Montluçon

Montluçon
Staat Frankreich Frankreich
Region Auvergne-Rhône-Alpes
Département (Nr.) Allier (03)
Arrondissement Montluçon
Kanton Montluçon-1, Montluçon-2, Montluçon-3, Montluçon-4
Gemeindeverband Montluçon Communauté
Koordinaten 46° 20′ N, 2° 36′ O
Höhe 194–364 m
Fläche 20,67 km²
Einwohner 33.147 (1. Januar 2023)
Bevölkerungsdichte 1.604 Einw./km²
Postleitzahl 03100
INSEE-Code 03185
Website www.mairie-montlucon.fr

Hôtel de Ville (Rathaus) von Montluçon

Montluçon [mɔ̃lysɔ̃ ist eine französische Stadt in der Region Auvergne-Rhône-Alpes. Mit 33.147 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) ist sie die größte Stadt im Département Allier. Montluçon ist Sitz der Unterpräfektur (sous-préfecture) des Arrondissements Montluçon sowie Sitz des Gemeindeverbands Montluçon Communauté.

Geografie

Montluçon liegt im Zentrum Frankreichs an einer Flussbiegung des oberen Cher und ist Endpunkt des aufgelassenen Canal de Berry (Südabschnitt).

Nördlich von Montluçon liegt der 106 km² große Staatsforst Forêt de Tronçais.

Geschichte

Montluçon wuchs im Mittelalter beträchtlich. Die erste Erwähnung eines Orts namens Monte Lucii (Mont de Lucius, deutsch Berg des Lucius) stammt aus dem 11. Jahrhundert. Guillaume, der Sohn Archambauds IV. von Bourbon, errichtete die Burg in einer verteidigungsfähigen Position auf einem kleinen felsigen Hügel an einer Biegung des Flusses Cher.

Die Stadt, die zum Herzogtum Bourbon gehörte, wurde 1171 von den Engländern und 1181 von Philipp II. eingenommen; die Engländer wurden im 14. Jahrhundert wieder vertrieben. Anschließend baute Ludwig II. von Bourbon die Burg und die Mauern wieder auf. Montluçon und andere bourbonische Ländereien fielen 1529 an die französische Krone zurück, und Heinrich IV. verbesserte die Verteidigungsanlagen weiter.[1][2] Montluçon versuchte, den Sitz der Diözese zu bekommen, doch konnte die Stadt nicht gegen Moulins konkurrieren, das den Bischofssitz erhielt. Immerhin wurde die Stadt nach der Französischen Revolution 1790 zum Verwaltungssitz des neu gegründeten Départements Allier.

Dank der 12 km entfernten Kohlegruben in Commentry, dem Anschluss an den Canal de Berry im Jahr 1837[3] und der Eisenbahn im Jahr 1846 und 1864 begann das Industriezeitalter mit seinen zahlreichen Arbeitsplätzen in der Schwerindustrie, so der von 1842 bis 1962 bestehenden Rüstungsbetriebe der Usines Saint-Jacques.[3] Auch Material der SNCF, Eisentreppen, oder gegossene Balkonträger wurden produziert. Die Glasherstellung wurde mit der Verrerie Duchet und von 1868 bis 1932 mit Saint-Gobain[3] ein wichtiger Industriezweig. Daneben konnten sich Betriebe der Chemie bis 1960 halten.

Die Stadt galt bald als das „Birmingham français“.[3] Zu den Zuzügern aus der Region kamen Italiener und Polen hinzu. 1918 eröffnete Dunlop sein Werk, der sozialistische Bürgermeister Paul Constans hatte erfolgreich für den Standort geworben. Unter seinem Nachfolger Marx Dormoy[3] (1888–1941) wurde in die städtische Infrastruktur investiert und etwas für die Schönheit des Ortes getan. 1934 fing SAGEM in Montluçon mit der Herstellung an.

Nach dem Waffenstillstand von Compiègne (1940) im Zweiten Weltkrieg lag Montluçon während der deutschen Besetzung Frankreichs zunächst in der vom Vichy-Regime kontrollierten Südzone (Zone libre). Am 11. November 1942 wurde sie auch besetzt. Mitte September 1943 starben bei deutschen Luftangriffen 36 Menschen, 250 Zivilisten wurden verletzt. Die Gestapo-Zentrale in Montluçon wurde von der Résistance gesprengt; daran soll die britische Agentin Nancy Wake maßgeblich beteiligt gewesen sein. Bei dem Angriff starben 38 Deutsche. Am 15. und 16. September 1943 bombardierte die britische Luftwaffe die Dunlop-Werke. Anfang August 1944 erschossen die Deutschen 42[3] Zivilisten im nahen Steinbruch Carrières des Grises.

Nach dem Krieg rangen der Parti communiste und die sozialistische SFIO miteinander um die Macht, während die CGT zu Streiks rief.[3] Die Schwerindustrie mit ihren Hochöfen, Gießereien und Glasschmelzen ging deutlich zurück, da die Erträge des nahen Bergbaus nicht mehr rentabel wurden und die Usines Saint-Jacques 1962 ihre Tore für immer schlossen. Ab 1977 war Pierre Goldberg[3] für 24 Jahre kommunistischer Bürgermeister. 1982 stellte auch die Société des Embalages plastiques d’emballage[3] (vormals Rhône-Poulenc) den Betrieb ein. Neben chemischer Industrie und der Reifenherstellung haben noch die Unternehmen Sagem in der Elektronik und Technopôle La Loue im High-Tech-Segment nennenswerte Anteile am Wirtschaftsgeschehen, daneben gibt es ein Einkaufszentrum und die Tristesse, die wirtschaftlich abgehängten französischen Mittelstädten oft anhängt.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2016 2022
Einwohner 55.184 57.871 56.468 49.912 44.248 41.350 39.889 36.147 33.317
Quellen: Cassini und INSEE

Sehenswürdigkeiten

  • Altstadt
  • Kirche St-Pierre: 12./13. Jahrhundert, romanisch, einschiffig, von vier Rundsäulen getragener Vierungsturm; Taufbecken und Statue der Maria Magdalena aus dem 15. Jahrhundert, die Kirche liegt im Norden der Altstadt
  • Kirche Notre-Dame: romanisch-gotisch
  • Château des Ducs de Bourbon (Schloss der Bourbonen-Herzöge): auf dem Mont Luçon, einem Granithügel über der Stadt, ab Mitte des 13. Jahrhunderts im Fachwerkstil errichtet
  • Musée des Musiques Poulaires et de la Résistance (im Schloss) mit über 700 historischen und modernen Instrumenten und – ein Stockwerk höher – der Darstellung der Résistance allgemein und in der Region
  • Musée/Château de la Louvière: ab 1926 im Stil des Ancien Régime, inmitten eines größeren Parks in italienisch-englischem Stil errichtet
  • Circuit des Mégalithes im Nordosten von Montluçon

Wirtschaft

Die Stadt ist die Wirtschaftsmetropole des Bourbonnais mit zahlreichen Industriebetrieben. Seit Mitte der 1990er Jahre gibt es das Sozialunternehmen Association Pénélope,[3] einer der größten Betriebe für Arbeitsintegration in Frankreich.

Verkehr

Montluçon hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Montluçon–Moulins, die am 7. November 1859 von der Compagnie du chemin de fer de Paris à Orléans (PO) eröffnet wurde. 1864 kam in deren Verlängerung die Bahnstrecke Montluçon–Saint-Sulpice-Laurière hinzu. In den 1880er Jahren folgte der Abschnitt nach Bourges der Bahnstrecke Bourges–Miécaze, die bald darauf in Richtung Miécaze über Montluçon hinaus zunächst bis Auzances verlängert wurde. Damit wurde Montluçon zu einem Eisenbahnknoten.

In Montluçon kreuzten sich die Nationalstraßen N 143 und N 145, zudem begannen dort die N 144, N 693 und N 716. Sie wurden mittlerweile sämtlich zu Departementsstraßen abgestuft. Am nördlichen Stadtrand verläuft die Autobahn A 714, die als verlängerte N 145 als Zubringer zur A 71 dient.

Der Flugplatz Aéroport de Montluçon - Guéret liegt ungefähr 30 Kilometer von der Stadt entfernt.

Städtepartnerschaften

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Personen mit Beziehung zur Stadt

Literatur

  • Le Patrimoine des Communes de l’Allier. Flohic Editions, Band 2, Paris 1999, ISBN 2-84234-053-1, S. 731–765.
Commons: Montluçon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Château de Bien Assis POP: Offene Plattform für Kulturgüter, 8. November 2021
  2. Château des Etourneaux POP: Offene Plattform für Kulturgüter, 16. April 2021
  3. a b c d e f g h i j Anne Nivat: Dans quelle France on vit. Librairie Arthème Fayard, Paris 2017, ISBN 978-2-213-65429-4, S. 271–275, 283.
  4. Fête du Jumelage avec Guimaraes le 26 avril, Website der Stadtverwaltung Montluçon, abgerufen am 16. Mai 2020