Mauro Poggia

Mauro Poggia (* 25. April 1959 in Moutier, Kanton Bern; heimatberechtigt in Meyrin) ist ein Schweizer Advokat und Politiker. Er ist Mitglied des Mouvement citoyens genevois (MCG) und sass für dieses von 2011 bis 2013 im Nationalrat. 2013 wurde er als erster MCG-Vertreter in den Staatsrat gewählt. Dieses Amt hatte er bis 2023 inne. Bei den Wahlen 2023 wurde er in den Ständerat gewählt.

Biografie

Mauro Poggias Eltern wanderten aus dem Piemont in die Schweiz ein. Er wurde in der damals zum Kanton Bern gehörenden Gemeinde Moutier geboren, wuchs aber in Genf auf, wo er auch 1978 die Maturitätsprüfung bestand und bis 1981 Rechtswissenschaft studierte. Nach zweijähriger Tätigkeit in der Kanzlei von Jean Jacques Hodel machte er sich im Alter von 24 Jahren als Advokat selbstständig, wo er sich auch mit Rechtsgebieten befasste, die von anderen Anwälten seltener bearbeitet wurden, wie Sportrecht, Medizinrecht und Versicherungsrecht. Unter anderem war er mit den Prozessen um das Foul von Pierre-Albert Chapuisat an Lucien Favre (das als bisher schwerstes in der Geschichte des Schweizer Fussballsports gilt) und um die nicht auf HIV getesteten Blutprodukte im Zentrallabor des Schweizerischen Roten Kreuzes befasst.

Im Alter von 49 Jahren kandidierte als Vertreter der Auslandsitaliener bei den italienischen Senatswahlen von 2008 auf der Liste der christdemokratischen Partei Unione di Centro. Dann trat er der CVP bei. Da er dort keinen aussichtsreichen Listenplatz bekam, wechselte er 2009 zum MCG und wurde direkt in den Grossen Rat des Kantons Genf gewählt.

2011 gelang ihm als erstem Vertreter des MCG die Wahl in den Nationalrat. Bei den kantonalen Exekutivwahlen im November 2013 erreichte er im ersten Durchgang den sechsten Platz, im zweiten Durchgang mit 41'127 Stimmen den siebten Platz und zog damit als erster Vertreter des MCG in die Regierung des Kantons Genf ein. Poggia gab aufgrund einer Unvereinbarkeitsregel der Genfer Verfassung sein Nationalratsmandat ab. 2023 trat er nicht mehr zur Wiederwahl in die Regierung an und wurde wieder als Grossrat gewählt.[1]

Bei den Parlamentswahlen 2023 kandidierte er als Nationalrat und Ständerat und wurde in beide Ämter gewählt, in den Ständerat im zweiten Wahlgang. Da er nur eines der beiden Ämter ausüben kann, entschied er sich für das Amt des Ständerates.[2][3][4] Dort schloss er sich der SVP-Fraktion an. Er bevorzugte die Die-Mitte-Fraktion, doch dies war aufgrund des Parlamentsgesetzes nicht möglich, da sich seine zwei Parteikollegen im Nationalrat bereits für die SVP-Fraktion entschieden haben. Auch hatte Die Mitte kein Interesse an Poggia.[5]

Neben seiner Advokatur und politischen Betätigung ist Poggia auch Präsident der Association Suisse des Assurés (Assuas, Schweizerischer Verband der Versicherten) im Kanton Genf. Poggia ist in zweiter Ehe mit einer in der Schweiz aufgewachsenen Nordafrikanerin verheiratet, der zuliebe er vom Christentum zum Sufismus, einer Glaubensrichtung des Islam, konvertierte. Aus erster Ehe hat er zwei Kinder, aus der zweiten Ehe ein Kind.

Kritik

Nach der Brandkatastrophe von Crans-Montana im Januar 2026 flog ein Team der israelischen Nichtregierungsorganisation ZAKA in die Schweiz, um Unterstützung bei der Bergung und Identifizierung von Todesopfern anzubieten. Sie wurde zwar nicht zum Unglücksort zugelassen, blieb aber vor Ort, um Angehörige zu unterstützen.[6] Mauro Poggia kommentierte dazu in einem Facebook-Beitrag, dass „die Tragödie von Crans-Montana ein unerwarteter Glücksfall für die verbrecherische Regierung, die derzeit im Staat Israel an der Macht ist. Sie kann so ungestört wie eine tödliche Seuche ihre ethnische Säuberung im Gazastreifen und ihre Gräueltaten im Westjordanland fortsetzen, nachdem sie uns mit einem falschen Waffenstillstand in falscher Sicherheit gewiegt hat.“.[7]

« Un drame inespéré pour le gouvernement criminel actuellement à la tête de l’État d’Israël, qui peut ainsi poursuivre à bas bruit, tel une maladie létale, son épuration ethnique à Gaza, et ses exactions en Cisjordanie, après nous avoir endormis avec un fallacieux cessez-le-feu. »

Mauro Poggia

Ein Genfer Politiker warf Poggia eine «antiisraelische und antizionistische Obsession» vor und kritisierte die Instrumentalisierung der Brandkatastrophe als «zutiefst unangebracht».[7] Die Jüdische Allgemeine kritisierte den Vergleich als «zutiefst entwürdigend».[8] Poggia verteidigte seine Kritik mit Restriktionen, welche die israelische Regierung gegen 37 Nichtregierungsorganisationen für die Einreise in den Gazastreifen beschlossen habe.[9][10]

Commons: Mauro Poggia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Mauro Poggia auf der Website des Genfer Grossen Rates
  2. Der Triumph der Genfer Lokalpatrioten. In: Neue Zürcher Zeitung. 24. Oktober 2023.
  3. Poggia in Genf bei Ständeratswahlen vorne. In: Swissinfo. 22. Oktober 2023.
  4. MCG-Politiker Mauro Poggia erobert Sitz der Grünen. In: SRF. 12. November 2023, abgerufen am 12. November 2023.
  5. MCG-Ständerat Mauro Poggia findet in der SVP-Fraktion Unterschlupf. In: Swissinfo, 5. Dezember 2023.
  6. Drittes jüdisches Mädchen tot, Jüdische Allgemeine, 6. Januar 2026. Abgerufen am 7. Januar 2026.
  7. a b Laurence Bezaguet: Un post de Mauro Poggia provoque l’indignation de Lionel Halpérin. In: Tribune de Genève. 3. Januar 2026, abgerufen am 9. Januar 2026 (französisch).
  8. Nicole Dreyfus: Crans-Montana: Vergleiche mit Gaza sind entwürdigend. 8. Januar 2026, abgerufen am 9. Januar 2026.
  9. Antoine Menusier: Le message de Mauro Poggia sur Crans-Montana indigne. In: Watson. 3. Januar 2026, abgerufen am 9. Januar 2026 (französisch).
  10. Israël confirme appliquer les interdictions d'accès à Gaza de 37 ONG. In: RTS. 1. Januar 2026, abgerufen am 9. Januar 2026 (französisch).