Millstätter Alpe
| Millstätter Alpe | ||
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| Blick vom Goldeck über das Drautal, den Millstätter-See-Rücken und den Millstätter See auf die Millstätter Alpe. | ||
| Höhe | 2091 m ü. A. | |
| Lage | Kärnten | |
| Gebirge | Nockberge | |
| Dominanz | 1,44 km → Kamplnock | |
| Schartenhöhe | 65 m ↓ Grünes Törl | |
| Koordinaten | 46° 50′ 21″ N, 13° 37′ 23″ O | |
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| Gestein | Glimmerschiefer, Paragneis | |
Die Millstätter Alpe (2091 m ü. A.) ist ein Bergrücken in den Nockbergen in Kärnten nordöstlich des Millstätter Sees. Zwischen dem Millstätter See und der Millstätter Alpe liegt der damit nicht zu verwechselnde und wesentlich niedrigere Millstätter Berg, auf der gegenüberliegenden Seite des Sees der Millstätter-See-Rücken. Abgesehen vom Tourismus insbesondere an ihrer Südwestseite hat die Millstätter Alpe kulturgeschichteliche bzw. wirtschaftliche Bedeutung als Fundort von Granatsteinen und durch den Magnesitbergbau an ihrer Nordostseite.
Berg und Umgebung
Die Millstätter Alpe zieht sich als kompakter Höhenrücken parallel am Millstätter See entlang, in ihrem Nordwesten liegt das Städtchen Gmünd (Liesertal), im Westen Seeboden, im Südosten die Ortschaften Radenthein und Döbriach (Gegendtal), im Nordosten Kaning und das Globatschbachtal, nördlich der Nöringsattel bzw. das Nöringbachtal. Oberhalb der Ortschaft Millstatt am See berschreibt der Rücken einen schwachen S-Knick. Die namensgebende Millstätter Alpe im engeren Sinne hat eine Höhe von 2091 m,[1] bildet jedoch knapp nicht den höchsten Punkt dieses Höhenrückens. Von Nordwest nach Südost liegen auf ihm unter anderem der Tschiernock (2088 m), Hochpalfennock (2099 m), Kamplnock (2101 m), die Millstätter Alpe i. e. S. (2091 m) so wie der Lammersdorfer Berg (2063 m). An Letzterem verzweigt sich der Rücken in zwei abfallende Äste mit Jufen (1802 m) und Matzelsdorfer Berg (1661 m) auf den südlicheren sowie dem Rosenkofel (1878 m) auf dem nördlicheren Ast. Außerdem erwähnenswert sind der Tschierwegernock (2010 m) südlich des Hochpalfennocks und der Schlafkogel (1684 m) südwestlich des Tschiernocks. Das unwesentlich niedrigere Törl (1905 m) zwischen Hochpalfennock und Kamplnock vermittelt einen Übergang von Südosten nach Norden zum Nöringsattel (1665 m ü. A.) und weiter ins Globatschbachtal nach Radenthein oder ins Nöringbachtal nach Nöring. Der Kamm der Millstätter Alpe, der aus „Altkristallin“ aufgebaut ist, weist eine Doppelgratbildung auf, die durch Bergzerreißung entstanden ist.
Laut der Gebirgsgruppengliederung für das österreichische Höhlenverzeichnis bildet die Millstätter Alpe in den eingangs beschriebenen Grenzen als Gruppe 2714 eine von acht Gebirgsgruppen der Nockberge.[2] Für eine detailliertere Beschreibung dieses Systems siehe den entsprechenden Abschnitt im Artikel über die Nockberge.
Kulturgeschichtliches
Seit alters her werden auf der Millstätter Alpe Granate, im Speziellen Almandine gefunden.[3] Granate – vom lateinischen granum, das Korn, weil dieser Halbedelstein kornförmig im Muttergestein vorkommt – waren bereits im Altertum sehr bedeutende Schmucksteine. Der bisher früheste Nachweis einer menschlichen Nutzung ist der Fund einer gut erhaltenen ca. 3000 Jahre alten Lanzenspitze aus der Bronzezeit, in einer Art, wie sie auch aus anderen Teilen Kärntens bekannt ist.[4] Im Mittelalter wurden Granate Karfunkelsteine genannt, weil sie an glühenden Kohlen erinnern. Granate wurden auf der Millstätter Alpe in großem Stile in einer Schlucht bei Radenthein entlang des Kaninger Baches im Lucknergraben abgebaut. Der 1802 in Zell am Ziller geborene Josef Hofer begann 1880 mit dem Granatbergbau unter Tage. Über die Firma der Gebrüder Hofer in Zell am Ziller wurden die „gemugelten“ Steine dann nach Böhmen geliefert, wo sie von Schleifern zu Schmuckstücken aller Art verarbeitet wurden und als „Böhmische Schmuckgranate“ in den Handel kamen. 1914 wurde der Granatbergbau stillgelegt. Besonders am Höhenrücken und den vielen Gräben um die Millstätter Alpe finden sich nach wie vor viele ausgeschwemmte Granate, die auch „Die Blutstropfen der Nocke“ genannt werden.[5]
1904 wurde an der Nordostseite, im Globatschbachtal, Magnesit gefunden. Bis 1965 betrieb die Österreichisch-Amerikanische Magnesit AG (heute RHI Magnesita) den Abbau des Gesteins im Tagebau, im so genannten „Bruch“. Heute wird das Gestein ausschließlich Untertage in Stollen gewonnen. Aus Magnesit werden Feuerfestmaterialen hergestellt, die vor allem in der Stahl- und Eisenindustrie, aber auch in der Zement- oder Glasindustrie unabdingbar sind.
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Obermillstatt, Ansicht gegen Norden. Im Vordergrund der Lärchriegel, dahinter die Millstätter Alpe (um 1950).
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Prähistorische Speerspitze.
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Blick von Südost über den Millstätter See, links Millstätter-See-Rücken, rechts Millstätter Alpe, hinten Reißeckgruppe.
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Almenlandschaft mit Blick nach Nordwesten zum Hochpaltennock (mittig) und Tschierwegernock (li.).
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Südostende der Millstätter Alpe mit der Breitwand oberhalb von Döbriach.
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Einsame Nordostseite der Millstätter Alpe – Straße zum Nörigsattel.
Naturraum
Geomorphologie und Geologie
Während der Würm-Kaltzeit bildeten sich nur lokal kleine Gletscher auf den höchsten Gipfeln (ab 2300 m) der Nockberge,[6] folglich gibt an der Millstätter Alpe keine Kare, scharfgratige Karlinge oder ähnliche glaziale Landschaftsformen. Sehr wohl aber wurden die Täler durch die aus den höheren Landesteilen herabfließenden Eismassen, die eine Mächtigkeit von über 1000 Metern erreichen konnten, ausgeschürft, Moränen bedecken die Bergflanken in entsprechender Höhe. Die Haupteisströme flossen durch das Drautal von West nach Ost sowie durch das Liesertal von Norden nach Süden,[7] die Millstätter Alpe liegt also am „Zusammenfluss“ dieser Eisströme.
Die Millstätter Alpe ist aus kristallinen Gesteine des Mittelostalpins aufgebaut, die in der Regel mittelgradig metamorph sind. Zu ihnen gehört der sogenannte Millstatt-Komplex (Paragneise mit jüngeren Pegmatit-Gängen) und der Radenthein-Komplex (vorherrschend Glimmerschiefer, darin die oben erwähnten Granate), außerdem treten an der Millstätter Alpe Amphibolite und an den Hängen des Tschiernocks lokal Orthogneis (zum Bundschuh-Priedröf-Komplex gehörig) auf.[8] Die Ausgangsmaterialien der kristallinen Schiefer sind überwiegend paläozoisch, könnten aber auch noch aus dem Präkambrium stammen; die meisten Gesteine dieser Gruppe wurden mindestens zweimal bei Gebirgsbildungen metamorph überprägt (im Zuge der alpidischen, variszischen, mitunter auch der kaledonischen Gebirgsbildung).[9]
Gewässer
Die Bäche an der Südseite der Millstätter Alpe entwässern direkt in den Millstätter See, als größter von diesen zu erwähnen ist der Riegerbach (nicht ident mit jenem bei Döbriach), der direkt bei der Ortschaft Millstatt in den See mündet. An der Nordseite der Millstätter Alpe bildet der Nöringsattel eine lokale Wasserscheide, Bäche westlich davon (u. a. Landfraßbach bei Landfraß) fließen in die Lieser, Bäche östlich davon (etwa der Laufenberger Bach) via Globatschbach → Kaningbach → Riegerbach in den Millstätter See.
Wege
Ein gut ausgebautes Netz von markierten Wanderwegen erschließt die Millstätter Alpe, insbesondere vom stark besiedelten Süd- und Südwestfuß her führen zahlreiche Wege auf ihren Höhenrücken. Nordwestlich des Lammersdorfer Bergs bildet eine Granattor genannte Kunstinstallation ein Ziel für Wanderer.[10] Die Etappen 12 und 13 des Alpe Adria Trails führen von Seeboden am Westende des Millstätter Sees über die volle Länge der Millstätter Alpe nach Döbriach.[11] An der Breitwand, wo die Millstätter Alpe ungewöhnlich Steil nach Döbriach abfällt, gibt es einen gut ausgebauten Klettergarten.[12]
Literatur
- Alexander Kimmer, Helmut Lang, Gerhard Baumhackl: Nockberge Biosphärenpark – Gurktaler Alpen – Maltatal. 51 Touren. Mit GPS-Daten. 7. Auflage. Bergverlag Rother, Oberhaching 2023, ISBN 978-3-7633-4512-0, S. 96 f.
- Helmut Zwander (Hrsg.): Die Nockberge. Ein Naturführer. Naturwissenschaftlicher Verein für Kärnten, Klagenfurt 2012, ISBN 978-3-85328-058-4.
Weblinks
- 1953/63 Böhmische Granaten aus Radenthein von Matthias Maierbrugger
- Basiskarten im Kärntner Geografischen Informationssystem KAGIS
- Geologische Karte 1:50.000 via GeoSphere Austria
Einzelnachweise
- ↑ Sofern nicht anders ausgewiesen entstammen alle Höhenangaben, Orts- und Flurnamen dem amtlichen Kartendienst des Landes Kärnten (KAGIS)
- ↑ Günter Stummer, Lukas Plan: Handbuch zum Österreichischen Höhlenverzeichnis inklusive bayerischer Alpenraum. Hrsg.: Verband Österreichischer Höhlenforscher und karst- und höhlenkundliche Abteilung des Naturhistorischen Museums Wien (= Speldok 10). Wien 2002, S. 95 (hoehle.org [PDF; 2,0 MB; abgerufen am 26. August 2025]).
- ↑ Helmut Prasch: Blutstropfen der Nocke. - Spittal / Drau, 1972. Selbstverlag Bezirksheimatmuseum.
- ↑ Ausgestellt im Landesmuseum Kärnten in Klagenfurt
- ↑ Ausstellungen zum Bergbau auf der Millstätter Alpe siehe Stiftsmuseum Millstatt (Magnesit) / Türgg-Haus am Mühlenweg in Kaning ober Radenthein (Magnesit- und Granatbergbau) / ein Raum im Museum für Volkskultur in Spittal an der Drau ist dem Granatbergbau gewidmet.
- ↑ Martin Seger: Geographische Einführung. In: Helmut Zwander (Hrsg.): Die Nockberge. Ein Naturführer. Naturwissenschaftlicher Verein für Kärnten, Klagenfurt 2012, S. 8.
- ↑ Friedrich Hans Ucik: Die Eiszeit. In: Helmut Zwander (Hrsg.): Die Nockberge. Ein Naturführer. Naturwissenschaftlicher Verein für Kärnten, Klagenfurt 2012, S. 68 f.
- ↑ Geologische Karte 1:50.000. In: maps.geosphere.at. Abgerufen am 11. Januar 2026.
- ↑ Friedrich Hans Ucik: Geologie. In: Paul Mildner, Helmut Zwander (Hrsg.): Kärnten – Natur. Die Vielfalt eines Landes im Süden Österreichs. 2., erweiterte Auflage. Naturwissenschaftlicher Verein für Kärnten, Klagenfurt 1999, S. 61.
- ↑ Granattor in Kärnten. In: seeundberg.at. Abgerufen am 11. Januar 2026.
- ↑ Alpe Adria-Trail Etappen. In: alpe-adria-trail.com. Abgerufen am 11. Januar 2026.
- ↑ Breitwand Klettergarten. In: bergsteigen.com. Abgerufen am 11. Januar 2026.