Meko (Gong)

Meko (rotinesisch), auch me’o, ist ein aus meist neun hängenden Buckelgongs und einer hölzernen Bechertrommel labu bestehendes Musikensemble auf der zu den Kleinen Sundainseln gehörenden indonesischen Insel Roti. Mehrere Musiker, die zwei oder drei Gongs (aus Eisen meko besik, aus Messing meko lilok) unterschiedlicher Tonhöhen schlagen, produzieren zusammen eine aus verzahnten rhythmischen Mustern bestehende Melodie, mit der sie im Freien Tänze begleiten. Meko ist eine lokale und relativ spät, vielleicht Anfang des 19. Jahrhunderts eingeführte Form der in Südostasien weit verbreiteten Buckelgongensembles, zu denen auch die auf Java und Bali bekannten gamelan gehören. Das Gong-Trommel-Ensemble stellt auf Roti neben dem Spiel der Bambusröhrenzither sasando die zweite traditionelle Musikgattung dar und symbolisiert Elemente der überlieferten Gesellschaftsordnung.

Als meko werden neben dem Ensemble auch einzelne Buckelgongs im Gongspiel (meko lalanggak esa), ein heute seltenes Xylophon (meko ai oder meko o) und ein praktisch verschwundenes Metallophon bezeichnet.

Herkunft

Im 1. Jahrhundert n. Chr. begann in Südostasien der indische Kultureinfluss mit der Gründung des Staatenbundes Funan auf dem Festland. Zugleich nahm im 1. Jahrtausend der Seehandel zwischen China, Südostasien, Indien und Arabien zu. Abgesehen von Musikinstrumenten aus Bambus (wie der Maultrommel genggong und Bambusröhrenzithern wie guntang und kolitong), die zu einer altmalaiischen Überlieferung gehören, lassen sich viele Instrumente im Malaiischen Archipel auf eine arabisch-indische oder auf eine chinesische Herkunft zurückführen.

Bronzegongs gehen vermutlich auf einen chinesischen Ursprung zurück. Die ältesten Formen von Gongs sind seit der zweiten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. im Südwesten Chinas nachweisbare Kesselgongs (chinesisch tonggu, „Bronzetrommel“), die nach einem Fundort im Norden Vietnams auch Dong-Son-Trommeln genannt werden. Der älteste, um 200 v. Chr. datierte Flachgong wurde ebenfalls im Süden Chinas gefunden. Die meisten chinesischen Gongtypen (lu) sind Flachgongs, auch alle am Angkor Wat in Kambodscha im 12. Jahrhundert entstandenen Reliefabbildungen von hängenden Gongs, während auf den Malaiischen Inseln die Buckelgongs überwiegen. Ein wahrscheinlich im 2. Jahrhundert entstandener und der Dong-Son-Kultur zugeschriebener Kesselgong besitzt eine eingravierte Szene, die einem Musiker zwischen jeweils sechs senkrecht aufgehängten kreisrunden Gegenständen auf beiden Seiten zeigt, auf die er mit einem Stock in jeder Hand schlägt und die Gretel Schwörer-Kohl (1995) als die mutmaßlich früheste Darstellung von Buckelgongs interpretiert.[1]

Funde aus Wracks von Schiffen, die zwischen dem 9. und 17. Jahrhundert am Seehandel zwischen den Malaiischen Inseln beteiligt waren, belegen die Verwendung von Flachgongs ab dem 9. Jahrhundert, während ab dem 13. Jahrhundert überwiegend Buckelgongs als Handelsgut befördert wurden.[2] Abbildungen an Hindutempeln auf der Insel Java aus dem 13. bis 15. Jahrhundert lassen zwei Typen von Buckelgongs erkennen: 1) zwei Gongs, die gegenüber an den Enden einer waagrecht vor dem Spieler liegenden Stange befestigt sind und mit Stöcken in beiden Händen geschlagen werden (reyong, Form einer Sanduhrtrommel). 2) ein einzelner Gong, der senkrecht aufgehängt ist oder an einer Schnur in der Hand gehalten wird.[3]

Später entstanden daraus Buckelgongreihen wie bonang auf Java und die auf einem Relief am Angkor Wat aus dem 16. Jahrhundert abgebildeten Buckelgongkreise wie khong wong yai in Thailand. Die heutigen indonesischen Buckelgongreihen bildeten sich in den letzten Jahrhunderten allmählich durch Vergrößerung älterer Instrumente mit nur wenigen Buckelgongs heraus. Als eines der ältesten gamelan gilt das vermutlich während des Majapahit-Reichs Ende des 15. / Anfang des 16. Jahrhunderts eingeführte gamelan monggang, das unter anderem aus vier bonang-ähnlichen Buckelgongreihen mit jeweis drei Gongs und zwei großen hängenden gong ageng bestand.[4] Ein heutiges bonang besteht aus zwölf Buckelgongs in zwei Reihen.[5]

Außer auf Java sind liegende Buckelgongreihen unter anderem in der balinesischen Musik (trompong), in der Musik von Lombok, auf Sumatra (keromong, ogung), auf Borneo (kulintangan, sopogandangan, bandai), auf zentralen Inseln der Molukken (totobuang) und im Süden der Philippinen (kulintang) verbreitet. Zu den vertikal an einer Kordel in einem Gestell hängenden oder in der Hand gehaltenen Buckelgongs gehören auf Java und Bali der tief klingende gong ageng, der gong suwukan[6] und der kleinere kempul, der eine Oktave höher als der suwukan klingt.[7]

Melodieinstrumente aus mehreren aufgereiht hängenden Gongs sind selten. Außerhalb der Malaiischen Inseln mit den meko vergleichbar sind das aus mehreren Flachgongs bestehende chinesische Gongspiel yunluo und dessen ulla genannte Entsprechung in Korea. Des Weiteren ähnlich ist das seltene indische Schlagplattenspiel srimandal aus Reihen von runden Messingplatten, das aber typologisch nicht zu den Gong-Instrumenten (indonesisch pencon) gehört.

Vor der Einführung von Gongs in die Musik von Roti vermutlich Anfang des 19. Jahrhunderts[8] gab es Xylophone mit neun Klangplatten aus Holz (meko ai) oder gespaltenem Bambus (meko o), die über einem hölzernen Trog liegen. Solche Trogxylophone sind von Myanmar (pattala), Thailand (ranat ek), Kambodscha (roneat ek), Sumatra (kalondang mit 7 Klangplatten bei den Batak), Java (gambang kayu mit 16 Klangplatten), Bali (rindik mit 11 Bambusröhren) bis in den Süden der Philippinen (kulintang a kayo) in Südostasien verbreitet. Die meisten Trogxylophone sind kunstvoll beschnitzt und bemalt. Auf der nördlich benachbarten Insel Flores wurde ein sehr einfaches, letor oder geko genanntes Xylophon gespielt, dessen Klangstäbe auf zwei dünnen Baumstämmen ruhten.[9] Vorläufer des heute seltenen meko ai wurden wahrscheinlich vor langer Zeit von Händlern aus Flores oder Java nach Roti gebracht. Agastya Rama Listya (2018) vermutet, dass die Bambusröhrenzither sasando, das heutige Nationalinstrument der Inselbewohner, später als das Xylophon eingeführt wurde und die Stimmung ihrer älteren Version sasando gong mit etwa zehn Saiten von dessen Klangplatten übernahm.[10] Es gibt auch die gegenteilige Vermutung, wonach zuerst die Röhrenzither eingeführt worden sei.[11] Die frühesten idiophonen Perkussionsinstrumente auf der Insel Roti waren klingende flache Steinplatten (Lithophone) und die kokosnussgroßen harten Fruchtschalen der Lontarpalme.[8]

In den mündlichen Überlieferungen der Rotinesen gelten die ersten Gongs auf der Insel aus Bronze oder Messing als durch einheimische Könige und andere bedeutende Persönlichkeiten importiert. Vier namentlich genannte lokale Könige aus unterschiedlichen Gegenden (nusak, traditionelle Kulturregion) auf der Insel sollen um 1730 nach Batavia (heute Jakarta) gesegelt sein, um sich fortzubilden und später, zum Christentum bekehrt, mit ihrem Wissen – über Reisanbau, Rinderzucht, Fischfang, Musik und Eisenverarbeitung – zurückzukehren. Historisch belegt ist die Eröffnung der ersten Schule auf Roti im Jahr 1732.[12] Ob nach der Rückkehr dieser Könige die Herstellung von Gongs auf Roti begann, lässt sich historisch nicht nachweisen. Archäologisch gesichert ist dafür die Verbreitung von Kesselgongs („Bronzetrommeln“) des Dong-Son-Typs ab 1730 über Südostasien. Einige dieser Kesselgongs wurden auch auf Roti und auf den anderen Kleinen Sundainseln gefunden.[13]

Nach der anderen Geschichtsbetrachtung führten fremde Händler die Gongs ein. Die Händler im Gebiet der Kleinen Sundainseln stammten aus Java, Makassar (Südsulawesi) oder Sumbawa und tauschten die Gongs gegen Palmwein (air tuak), Schildkrötenpanzer und Honig. Arabische Händler waren vor allem an bestimmten Pferden von Roti interessiert. Rotinesische Musiker kauften nach und nach Messinggongs, bis ein spielbares Set zusammengekommen war. Diese Messinggongs dienten anfangs als Vorbild für die inseleigene Produktion von Eisengongs (meko besik). Javanische Bronzegongs wurden seit dem 16. Jahrhundert auf andere Inseln exportiert. Sie waren nicht primär wegen ihres Materials, sondern vor allem wegen ihrer magischen Fähigkeiten, die ihnen durch den Prozess des Schmiedens zugesprochen wurde, von hohem Wert. Auf Roti und Nachbarinseln konnte ein Set aus Bronzegongs ähnlich wie einzelne Kesselgongs wohlhabenden Familien als Mitgift dienen. Gewöhnliche Musiker auf Roti verwendeten Messinggongs.[14]

Lokal gefertigte Eisengongs sind auf den Kleinen Sundainseln üblicherweise ein kostengünstiger Ersatz für importierte Bronze- oder Messinggongs. So werden Eisengongs etwa auf der Insel Sumba aus eingeschmolzenem Alteisen geschmiedet und auf benachbarte Inseln verkauft.[15] Laut einer späten Datierung begann die Herstellung von Eisengongs auf Roti erst in den 1930er Jahren. Die niederländischen Kolonialherren sandten Ende des 19. Jahrhunderts einen Rotinesen nach Jakarta, um die Herstellung von Waffen zu erlernen. Dessen Nachkommen übernahmen die Kunst der Eisenschmiede und setzten die Familientradition fort. Zwei oder drei Schmiede aus Roti sollen in den 1930er Jahren von einem chinesischen Geschäftsmann in Kupang (Westtimor) zur Herstellung von Gongs angestellt worden sein. Einer von ihnen kehrte nach einiger Zeit nach Roti zurück, um in einem Dorf im Nordwesten der Insel sein Handwerk fortzuführen. Dessen Nachkommen stellen bis heute Eisengongs her. Während der von 1942 bis 1945 dauernden japanischen Besatzung im Zweiten Weltkrieg wurden die meisten Bronze- und Messinggongs beschlagnahmt. Nach dem Krieg wurde daher die Produktion von Eisengongs verstärkt.[16]

Ursprungsmythen

Obwohl das Gongspiel meko lalanggak esa und die Bambusröhrenzither sasando keine auf Roti beschränkten Instrumententypen sind, existieren wegen ihrer kulturellen Bedeutung mehrere Ursprungsmythen. Nach einem Mythos erfanden zwei Brüder Liti Leang und Batu Leang im 12. Jahrhundert Gong und Trommel. Sie lebten im Osten der Insel und waren Nachkommen in zwölfter Generation der ersten Bewohner der Insel Seram.

Die gleichnamigen Brüder erfanden nach einer anderen Erzählung im 15. Jahrhundert zunächst das Xylophon meko ai mit neun Klangplatten. Die Brüder waren Bauern und gebrauchten das Xylophon hauptsächlich, um Affen von ihren Feldern zu vertreiben. Ihre Trommel bestand aus einer Kokosnussschale und war mit Büffelhaut bespannt.

Einem weiteren Mythos zufolge war die Insel Roti anfangs von nur wenigen Menschen bevölkert, die umherzogen, die Früchte des Waldes sammelten und in Höhlen lebten. In jenen friedlichen Zeiten lebten auch sieben musisch begabte Menschen: fünf Männer, darunter Posi Mumu Meko, Tadu Mari Meko und Tete Ma Ho Labu, sowie zwei Frauen. Eines Nachts vernahmen diese sieben aufmerksamen Zeitgenossen einen wunderschönen melodischen Klang, den sie nie zuvor gehört hatten. Auf der Suche nach der Herkunft dieses Klangs waren nur fünf erfolgreich und fanden zwei (himmlische) Musiker, die ein Xylophon mit neun Platten über einem Holztrog und eine Trommel aus einer Kokosnusschale schlugen. Nachdem sie einige Zeit zugehört hatten, waren Posi Mumu Meko und Tadu Mari Meko in der Lage, das Xylophon zu schlagen, und Tete Ma Ho Labu konnte die Trommel spielen. Die beiden anwesenden Frauen erfanden einen Tanz zu den Melodien. Später, als alle sieben Rotinesen wieder beisammen waren, beschlossen sie, von den beiden nächtlichen Musikern ein Xylophon und eine Trommel zu erwerben. Nach den ersten Menschen, die darauf gespielt hatten, nannten sie das Xylophon meko und die Trommel labu.

Das Xylophon war nach einer anderen Erzählung das erste Musikinstrument der Rotinesen, älter als die sasando und der Eisengong. Eines Tages bestimmten die Dorfbewohner einen der ihren zum König (manela’i). Dieser musste den Bewohnern seinen Plan vorstellen, wie er das Dorf gut zu leiten gedenke. Wie ein „Hahn“ (so die Übersetzung seines Namens) werde er die Bewohner ernähren und beschützen. Seine Frau namens „Ein sensibler Vogel“ bat ihn, zum Meer zu gehen, um etwas beizubringen, mit dem er die Dorfbewohner in Zeiten von Trauer und Verlust trösten könne. Am Ufer angekommen hörte der König, wie zwei Händler in einiger Entfernung einen Gong spielten. Daraufhin wählte er die beiden stärksten Männer des Dorfes aus und beauftragte sie, den Gong der Händler an sich zu bringen. Doch am Ufer hörten die Männer den Klang des Gongs und schliefen ein. Die Händler weckten die Männer auf und erklärten ihnen und nachfolgend weiteren zur Verstärkung geschickten Männern, dass sie mit Macheten in den Wald gehen sollten, um Holz zu beschaffen. Aus dem Holz und aus einer Kokosnusschale, die mit der Haut einer Fledermaus bespannt wurde, entstanden nach Anweisung der Händler das erste Xylophon und die erste Trommel.

In einer Ursprungserzählung hatten die Menschen anfangs das Gesicht von Affen und die Füße von Schweinen. Da sie keinen Anführer für ihren Schutz hatten, suchten sie zuerst bei den Elefanten, dann bei den Affen. Schließlich entschieden sie sich für einen Hahn und dessen Frau, die ein Waldvogel war, als ihr Königspaar. Die Frau bat ihren Mann, für eine Unterhaltung in ihrem Haus zu sorgen. Dieser sandte vier Soldaten auf die Suche in alle Himmelsrichtungen. An der Küste im Osten angelangt hörten die Soldaten bei Sonnenaufgang wunderschöne Töne aus einer Höhle kommen. In der Höhle fanden sie zwei Schlangen. Die eine Schlange produzierte die Klänge auf dem Xylophon und die andere imitierte mit ihrer Kehle die Trommelschläge. Den Soldaten gelang es nicht, die Schlangen zu töten, um in den Besitz der Musikinstrumente zu gelangen. Stattdessen erschien eines Nachts eine der Schlangen dem König im Traum und befahl ihm, sofort aufzustehen, einen Baum zu fällen, daraus einen Trog zu schnitzen, neun Holzplatten anzufertigen, am Strand eine Kokosnuss zu finden und diese für eine Trommel zu präparieren. Der König und seine Frau taten wie geheißen, worauf die eine Schlange die Klangplatten auf dem Trog positionierte und die andere mit ihrer Kehle als Membran die Trommel vollendete.[17]

Die Musik im Osten der Insel gilt als älter und authentischer verglichen mit der anderen moderneren Musik der Westhälfte (die teilweise das Label seni kreasi baru, „neu kreierte Kunst“, trägt). Aus den fünf Mythen lässt sich entnehmen, dass die östliche Inselhälfte als Ursprungsort der meko-Musik angesehen wird. Charakteristisch für Ursprungsmythen ist, dass die ersten Herrscher aus der Ferne kamen oder in diesem Fall die ersten bedeutsamen Gegenstände von Kulturträgern aus der Ferne gebracht wurden. Das Motiv des Stehlens und die Herkunft von Geistern (magische Schlangen) ist ebenfalls verbreitet.[18]

Bauform

Heute werden im Gong-Ensemble von Roti meistens zwei Musikinstrumente verwendet, historisch sind sieben mit diesem Ensemble verbunden:

  • das Trogxylophon mit Holzklangplatten meko ai oder mit Bambusstäben meko o,
  • die hängenden Buckelgongs aus Eisen meko besik oder aus Messing meko lilok,
  • das Metallophon mit Eisenplatten meko besik oder mit Messingplatten meko lilok,
  • die kleine Kesseltrommel labu kici oder labu so’e,
  • die große Bechertrommel labu oder tambur,
  • die Bambusröhrenzither sasando und
  • das Paarbecken bitala.

Meko ai/o

Die Xylophone besitzen neun Holz- oder Bambusklangstäbe, die e–g–a–c1–d1–e1–g1–a1–c2 gestimmt sind. Für die Holzklangplatten wird das Holz von Rhizophora (rotinesisch nitende), Vitex paviflora (kula) und Mallotus repandus (bina, ein Wolfsmilchgewächs) bevorzugt. Anstelle des früher hergestellten Holztrogs als Resonanzkörper wird heute ein einfaches Holzgestell mit zwei Trägern, auf denen die Platten ruhen, und vier Füßen verwendet. Ein Xylophon ist 90 bis 110 Zentimeter lang, 40 bis 60 Zentimeter breit und 40 bis 50 Zentimeter hoch. Der Spieler schlägt die Platten mit einem oder mit zwei Schlägeln aus Mangrovenholz. Üblicherweise sitzen sich zwei Spieler gegenüber: der eine schlägt mit zwei Schlägeln die fünf tiefen Klangplatten und der andere die vier hohen. Falls das Xylophon von drei Spielern bedient wird, schlägt der erste die fünf tiefen Platten, der zweite die drei höheren Platten und der dritte mit einem Schlägel die höchste Klangplatte.[19]

Metallophon meko besik/lilok

Wie bei Gongspielen werden beim heute praktisch verschwundenen Metallophon meko besik (mit Eisenklangplatten) oder meko lilok (mit Messingplatten) zwei Typen unterschieden: Die mit einem zentralen Buckel geformten neun Metallplatten liegen entweder dem Xylophon entsprechend waagrecht auf einem Holzgestell oder sie hängen senkrecht an einem Holzrahmen. Die hängenden Metallplatten sind die entwicklungsgeschichtlich älteren. Ein Melodieinstrument aus 16 in einem senkrechten Gestell hängenden Eisenplatten namens fangxiang war in China während der Tang-Dynastie (618–907) beliebt. Später verschwand es, war aber Vorbild für das seit dem 11./12. Jahrhundert in Korea verwendete panghyang.[20]

Zu den in Südostasien üblichen Metallophonen mit liegenden Platten, die dem meko besik entsprechen, gehören das im balinesischen gamelan verwendete gangsa mit zehn massiven Bronzeklangplatten, das javanische saron mit meist sieben massiven Bronzeklangplatten und das philippinische kulintang a tiniok mit acht dünnen Platten aus Messingblech. Die Platten des kulintang a tiniok besitzen wie beim meko einen Buckel in der Mitte, hängen aber frei an Schnüren über dem Holztrog, während die Platten beim meko auf den beiden Holmen aufliegen. Die Spielweise beim meko besik/lilok ist oder war dieselbe wie beim Xylophon.[21]

Gongspiel meko besik/lilok

Beim Gongspiel (meko lalanggak esa) hängen neun, selten auch acht oder zehn Buckelgongs einzeln nebeneinander und übereinander an einem Holzgestell oder sie werden nebeneinander und zu zweit verbunden im Freien an die Äste von Bäumen gehängt. In beiden Fällen schwingen die Gongs frei und werden beim Schlagen mit einem hölzernen harten Schlägel teilweise mit einer Hand am Rand festgehalten. Das Gestell besteht aus zwei in ein am Boden liegendes Holzbrett gesteckten Pfosten und einer Querstange. Einige der großen tiefrandigen Gongs im javanische und balinesischen Gamelan hängen auf die gleiche Weise an einer Stange, ebenso das gandingan, ein Set aus vier großen Buckelgongs im philippinischen kulintang-Ensemble.

Die Gongs mit einem rechtwinklig umgebogenen Rand von etwa 4 Zentimetern Breite werden nach ihrer Tonhöhe benannt und in vier Gruppen eingeteilt:

  • Die drei tiefsten Gongs (ina) mit Durchmessern von etwa 40 Zentimetern heißen meko ina makamu und meko ina taladak und meko ina tataik. Sie werden nahe beieinander aufgehängt und von einem Musiker gespielt.
  • Die mittlere Tonlage (nggasa) besteht aus den beiden Gongs meko nggasa lai(k) und nggasa dae(k) are, deren Durchmesser etwa 35 Zentimeter beträgt und die übereinander aufgehängt werden. Sie werden von einem Musiker geschlagen, der einen davon mit der linken Hand am Rand festhält.
  • Die Gongs der am zweithöchsten tönenden Gruppe (leko) mit meko leko lai(k) und meko leko dae haben etwa 25 Zentimeter Durchmesser und werden wie die Gongs der mittleren Tonlage von einem Musiker gespielt.
  • Die Gongs der am höchsten tönenden Gruppe (ana) heißen meko ana lai(k) und meko ana dae.[22]
  • Eventuell halten ein oder zwei weitere Musiker einen einzelnen Gong mit etwa 30 Zentimetern Durchmesser an einer Kordel in der linken Hand und schlagen diesen wie die anderen Gongs mit einem Stock in der rechten Hand.[23]

Labu kici

Die kleine Kesseltrommel labu kici („kleine labu“), auch labu so’e, wird, obwohl in den mythischen Erzählungen mit der Einführung des meko verbunden, nur zur Begleitung der Röhrenzither sasando verwendet. Sie besteht aus einer Kokosnussschale, deren Durchmesser 20 bis 25 Zentimeter beträgt, und die heute mit Ziegenhaut bespannt ist. Früher wurde Fledermaushaut als Membran verwendet. Die Membran wird mit Hautstreifen fixiert, die zur Änderung der Tonhöhe nachgespannt werden können. Der sitzende Musiker hält die labu kici beim Spiel zwischen seinen Beinen und schlägt sie mit zwei dünnen geraden Stöcken (labu aik).

Labu

Die labu oder tambur ist eine hohe Bechertrommel von etwa 60 Zentimetern Länge und einem Durchmesser zwischen 20 und 30 Zentimeter, typischerweise 28 Zentimeter. Der hölzerne Korpus ist außen ungefähr röhrenförmig.[24] Der größere obere Bereich ist ausgebaucht und von einem schlankeren Abschnitt, der in vier Füße übergeht, abgegrenzt. Früher wurde der Korpus aus einem 40 bis 50 Zentimeter langen Stammabschnitt einer Kokospalme herausgehauen, heute wird dieses Holz oder das Holz der Lontarpalme verwendet. Über die Öffnung wird eine Membran aus der Haut eines jungen Wasserbüffels (auch eines Rinds, Schweins oder Rehs) angelegt, mit einem Ring fixiert und mit Hautschnüren gegen einen zweiten Ring aus Rattan oder Metall am unteren Ansatz des ausgebauchten Korpus verspannt. Zum Stimmen schlägt der Musiker vor Beginn des Spiels Holzkeile hinter den unteren Spannring weiter ein.[25]

Auf den ostindonesischen Inseln sind typologisch vergleichbare Bechertrommeln verbreitet, die unterschiedlich gestaltet und verziert sind, so die auf den Molukken vorkommende tifa. Die tifa wird zusammen mit der Buckelgongreihe totobuang, die aus zwölf Bronzegongs in einer Doppelreihe besteht, in einem tifa totobuang genannten Ensemble gespielt. Nach ihrer äußeren Form zwar zu den Sanduhrtrommeln gezählt, aber einfellig und ähnlich schlank ist die in Neuguinea gespielte kundu. Von besonders gestalteten, nach ihrer kulturellen Herkunft schwer zuzuordnenden Sanduhrtrommeln berichtet Walter Kaudern (1927) aus Sulawesi.[26] Den Gegensatz zur älteren ostindonesischen und melanesischen Tradition der schlanken Röhrentrommeln stellen die mit der späteren muslimischen Kultur verbreiteten Rahmentrommeln rebana dar.

Bitala

Das bitala oder kringtingan ist ein kleines Paarbecken aus Eisenblech mit einem flachen Buckel in der Mitte und einem Durchmesser von 5 bis 7 Zentimetern. Auf dem Buckel ist eine halbrunde Öse angelötet, an der die Becken mit Daumen und Zeigefinger beider Hände gehalten und gegeneinandergeschlagen werden. Mit Stofffetzen oder Wolle umwickelt lassen sich die Ösen besser in den Händen halten. Ein bitala produziert keine bestimmte Tonhöhe und wird nur gelegentlich verwendet, um die rhythmischen Schläge der Trommel zu verstärken.[27]

Wortherkunft und Wortbedeutung

Die rotinesische Sprache, die zur Timor-Flores-Sprachgruppe der malayo-polynesischen Sprachen gehört, besteht aus mehreren regionalen Dialekten, in denen das Gong-Ensemble überwiegend meko oder seltener me’o ausgesprochen wird. Meko setzt sich aus den beiden Wörtern me („rufen“) und ko („Menschen“) zusammen und bedeutet sinngemäß „ein Ruf, damit sich die Dorfgemeinschaft versammelt“. Das Meko-Ensemble wurde früher anlässlich von bestimmten Zeremonien im Dorf gespielt und signalisierte ein bedeutendes Eregnis wie den Tod eines Dorfbewohners, eine Hochzeit, den Baubeginn eines Hauses oder die Ankunft eines besonderen Gastes.

Für den Trommelnamen labu liegt nur die Erklärung vor, er beziehe sich auf den rotinesischen Trommelspieler Tete Ma Ho Labu, dem es in einer mythischen Erzählung gelang, als einer von sieben musisch begabten Menschen, die Gong-Trommel-Musik auf Roti einzuführen.

Ein weniger geläufiger rotinesischer Name für die Trommel ist ina, wie auch die drei tiefsten Gongs genannt werden. Ina oder ine bedeutet „Mutter“. In meko ina makamu für den tiefsten Gong steht makamu für „größter, schwerster, tiefster“. Nggasa, auch kasa, für die beiden Gongs der mittleren Tonlage (meko nggasa laik und nggasa daek are) kann entweder „Ton, Klang“ bedeuten oder vom javanischen Wort für „Bronze“ im gamelan abgeleitet sein. Laik oder lai wird mit „hoch“ und daek oder dae wird mit „tief“ übersetzt.[28]

Das überregional auf den östlichen Sundainseln bekannte Wort tambur geht auf persisch tanbūr und arabisch tunbūr zurück, wie seit dem 7. Jahrhundert ein Musikinstrument bezeichnet wird. Heute werden in Orient und Indien zahlreiche Trommeln und Saiteninstrumente mit Varianten dieses Namens benannt.[29] Auf Roti ist tambur ein Name für die im Meko-Ensemble verwendete Trommel, nicht für die mit der sasando gespielte kleine Trommel.[30]

Anders als bei der sasando haben die Bauteile des Gongspiels meko keine symbolische Bedeutung, die Namen sind aber in die Denkkategorien der rotinesischen Ritualsprache, die „Sprache der Ahnen“, eingebunden. Diese besitzt ein eigenes Vokabular und eigene Ausspracheregeln, die streng einzuhalten sind.[31] Gesprochene Gedichte und gesungene Erzählungen gehören zur Sprachform bini und werden in der Ritualsprache vorgetragen. Von bini zu unterscheiden sind die Gesänge sosodak, die nicht notwendig in Ritualsprache gesungen werden. Bini bestehen aus einer formelhaften Sprache, die unter anderem bei offiziellen Versammlungen, Beerdigungen, Heiratsverhandlungen und zur Begrüßung von Fremden angewandt wird. Wesentlich für die Ritualsprache sind Wortpaare, mit denen die parallelen Zeilen der Verse gebildet werden.[32] Im rotinesischen Konzept von Dualismus bilden etwa ina („Frau“) und tou („Mann“) sowie ina („Mutter“) und ama („Vater“) Wortpaare, ebenso meko („Gong“) und labu („Trommel“). Laik („hoch, oben“) und daek („tief, unten“) haben mit der Spielweise der Gongs zu tun.[33] Die bei der Beisetzung eines unverheiratet gebliebenen jungen Mannes gehaltene Rede Pau Balo ma Bola Lungi enthält die parallelen Verszeilen:[34]

lole halan no meko – „er erhebt seine Stimme mit den Gongs“
ma selu dasin no labu – „und verstärkt seine Worte mit den Trommeln“

Spielweise

Ein Meko-Ensemble benötigt üblicherweise fünf bis sieben Musiker, um die neun Gongs und eine Trommel zu bedienen. Ist ein zehnter meko vorhanden, ergänzt dieser die zwei höchsten Gongs. Ein einzelner Musiker kann seinen Part weder üben noch vortragen, da sich die musikalische Struktur nur im Gesamtklang, dem rhythmisch verzahnten Zusammenspiel der Gongs ergibt. Als am schwierigsten zu erlernen gelten die beiden mittelhohen Gongs nggasa und die Trommel. Die Gongs werden mit einem hölzernen Schlägel in der rechten Hand angeschlagen, ein tiefer (meko ina taladak) und ein mittlerer Gong (meko nggasa laik) sollen dabei mit der linken Hand gedämpft werden, die übrigen Gongs werden ungedämpft angeschlagen.[35] Das Tempo braucht nicht besonders schnell zu sein (wie beim balinesischen gamelan), sondern sollte sich nach den Bewegungen der Tänzerinnen richten. Ein Stück beginnt üblicherweise mit einem der höchsten Gongs leko, erst nachdem sich in unterschiedlicher Abfolge die weiteren Gongs angeschlossen haben, setzt auch die Trommel ein. Auf der Trommel werden ein gedämpfter (li mukuk) und ein heller Schlag (li naruk) ausgeführt. Die Rhythmen stehen mit denen beim Reisstampfen in Beziehung, die andernorts in Indonesien mit dem Stampftrog lesung zu anspruchsvollen musikalischen Formen entwickelt wurden.[36]

In früheren Zeiten wurde das Gongspiel auch als Signalinstrument eingesetzt. Wenn der tiefste Gong (meko ina makamu) ertönte, bedeutete dies, dass ein Erwachsener gestorben war, beim Schlagen des kleinsten Gongs (meko leko oder meko ana) war ein Kind gestorben. Diese Tradition wird in einem erzählenden Vers (bini) mit parallelen Zeilen überliefert, wonach meko und labu die Todesnachricht signalisierten.[37]

Heute spielen Meko-Ensembles häufig mit Tanzbegleitung bei Familienfeiern wie Hochzeiten, Hauseinweihungen und bei sonstigen Versammlungen. Einige Tänze spiegeln die in der Vergangenheit häufigen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den kleinen Herrschaftsbereichen auf der Insel. Hierzu gehört laut Christopher Basile (1998) der Frauentanz (li) mudipapa,[38] der zum Abschied für die in den Krieg ziehenden Männer aufgeführt wurde. Der Tanz tae beno galt den zurückgekehrten Kriegern. Zur rituellen Kriegführung gehörte nach der Überlieferung, dass sich die Männer beim Einzug auf das Schlachtfeld mit dem Tanz li kakamusu (auch kaka musu) und von einem Meko-Ensemble begleitet auf den Kampf vorbereiteten. Das Meko-Ensemble begleitet auch den Kriegstanz (fo)foti der Männer, der sich durch schnelle heftige Fußbewegungen, Schlachtrufe und Schreie auszeichnet, sowie weitere Rituale aus der kriegerischen Vergangenheit.[8]

Agastya Rama Listya (2018) nennt regionale Namen für den (li) mudipapa, darunter li ne’e seselu („eine Frage zu beantworten“) und neketototok („sich der Situation anpassen“) und beschreibt den Hintergrund der Tänze teilweise anders. Demnach gehörte der Paartanz mudipapa früher hauptsächlich zu Beerdigungen und heute wird er auch bei Hochzeiten getanzt. Tae beno (auch tai benu, „einseitig gewichtet“) wurde als Tanz eingeführt, um den unklugen König von Oenale im Westen der Insel zu kritisieren, der es versäumte, Maßnahmen zur Verteidigung zu treffen, als sein Gebiet (nusak) von Leuten aus der Familie seiner Frau angegriffen wurde. Ein anderer Informant, der tae beno mit „gleichmäßig gewichtet“ übersetzt, erklärt, der Tanz handle vom Besuch der Familie einer Braut beim Bräutigam, der dazu dient, ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen den Familien herzustellen. Der li kakamusu wird heute getanzt, um die Braut beim Eintritt in das Haus des Bräutigams zu begrüßen, zur Begrüßung eines Ehrengastes, außerdem für Beerdigungen und weitere Rituale. Dabei stehen sich zwei männliche Tänzer mit Schwertern in den Händen gegenüber und stellen einen Kampf dar.[39]

Ab Anfang des 16. Jahrhunderts kamen neben den Javanern auch muslimische Bajau und Butonesen aus Sulawesi, die mit Seegurken und Schalentieren handelten, bis nach Roti. Außer den in großer Mehrheit christlichen Bewohnern lebt seit Jahrhunderten eine kleine zugewanderte muslimische Minderheit auf Roti, die sich kulturell an die Traditionen der Insel angepasst hat und auch an den Aufführungen der Meko-Ensembles teilnimmt. Zum Integrationsprozess erklärte ein Nachkomme muslimischer Einwanderer von der Insel Buton, Gongspiel und Tänze seien von seinen Vorfahren aus Buton gebracht worden und seien mit der rotinesischen Kultur zur Kunstform li butu verschmolzen, die bei Hochzeiten und Begräbnissen aufgeführt wird. Li bedeutet auf Rotinesisch „Klang der Gongs“ und butu bezieht sich auf Buton.[40]

Gong-Musik eignet sich generell besser für Aufführungen im Freien und die sasando eignet sich für das Spiel im kleineren Kreis. Auch anderswo in Indonesien spielen Gong-Ensembles und der sasando entsprechende, leiser kligende Instrumente dasselbe musikalische Repertoire. Deren Auswahl hängt dann lediglich vom sozialen Kontext ab. So imitiert etwa bei den Batak auf Sumatra das Ensemble gondang hasapi mit der leisen Zupflaute hasapi die Musik des durch den Trommelsatz taganing laut klingenden Zeremonialensembles gondang sabangunan.[11] Bei den Kadazan-Dusun im Distrikt Tambunan im malaysischen Bundesstaat Sabah begleitet das Ensemble sopogandangan aus sieben hängenden Buckelgongs, einem in der Hand gehaltenen Gong und einer einfelligen Trommel mit dem Musikstil tinondot Gruppentänze im Freien. Bei kleinen Treffen in einem Wohnhaus spielt gelegentlich ein Musiker solistisch die Bambusröhrenzither tongkungon, deren Saiten nach den sieben hängenden Gongs benannt und gestimmt sind und deren Musik das tinondot-Ensemble nachahmt,[41] häufig zur Begleitung eines Solotanzes.[42]

Symbolik

Die von einem einzelnen Musiker zu spielende Bambusröhrenzither sasando gilt als eine Art Miniaturformat des Gongspiels. Ihre tiefsten neun Saiten sind wie die neun Gongs gestimmt, auf ihr wird dasselbe Repertoire gespielt und als häufige Begleitung fungiert ebenfalls eine Trommel. Ein bini-Vers stellt die Verbindung in parallelen Zeilen her:[43]

meko besi lahala lumata – „der Eisengong verkündet Not/Elend“
sanduliti lalei pinuidu – „die Röhrenzither macht Traurigkeit bekannt“

Auch wenn es Gongspiele mit zehn oder elf Gongs gibt, so ist doch die Zusammenstellung von neun Gongs Standard, denn zur komplexer Symbolik des Gongspiels gehört die Neun als Zahl, die für Perfektion, Beständigkeit und Nachhaltigkeit steht.[44] In den traditionellen religiösen Vorstellungen der zu den Batak auf Sumatra gehörenden Mandailing werden mit einem ähnlichen Konzept die Musikinstrumente klassifiziert. Im Mandailing-Ensemble gordang sambilan („neun Trommeln“) spielen vier Musiker einen Satz aus neun zweifelligen Trommeln (gordang) mit zwei hängenden Buckelgongs (ogung) zusammen. Den höchsten Grad an Ganzheit und Stärke erreichen nach der dualistischen Vorstellung der Mandailing vier „männliche“ und vier „weibliche“ Trommeln, die zusammen mit dem Ergebnis dieses Gegensatzpaars, der kleinen Trommel enek-enek („Kinder“), die mächtige Gesamtheit Neun ergeben, weshalb dieses Ensemble früher für königliche Zeremonien reserviert war.[45]

Neben der dualistischen Weltvorstellung, die sich in Parallelen und symbolischen Gegensätzen ausdrückt, kennen die Rotinesen noch ein Konzept der Dreiteilung, mit dem sie soziale Hierarchien festlegen. Auf das Gongspiel übertragen entsprechen die drei Zweiergruppen, die jeweils in lai („tief“) und dae („hoch“) unterteilt sind, der Vorstellung von Dualität und die Dreiergruppe der tiefsten Gongs entspricht der Dreiteilung. „Tief“ ist „hoch“ überlegen. Ein tief klingender Gong repräsentiert einen männlichen Erwachsenen und ein hoch klingender ein Kind. Dies zeigt sich bei der Anordnung der Gongs im Gongspiel. Die höher klingenden Gongpaare, die jeweils von einem Musiker geschlagen werden, hängen unten am Gestell und die drei tiefen Gongs oben. Diese Symbolik führt dazu, dass beim Xylophon meko ai die tiefen Klangplatten nicht wie allgemein bei Xylophonen (und beim Klavier die Tasten) üblich links angeordnet sind, sondern rechts und in einer leicht erhöhten Position gegenüber den hohen Klangplatten auf der linken Seite. Beim Gongspiel hängen die drei tiefsten Gongs rechts oben am Gestell. Die Bedeutung der Gongs im Gestell nimmt von rechts nach links ab. Nach der Hierarchie innerhalb dieser Dreiheit der tiefen Gongs befindet sich die meko ina makamu rechts, die meko ina taladak in der Mitte und die meko ina tataik links. Kona bedeutet „rechts“ und „Süden“, dale bedeutet „Mitte“ und ki steht für „links“ und „Norden“. Der Mann sitzt nach der alten hierarchischen Gesellschaftsordnung in der Mitte (dale), die Frau ist etwas höher positioniert als ihre Kinder, sitzt also rechts (kona), die Kinder sitzen links (ki). Im Alltag bedeutet dies, dass die Frau ihrem Mann das Essen serviert und selbst erst isst, wenn dieser fertig gegessen hat (tou manek ina kakana – „der Mann als König mit einer Frau“).[46]

Beim Spiel gibt die meko ina taladak die musikalische Gestaltung vor, an der sich die anderen Gongs, die Trommel und die Tänzer orientieren. Die über die Spielpraxis hinausgehende Symbolik dieser hierarchischen Struktur bot Anlass für Interpretationen, die weitreichende Verknüpfungen mit der rotinesischen Gesellschaftsordnung herstellen. So lassen sich die einzelnen Gongs mit der traditionellen Herrschaftsform verbinden. Von tief nach hoch und von oben nach unten:

  • meko ina taladak – König (manek)
  • meko ina makamu – Königin (ina lai)
  • meko ina tataik – Kind (ana) oder Kinder
  • meko nggasa lai und meko nggasa dae – Vizekönig (fetor)
  • meko leko lai und meko leko dae – Oberhaupt eines Dorfteils (temukung)
  • meko ana laik und meko ana dae – gewöhnliche Dorfbewohner (lau inggu).

Die Trommel würde hierbei einen Vermittler (manasonggo) repräsentieren, der als religiöse Autorität außerhalb dieser Hierarchie steht. Andere Modelle beinhalten teilweise abweichende Zuordnungen.[47]

Eine Zuordnung zur Hierarchie in der Familie lautet:

  • meko ina taladak und meko ina makamu und meko ina tataik – Mutter (ina)
  • meko nggasa lai und meko nggasa dae – Vater (ama)
  • meko leko lai und meko leko dae – älteres Kind (ana lasik)
  • meko ana laik und meko ana dae – jüngeres Kind (ana mulik).[48]

Die Gemeinsamkeiten zwischen meko und sasando sind musikalischer Natur, ihre Unterschiede beziehen sich auf die gesellschaftliche Symbolik. Beide werden rituell und zur Unterhaltung gespielt. Als Signalinstrument war das Gongspiel von größerer praktischer Bedeutung, außerdem repräsentiert es gegenüber dem individuellen Spiel der sasando durch das erforderliche Zusammenwirken mehrerer Musiker den kollektiven Charakter der traditionell auf Ackerbau und Viehzucht basierenden Wirtschaft. Das Gongspiel gilt als identitätsstiftend durch die gemeinsame Aktivität, während die ruhige sasando als Begleitung mythischer Lieder dieselbe Wirkung durch das Hervorrufen poetischer Bilder erzielt.[49]

Literatur

  • Christopher Basile: Nusa Tenggara Timur: Roti. In: Terry E. Miller, Sean Williams (Hrsg.): The Garland Encyclopedia of World Music. Band 4: Southeast Asia. Garland, New York / London 1998, S. 798–801
  • Andrew C. McGraw: Meko. In: Grove Music Online, 28. Mai 2015
  • Agastya Rama Listya: The Conceptualization and Sustainability of Rotenese Gong Music. (Dissertation) University of Otago, Dunedin (Neuseeland) 2018
  • Gretel Schwörer-Kohl: Gong und Gongspiele. (1995) In: MGG Online, November 2016

Einzelnachweise

  1. Gretel Schwörer-Kohl: Gong und Gongspiele. VI. Geschichte, 2016
  2. Arsenio Nicolas: Gongs, Bells, and Cymbals: The Archaeological Record in Maritime Asia. From the Ninth to the Seventeenth Centuries. In: Yearbook for Traditional Music, Band 41, 2009, S. 62–93, hier S. 62f
  3. Arsenio Nicolas: Gongs in Java, 13th to 16th Century: A Survey of Temple Bas-reliefs, Inscriptions and Literary Texts. Vortrag beim 12th Borobudur Writers and Cultural Festival Universitas Negeri Malang, East Java, Indonesia, 23.–27. November 2023, S. 142
  4. Margaret J. Kartomi, Maria Mendonça: Gamelan. I: South-east Asia. 1. History. In: Grove Music Online, 2001
  5. Bonang. In: Grove Music Online, 13. Januar 2015
  6. Gong suwukan (knobbed gong). (Abbildung) The Metropolitan Museum of Art
  7. Jaap Kunst: Music in Java. Its History, its Theory and its Technique. 3. Auflage herausgegeben von Ernst L. Heins. Band 1. Martinus Nijhoff, Den Haag 1973, S. 149
  8. a b c Christopher Basile, 1998, S. 800
  9. Jaap Kunst: Music and Dance in the Outer Provinces. In: Tropenmuseum, University of Amsterdam (Hrsg.): Jaap Kunst. Indonesian music and dances. Traditional music and its interaction with the West. A compilation of articles (1934–1952) originally published in Dutch. Amsterdam 1994, S. 187
  10. Agastya Rama Listya, 2018, S. 150
  11. a b Henry Spiller: Focus: Gamelan Music of Indonesia. Routledge, New York 2008, S. 21
  12. Die ersten Lehrer um diese Zeit waren von der niederländischen Kolonialverwaltung gesandte Ambonesen. Vgl. Michelle Carnegie: Living with difference in rural Indonesia: What can be learned for national and regional political agendas? In: Journal of Southeast Asian Studies, Band 41, Nr. 3, Oktober 2010, S. 449–481, hier S. 459
  13. Terry E. Miller, Sean Williams: Waves of Cultural Influence. In: Terry E. Miller, Sean Williams (Hrsg.): The Garland Encyclopedia of World Music. Band 4: Southeast Asia. Garland, New York / London 1998, S. 58
  14. Agastya Rama Listya, 2018, S. 151–154
  15. Jill Forshee: Culture and Customs of Indonesia. Greenwood Press, Westport (Connecticut) / London 2006, S. 192
  16. Agastya Rama Listya, 2018, S. 153–156
  17. Agastya Rama Listya, 2018, S. 142–147
  18. Vgl. Hans Fischer: Schallgeräte in Ozeanien. Bau und Spieltechnik – Verbreitung und Funktion. (Sammlung musikwissenschaftlicher Abhandlungen, Band 36) Verlag Heitz, Baden-Baden 1958 (Nachdruck: Valentin Koerner, Baden-Baden 1974), S. 33f
  19. Agastya Rama Listya, 2018, S. 71f
  20. Gretel Schwörer-Kohl: Schlagplatten und Schlagplattenspiele. II. Schlagplattenspiele. 2. Geschichte, Verbreitung und Funktion. In: MGG Online, November 2016; Sibyl Marcuse: A Survey of Musical Instruments. Harper & Row, New York 1975, S. 32
  21. Agastya Rama Listya, 2018, S. 74f
  22. Agastya Rama Listya, 2018, S. xviii
  23. Andrew C. McGraw: Grove Music Online, 2015
  24. Von Andrew C. McGraw, 2015, als „Kesseltrommel“ (kettledrum) klassifiziert; von Agastya Rama Listya, 2018, unter anderem S. 79, „Zylindertrommel“ (cylindrical drum) genannt. Eine Bechertrommel besteht aus einem Kessel wie bei einer Kesseltrommel, der aber mit einer kleinen Öffnung an der Unterseite in einen schlanken Ansatz übergeht. In Indonesien kann dieser Typus vielfältige Formen annehmen, vgl. Hornbostel-Sachs-Systematik, 211.26.
  25. Agastya Rama Listya, 2018, S. 79
  26. Walter Kaudern: Ethnographical studies in Celebes: Results of the author’s expedition to Celebes 1917–1920. III. Musical Instruments in Celebes. Elanders Boktryckeri Aktiebolag, Göteborg 1927, S. 133–135
  27. Agastya Rama Listya, 2018, S. 80
  28. Agastya Rama Listya, 2018, S. 106
  29. J.-C. Chabrier: Ṭunbūr. In: The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Band 10, Brill, Leiden 2000, S. 625
  30. Agastya Rama Listya, 2018, S. 126–128
  31. Bettina Mourik: Mnemonic Devices in Lexical Parallelism: Oral Tradition in Fataluku and Rotinese. In: Aone van Engelenhoven (Hrsg.): Oral Traditions in Insular Southeast Asia: Lokaswara Nusantara. Cambridge Scholars Publishing, 2024, S. 110Ý130, hier S. 118
  32. James J. Fox: Semantic paralelism in Rotinese ritual language. In: Bijdragen tot de Taal-, Land- en Volkenkunde, Band 127, Nr. 2, Leiden 1971, S. 215–255, hier S. 220, 236
  33. Agastya Rama Listya, 2018, S. 59, vgl. S. 103f
  34. James J. Fox: Paths of life and death: Rotenese life-course recitations and the journey to the afterworld. In: James J. Fox (Hrsg.): Austronesian Paths and Journeys. Australian National University Press, Acton 2021, S. 193–230, hier S. 207
  35. Agastya Rama Listya, 2018, S. 21
  36. Agastya Rama Listya, 2018, S. 55f, 176; Christopher Basile, 1998, S. 800
  37. Agastya Rama Listya, 2018, S. 126f
  38. Mudipapa – Busalanga Iron Meko Group. Titel 3 der CD Troubled Grass and Crying Bamboo: The Music of Roti, produziert von Christopher Basile, Indonesian Arts Society, 1997
  39. Agastya Rama Listya, 2018, S. 170–172
  40. Daud Pandie, Izak YM Lattu, Suwarto Suwarto, Lobby Lukmono: The construction of ethnoreligious identity among Muslims and Christians in Rote Ndao Regency, Indonesia. In: Indonesian Journal of Religion, Spirituality, and Humanity, Band 3, Nr. 1, 2024, S. 101–125, hier S. 105, 113
  41. Jacqueline Pugh-Kitingan: Dancing the sound, musicking de movement. Contextual dialogues between music and dance in northern Borneo. In: Mohd Anis Md Nor, Kendra Stepputat (Hrsg.): Sounding the Dance, Moving the Music. Choreomusicological Perspectives on Maritime Southeast Asian Performing Arts. Routledge, London/New York 2017, S. 122–132, hier S. 123
  42. Sinin Hamdan, Khairul Anwar Mohamad Said, Kuryati Kipli, Ezra A. M. Duin, Aaliyawani E. Sinin: The Tongkungon: A Traditional KadazanDusun Plucked Musical Instrument from Sabah, Malaysia. In: Bio Resources, Band 20, Nr. 1, 2025, S. 357–367, hier S. 358
  43. Agastya Rama Listya, 2018, S. 65f
  44. Agastya Rama Listya, 2018, S. 105
  45. Margaret J. Kartomi: On Concepts and Classifications of Musical Instruments. The University of Chicago Press, Chicago/London 1990, S. 222f
  46. Agastya Rama Listya, 2018, S. 102, 107f
  47. Agastya Rama Listya, 2018, S. 109
  48. Agastya Rama Listya, 2018, S. 112
  49. Agastya Rama Listya, 2018, S. 115f