Madeleine Braun

Madeleine Braun (geboren als Madeleine Weill am 25. Juni 1907 in Paris; gestorben am 22. Januar 1980 in Saint-Cloud) war eine französische Résistante und Politikerin.

Leben

Madeleine Weill war die Tochter von Albert Weill, Geschäftsführer, und der Malerin Gabrielle Hirsch.[1] Sie absolvierte ihre Ausbildung an der École Villiers und der Faculté de droit de Paris (Rechtsfakultät von Paris) und heiratete am 8. Juli 1930 den Geschäftsmann Jean Braun.[1]

Sie engagierte sich gegen Krieg und Faschismus als Vorstandsmitglied in der Bewegung Amsterdam-Pleyel[A 1] sowie im Internationalen Koordinations- und Informationskomitee zur Unterstützung der spanischen Republik, dessen stellvertretende Generalsekretärin sie unter der Leitung von Victor Basch und Paul Langevin war.[2]

Sie trat im Zweiten Weltkrieg dem Widerstand bei und war Mitglied der Bewegung Front national, die sie auf Wunsch von Georges Marrane[3] in der Zone Sud mitbegründete.[4] Braun war Redakteurin der Zeitung Patriote, deren Chefredakteurin sie nach der Befreiung Lyons wurde. Obwohl sie als Mitglied der Parti communiste français seit 1942 und Mitglied des Führungsgremiums des Front national besonders gefährdet war, gelang es ihr, der Verfolgung zu entgehen.[2] Ihr Kampfname in der Résistance war Nicole.[5]

Am 8. November 1944 wurde sie zur Abgeordneten der Assemblée consultative provisoire (Provisorische Beratende Versammlung) ernannt. Ab 1946 war sie Mitglied der Versammlungen der IV. Republik. Damit zählt sie zu den ersten weiblichen Abgeordneten in der französischen Geschichte. Am 14. Juni 1946 wurde sie zur Vizepräsidentin der Nationalversammlung gewählt. In dieser Funktion leitete sie abwechselnd mit den anderen Vizepräsidenten die Sitzungen und Debatten. Zusammen mit Germaine Peyroles[6] war sie die erste Frau in der Geschichte der Republik, die dieses Amt bekleidete.[1][7] Sie wurde am 3. Dezember 1946[8], am 14. Januar 1947[9], am 14. Januar 1948[10] und am 11. Januar 1949[11] erneut zur Vizepräsidentin der Nationalversammlung gewählt. Ihre Amtszeit endete am 10. Januar 1950[12], als sie einen der beiden Vizepräsidentenposten der Nationalversammlung, über die ihre Fraktion verfügte[13], an Mathilde Gabriel-Péri abtrat.

1951 kandidierte sie nicht erneut. Ab 1961 leitete sie zusammen mit Louis Aragon den Verlag Éditeurs français réunis[14].[15] Außerdem arbeitete sie für die Zeitschrift Europe.

Ehrungen

Im 10. Arrondissement von Paris ist ein Platz nach ihr benannt. Am 8. März 2023 wurde ihr zu Ehren an ihrem Platz in der Nationalversammlung eine Gedenktafel angebracht.[16]

Werke

  • mit Robert Chambeiron: Tchécoslovaquie, carrefour de l’Europe. Éditions sociales, 1950.

Literatur

  • Christine Levisse-Touzé: Les femmes dans la Résistance en France. Tallandier, 2003, ISBN 978-2-84734-030-3, S. 100.
Commons: Madeleine Braun – Sammlung von Bildern

Anmerkungen

  1. Das Mouvement Amsterdam-Pleyel (so in der frankophonen Wikipédia aufzurufen) war ein Anfang der 1930er Jahre bestehendes pazifistisches und antifaschistisches Bündnis.

Einzelnachweise

  1. a b c Biographie extraite du dictionnaire des parlementaires français de 1940 à 1958 (La documentation française) im Weblink der Assemblée nationale
  2. a b Siehe Biographie im Weblink Maitron
  3. Georges Marrane. In: Assemblée nationale. Abgerufen am 30. Oktober 2025 (französisch).
  4. Siehe Literaturliste Christine Levisse-Touzé
  5. a b Madeleine BRAUN. In: L’Ordre de la Libération. Abgerufen am 30. Oktober 2025 (französisch).
  6. Germaine Peyroles. In: Assemblée nationale. Abgerufen am 30. Oktober 2025 (französisch).
  7. Elisabeth Fleury: Madeleine Braun, une pionnière du perchoir. In: L’Humanité. 23. Juni 2023, abgerufen am 30. Oktober 2025 (französisch).
  8. Feuilleton 4; Sitzung vom 3. Dezember 1946 auf Gallica
  9. Feuilleton 17; Sitzung vom 14. Januar 1947 auf Gallica
  10. Feuilleton 188; Sitzung vom 14. Januar 1948 auf Gallica
  11. Feuilleton 354; Sitzung vom 11. Januar 1949 auf Gallica
  12. Feuilleton 496; Sitzung vom 10. Januar 1950 auf Gallica
  13. André BALLET: M. ÉDOUARD HERRIOT CONSERVE la présidence de l’Assemblée nationale. In: Le monde. 12. Januar 1950, abgerufen am 30. Oktober 2025 (französisch).
  14. Angaben zu Éditeurs français réunis in der Datenbank der Bibliothèque nationale de France.
  15. Siehe Biographien in den Weblinks Maitron und Sénat.
  16. Aurélien Soucheyre: L’Assemblée nationale honore Madeleine Braun. In: L’Humanité. 8. März 2023, abgerufen am 31. Oktober 2025 (französisch, Paywall).