Miki Tallone
Miki Tallone, auch Michela Raffaela Anita Tallone Mazzi-Damotti (geb. am 27. September 1968 in Bellinzona), ist eine Schweizer Künstlerin aus dem Tessin, die international durch ihre raumgreifenden Installationen, Performances und Kontextbezogenen Arbeiten bekannt wurde. Ihre Arbeit bewegt sich zwischen Fotografie und Skulptur mit performativen Ansätzen und ortsspezifischer Recherche. Ein zentrales Merkmal ihres Werks ist die Untersuchung der Beziehungen zwischen Körper, Raum, Materialität und sozialer Erinnerung.
Leben und Ausbildung
Miki Tallone absolvierte zunächst eine Ausbildung als Hochbauzeichnerin. Anschliessend studierte sie am Centro scolastico industrie artistiche (CSIA) in Lugano, wo sie 1994 in Grafik (bei Bruno Monguzzi) und Fotografie (bei Serge Libiszewski) diplomierte. Parallel dazu besuchte sie die experimentelle Theaterschule von Cristina Castrillo.[1] Diese interdisziplinäre Ausbildung prägte ein künstlerisches Verständnis, das verschiedene Medien und soziale Kontexte miteinander verbindet. Ihr Schaffen als Bildhauerin, Fotografin und Performerin verbindet architektonische Interventionen mit einer poetischen Auseinandersetzung von Raum, Zeit und kollektiver Erinnerung. Tallones Arbeiten zeichnen sich durch die Transformation vorgefundener Orte aus. Der Begriff „umgekehrte Restauratorin“ beschreibt Miki Tallones künstlerische Strategie, bei der sie statt beschädigte Objekte oder Strukturen zu erhalten oder originalgetreu wiederherzustellen, diese bewusst verändert, dekonstruiert oder in neue Kontexte überführt. Ihre Installationen fungieren oft als physische und metaphorische Schnittstellen, die die Besucherinnen zur Interaktion einladen. Materialien wie Textilien, Holz oder Alltagsobjekte nutzt sie, um soziale Rituale und ökologische Bezüge zu reflektieren – etwa in der Arbeit Termin vereinbaren (2021), die ein stummes Bankett ohne Gäste inszenierte und dabei Stoffe als Träger zwischenmenschlicher Kommunikation thematisierte.
Diese interdisziplinäre Basis prägt ihr Verständnis von Kunst als Zusammenfluss verschiedener kreativer Prozesse, in denen der Dialog zwischen Publikum, Körper und Raum eine zentrale Rolle spielt. Seit 2002 realisiert sie künstlerische Projekte in der Schweiz und international. Sie erhielt Auszeichnungen wie die Swiss Art Awards und wurde in die Publikationsreihe Cahiers d’artistes von Pro Helvetia aufgenommen. Arbeitsaufenthalte führten sie unter anderem nach Paris und Zug. In ihrer Praxis beschäftigt sie sich mit Themen wie Intimität, sozialer Struktur, Erinnerung sowie dem Verhältnis von Mensch, Material und Raum. Tallone lebt und arbeitet in Minusio.
Werdegang
Miki Tallone absolvierte zunächst eine Lehre als Hochbauzeichnerin. Danach studierte sie am Centro scolastico industrie artistiche (CSIA) in Lugano, wo sie 1994 in Grafik bei Bruno Monguzzi und in Fotografie bei Serge Libiszewski diplomierte. Parallel besuchte sie die experimentelle Theaterschule von Cristina Castrillo.[1]
Diese interdisziplinäre Ausbildung prägte Tallones Praxis als Bildhauerin, Fotografin und Performerin, die architektonische Interventionen mit Themen wie Raum, Zeit und kollektiver Erinnerung verknüpft. Sie transformiert vorgefundene Orte als „umgekehrte Restauratorin“, indem sie Strukturen dekonstruiert und in neue Kontexte überführt, statt sie zu erhalten. Ihre interaktiven Installationen aus Textilien, Holz oder Alltagsobjekten thematisieren soziale Rituale und ökologische Bezüge, etwa Termin vereinbaren (2021) als leeres Bankett mit Stoffen als Kommunikationsmedium.[2]
Seit 2002 realisiert Tallone Projekte in der Schweiz und international, mit Auszeichnungen wie dem Premio federale d'arte (2012), Förderungen von Pro Helvetia (2017) und einem Stipendium der Zuger Kulturstiftung Landis & Gyr (2018) sowie Aufnahme in die Cahiers d'artistes-Reihe. Arbeitsaufenthalte führten sie nach Paris und Zug. Sie lebt und arbeitet in Minusio.[3]
Werk und Arbeitsweise
Seit den frühen 2000er-Jahren entwickelt Tallone Projekte, die sowohl poetische als auch sozialdokumentarische Elemente vereinen. In ihren Arbeiten untersucht sie die Beziehung zwischen Körper, Raum und Horizont, die Wirkung von Architektur und Landschaft auf soziale Systeme sowie kollektive Erinnerung und Intimität im öffentlichen Raum. Wichtig sind weiter die Bedeutung alltäglicher Materialien (z. B. Bettwäsche) als Träger sozialer Spuren. Ein wiederkehrendes Element ist die Verwendung von Stoffen und textilen Objekten als Verdichtungen persönlicher und kollektiver Geschichten.[2]
Ausstellungen
- 2004: E.QUI.LIBRI, Group, Officina arte, Magliaso.
- 2004–2005: Alessandra Tavola. Miki Tallone, Group, Studio Cristina del Ponte, Locarno.
- 2005: Miki Tallone. Trittico in video – come si sta laggiù?, Solo, Officina arte, Magliaso.
- 2006: Miki Tallone. Installazione, Solo, Officina arte, Magliaso.
- 2006: Pascal Schwaighofer. Miki Tallone, Espace d’art contemporain Les Halles, Pruntrut.
- 2008: Altre Cronache. Prisca Groh. Christian Moccia. Miki Tallone, Antico Monastero delle Agostiniane – I Sotterranei dell’Arte, Monte Carasso.
- 2008: Prisca Groh, Christian Moccia, Miki Tallone, Alexandre Joly, Andreas Marti, Antico Monastero delle Agostiniane[4]
- 2010: Fare spazio. Miki Tallone, La rada, Locarno.[5]
- 2011: Môtiers 2011 – Art en plein air, Môtiers[6]
- 2011: Miki Tallone. Arnia, Solo, 12a Istituto internazionale di architettura, Vico Morcote[7]
- 2012: The Land seen from the Sea. Little Constellation, Group, Museo d’arte contemporanea di Villa Croce, Genua[8]
- 2012: Swiss Art Awards 2012. Twisted Realism, Kunstmesse Basel, Basel.[9]
- 2012: Allerleirauh [All-kinds-of-fur]. Mind the Mind, Solo, Centro d’Arte Contemporanea Ticino CACT, Bellinzona.
- 2013: Miki Tallone. La grafia del sentimento, Solo, Centro d’Arte Contemporanea Ticino CACT, Bellinzona.
- 2013: Fessure, MIDeC Museo internazionale del design ceramico, Cerro di Laveno Mombello.
- 2013: Little Constellation. Subjective Maps / Disapperances, National Gallery of Iceland, Reykjavik.
- 2013: Exported papers. Un choix d’oeuvres sur papier d’artistes tessinois, L.A.C. local d’art contemporain, Vevey.
- 2013: Miki Tallone. Laban’s Training Area, Solo, Fondazione Monte Verità, Ascona.
- 2013–2014: Dialogos part two, Centro d’Arte Contemporanea Ticino CACT, Bellinzona.
- 2014: Miki Tallone. In a Low Voice, Solo, Listen to the Sirens. Space of Contemporary Art, Gibraltar.
- 2014: Émergences, Bex & Arts, Bex.
- 2021: Miki Tallone. [ex], Solo, Museo d’arte Mendrisio, Mendrisio.[10]
- 2022: Swiss art awards 2022, Group, Art Basel, Basel.
- 2023: Su sei ruote, Forde, Geneva.
- 2023: Su sei ruote, Kunsthalle Zürich, Zürich (ZH), Museo d’arte della Svizzera italiana, Lugano, Istituto Svizzero di Roma – Sede di Milano, Mailand
Auszeichnungen
Tallone erhielt 2012 einen Swiss Art Award des Bundesamts für Kultur. 2015 wurde sie für die Publikationsreihe Cahiers d’artistes der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia ausgewählt. 2018, Zuger Kulturstiftung – Landis & Gyr.[3] 2018 – 19 Prix visarte.[3]
Arbeitsaufenthalte
- Cité Internationale des Arts, Paris
- Stiftung Landis & Gyr, Zug
Sammlungen (Auswahl)
Werke von Tallone befinden sich u. a. in folgenden öffentlichen Sammlungen:
- Fondazione Monte Verità, Ascona
- Museo d’arte della Svizzera italiana (MASI), Lugano – Collezione Cantone Ticino
- BSI Art Collection, Lugano
- National Gallery of Iceland, Reykjavík
- Little Constellation – Netzwerk für zeitgenössische Kunst im Mikrostaatenraum, San Marino[11]
Kataloge und Publikationen
- 2022: Zoé Spadaro, Bundesamt für Kultur (BAK), Bern Sektion Kunst und Design, Lea Fluck: Swiss Art Awards 2022: on the occasion of the Swiss Art Awards exhibition in Hall 1.1 of Messe Basel, 13-19 June 2022. Federal Office of Culture, Bern 2022, ISBN 978-3-907394-01-4. [12]
- 2015: Miki Tallone, Cahier D`Artist N° 133 Miki Tallone ISBN 978-3-906016-45-0
- 2015: Alessandro Castiglioni, Rita Canarezza, Pier Paolo Coro: The voices of the sirens: contemporary art in Gibraltar. Mousse Publishing, Milan 2015, ISBN 978-88-6749-169-8.[13]
- 2014: Emergences, Katalog, bex&arts, Bex, 2014
- 2014: Little Constellation project introduces Swiss artist to new Montagu Bastion space, Magazin, In: Gibraltar Chronicle, 23. Mai 2014[14]
- 2013: Can you give me my position, Künstlerbuch, Miki Tallone für die Ausstellung in der National Gallery of Iceland, 2013
- 2013: Interno Domestico. Mostre in appartamento 1972–2013, Fortino Editions, 2013
- 2013: Laban's Training Area, Monte Verità Ascona, limitierte Auflage von 120 Exemplaren, signiert und nummeriert von Miki Tallone, mit einem kritischen Text von Michele Robecchi.[15]
- 2013: Subjective maps: disappearances, Katalog, anlässlich der Ausstellung Subjective Maps / Disappearances die vom 17. Mai bis zum 30. Juni 2013 in der Nationalgalerie Islands in Reykjavík stattfand.[16]
- 2013: Miki Tallone e l'orizzonte sospeso, Essay von Patrick Gosatti. In: Kunstbulletin, 3, 2012.
- 2012: Swiss Art Awards 2012. Twisted Realism, Exhibition catalog, A1 - 15065,
- 2011: Môtiers 2011: art en plein air. Katalog, Môtiers[17]
- 2008: Altre cronache: Prisca Groh, Christian Moccia, Miki Tallone, Exhibition catalog, Sotterranei dell’Arte, Monte Carasso[18]
- 2004: Suono visivo. Visual sound, ISBN 978-88-87469-38-7
Weblinks
- Webseite der Künstlerin
- SIKART, Lexikon zur Kunst in der Schweiz: Miki Tallone
- Prix Visarte
- Mapping Ticino: Interview mit Miki Tallone, Revolving Histories (#bangbang-40252)
Quellen
- ↑ a b Tallone, Miki | SIK-ISEA Recherche. Abgerufen am 5. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ a b Pro Helvetia (Hrsg.): Miki Tallone Collection cahiers d'artistes. Heft 127. Editione Periferia, Luzern 2015.
- ↑ a b c Michela Tallone | fotoCH. Abgerufen am 5. Dezember 2025 (Schweizer Hochdeutsch).
- ↑ Selezioni tematiche. Abgerufen am 6. Dezember 2025.
- ↑ Miki Tallone: Tallone. https://prohelvetia.ch/app/uploads/2023/12/P35740_Tallone-min.pdf. Hrsg.: prohelvetia.ch. Pro Helvetia online.
- ↑ Expo 2011. In: Art Môtiers. Abgerufen am 6. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ Positions in space 10 i2a istituto internazionale di architettura Vico Morcote. Abgerufen am 6. Dezember 2025 (italienisch).
- ↑ The Land seen from the Sea - Announcements. Abgerufen am 6. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Eidgenössischer Wettbewerb für Kunst 2012 Jurybericht der Eidgenössischen Kunstkommission zu den Preisträgerinnen und Preisträgern 2012. (PDF) Eidgenössische Kunstkommission, 2012, abgerufen am 6. Dezember 2025.
- ↑ Blackpoint SA: [ēx] Installazione Museo d’arte Mendrisio | Miki Tallone | 2021. Abgerufen am 6. Dezember 2025 (italienisch).
- ↑ Little Constellation - Alessandro Castiglioni. Abgerufen am 5. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Zoé Spadaro, Bundesamt für Kultur (BAK), Bern Sektion Kunst und Design, Lea Fluck: Swiss Art Awards 2022: on the occasion of the Swiss Art Awards exhibition in Hall 1.1 of Messe Basel, 13-19 June 2022. Federal Office of Culture, Bern 2022, ISBN 978-3-907394-01-4.
- ↑ Alessandro Castiglioni, Rita Canarezza, Pier Paolo Coro: The voices of the sirens: contemporary art in Gibraltar. Mousse Publishing, Milan 2015, ISBN 978-88-6749-169-8.
- ↑ Little Constellation project introduces Swiss artist to new Montagu Bastion space | SIK-ISEA Recherche. Abgerufen am 6. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Miki Tallone - Laban’s Training Area / 2010-13 | Artribune. 11. Oktober 2013, abgerufen am 6. Dezember 2025 (italienisch).
- ↑ Subjective maps : disappearances | MACBA. Abgerufen am 6. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Daniel Leutenegger: «Môtiers 2011 – Art en plein air». Abgerufen am 6. Dezember 2025 (Schweizer Hochdeutsch).
- ↑ Prisca Groh, Christian Moccia, Miki Tallone | Kunstbulletin. Abgerufen am 6. Dezember 2025.