Moritz von Hohenthal

Karl Friedrich Moritz Graf von Hohenthal (* 17. April 1840 in Dresden; † 25. April 1927 Hohenprießnitz) war ein deutscher Rittergutsbesitzer und Parlamentarier.

Leben

Moritz von Hohenthal wurde geboren als Sohn von Karl Friedrich Anton von Hohenthal (1803–1852), großherzoglich-sächsischer Obermundschenk und Fideikommissherr auf Püchau und der Emilie geb. Gräfin Neidhardt von Gneisenau (1809–1855), Tochter des Generalfeldmarschall August Neidhardt von Gneisenau. Seine Schwestern waren Walburga Ehrengarde Helena, spätere Lady Paget (1839–1929) und Angelica Adelheid Valeria (1841–1870), Carl Ludwig August von Hohenthal (1769–1826) war sein Großvater.

Früh verwaist, hat man von Hohenthal 1855 nach einem vierjährigen Schulaufenthalt von 1851 bis 1854 im Philanthropin Schnepfenthal auf die Schule in Pforten geschickt. Danach absolvierte er ein Jurastudium in Berlin und Bonn. 1862 wurde er Mitglied des Corps Borussia Bonn.[1] Hier absolvierte er gleichzeitig seinen Dienst im preußischen Heer. In den Staatsdienst wechselnd, schied er nach kurzer Zeit als Gerichts-Assessor aus.

An den Reichseinigungskriegen nahm von Hohenthal 1866 und 1870–71 im preußischen 10. resp. Garde-Husaren-Regiment teil. Dabei wurde er mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Nach Friedensschluss nahm er als Rittmeister seinen Abschied. Danach verwaltete er wiederholt das Landratsamt Delitzsch und betätigte sich ab 1888 engagiert als Mitglied im Preußischen Herrenhaus. In dem Zusammenhang veröffentlichte von Hohenthal in der überregionalen Presse (Kreuzzeitung) viel beachtete Beiträge. Durch Einsatz für den Reichskanzler Fürst Bismarck zog er sich die Ungnade des Kaisers zu und zog sich verbittert auf sein Rittergut Hohenprießnitz zurück. Dieses, wie auch die benachbarten Güter Gruna, Pristäblich und Niederglaucha waren von Hohenthal als Erbe von seinem Vater zugefallen. Um 1900 wurde Hohenthal Mitglied der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft.[2]

Verheiratet war er seit 1875 mit Rosa Margarethe Guillemette Mathilde Auguste Gräfin von Pourtalès (1855–1920). Dieser Ehe entstammten die Söhne Lothar (1876–1909) und Georg (1877–1970) sowie die Töchter Emilie (1879–1909), Gerda (1883–1934) und Anna (1881–1966). Sein erzwungener Rückzug aus der Politik, eine unglücklich verlaufende Ehe sowie insbesondere ein Skandal um seine Schwester Valerie, um derentwillen er sich 1870 duellierte,[3] führten letztlich zur völligen Verbitterung und einem sehr schwierigen menschlichen Verhalten von Moritz Graf von Hohenthal.

Sein gesamter Gutsbesitz um Schloss Hohenprießnitz war Anfang der 1920er Jahre verpachtet. Diese Begüterungen umfassten in Hohenprießnitz 492 ha für das Gut sowie 176 ha in der Gemeinde. Des Weiteren besaß er das Rittergut in Gruna mit 875 und Vorwerk Laussig mit 395 ha, Pächter Max Volland. Das kleine Rittergut Nieder-Glaucha in Glaucha hatte 185 ha, mit einem 24 ha-Anteil in Ober-Glaucha, Pächter Arthur Grothe. Pächter vom 437 ha-Rittergut Priestäblich und 31 ha Gutsanteile im dortigen Ort war I. Berndt.[4]

Erbe wurde sein zweiter Sohn Georg von Hohenthal,[5] der besuchte die Forstliche Fachschule in Tharandt, war Rittmeister a. D. Georg von Hohenthal bewohnte mit seiner Frau Gabriele von Plessen und den Kindern Schloss Hohenprießnitz.[6]

Literatur

  • Friedrich Karl Devens: Biographisches Corpsalbum der Borussia zu Bonn 1827–1902. Selbstverlag, Düsseldorf 1902, S. 159. (Mit Portrait).
  • G. G. Winkel: Biographisches Corpsalbum der Borussia zu Bonn 1821–1928. Wailandt AG-Selbstverlag, Aschaffenburg 1928, S. 152. (Portrait siehe Weblinks).
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflicher Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der Deutschen Adelsgenossenschaft. Teil B (Briefadel). 1941. Jahrgang 114, Justus Perthes, Gotha 1940, S. 201–202.
  • Hans Friedrich von Ehrenkrook, Jürgen von Flotow, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Gräflichen Häuser. B (Briefadel). 1953. Band I, Band 6 der Gesamtreihe GHdA. Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, Glücksburg (Ostsee) 1953, S. 171–174.
  • Hans-Joachim Böttcher: „Hohenthal, Carl Friedrich Moritz Graf von“, In: Bedeutende historische Persönlichkeiten der Dübener Heide, In: Arbeitsgemeinschaft für mitteldeutsche Familienforschung e.V. (Hrsg.): Schriftenreihe der AMF – Nr. 237, Leipzig 2012, S. 44–45. f. 2. Auflage, Leipzig November 2014.

Sekundärliteratur

  • Helmut Reichold: Der Streit um die Thronfolge im Fürstentum Lippe. 1895-1905. In: Historische Kommission für Westfalen (Hrsg.): Schriften der Historischen Kommission Westfalens. 6; Aschendorff, Münster 1967, S. 54. (Vermittler)
  • Esther Gräfin von Schwerin: Kormorane, Brombeerranken – Erinnerungen an Ostpreußen. Frankfurt/M.-Berlin 1993, ISBN 3-548-22107-6, S. 15–21.

Einzelnachweise

  1. Karl Rügemer (Hrsg.): Kösener Korps-Listen von 1798 bis 1910. Verlag der Academischen Monatshefte, Starnberg 1910, 19 (Corps), 396 (Lfd. Nr. dort).
  2. Fritz Graf von Schwerin-Wendisch Wilmersdorf: Mitteilungen der Deutschen Dendrologischen Gesellschaft. 1906. No. 15, Verlag L. Beissner, Bonn-Poppelsdorf 1906, S. 272.
  3. Eintrag vom 7. Januar 1870, In: Hildegard von Spitzemberg, Rudolf Vierhaus (Hrsg.): Das Tagebuch der Baronin Spitzemberg, geb. Freiin v. Varnbüler: Aufzeichnungen aus der Hofgesellschaft des Hohenzollernreiches. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1989, S. 87.
  4. Oskar Köhler, Gustav Wesche, H. Krahmer: Landwirtschaftliches Güter-Adreßbuch der Provinz Sachsen. 1922. Verzeichnis sämtlicher Rittergüter und Güter von ungefähr 20 ha herab mit Angabe der Gutseigenschaft, des Grundsteuerertrages, der Gesamtfläche und des Flächeninhalts der einzelnen Kulturen. Hrsg. Mit Unterstützung der Landwirtschaftskammer zu Halle a. S., In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band V, (Paul Niekammer), 3. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1922, S. 120–125.
  5. Arno Rudolf Gross: Zur Geschichte der Forstlichen Hochschule Tharandt. Insbesondere für die Zeit von 1891 bis 1926. Selbstverlag der Forstlichen Hochschule, Tharandt 1926, S. 110.
  6. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil A (Uradel). 1938. Jahrgang 111, Justus Perthes, Gotha 1937, S. 475.