Minimum Equipment List
Die Minimum Equipment List (MEL, englisch für Mindestausrüstungsliste) ist ein Begriff aus der Luftfahrt.[1]
Beschreibung
Die MEL listet alle Instrumente, Ausrüstungsteile oder Funktionen eines Flugzeuges auf, welche für die Durchführung eines Fluges ganz- oder teilweise defekt sein dürfen. Beispielsweise gilt dies für die Gerätschaften der Galley (Bordküche). Nicht auf der Liste aufgeführte Ausrüstungen oder Systeme müssen im Flugbetrieb funktionsfähig sein, beispielsweise die für die Lufttüchtigkeit relevanten Tragflächen.[2] Mit den Einträgen auf der MEL können Betriebsbeschränkungen wie geänderte Verfahren oder Bedingungen notwendig werden, etwa wie lange und in welchem Umfang ein Flugzeug mit diesem Defekt betrieben werden kann.
Die MEL eines Flugzeugs muss vom Betreiber aufgestellt und von den jeweiligen Luftfahrtbehörden genehmigt werden. Grundlage der kennzeichenspezifischen MEL ist die auf das Flugzeugmuster bezogene Master Minimum Equipment List (MMEL) des Herstellers.[3] Die MEL entbindet den Betreiber nicht von der Pflicht, dass die Deaktivierung eines nicht funktionsfähigen Systems die Leistung anderer Instrumente oder Ausrüstungsteile nicht beeinträchtigen darf und ein Fluggerät trotz Nichtverfügbarkeit bestimmter Ausrüstungsteile lufttüchtig sein muss.[4]
In Europa sind Angaben zur MEL unter anderem in der EU OPS zu finden, in Deutschland macht der Gesetzgeber in der Betriebsordnung für Luftfahrtgerät (LuftBO) in § 47 Vorgaben.
Vor Anwendung der MEL muss ein Wartungstechniker das Fluggerät kontrollieren und dokumentieren, dass der vorgefundene Zustand eines Instrumente, Ausrüstungsteile oder einer Funktionen die Anforderungen der MEL erfüllt. Anschließend ist die nicht betriebsbereiten Ausrüstung zu kennzeichnen und zu beschriften sowie ggf. auf reduzierte Flugleistungen hinzuweisen. Zudem darf die Ausstattung meist nur für eine bestimmte Anzahl von Flugstunden, Starts oder Kalendertagen funktionslos sein, bevor der Fehler behoben werden muss. Darüber hinaus können bei einigen Ausrüstungsteilen auch in festgelegten Abständen Überwachungsinspektionen erforderlich sein, während diese nicht funktionsfähig sind.[4]
Zweck der MEL
Die MEL ermöglicht es dem Halter bzw. seiner Besatzung unter anderem, einen Flughafen anzufliegen, auf dem sich (eigenes) Wartungspersonal befindet. Da viele Flüge tagsüber erfolgen, bietet die MEL die Möglichkeit, tagsüber Flüge mit unkritischer und funktionsunfähiger Ausrüstung durchzuführen und Defekte in der Nacht zu beheben. Dadurch können Einnahmeverluste reduziert werden.
Beispielsweise ist ein Airbus A320 mit zwei Landescheinwerfern, zwei Rollscheinwerfern und zwei Rollbahnabbiegescheinwerfern zertifiziert. Gemäß der von der FAA genehmigten MMEL für die A320-Familie wäre das Flugzeug berechtigt, nachts mit einem defekten Landescheinwerfer zu fliegen, sofern die Roll- und Startbeleuchtung ordnungsgemäß funktioniert. Ebenso wäre das Flugzeug berechtigt, mit beiden defekten Landescheinwerfern zu fliegen, sofern Starts und Landungen bei Tageslicht erfolgen.[5]
Neben der MEL verfügen die meisten Betreiber über weitere Listen für die Zurückstellung nicht betriebsbereiter Ausrüstung. Die Configuration Deviation List (CDL) enthält alle externen Komponenten eines Flugzeugmusters, die zu Beginn eines Fluges fehlen dürfen.[6] Die Liste non-essential furnishings (NEF) enthält Innenausstattung sowie Einrichtungsgegenstände und erfüllt dieselbe Funktion wie die MEL und CDL. Abhängig von Betreiber und zuständiger Aufsichtsbehörde kann die Flugbesatzung für Gegenstände auf der NEF-Liste Reparaturen zurückstellen, ohne dass Wartungspersonal erforderlich ist.[7]
Unfälle
- Am 20. Oktober 2025 kam eine Boeing 747-481BDSF nach der Landung auf dem Flughafen Hongkong von der Landebahn ab. Der Flug wurde mit einer MEL durchgeführt, bei der unter anderem die Schubumkehr von Triebwerk 4 (äußeres Triebwerk am rechten Flügel) funktionslos war (siehe auch Emirates-SkyCargo-Flug 9788).
Einzelnachweise
- ↑ LBA: Beantragung und Genehmigung einer Mindestausrüstungsliste. In: Luftfahrtunternehmen. Luftfahrt-Bundesamt, abgerufen am 31. Juli 2025: „Die Verordnung (EU) Nr. 965/2012 ORO.MLR.105 beschreibt die Anforderungen bei der Erstellung einer Mindestausrüstungsliste für den CAT-, SPO-, NCC-Flugbetrieb.“
- ↑ Betriebsordnung für Luftfahrtgerät (LuftBO). In: Rechtsinformationssystem des Bundes. Bundesrepublik Deutschland, 29. Oktober 2015, abgerufen am 31. Juli 2025.
- ↑ Minimum Equipment Lists (MEL): Mit Mindestausrüstungslisten Lufttüchtigkeit nachweisen. TRS Aviation Consulting, abgerufen am 31. Juli 2025: „Obwohl jede MEL auf der speziell an den Flugzeugtyp angepassten Mastermindestausrüstungsliste (Master Minimum Equipment List, MMEL) basiert, muss sie kennzeichenspezifisch sein.“
- ↑ a b NATA Aircraft Maintenance & System Technology Committee Best Practices. (PDF) NATA, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 17. April 2021; abgerufen am 21. November 2025 (englisch).
- ↑ Master Minimum Equipment List (MMEL), Airbus SAS, A318, A319, A320, and A321 Series. (PDF) Federal Aviation Administration, abgerufen am 27. Juni 2024 (englisch).
- ↑ Configuration Deviation List. Skybrary, abgerufen am 21. November 2025.
- ↑ Turning Delayed/Deferred Aircraft Maintenance into Timely Resolutions. Veyron, abgerufen am 21. November 2025.