Moto Guzzi Mille GT
| Moto Guzzi | |
|---|---|
Mille GT, 1. Serie (1987–1990) (nicht Original: Auspuff-Endtöpfe, Sitzbank, Instrumente, Rückspiegel, Blinker vorn und hinten, Gepäckträger) | |
| Mille GT | |
| Hersteller | Moto Guzzi |
| Produktionszeitraum | 1987 bis 1991 |
| Klasse | Motorrad |
| Bauart | Naked Bike |
| Motordaten | |
| luftgekühlter V-Motor mit zwei Zylindern | |
| Hubraum | 949 cm³ |
| Leistung | 49–52 / 67–71 kW/PS |
| Drehmoment | 77 N m |
| Höchstgeschwindigkeit | 180–200 km/h |
| Getriebe | 5-Gang |
| Antrieb | Kardanantrieb |
| Bremsen | vorne: zwei 300-mm-Scheiben, Doppelkolbensattel hinten: 242-mm-Scheibe, Doppelkolbensattel |
| Radstand | 1530 mm |
| Maße (L × B × H, mm): | 2220 × 840 × 1320 |
| Sitzhöhe | 81 cm |
| Leergewicht | trocken: 215–230 kg fahrfertig: 242–252 kg |
| Vorgängermodell | 850 T5 V 1000 G5 (indirekt) |
| Nachfolgemodell | 1000 Strada |
Die Moto Guzzi Mille GT ist ein Motorrad des italienischen Herstellers Moto Guzzi der Kategorie Naked Bike, das von September 1987 bis Ende 1991 in Mandello del Lario als Nachfolgemodell der 850 T5 und indirekt auch der vier Jahre zuvor eingestellten, teureren V 1000 G5 gebaut wurde. Sie entspricht technisch weitgehend dem Modell 1000 SP II, jedoch ohne Frontverkleidung.
Geschichte, Modellentwicklung
Die Anregung zur Mille GT kam vom deutschen Moto-Guzzi-Importeur, der Deutschen Motobécane GmbH (DMB) in Bielefeld, über dessen Geschäftsführer Eberhard Just. Ihm zufolge störte sich die deutsche Kundschaft an den kleinen 16″-Rädern und der Kunststoffverkleidung der 1000 SP II und vermisste nach dem Produktionsende der V1000 G5 Ende 1983 einen Allrounder mit rund einem Liter Hubraum und einem klassischen Aussehen aus den 1960er-Jahren mit viel Chrom.[1] Als Antwort entwickelte Moto Guzzi die Mille GT auf Basis der 1000 SP II mit Teilen weiterer Serienmodelle nach dem Baukastenprinzip. Tatsächlich wurde das 1987 zuerst vorsichtig auf 250 nummerierte Exemplare limitierte Modell sowohl in Deutschland als auch in Italien ein relativ großer Verkaufserfolg. Daraufhin wurden 1988, angelehnt an das Design der Mille GT, jedoch mit der „Small-Block“-Konstruktion, die kleineren Schwestermodelle Trentacinque GT (mit rund 350 cm³) und Sessantacinque GT (mit rund 650 cm³) eingeführt.
1989 wurde das Motorrad überarbeitet (zweite Serie), u. a. mit flachen Bremsscheiben, einer breiteren Schwinge, einer elektronischen Zündung und einem Interferenzrohr zwischen den Abgaskrümmern.[2] Ein Jahr später kam mit der dritten Serie eine erneute Überarbeitung, u. a. mit verstärkter Gabel, schlankeren verchromten rechteckigen Rückspiegeln anstelle der etwas klobigen runden Kunststoffspiegel.[1] 1991 bekam die Mille GT schließlich die Motorentwicklungsstufe der 1000 SP III mit größeren Ventilen sowie Instrumente mit weißem Zifferblatt und große runde Blinker.
Viel Zubehör war beim deutschen Importeur erhältlich: großer Windschild, verchromter Gepäckträger mit Kofferhaltern, Seitenkoffer von Hepco & Becker aus Pirmasens mit 25 oder 40 Liter Inhalt, rahmenfeste Frontverkleidung mit integrierten Blinkern und rechteckigem Scheinwerfer, Auspuff-Endtöpfe von Lafranconi; Drosselsatz auf 50 PS für günstigere Versicherungsprämien usw.
Die Mille GT war zuerst nur in Schwarz erhältlich, später auch in Feuerrot („Red Falcone“ in englischsprachigen Ländern) mit rotem Rahmen – den hatte es seit der im Italienischen telaio rosso genannten Vorserie der V7 Sport im Jahr 1971 nicht mehr gegeben – sowie in einigen Ländern Anthrazit („Smoky Quartz“ im Englischen).
Das Modell befand sich noch im Moto-Guzzi-Katalog für das Modelljahr 1991,[3] ab 1992 wurde es von der Ende 1991 vorgestellten 1000 Strada abgelöst.[2]
Technik
Antrieb
Der längs eingebaute, luftgekühlte Viertakt-Zweizylinder-V-Motor der Mille GT wurde von der 1000 SP II übernommen und hat, wie alle V-Motoren von Moto Guzzi seit 1967, einen Zylinderwinkel von 90 Grad. Der Hubraum beträgt 949 cm³, resultierend aus einer Bohrung von 88 mm und einem Hub von 78 mm.[4] Pro Zylinder hat der Motor je ein Ein- und ein Auslassventil, die von einer untenliegenden, kettengetriebenen Nockenwelle über Stößel, Stoßstangen und Kipphebel gesteuert werden.
Das Gemisch bilden zwei Dell’Orto-Vergaser mit Beschleunigerpumpe. Während die erste Serie noch mit einer Batteriezündung mit doppeltem Unterbrecherkontakt ausgerüstet ist, hat die zweite Serie eine elektronische Zündung des spanischen Zulieferers Motoplat.[2]
Die dritte Serie der Mille GT ist ab 1991 dank des geringfügig größeren Vergasers und der leicht höheren Verdichtung etwas leistungsstärker als die ersten zwei Serien.
Die Zweischeiben-Trockenkupplung wird mechanisch über Seilzug betätigt, das ebenfalls von der 1000 SP II unverändert übernommene Getriebe hat fünf Gänge. Ein Kardanantrieb überträgt die Kraft an das Hinterrad.
Eine Abgasnachbehandlung gibt es erst ab Produktionsjahr 1990 mit je einem ungeregelten Katalysator direkt vor jedem langen, konischen Schalldämpfer,[5] die gesamte Auspuffanlage besteht aus verchromtem nichtrostendem Edelstahl.
Der von der 1000 SP II übernommene Kraftstofftank fasst ca. 22,5 Liter, davon sind 3 Liter Reserve. Bleifreies Benzin vertragen die Motoren ab dem Frühjahr 1990.[1][6] Bei dem vom Hersteller angegebenen Kraftstoffverbrauch von 5,8 Litern auf 100 km gemäß CUNA[4] ergibt sich eine theoretische Reichweite von ca. 380 km.
Rahmen und Fahrwerk
Auch der Rahmen wurde von der 1000 SP II übernommen. Der hinten offene Doppelschleifenrohrrahmen aus Stahlrohr, der ursprünglich für die V7 Sport von 1971 vom damaligen technischen Direktor Lino Tonti entworfen worden war, hat geschraubte Unterzüge. Durch seine hohe Steifigkeit ermöglicht dieser „Tonti-Rahmen“ ein stabiles Fahrverhalten auch bei hoher Geschwindigkeit.
Das Vorderrad wird in einer hydraulisch gedämpften Teleskopgabel geführt, bei der Markteinführung mit 35 mm Standrohrdurchmesser (übernommen von der California II), ab dem Modelljahr 1990 mit 40 mm Standrohrdurchmesser (übernommen von der California III). Hinten hat die Mille GT eine Zweiarmschwinge aus Stahl, die von zwei voll einstellbaren, ebenfalls von der California II übernommenen Koni-Federbeinen gedämpft wird. Während für die erste Serie die schmalere Schwinge von der 850 Le Mans III übernommen wurde, bekam die zweite Serie ab 1989 die breitere Schwinge der Le Mans 1000.[2]
Die Radgröße der standardmäßigen Aluminiumgussräder in 5-Doppelspeichen-Design beträgt vorn 18″ × 2,50″, hinten 18″ × 3,00″. Die Reifenabmessungen sind vorne 110/90 H18 und hinten 120/90 H18.[4] Die Mille GT war wahlweise gegen 1100 DM Aufpreis mit verchromten Speichenrädern in der Größe 18″ × 2,15″ (vorn und hinten) erhältlich.[1]
Bremsanlage
Das Integralbremssystem[4] hat hydraulisch betätigte Scheibenbremsen: am Vorderrad zwei schwimmend gelagerte Bremsscheiben mit einem Durchmesser von 300 mm und axial geschraubte Doppelkolben-Festsättel von Brembo; am Hinterrad eine schwimmend gelagerte Bremsscheibe mit 242 mm Durchmesser[7] und einen Brembo-Doppelkolben-Festsattel.
Technische Daten
| Version | Mille GT 1. Serie |
Mille GT 2. Serie |
Mille GT 3. Serie | |
|---|---|---|---|---|
| Bauzeitraum | 1987–1988 | 1989 | 1990 | 1991 |
| Verdichtung | 9,2 : 1 | 9,5 : 1 | ||
| Vergaser (Dell’Orto) | PHF 30 C | PHF 36 C | ||
| Zündung | Batteriezündung mit Zündunterbrechern | elektronische Zündung | ||
| Nennleistung | 67 PS (49 kW) | 71 PS (52 kW) | ||
| – bei Drehzahl | 6700/min | 6800/min | ||
| Max. Drehmoment | 77 Nm | |||
| – bei Drehzahl | 5200/min | 5600/min | ||
| Abgasreinigung | – | ungeregelter Katalysator | ||
| Teleskopgabel | Standrohr Ø 35 mm | Standrohr Ø 40 mm | ||
Weblinks
- Videorundgang der Mille GT 1. Serie aus dem Moto-Guzzi-Museum in Mandello auf YouTube
- Bildersammlung zur Mille GT auf der frz. Website guzzitek.org
- Deutsche Moto-Guzzi-Homepage Deutschland
- Deutsche Moto-Guzzi-Homepage Österreich
- Deutsche Moto-Guzzi-Homepage Schweiz
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e Wolfgang Zeyen, Jan Leek: Moto Guzzi – Die Adler aus Mandello. Alle Modelle seit 1921. Motorbuch Verlag in Paul Pietsch Verlage, Stuttgart 2024, ISBN 978-3-613-04713-6, S. 143–145.
- ↑ a b c d e Ian Falloon: Das große Buch über Moto Guzzi – Alle Modelle seit 1921. Ausgabe zum 100. Jubiläum. Koehler, Hamburg 2021, ISBN 978-3-7822-1396-7, S. 177,180,185–186,188.
- ↑ The 1991 Range. Moto Guzzi Motorcycles UK, abgerufen am 12. Januar 2026.
- ↑ a b c d e Mille GT – Variances to the handbook "Instructions for use" 850 T5. (PDF) SEIMM Moto Guzzi S.p.A., 1987, abgerufen am 12. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Moto Guzzi Programm '91. A & G Motorrad Vertrieb GmbH, Bielefeld, 1991, abgerufen am 12. Januar 2026.
- ↑ Gerfried Vogt: Gebrauchtberatung Große V-Twins von Moto Guzzi – Überlebens-Künstler. MOTORRAD, 19. Januar 2006, abgerufen am 14. Oktober 2026.
- ↑ a b Broschüre „The New GT Serie“ (Trentacinque GT, Sessantacinque GT, Mille GT). Moto Guzzi, Oktober 1987, abgerufen am 12. Januar 2026 (englisch).