Mohrenstraße 10 (Coburg)
Das Gebäude Mohrenstraße 10 in der oberfränkischen Stadt Coburg ist ein Wohn- und Geschäftshaus, das 1890 für den jüdischen Viehhändler Marcus Stern mit eigenen Stallungen gebaut wurde. Es ist als Baudenkmal in der Bayerischen Denkmalliste eingetragen.
Geschichte
Im Jahr 1873 ließ sich der jüdische Viehhändler Marcus Stern (1826–1915) aus Gleicherwiesen in Coburg nieder. Der wirtschaftliche Erfolg ermöglichte es ihm sich 1890 von dem Baumeister Johannes Köhler in der Mohrenstraße 10 ein repräsentatives Wohn- und Geschäftshaus mit Stallungen errichten zu lassen. Im Jahr 1909 übernahm sein Sohn Selig Siegfried Stern (1854–1945) die Firma.[1.1] Nach dem Tod der Mutter Rosette (1832–1911) zog die verwitwete Schwester Clara Fraenkel (1864–1938) mit ihren Kindern in ihr Elternhaus wieder ein. Im Sommer 1935 wurde Siegfried Stern die Konzession zum Viehhandel durch die Coburger Stadtverwaltung entzogen, er musste die Stallungen schließen und im Februar 1938 seinen Betrieb aufgeben.[1.2] 1937 zog der jüdische Kaufmann Siegfried Kohn mit seiner Frau Hermine in das Haus. In der neuen Wohnung verkaufte er Tuchwaren. 1938 erstach ihn dort ein NS-Fanatiker.[2] Im Mai 1938 folgte der Verkauf des Anwesens in der Mohrenstraße, 1937–1945 Straße der SA, an das Ehepaar Homburg für den von der Stadt festgelegten Betrag von 10.000 Reichsmark. Im September 1938 zog Stern zu seinem Sohn nach Karlsruhe, im Dezember desselben Jahres folgte die Emigration in die USA.[1.3] 1950 meldete die Familie Stern Rückerstattungsansprüche an. Das Gerichtsverfahren endete 1955 mit einem Vergleich. Die Käufer mussten eine Nachzahlung von 30.000 DM leisten.[1.4]
An der Rückseite wurde 1938 im ersten Obergeschoss ein Balkon mit Fenstertür angefügt. 1957 erfolgte der Ausbau des Dachgeschosses zu einer Wohnung mit dem Einbau einer neunachsigen Dachgaube an der Rückseite, 1988 dann der Um- und Anbau des Erdgeschosses für zwei Läden.[3]
Architektur
Die Fassade des dreigeschossigen Mansarddachbaus besteht oben aus Ziegelmauerwerk mit Sandsteinprofilbändern zwischen den Geschossen und unten aus einem Quadersockel ebenfalls aus Sandstein.[3]
Die Straßenfassade ist vertikal dreigeteilt mit je zwei Fensterachsen, die außen zu Paaren zusammengezogen sind und in flachen Eckrisaliten vortreten. Die Dachtraufe der Eckbereiche stützen Konsolfriese. Die Fensterrahmungen des zweiten Obergeschosses sind weniger betont als die der darunter liegenden Geschosse, die unten durch gerade Sturzgesimse und Keilsteine, oben durch Segmentbogen- und Dreiecksgiebel sowie Pfeilerteilungen stärker ausgeschmückt sind. Mittig befindet sich über der als Zahnschnitt gestalteten Dachtraufe ein Zwerchgiebel zwischen Bogenstützen mit Doppelfenster und Dreiecksgiebel. Die nordwestliche, seitliche Fassade gliedert ein flacher Mittelrisalit mit Fensterpaaren und einem weiteren Zwerchgiebel. Die gegenüberliegende Seite kennzeichnet ein angebautes, einachsiges Treppenhaus mit Walmdach.[3]
Literatur
- Peter Morsbach, Otto Titz: Stadt Coburg (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band IV.48). Karl M. Lipp Verlag, München 2006, ISBN 3-87490-590-X, S. 254.
- Christian Boseckert: Stille Zeugen: Die verborgene Geschichte der jüdischen Familien im Haus Mohrenstraße 10 in Coburg. In: Historische Gesellschaft Coburg e. V. (Hrsg.): Coburger Geschichtsblätter. Jahresband 32, Jahrgang 2024, ISSN 0947-0336, S. 11–23.
Weblinks
- Denkmalliste für Coburg (PDF) beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege, Akten-Nummer D-4-63-000-340
Einzelnachweise
- ↑ Christian Boseckert: Stille Zeugen: Die verborgene Geschichte der jüdischen Familien im Haus Mohrenstraße 10 in Coburg. In: Coburger Geschichtsblätter. Jahrgang 2024.
- ↑ Biographie von Siegfried Kohn
- ↑ a b c Peter Morsbach, Otto Titz: Stadt Coburg (= Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege [Hrsg.]: Denkmäler in Bayern. Band IV.48). Karl M. Lipp Verlag, München 2006, ISBN 3-87490-590-X, S. 254.
Koordinaten: 50° 15′ 42,48″ N, 10° 57′ 40,5″ O