Melbourne (Schiff, 1913)

Melbourne
Schiffsdaten
Flagge Australien Australien
Schiffstyp Leichter Kreuzer
Klasse Town-Klasse
Bauwerft Cammell, Laird & Company, Birkenhead
Baukosten 405.000 Pfund
Kiellegung 4. April 1911
Stapellauf 28. August 1912
Indienststellung 18. Januar 1913
Außerdienststellung 23. April 1928
Verbleib 1928 zum Abbruch verkauft
Schiffsmaße und Besatzung
Länge 139,6 m (Lüa)
Breite 14,9 m
Tiefgang (max.) 4,9 m
Verdrängung Standard: 5490 ts
maximal: 6000 ts
 
Besatzung 485 Mann
Maschinenanlage
Maschine 12 × Yarrow-Kessel
4 × Parsons-Turbinen
Maschinen­leistung 25.000 PS (18.387 kW)
Höchst­geschwindigkeit 25,5 kn (47 km/h)
Propeller 4
Bewaffnung
Panzerung
  • Deck: 50–76 mm
  • Böschungen: 20 mm
  • Kommandoturm: 76 mm
  • Munitionsschächte: 76 mm
  • Geschützschilde: 76 mm

Die HMAS Melbourne war ein Leichter Kreuzer der Town-Klasse der Royal Australian Navy (RAN). Das Schiff wurde 1911 von Cammell Laird in Birkenhead, England, auf Kiel gelegt, 1912 vom Stapel gelassen und 1913 in Dienst gestellt.

Sie gehörte zu der aus sechs Einheiten bestehenden Chatham-Klasse, der dritten Gruppe der Town-Klasse. Drei der Schiffe, Chatham, Dublin und Southampton, gingen an die britische Marine. Die anderen drei, Brisbane, Sydney und Melbourne selbst, wurden an die australische Marine übergeben.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs war die Melbourne an der Suche nach dem deutschen Ostasiengeschwader beteiligt und nahm an der Eroberung deutscher Kolonien im Pazifik teil, bevor sie den Stationen Nordamerika und Westindien zugeteilt wurde. 1916 schloss sich der Kreuzer der Grand Fleet in der Nordsee an, wo er bis Kriegsende verblieb. Die HMAS Melbourne verbrachte Ende 1919 und Anfang 1920 in Reserve und diente anschließend von 1920 bis 1928 als Flaggschiff der Royal Australian Navy, mit Ausnahme einer zweiten Reserveperiode in den Jahren 1924 und 1925. Die HMAS Melbourne wurde am 23. April 1928 in Großbritannien außer Dienst gestellt und 1929 abgewrackt.

Konstruktion und Bau

Die Melbourne war ein Leichter Kreuzer der Town-Klasse.[1] Das Schiff hatte eine Standardverdrängung von 5.400 Tonnen, eine Gesamtlänge von 139,252 m (456 Fuß 10 3/8 Zoll) und eine Länge zwischen den Loten von 130 m (430 Fuß). Die Breite betrug 15,19 m (49 Fuß 10 Zoll), der maximale Tiefgang 5,97 m (19 Fuß 7 Zoll) und der mittlere Tiefgang 4,80 m (15,75 Fuß).[1] Die Antriebsanlage bestand aus Yarrow-Kesseln, die Parsons-Dampfturbinen speisten. Diese lieferten 25.000 Wellen-PS an die vier Schiffspropeller.[1] Obwohl die Melbourne nur für eine Höchstgeschwindigkeit von 25 Knoten (46 km/h) ausgelegt war, erreichte sie 25,7 Knoten (47,6 km/h).[1] Die Besatzung bestand aus 485 Mann: 31 Offizieren und 484 Matrosen.[1]

Die Hauptbewaffnung des Kreuzers bestand aus acht 152,4-mm-Geschützen (BL 6-Zoll) Mk XI* mit einem Kaliber von 50.[1] Ergänzt wurde die Bewaffnung durch ein einzelnes 76-mm-Flugabwehrgeschütz (QF 3-Zoll), zwei 7,7-mm-Maxim-Maschinengewehre (.303 Zoll) und zwei 533-mm-Torpedorohre (21 Zoll) (mit sieben Torpedos).[1] Außerdem verfügte das Schiff über ein einzelnes 4,4-kg-Feldgeschütz (QF 12-Pfünder 8 cwt) und vier 70-mm-Salutkanonen (QF 3-Pfünder Hotchkiss).[1] Die Panzerung bestand aus 76 mm dicken Seitenpanzerungen mittschiffs, die sich zum Bug und Heck hin auf 38 mm verjüngten, sowie aus Schutzdecks über den Maschinen- und Munitionsräumen und einem gepanzerten Kommandoturm.[2]

Das Schiff wurde am 4. April 1911 von Cammell Laird in Birkenhead, England, auf Kiel gelegt.[1] Sie wurde am 30. Mai 1912 von Mrs. F. F. Braund, der Tochter des australischen Philanthropen Robert Barr Smith, getauft.[1] Der Bau wurde am 18. Januar 1913 abgeschlossen, am selben Tag, an dem die Melbourne in die Royal Australian Navy (RAN) in Dienst gestellt wurde.[1] Sie war der erste für die RAN vom Stapel gelaufene und fertiggestellte Kreuzer.[3] Die Baukosten beliefen sich auf 405.000 Pfund.[1]

Einsatzgeschichte

Nach ihrer Fertigstellung lief die Melbourne von Portsmouth nach Australien aus und erreichte Fremantle am 10. März 1913.[1] Bis August 1914 war der Kreuzer hauptsächlich mit Ausbildungsfahrten und Hafenbesuchen in Australien beschäftigt.[1] Im August und September operierte der Kreuzer zusammen mit anderen australischen Kriegsschiffen im Pazifik gegen das deutsche Ostasiengeschwader und war an der Übernahme mehrerer deutscher Kolonien beteiligt.[1] So gehörte die Melbourne Ende August 1914 zu dem französisch-australisch-neuseeländischen Flottenverband, der die Besetzung Deutsch-Samoas sicherte. Etwas ab dem 7. September war die Melbourne dann zusammen mit der Australia vor Neubritannien eingesetzt, wo sie die Besetzung von Rabaul und Herbertshöhe sicherte. Danach lief die Melbourne Nauru an, wo ein Landungskommando des Schiffes die dortige deutsche Funkstation zerstörte, ohne jedoch die Insel dauerhaft zu besetzen.

Die Melbourne kehrte am 20. September nach Sydney zurück und schloss sich am 1. November der Eskorte des Konvois an, der das australische und neuseeländische Armeekorps nach Ägypten transportierte.[1] Der Kreuzer verließ den Konvoi im Indischen Ozean und nahm Kurs auf Gibraltar, wo er dann den Befehl erhielt, zu den Azoren zu fahren, um den deutschen Kreuzer SMS Karlsruhe zu suchen.[1]

Als die Melbourne am 12. Dezember die Azoren erreichte, war sie bereits als Teil der Nordamerika- und Westindien-Station nach Bermuda verlegt worden.[1] Während ihres Einsatzes patrouillierte der Kreuzer im westlichen Atlantik von Kanada bis Brasilien. Im August 1916 lief sie nach Devonport in England aus, wo sie einen Monat verbrachte, bevor sie sich dem 2. Leichten Kreuzergeschwader der britischen Grand Fleet in Scapa Flow anschloss.[1] Von Januar bis Juni 1917 lag die Melbourne in Birkenhead im Dock, um umfangreiche Reparaturen an ihrem Antriebssystem durchführen zu lassen.[1] Im November 1917 wurde der Kreuzer mit einer Flugzeugplattform ausgestattet.[4] Am 1. Juni 1918 startete die Melbourne ihre Flugzeuge, nachdem sie deutsche Flugzeuge über der Helgoländer Bucht gesichtet hatte, doch der Pilot verlor sein Ziel in den Wolken.[4] Nach der Kapitulation der deutschen Hochseeflotte wurde die Melbourne mit der Eskorte der SMS Nürnberg beauftragt.[4] Der Kreuzer verblieb bis zum 30. November 1918 bei der Grand Fleet. Während des gesamten Krieges war die Melbourne an keinem Gefecht beteiligt.[1] Ursprünglich wurden dem Kreuzer keine Gefechtsauszeichnungen verliehen, doch eine 2010 veröffentlichte Reorganisation des Ehrensystems der Royal Australian Navy (RAN) verlieh dem Schiff rückwirkend die Auszeichnungen „Rabaul 1914“ und „Nordsee 1916–18“.[5][6]

Die Melbourne blieb bis zum 7. März 1919 in Portsmouth und segelte dann über Sues, Singapur und Darwin nach Sydney.[1] Am 5. August 1919 wurde das Schiff außer Dienst gestellt und blieb bis zum 14. April 1920 in Reserve, bevor es wieder in Dienst gestellt wurde.[1][8] 1922 rettete das Schiff Besatzungsmitglieder des Segelschiffs „Helen B. Sterling“, das in der Tasmansee durch einen Sturm manövrierunfähig geworden war.[3] Ebenfalls 1922 wurde das Schiff zum Flaggschiff des australischen Geschwaders ernannt.[1] Am 29. September 1924 wurde es in die Reserve zurückversetzt; die meiste Zeit der vier Dienstjahre hatte es in australischen Gewässern verbracht, mit Fahrten nach Neuseeland und zu den Pazifikinseln.[1] Der Kreuzer wurde am 8. Oktober 1925 wieder in Dienst gestellt und verließ Sydney am 23. November in Richtung England.[1] Im Laufe des Jahres 1926 wurde das Schiff im Austausch der Mittelmeerflotte zugeteilt, wobei der britische Kreuzer HMS Delhi zur Unterstützung der Royal Australian Navy (RAN) entsandt wurde.[3] Die Melbourne kehrte im August 1926 zurück und nahm ihre Aufgaben als Flaggschiff wieder auf.[1] Am 9. Februar 1928 trat die Melbourne ihre letzte Reise nach England an, wo sie am 12. April eintraf.[1] Am 23. April wurde die Melbourne endgültig außer Dienst gestellt, und ihre Besatzung wurde dem neuen Schweren Kreuzer HMAS Australia zugeteilt.[3] Das Schiff wurde am 8. Dezember für 25.000 Pfund an die Alloa Shipbreaking Company verkauft.[1][3] Der Kreuzer wurde nach Birkenhead transportiert und im Laufe des Jahres 1929 abgewrackt.[1]

Siehe auch

Literatur

Commons: HMAS Melbourne – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • John Bastock: Australia's Ships of War. Angus and Robertson, Cremorne, NSW 1975, ISBN 0-207-12927-4 (englisch).
  • Vic Cassells: The Capital Ships: their battles and their badges. Simon & Schuster, East Roseville, NSW 2000, ISBN 0-7318-0941-6 (englisch).

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad Vic Cassells: The Capital Ships: their battles and their badges. Simon & Schuster, East Roseville, NSW 2000, ISBN 0-7318-0941-6, S. 78–79 (englisch).
  2. John Bastock: Australia's Ships of War. Angus and Robertson, Cremorne, NSW 1975, ISBN 0-207-12927-4, S. 38 (englisch).
  3. a b c d e John Bastock: Australia's Ships of War. Angus and Robertson, Cremorne, NSW 1975, ISBN 0-207-12927-4, S. 44 (englisch).
  4. a b c John Bastock: Australia's Ships of War. Angus and Robertson, Cremorne, NSW 1975, ISBN 0-207-12927-4, S. 42 (englisch).
  5. Navy Marks 109th Birthday With Historic Changes To Battle Honours (Memento des Originals vom 13. Juni 2011 im Internet Archive), Royal Australian Navy, 1. März 2010. Abgerufen am 23. Dezember 2012 (englisch). 
  6. Royal Australian Navy Ship/Unit Battle Honours. Royal Australian Navy, 1. März 2010, archiviert vom Original am 14. Juni 2011; abgerufen am 23. Dezember 2012 (englisch).
  7. John Nash: Confuse or Conceal – the use of camouflage. In: Semaphore. 2014. Jahrgang, Nr. 2. Sea Power Centre – Australia, Januar 2014 (englisch, gov.au).
  8. HMAS Melbourne (I). Royal Australian Navy, abgerufen am 31. Oktober 2014 (englisch).