Mohrenstraße 36 (Coburg)

Das Gebäude Mohrenstraße 36 in der oberfränkischen Stadt Coburg ist ein Wohn- und Geschäftshaus, das 1908 errichtet wurde. Es ist als Baudenkmal in der Bayerischen Denkmalliste eingetragen.

Geschichte

Der Architekt und Bauunternehmer August Berger errichtete 1908 als Ersatz für ein älteres Gebäude in der Coburger Mohrenstraße 36 das repräsentative Wohn- und Geschäftshaus. Bauherr war der Möbelhändler und Hoflieferant August Frank, dem das Nachbargebäude Webergasse 32 gehörte. Das Haus hatte zwei Ladengeschäfte. In dem einen an der Ecke zur Webergasse stellte August Frank seine Möbel aus und in dem anderen in Mohrenstraße, neben dem Hauseingang, betrieb ab 1909 der jüdische Kaufmann Siegfried Kohn (1873–1938) ein Tuch- und Modewarengeschäft.[1] Er wohnte auch in dem Haus mit seiner Frau Hermine (1878–1942) und der Tochter Ilse (1906–1942). Im März 1933 wurde Kohn in einem Gebäude der Coburger Stadtpolizei in der Rosengasse neben dem Rathaus, in der „Prügelstube“ der Alten Herberge von SS-Männern schwer misshandelt. Aufgrund wirtschaftlicher Schwierigkeiten durch Boykottaktionen und des antisemitischen Drucks musste Kohn sein Ladengeschäft und die Wohnung aufgeben. Er zog 1937 mit seiner Frau in das Haus Mohrenstraße 10 (1937–1945 Straße der SA), das dem jüdischen Viehhändler Siegfried Stern gehörte. In der neuen Wohnung verkaufte er seine Waren. 1938 erstach ihn dort ein NS-Fanatiker.[2] Die alte Wohnung und das Ladengeschäft in der Mohrenstraße 36 nutzte in der Folge die nationalsozialistische Tageszeitung Bayerische Ostmark. In dem Haus wohnte zuletzt auch Ludwig Meyer, der von 1945 bis 1948 Oberbürgermeister der Stadt Coburg war.[1]

Seit 1961 ist im Erdgeschoss ein Juweliergeschäft ansässig. Unter anderem wurden 1953 und 1968 die Fenster erneuert.[3]

Architektur

Das Eckhaus an der Einmündung der Webergasse in die Mohrenstraße ist ein dreigeschossiges Wohn- und Geschäftshaus. Es ist in einem reduzierten Historismus mit Neugotik- und Neurenaissanceformen gestaltet. Die Fassade des Satteldachbaus kennzeichnen im Erdgeschoss zwei breite Bögen in der Mohrenstraße und einer in der Webergasse. Die Hauptfassade hat einen zweigeschossigen Kastenerker mit Stabwerk und einer Altane mit Maßwerkbrüstung. Das zweite Obergeschoss mit den zwei Dachgeschossen tritt risalitartig leicht hervor, nach oben hin von einem Schweifgiebel abgeschlossen. Der Eckturm trägt über einem eingeschrägten Eckportal und einem halbgeschossigen Dreieckserker mit zwei Fenstern unter bossiertem Sturz eine welsche, verschieferte Haube mit einem Fensterband. In der Webergasse schmiegt sich eng an den Eckturm ein zweigeschossiger Kastenerker mit Volutengiebel, gefolgt von einer Fensterachse, die ihren Abschluss in einer Standgaube mit Segmentbogen findet. Die Fenster am ganzen Haus sind ohne besondere Differenzierung rechteckig, nur im ersten Obergeschoss tragen sie bossierte Stürze.[3]

Literatur

  • Peter Morsbach, Otto Titz: Stadt Coburg (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band IV.48). Karl M. Lipp Verlag, München 2006, ISBN 3-87490-590-X, S. 260–261.
Commons: Mohrenstraße 36 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Christiane Schult: Mohrenstraße 36: Die beste Adresse am Platz. In: Neue Presse Coburg/Hassberge, 17. Mai 2025.
  2. Biographie von Siegfried Kohn
  3. a b Peter Morsbach, Otto Titz: Stadt Coburg (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band IV.48). Karl M. Lipp Verlag, München 2006, ISBN 3-87490-590-X, S. 260–261.

Koordinaten: 50° 15′ 36,36″ N, 10° 57′ 51,53″ O