Mathias Erven
Mathias Erven, in Abgrenzung zu seinem Sohn auch Mathias Erven sen. (* 7. August 1857 in Köln;[1] † 18. August 1943 in Brühl (Rheinland)[2]) war ein deutscher Architekt, der insbesondere lokale Bekanntheit für seine klassizistischen Bauwerke in Brühl erlangte.
Leben und Wirken
Mathias Erven wurde als Sohn des Barbiers und Hilfschirurgen Aloysius Erven († 22. Dezember 1894 in Brühl)[3] und dessen Ehefrau Gertrud, geb. Keller in Köln geboren.
Über Mathias Ervens berufliche Ausbildung ist nichts bekannt. 1885 ließ er sich jedoch mit dem Entwurf und dem Bau eines repräsentativen Wohnhauses in der Schloßstraße in Brühl nieder und heiratete dort am 13. September 1887 Agnes Lauten (* 11. Juli 1860 in Brühl; † 4. August 1928 ebd.).[1][4] Die Familie blieb bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges im Besitz des Hauses in der Schloßstraße, wo auch zeitweilig die Familie des Künstlers Max Ernst als Untermieter wohnte.[5]
Erven entwickelte sich um die Jahrhundertwende, neben Josef Blied, Paul Müller und Jean Schmitz zu einem der prägendsten Architekten, der sich damals zur Garten- und Villenstadt entwickelnden Stadt Brühl. Als ausführender Architekt arbeitete Mathias Erven unter anderem auch mit Josef Blied als entwerfender Architekt zusammen (u. a. St. Josephshaus, Mühlenstraße).
Die erhaltenen Gebäude Mathias Ervens stehen heute zu einem Großteil unter Denkmalschutz.
Bauwerke
Mathias Erven entwarf und erbaute vorwiegend repräsentative Wohnhäuser für das gehobene Bürgertum. Sein Stil variierte dabei zwischen der strengen klassizistischen Architektur, Stilelementen englischer Architektur und dem Neobarock.
Zu einem seiner ersten Bauwerke in Brühl, welches bis heute als eines der nobelsten Wohnhäuser des ausgehenden 19. Jahrhunderts der Stadt Brühl gilt, zählt das 1890/93 an der Friedrichstraße entstandene Doppelhaus für den damaligen Gymnasialdirektor Wilhelm Dahm. Die strenge Gliederung sowie die zweieinhalbgeschossige Vorbauten entstanden nach dem Vorbild des Berliner Schlosses Tegel.
In den 1890er Jahren entstanden zudem weitere repräsentative Bauwerke Ervens, wie beispielsweise die Villa Spanmuth (Rheinstraße 9) sowie die Villa Lennartz (Liblarer Straße 9), welche sich vor allem durch ihre strenge Gliederung, die gelbe Klinkerfassade und die stuckierten Architekturakzente auszeichnet.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sind insbesondere das Wohn- und Geschäftshaus W. Nicolay (Pingsdorfer Straße 50) in neobarockem Stil und das Wohnhaus des Kaufmannes Christian Kleinertz (Kaiserstraße 95), welches in Form eines burgartigen Ziegelbaus mit zinnenbekröntem Eckturm und großem neogotischem Glasfenster entstand, zu nennen. Das Wohnhaus Kleinertz gilt bis heute als das originellste Wohnhaus der Stadt vom Anfang des 20. Jahrhunderts.
Neben Einzelgebäuden entwarf und erbaute Mathias Erven um 1895 auch die klassizistischen Reihenhäuser in der Nachbarschaft seines Wohnhauses (Schloßstraße 7–19).
Familie
Mathias Ervens Sohn Mathias Erven jun. (* 10. Januar 1897 in Brühl; † 22. Juni 1973 ebd.) wurde ebenfalls Architekt und war insbesondere im Raum Rondorf/Rodenkirchen tätig.
Mathias Ervens jüngerer Sohn Heinz Erven (* 25. Januar 1900 in Brühl; † 23. Juni 1993) wurde Agrarwissenschaftler und gilt heute als einer der Pioniere in der Praxis des biologischen Anbaus von Obst und Gemüse.
Architekt (Auswahl)
- 1889: Doppelwohnhaus, Bahnhofstraße 21 (Denkmal).
- 1890–93: Wohnhaus Wilhelm Dahm, Friedrichstraße 24–26 (Denkmal).
- um 1895: Reihenhäuser, Schloßstraße 7–19 (Denkmal).
- 1896: Villa Spanmuth, Rheinstraße 9 (stark verändert).
- 1898: Villa Lennartz, Liblarer Straße 9 (Denkmal).
- 1899: Villa Martini, Friedrichstraße 28 (1953 stark verändert; Denkmal).
- 1902: Doppelwohnhaus, Friedrichstraße 30–32 (Denkmal).
- 1904/05: Wohnhaus Kleinertz, Kaiserstraße 95 (Denkmal).
- 1904/05: Geschäfts- und Wohnhaus W. Nicolay, Pingsdorfer Straße 50 (Denkmal).
Literatur
- Wolfram Hagspiel: Mathias Erven. In: ders.: Lexikon der Kölner Architekten vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert. Bd. 1: A-G. Böhlau, Wien, Köln 2022 (Veröffentlichungen des Kölnischen Geschichtsvereins e.V.; 52), ISBN 978-3-412-52446-3, S. 452.
- Wilfried Hansmann e. a.: Stadt Brühl (Die Bau- und Kunstdenkmäler von Nordrhein-Westfalen, I. Rheinland, 7.3 Erftkreis), Gebr. Mann Verlag, Berlin 1977, ISBN 3-7861-3000-0.
Einzelnachweise
- ↑ a b Anonymus: Heiratsurkunde Mathias Erven und Agnes, geb. Lauten vom 13. September 1887. In: Heiratsregister der Stadt Brühl, 1887, Urkundennummer 42.
- ↑ Anonymus: Sterbeeintrag Erven, Matthias (sic!) (Anmerkung: als Geburts- und Beerdigungsort wird Emmerich angegeben). In: Sterbebuch 1911–1958 der Kirchengemeinde St. Margareta, Brühl. S. 128.
- ↑ Anonymus: Sterbeurkunde Aloysius Erven vom 24. Dezember 1894. In: Sterberegister der Stadt Brühl, 1894, Urkundennummer 257.
- ↑ Anonymus: Sterbeurkunde Agnes Erven, geb. Lauten vom 6. August 1928. In: Sterberegister der Stadt Brühl, 1928, Urkundennummer 105.
- ↑ Antje Jagodzinski: 125. Geburtstag von Max Ernst: Im Schlosspark malte er an der Staffelei. 2. April 2016, abgerufen am 20. Dezember 2025.