Menorah in Flames (Thessaloniki)

Menorah in Flames (Menora in Flammen griechisch Η φλεγόμενη Μενορά I flegomeni Menora) ist eine Skulptur aus Bronze, die als Mahnmal an die Opfer des Holocaust in der griechischen Stadt Thessaloniki erinnert. Sie wurde von Nandor Glid und dessen Söhnen Gabriel und Daniel Glid geschaffen. In Abgrenzung zu einem gleichnamigen Denkmal in Belgrad wird die Statue auch als Menorah in Flames 2 bezeichnet, im Griechischen auch häufig einfach als Holocaustmahnmal (Μνημείο Ολοκαυτώματος Mnimio Olokaftomatos).

Geschichte

Die jüdische Gemeinde von Thessaloniki war seit dem Ende des 15. Jahrhunderts von besonderer Bedeutung für das jüdische Leben im ganzen Mittelmeerraum; über mehrere Jahrhunderte bildeten die Juden die Bevölkerungsmehrheit in der Stadt. Unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg hatte die Gemeinde etwa 53 000 Mitglieder. Von ihnen überlebten weniger als 2 000 (4 %) den Holocaust in Griechenland.

Das Mahnmal Menorah in Flames in Thessaloniki entwarf der jugoslawische Künstler Nandor Glid, der selbst ein Holocaust-Überlebender war und mehrere Mahnmale schuf, darunter ein gleichnamiges Denkmal in Belgrad. Glid konnte vor seinem Tod im März 1997 noch mit der Fertigung beginnen, hinterließ die Statue aber unvollendet. Seine Söhne Gabriel und Daniel Glid stellten sie fertig.[1][2]

Die Statue wurde 1997 in Thessaloniki aufgestellt und am 23. November 1997 vom damaligen griechischen Staatspräsidenten Kostis Stefanopoulos eingeweiht. Ihr Aufstellungsplatz an der Kreuzung der Odos Alexandrou Papanastasiou und der Neuen Egnatia – früher Teil eines jüdischen Wohnviertels – war kurz zuvor in Platz der Jüdischen Märtyrer (Πλατεία Εβραίων Μαρτύρων Platia Evreon Martyron) umbenannt worden. Der Platz und das Mahnmal waren die ersten öffentlichen Erinnerungsorte an die Ermordung der jüdischen Bevölkerung Thessalonikis. Die Schaffung dieses Gedenkortes war Teil der Vorbereitungen der Stadt auf ihren Titel als Kulturhauptstadt Europas.[2] Innerhalb der Stadt war die Aufstellung des Mahnmals umstritten und es wurde mehrere Male verunstaltet und beschädigt.[1]

2005 wurde das Mahnmal an die zentraler gelegene Platia Eleftherias verlegt, einen Platz in der Innenstadt von Thessaloniki direkt am Meer.[2] Auf diesem Platz hatte die nationalsozialistische Verwaltung am 11. Juli 1942 die jüdischen Männer der Stadt versammelt, um sie öffentlich zu demütigen und in ein Register einzutragen, das ihre Deportation in Vernichtungslager vorbereitete.[1][2] Die Jüdische Gemeinde Thessaloniki hatte sich von Anfang an die Plateia Eleftherias als Ort des Mahnmals gewünscht.[2]

Beschreibung

Das Mahnmal ist eine etwa 2,5 m hohe freistehende Bronzeplastik in Form einer Menora. Sie steht auf einem flachen, aus quaderförmigen grauen Marmorblöcken zusammengesetzten Sockel, der auch die horizontal angebrachten Metalltafeln mit Inschriften trägt. Den unteren Teil der Statue bildet ein vertikal aufragender „Stamm“, der näherungsweise die Form eines quadratischen Zylinders hat, sich jedoch nach oben etwas verjüngt. Er trägt das reliefartig eingebrachte Monogramm des Künstlers mit der Jahreszahl 1997. Der nach oben anschließende Mittelteil besteht aus einem Geflecht abstrahierter menschlicher Körper, die in Flammen übergehen. Die nach oben zulaufenden Flammenspitzen bilden die sieben Arme des Leuchters.[2]

Inschriften

Am Mahnmal in Thessaloniki sind zwei Inschriftentafeln angebracht. Die linke der Inschriften enthält auf Griechisch und Englisch die Widmung:

ΤΟ ΜΝΗΜΕΙΟ ΑΥΤΟ ΑΦΙΕΡΩΝΕΤΑΙ ΑΠΟ ΤΟΝ ΕΛΛΗΝΙΚΟ ΛΑΟ
ΣΤΗΝ ΙΕΡΗ ΜΝΗΜΗ ΤΩΝ 50,000 ΕΒΡΑΙΩΝ ΕΛΛΗΝΩΝ ΤΗΣ ΘΕΣΣΑΛΟΝΙΚΗΣ
ΠΟΥ ΤΗΝ ΑΝΟΙΞΗ ΤΟΥ 1943 ΞΕΡΙΖΩΘΗΚΑΝ ΑΠΟ ΤΗΝ ΠΟΛΗ ΤΟΥΣ
ΚΑΙ ΕΞΟΝΤΩΘΗΚΑΝ ΑΠΟ ΤΟΥΣ ΝΑΖΙ ΚΑΤΑΚΤΗΤΕΣ
ΣΤΟΥΣ ΘΑΛΑΜΟΥΣ ΑΕΡΙΩΝ
ΤΩΝ ΣΤΡΑΤΟΠΕΔΩΝ ΘΑΝΑΤΟΥ ΤΟΥ
AUSCHWITZ-BIRKENAU
ΝΟΕΜΒΡΙΟΣ 1997

DEDICATED BY THE GREEK PEOPLE TO THE MEMORY OF
THE 50,000 JEWISH GREEKS OF THESSALONIKI,
DEPORTED FROM THEIR MOTHER CITY
BY THE NAZI OCCUPATION FORCES
IN THE SPRING OF 1943, AND
EXTERMINATED IN THE GAS CHAMBERS OF
THE AUSCHWITZ-BIRKENAU DEATH CAMPS
NOVEMBER 1997

Die rechte, dreisprachige Inschrift erinnert an den Besuch des früheren Staatspräsidenten Israels Mosche Katzav im Jahr 2006, der der erste Staatsbesuch eines israelischen Staatsoberhaupts in Griechenland war:[3]

ΕΙΣ ΜΝΗΜΗΝ ΤΩΝ ΕΒΡΑΙΩΝ ΤΗΣ ΘΕΣΣΑΛΟΝΙΚΗΣ, ΘΥΜΑΤΩΝ ΤΟΥ ΟΛΟΚΑΥΤΩΜΑΤΟΣ
ΚΑΡΟΛΟΣ ΠΑΠΟΥΛΙΑΣ, ΠΡΟΕΔΡΟΣ ΤΗΣ ΕΛΛΗΝΙΚΗΣ ΔΗΜΟΚΡΑΤΙΑΣ

MOSHE KATSAV, ΠΡΟΕΔΡΟΣ ΤΟΥ ΚΡΑΤΟΥΣ ΤΟΥ ΙΣΡΑΗΛ
ΜΕ ΤΗΝ ΕΥΚΑΙΡΙΑ ΤΗΣ ΠΡΟΤΗΣ ΕΠΙΣΚΕΨΗΣ ΤΟΥ ΠΡΟΕΔΡΟΥ ΤΟΥ ΚΡΑΤΟΥΣ ΤΟΥ ΙΣΡΑΗΛ
ΣΤΗΝ ΕΛΛΑΔΑ.
16 ΦΕΒΡΟΥΑΡΙΟΥ 2006

לזכרם של 50.000 יהודי שאלוניקי קורבנות השואה.
קארולוס פפוליאס, נשיא הריפובליקה ההלנית
משה קצב, נשיא מדינת ישראל.
לרגל הביקור הממלכתי הראשון של נשיא מדינת ישראל ביוון.
יח שבט תשסו – 16 פברואר 2006

IN MEMORY OF THE 50,000 JEWS FROM THESSALONIKI, VICTIMS OF THE HOLOCAUST
KAROLOS PAPOULIAS, PRESIDENT OF THE HELLENIC REPUBLIC
MOSHE KATSAV, PRESIDENT OF THE STATE OF ISRAEL
ON THE OCCASION OF THE FIRST STATE VISIT OF THE PRESIDENT OF THE STATE OF ISRAEL
TO THE HELLENIC REPUBLIC
16th FEBRUARY 2006
18 SHVAT 5766

Das Vorbild in Belgrad

Das Mahnmal in Thessaloniki ist eine Variante der 1990 aufgestellten Skulptur in Belgrad, die an die rund 9 000 Belgrader Juden erinnert, die während der deutschen Besatzung zwischen 1941 und 1944 deportiert und ermordet wurden. Sie wurde auf Initiative der Belgrader jüdischen Gemeinde errichtet und am 21. Oktober 1990 eingeweiht.[4] Sie trägt auf Serbisch den Titel Menora u plamenu beziehungsweise Менора у пламену.

Literatur

  • Martin Winstone: The Holocaust Sites of Europe: An Historical Guide. 2010. ISBN 978-1-8488-5291-4.

Einzelnachweise

  1. a b c Holocaustdenkmal Saloniki im Gedenkstättenportal zum Denkmal für die ermordeten Juden Europas, abgerufen am 28. September 2025.
  2. a b c d e f Samuel D. Gruber: Holocaust Memorial "Menora in Flames 2" in Thessaloniki, Greece, 1997, 2007. in der Datenbank des Center for Jewish Art der Hebräischen Universität Jerusalem, abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
  3. Israeli and Greek presidents honor Holocaust victims. In: Kathimerini. 17. Februar 2006, abgerufen am 30. September 2025 (englisch).
  4. Monument to Jewish Victims of Nazi Genocide in Belgrade and Serbia, Belgrade, Serbia, 1990 in der Datenbank des Center for Jewish Art der Hebräischen Universität Jerusalem, abgerufen am 28. September 2025 (englisch).

Koordinaten: 40° 38′ 0,7″ N, 22° 56′ 16,8″ O