anja Jungvogel: Renaturierung für 30.000 Euro: „Und nun wurde alles zunichte gemacht“. wp.de, 4. April 2025, abgerufen am 25. Dezember 2025.
- ↑ Torsten Koch: Renaturierung für die Katz? „Umweltskandal“ wandert zu den Akten. wp.de, 29. Oktober 2025, abgerufen am 25. Dezember 2025.
- ↑ Martin Lindner: „Hornberger Schießen“ im Sauerland. Irrgeister 42, 2025: 33-34.
Koordinaten: 51° 27′ 35,8″ N, 7° 58′ 26,1″ O