Minimalinvasive ästhetische Verfahren
Minimalinvasive ästhetische Verfahren sind ambulant durchführbare, nicht-operative Maßnahmen zur Reduzierung von Falten. Diese stellen eine Alternative zur operativen Faltenentfernung (Lifting) dar und werden aus kosmetischen Gründen durchgeführt. Beliebte Behandlungsregionen hierbei sind u. a. Stirn-, Nasen- und Mundfalten. Es existieren verschiedene Behandlungsmöglichkeiten wie beispielsweise Faltenunterspritzungen.
Methoden und Wirkstoffe
Muskelrelaxans
Auch die Faltenunterspritzung mit dem Nervengift Botulinumtoxin ist eine beliebte Behandlungsmethode gegen Gesichtsfalten. Man verwendet es vorzugsweise gegen die mimischen Gesichtsfalten in der oberen Gesichtshälfte. Botulinumtoxin ist ein Bakteriengift, dessen Injektion gezielt die mimische Muskulatur (z. B. Zornesfalte oder Krähenfüße) entspannt. Da sich die Muskeln nach der Faltenunterspritzung mit Botulinumtoxin nicht mehr zusammenziehen können, entspannt sich die darüberliegende Haut. Die Wirkung der Faltenunterspritzung erreicht ihr Maximum nach 1 bis 2 Wochen und hält etwa 3 bis 6 Monate an.[1]
Dermafiller
- Hyaluronsäure ist eine Substanz, die in natürlicher Form auch im menschlichen Körper vorkommt. Für die Faltenbehandlung werden biotechnisch hergestellte Hyaluronsäuren verwendet, die aus Hahnenkämmen gewonnen werden und bei der Injektion unter die Haut stark wasserbindend wirken. Wie viel Wasser das injizierte Hyaluron bindet, ist von der Dichte der Substanz abhängig. Hyaluronsäure gibt es in unterschiedlicher Dichte. Die dünnflüssige Substanz füllt feine Falten an Lippen und Augen auf. Eine größere Dichte bedarf es bei der Auffüllung von tiefen Nasolabialfalten, zum Aufspritzen und Konturieren der Lippen sowie beim Anheben hängender Mundwinkel. Noch dichter muss die Struktur zum Volumenaufbau an Wangen, Kinn, Dekolleté und Händen sein. Verwendet werden Hyaluron-Präparate unterschiedlicher Hersteller, welche sich in der Dichte und Konsistenz sowie der Wirkungsdauer unterscheiden. Hyaluronsäure wird in einem Zeitraum von drei bis neun Monaten vom Körper abgebaut und ruft in der Regel keine Allergien hervor. Lediglich bei einer Überempfindlichkeit gegen Hühnereiweiß sollte diese Substanz nicht eingesetzt werden.
- Calciumhydroxylapatit eignet sich zur Volumengabe im Bereich von Wangen, Kinn und Handrücken sowie zur Behandlung moderater und stark ausgeprägter Gesichtsfalten, aber auch in verdünnter Form zur allgemeinen Verjüngung des Hautbildes in Gesicht und vor allem am Körper. Es verfügt über einen 2-fachen Wirkmechanismus: Einen Soforteffekt durch die Gel-Matrix, das Trägergel, und einen langanhaltenden Effekt durch den Kollegenaufbau, welcher durch das Calciumhydroxylapatit angeregt wird. Die Haltbarkeit reicht durch den nachhaltigen Aufbau von kollagenem Gewebe von 12 bis zu 18 Monaten.
- Kollagen ist eine Substanz, welche im menschlichen Körper auch im Bindegewebe in natürlicher Form vorkommt. Das bio-technisch für Faltenbehandlungen hergestellte Kollagen wird aus Rinderhaut gewonnen, gereinigt und aufbereitet. Kollagen wird bei der Auffüllung kleiner Falten im Gesicht verwendet und von dem menschlichen Körper binnen drei bis neun Monate abgebaut. Dieser Wirkstoff ist in der EU nicht mehr erhältlich.
- Die Poly-L-Milchsäure orientiert sich an der in natürlicher Form im menschlichen Körper vorkommenden Milchsäure und wird für die kosmetische Verwendung synthetisch hergestellt. Poly-L-Milchsäure bindet ähnlich wie die Hyaluronsäure langfristig Wasser im Bindegewebe und bewirkt damit eine Glättung der Hautoberfläche und die Verminderung von Falten im Gesicht. Es wird vor allem bei dem großflächigen Auffüllen, beispielsweise bei eingesunkenen Wangen und zur Behebung von unförmigen Gesichtskonturen verwendet. Der Effekt einer Faltenbehandlung mit Poly-Milchsäure ist bis zu zwei Jahre sichtbar.
- Bei einer Faltenunterspritzung mit Eigenfett gewinnt der Arzt das Fett aus dem Körper des Patienten, indem er es abgesaugt und anschließend aufbereitet. Die Haltbarkeit unterscheidet sich stark von Patient zu Patient und kann von mehreren Wochen bis zu Jahren reichen.[2] Eigenfett findet meist Verwendung bei mittelstark bis stark ausgeprägten Falten und eingefallenen Wangen, wird jedoch kaum noch angewandt.[3]
- Silikon ist eine nicht-resorbierbare, synthetische Substanz, die zur Glättung von Falten im Mund- und Stirnbereich verwendet werden kann. Injiziertes Silikonöl lässt sich nur sehr schwer aus dem Gewebe wieder entfernen und kann außerdem seine Position verändern.
Fadenlifting
Ebenso wie Filler und Muskelrelaxans gelten auch Fadenliftings als minimalinvasive ästhetische Verfahren. Hierbei wird jedoch keine Flüssigkeit injiziert, sondern Fäden eingeführt. Diese lassen sich nach Material (PDO, PLLA, PCL, PUR) oder nach Struktur (glatt, Schrauben, Widerhaken, Kegel) einteilen. Sie werden zur Anhebung von erschlafften Hautpartien verwendet. Hierbei werden die Fäden mit einer Kanüle durch die entsprechende Hautpartie gezogen, wo das Bindegewebe die Fäden mit der Zeit umhüllt. Mittels dieser Methode lassen sich vor allem Hängebacken und hängende Mundwinkel anheben.[4]
Tiefes chemisches Peeling
Im Gegensatz zu oberflächlichen ehemischen Peelings werden tiefe chemische Peelings nicht nur zur Behandlung von unreiner Haut und großen Poren eingesetzt, sondern zusätzlich auch gegen feine Falten. Hierbei werden hauptsächlich Glykol-, Salicyl- oder Trichloressigsäure eingesetzt. Dazu sind vier bis sechs Sitzungen im Abstand von zwei bis vier Wochen nötig. Die Ausfallzeiten sind hierbei mit bis zu drei Wochen relativ lang.[3]
CO2-Laser
Der fraktionierte ablative Laser (CO2-Laser) eignet sich speziell zur Hautstraffung der Tränensäcke sowie des gesamten periorbitalenBereichs. Nach der Behandlung ist die Haut stark gerötet und bildet Krusten, die nach wenigen Tagen abfallen. Es ist eine Woche Auszeit nötig sowie absoluter Sonnenverzicht bis zu drei Monaten. Die Wirkung hält ein bis zwei Jahre an.[3]
Medizinische Mikrodermabrasion
Die medizinische Mikrodermabrasion ist ein mechanisches Peeling, bei dem Kristalle mit hoher Geschwindigkeit auf die Haut gestrahlt werden und dadurch die obersten Hautschichten abgeschliffen werden. Ein Vakuum saugt dabei die Kristalle zusammen mit den gelösten Hautzellen ab. Hierbei kommt es auch zu Hautblutungen. Im Gegensatz zur medizinischen geht die kosmetische Mikrodermabrasion nicht so tief und gilt als nichtinvasive Behandlung.[5]
Risiken
Während resorbierbare Substanzen Allergien auslösen können, ist eine Faltenunterspritzung mit nicht-resorbierbaren Substanzen riskanter: Diese Dauerimplantate können verrutschen, Allergien auslösen oder zu Knötchen führen. Auch die Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie Deutschland rät von der Verwendung von nicht-resorbierbaren Substanzen ab. Zudem verliert die Haut im Alter an Elastizität und Hautpartien erschlaffen zunehmend. Die permanenten Substanzen verbleiben jedoch in ihrer Position und können mit der Zeit störend aus dem Gesicht ragen und als unästhetisch empfunden werden.
Rechtliches
Faltenunterspritzungen, Faltenunterfüllung und die äquivalente Therapie der Migräneerkrankung sind approbierten Ärzten und Heilpraktikern erlaubt; Zahnärzten und anderen Heilberufsangehörigen ohne entsprechende Genehmigung hingegen untersagt.
Siehe auch
Literatur
- K. C. Smith: Reversible vs. nonreversible fillers in facial aesthetics: concerns and considerations. In: Dermatol Online J. 14(8), 2008 Aug 15, S. 3. Review. PMID 19061563
- P. Lafaille, A. Benedetto: Fillers: contraindications, side effects and precautions. In: Journal of cutaneous and aesthetic surgery. Band 3, Nummer 1, Januar 2010, S. 16–19, doi:10.4103/0974-2077.63222, PMID 20606987, PMC 2890129 (freier Volltext).
- G. Lemperle, N. Gauthier-Hazan, M. Wolters: Komplikationen nach Faltenunterspritzung und ihre Behandlung. In: Handchir Mikrochir plast Chir. 38(6), 2006, S. 354–369.
Einzelnachweise
- ↑ Botulinumtoxin A in der Faltenbehandlung: Übersicht und Abgrenzung zu alternativen Verfahren. In: Deutsches Ärzteblatt. Deutscher Ärzteverlag GmbH, 28. Juni 2001, abgerufen am 15. Dezember 2025.
- ↑ Faltenunterspritzung: Wie Filler die Haut glätten. In: Der Spiegel. 28. August 2013, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 18. Dezember 2025]).
- ↑ a b c Monika Preuk: Ohne Skalpell - Sanfte Schönheits-Quickies machen sofort zehn Jahre jünger. Hrsg.: Focus. 2. Februar 2017 (focus.de [abgerufen am 18. Dezember 2025]).
- ↑ Gi-Woong Hong, Soo-Bin Kim, Soo Yeon Park, Jovian Wan, Kyu-Ho Yi: Thread Lifting Materials: A Review of Its Difference in Terms of Technical and Mechanical Perspective. In: Clinical, Cosmetic and Investigational Dermatology. Band 17, 2024, ISSN 1178-7015, S. 999–1006, doi:10.2147/CCID.S457352, PMID 38737945, PMC 11086642 (freier Volltext) – (nih.gov [abgerufen am 11. Dezember 2025]).
- ↑ Muneeb Shah, Jonathan S. Crane: Microdermabrasion. In: StatPearls. StatPearls Publishing, Treasure Island (FL) 2025, PMID 30571004 (nih.gov [abgerufen am 21. Dezember 2025]).