Modrzejewo (Tuchomie)
| Modrzejewo | ||
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| Basisdaten | ||
| Staat: | Polen
| |
| Woiwodschaft: | Pommern | |
| Powiat: | Bytowski | |
| Gmina: | Tuchomie | |
| Geographische Lage: | 54° 9′ N, 17° 19′ O | |
| Einwohner: | ||
Modrzejewo (deutsch Moddrow) ist ein Dorf in der Gemeinde Tuchomie im Powiat Bytowski in der polnischen Woiwodschaft Pommern.
Geographische Lage
Das Dorf liegt im östlichen Hinterpommern, etwa elf Kilometer westsüdwestlich der Stadt Bytów und 2,5 Kilometer südwestlich des Kirchdorfs Chotkowo.
Östlich des Dorfs befindet sich der Kathkower See. Westlich des Dorfkerns fließt aus südöstliche Richtung kommend nach Nordwesten der Bach Kamenz, der östlich des Dorfs Kołczygłowy in die Słupia mündet.
Geschichte
Das Dorf Moddrow wurde im Jahr 1345 gegründet; überlieferte Ortsbezeichnungen sind muderaw (1385), Modrow (1438) und Mudderow (1515).[1] Erster Besitzer von Moddrow war Heinrich Rosen,[2][3] dessen Nachkommen noch in Lehnbriefen des 16. Jahrhunderts als Anteilseigner erwähnt werden, dann aber ganz verschwinden.[4] Schon im Jahr 1515 waren in Moddrow die Familien Miscine, Stendeck und Mark sesshaft.[5] Die Familie Mark war auch 1724 in Moddrow begütert.[6]
Um 1756 besaßen laut Vasallen-Tabelle Johan Friedrich von Mark einen Anteil von Moddrow, der sechs Jahre lang im Regiment Anhalt-Zerbst gedient hatte,[7] sowie Michael Ernst von Stendeck und Thomas Ludwig von Stendeck.[8] Anteile an Moddrow besaßen um 1782 Thomas Ludwig von Stendeck, der Lieutenant Friedrich Wilhelm von Wedelstedt, Ludwig Wilhelm von Mark und der Lieutenant Michael Martin von Lipinski.[9] Die Vasallen-Tabelle von 1804 weist den 84 Jahre alten Thomas Ludwig von Stendeck als Besitzer von Moddrow A[10] aus, eine Frau von Chamier geb. v. Mach als Besitzerin von Moddrow C[11] und den 69 Jahre alten Michael Mathias von Lipinski als Besitzer von Moddrow D.[12] Am 1. Januar 1862 befanden sich laut den Verzeichnissen der Pommerschen Ritterschaft Robert Ludwig Scheunemann im Besitz von Moddrow A.C.D., der das Gut 1842 für 36.000 Taler erwarb,[13] und Wilhelm Heyer im Besitz von Moddrow B, der das Gut 1833 für 10.000 Taler gekauft hatte.[14] Im Jahr 1884 besaßen die Gebrüder Max und Ernst Scheunemann Moddrow A.C.D., während Moddrow B sich im Besitz des Kreisabgeordneten Emil Heyer befand.[15] 1892 gehörte Moddrow A.C.D. dem Alexander Hampe aus Badresch bei Oertzenhof in Mecklenburg, und auf Moddrow B saß Emil Heyer, Hauptmann a. D.[16]
Am 1. Dezember 1913 wurden auf dem 693,7 Hektar großen Gutsbezirk Moddrow A.C.D. 29 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen 72 Pferde, 235 Stück Rindvieh, vier Schafe und 138 Stück Borstenvieh hielten.[17] Zur gleichen Zeit wurden auf dem 395,3 Hektar großen Gutsbezirk B 18 viehhaltende Haushaltungen gezählt, die zusammen ein Pferd, 170 Stück Rindvieh und 62 Stück Borstenvieh hielten.[18] Am 11. Dezember 1924 wurden die Gutsbezirke Moddrow A und Moddrow B zur Landgemeinde Moddrow zusammengeschlossen;.am 28. September 1926 erfolgte die Umbenennung des Restgutes Moddrow in Eigenbrodt.[19]
Anfang der 1930er Jahre hatte die Landgemeinde Moddrow eine Flächengröße von 11 km². Innerhalb der Gemeindegrenzen standen insgesamt 48 bewohnte Wohnhäuser an vier verschiedenen Wohnplätzen:[20]
- Forsthaus und Waldarbeitergehöfte Eigenbrodt
- Moddrow
- Moddrowermühle
- Vorwerk Moddrow
Um 1935 hatte Moddrow unter anderem einen Gasthof, einen Gemischtwarenladen, eine Mühle, eine Schmiede und zwei Stellmachereien.[21]
Bis 1945 bildete Moddrow eine Landgemeinde im Landkreis Bütow im Regierungsbezirk Köslin der preußischen Provinz Pommern des Deutschen Reichs. Die Gemeinde Moddrow war dem Amtsbezirk Kathkow zugeordnet. Das Standesamt befand sich in Kathkow.
Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Region im März 1945 durch die Roten Armee besetzt. Nach Kriegsende wurde Moddrow zusammen mit ganz Hinterpommern von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Die einheimischen Dorfbewohner wurden in der Folgezeit von der polnischen Administration aus Moddrow vertrieben. Der Ortsname Moddrow wurde zu „Modrzejewo“ polonisiert.
Der Ort gehört heute zur Landgemeinde Tuchomie.
Demographie
| Jahr | Einwohner | Anmerkungen |
|---|---|---|
| 1782 | – | adliges Gut, mit sieben Vorwerken (Höfen), einer Gastwirtschaft, einer Wassermühle, einer Schmiede, einem Schulmeister, 33 Feuerstellen (Haushaltungen), Eichen-, Buchen- und Fichtenholzungen, zwei Seen, eingepfarrt zu Groß Tuchen und in vier Besitzanteile unterschiedlicher Familien aufgeteilt[22] |
| 1818 | 137 | davon 130 im Adelsdorf und sieben bei der Mühle, zum Kirchspiel Groß Tuchen gehörig[23] |
| 1825 | 143 | mit der Büdnerwohnung Borrowe und einer Wassermühle[24] |
| 1852 | 313 | Dorf[25] |
| 1855 | 304 | am Jahresende, sämtlich Evangelische[26] |
| 1864 | 348 | am 3. Dezember, zwei Gutsbezirke (Moddrow A, C und D und Moddrow B)[27] |
| 1867 | 334 | am 3. Dezember, zwei Gutsbezirke[28] |
| 1871 | 325 | am 1. Dezember, zwei Gutsbezirke (314 Evangelische, elf Katholiken)[28] |
| 1885 | 324 | am 1. Dezember, zwei Gutsbezirke (323 Evangelische, ein Katholik)[29] |
| 1895 | 332 | am 2. Dezember, zwei Gutsbezirke (321 Evangelische, elf Katholiken)[30] |
| 1910 | 333 | am 1. Dezember, zwei Rittergüter (Moddrow A, C und D mit 184 Einwohnern, Moddrow B mit 149 Einwohnern),[31] |
| 1925 | 426 | Landgemeinde, in 77 Haushaltungen, davon 395 Evangelische und 31 Katholiken[20] |
| 1933 | 447 | [32] |
| 1939 | 547 | [32] |
Kirche
Kirchspiel bis 1945
In Moddrow stellten evangelische Christen die Bevölkerungsmehrheit. Diese waren nach Groß Tuchen eingepfarrt.
Die Katholiken wurden ebenfalls von Groß Tuchen aus betreut.
Polnisches Kirchspiel seit 1945
Die seit 1945 und Vertreibung der einheimischen Dorfbewohner anwesende polnische Einwohnerschaft gehört mit seltenen Ausnahmen der Römisch-katholischen Kirche in Polen an.
Das polnische evangelische Kirchspiel ist in Bütow.
Literatur
- Moddrow, zwei Rittergüter (Moddrow A, C und D und Moddrow B), Kreis Bütow, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Moddrow (meyersgaz.org).
- Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 1087–1088, Ziffer (9) (Google Books).
- P. Ellerholz: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche, Band 2: Provinz Pommern, 2. Auflage, Nicolai (Stricker), Berlin 1884, S. 18–19 (Google Books).
- Pommersches Güter-Adressbuch, Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 94–95 (Google Books).
- Hermann Gribel: Statistik des Bütower Kreises. Lilienthal, Bütow 1958, S. 108 (Google Books).
Weblinks
- Amtsbezirk Kathkow (Territorial.de)
- Die Gemeinde Moddrow im ehemaligen Kreis Bütow in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011)
- Historische Ortsbeschreibungen Kreis Bütow: Moddrow (buetow-pommern.info, PDF)
Fußnoten
- ↑ Historische Ortsbeschreibungen Kreis Bütow: Moddrow (buetow-pommern.info, PDF)
- ↑ Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow, Zweiter Teil: Urkundenbuch, Königsberg 1858, S. 174–175 (Google Books).
- ↑ Werner Reinhold: Chronik der Stadt Stolp, Kölling, Stolp 1851, S. 205 (Google Books).
- ↑ Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow, Erster Teil: Die Geschichte, Königsberg 1858, S. 123 (Google Books).
- ↑ Reinhold Cramer: Geschichte der Lande Lauenburg und Bütow, Zweiter Teil: Urkundenbuch, Königsberg 1858, S. 175–176 (Google Books).
- ↑ Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon, Band V, Voigt, Leipzig 1864, S. 129 (Google Books).
- ↑ Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 389, Ziffer 122 (Google Books).
- ↑ Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 395, Ziffer 198–199 (Google Books).
- ↑ Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 1087–1088, Ziffer (9) (Google Books).
- ↑ Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 496, Ziffer 142 (Google Books).
- ↑ Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 486, Ziffer 15 (Google Books).
- ↑ Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 491, Ziffer 81 (Google Books).
- ↑ Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 570, Ziffer 59 (Google Books).
- ↑ Robert Klempin und Gustav Kratz: Matrikeln und Verzeichnisse der Pommerschen Ritterschaft vom XIV bis in das XIX Jahrhundert. Berlin 1863, S. 567, Ziffer 20 (Google Books).
- ↑ P. Ellerholz: Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche, Band 2: Provinz Pommern, 2. Auflage, Nicolai (Stricker), Berlin 1884, S. 18–19 (Google Books).
- ↑ Pommersches Güter-Adressbuch, Friedrich Nagel (Paul Niekammer), Stettin 1892, S. 94–95 (Google Books).
- ↑ Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat, Heft 4: Provinz Pommern, Berlin 1915, 2. Regierungsbezirk Köslin, 27. Kreis Bütow, S. 138–139, Ziffer 54 (Google Books).
- ↑ Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat, Heft 4: Provinz Pommern, Berlin 1915, 2. Regierungsbezirk Köslin, 27. Kreis Bütow, S. 138–139, Ziffer 55 (Google Books).
- ↑ Amtsbezirk Kathkow (Territorial.de)
- ↑ a b Die Gemeinde Moddrow im ehemaligen Kreis Bütow in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011)
- ↑ Klockhausʼ Kaufmännisches Handels- und Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, S. 1073 (Google Books).
- ↑ Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königl. Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Teil II, Band 2, Stettin 1784, S. 1087–1088, Ziffer (9) (Google Books).
- ↑ Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preußischen Staats, Band 3: Kr–O, Halle 1822, S. 209, Ziffer 2133–2134 (Google Books).
- ↑ Friedrich von Restorff: Topographische Beschreibung der Provinz Pommern mit einer statistischen Uebersicht, Nicolaische Buchhandlung, Berlin und Stettin 1827, S. 291, Ziffer 8 (Google Books).
- ↑ Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats (Kraatz, Hrsg.). Berlin 1856, S. 397 (Google Books).
- ↑ Hermann Gribel: Statistik des Bütower Kreises, Bütow 1858, Anhang, Beilage 1, Ziffer 42 (Google Books)
- ↑ Königliches Finanzministerium: Die Ergebnisse der Grund- und Gebäudesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Köslin, 2. Kreis Bütow, Berlin 1966, S. 2–9, Ziffer 34–35 (Google Books).
- ↑ a b Königl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Die Gemeinden und Gutsbezirke der Provinz Pommern und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. December 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Berlin 1874, Regierungsbezirk Köslin, XII. Kreis Bütow, S. 176–177, Ziffer 52–53 (Google Books).
- ↑ Königliches statistisches Bureau: Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 1. Dezember 1885 und anderer amtlicher Quellen, IV. Provinz Pommern, Berlin 1888, Regierungsbezirk Köslin, 25. Kreis Bütow, S. 192–193, Ziffer 58–59 (Google Books).
- ↑ Königliches Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeindelexikon für das Königreich Preußen. Auf Grund der Materialien der Volkszählung vom 2. Dezember 1895 und anderer amtlicher Quellen. Band IV: Provinz Pommern, Berlin 1898, 2. Regierungsbezirk Köslin, 25. Kreis Bütow, S. 198–199, Ziffer 58–59 (Google Books).
- ↑ Moddrow, zwei Rittergüter, Kreis Bütow, Provinz Pommern. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Moddrow (meyersgaz.org).
- ↑ a b Michael Rademacher: Provinz Pommern – Landkreis Bütow. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.