Maryna Kopteva
Maryna Kopteva (ukrainisch Марина Коптева, auch als Marina Kopteva transkribiert; geboren am 20. Juli 1981 in Kiew, Ukrainische SSR, Sowjetunion) ist eine ukrainische Kletterin und Höhenbergsteigerin und Gewinnerin mehrerer Kletterpreise. So war sie mehrmals ukrainische Meisterin im Sportklettern. Nach ihrer Wettkampfkarriere wandte sie sich dem Felsklettern zu und es gelangen ihr mehrere Erstbegehungen von Big-Wall-Routen sowie die Besteigung mehrerer langer Wände in Nepal, China und Pakistan. Die größten und schwierigsten Routen bezwang sie in reinen Frauenteams.
Leben
Kopteva wurde 1981 in Kiew geboren, das damals noch Teil der Sowjetunion war. Bereits ihre Eltern waren aktive Bergsteiger, versuchten aber, sie vor Extremsportarten zu schützen. Kopteva begann ihre sportliche Karriere daher im Schwimmen und beim Fünfkampf, musste diese Sportarten jedoch aufgrund von Verletzungen aufgeben. Außerdem hatte sie neben dem Studium zu wenig Zeit zum Trainieren, um im Kader weiterhin erfolgreich sein zu können. Über Freunde fand sie Zugang zum Klettern und fand Gefallen daran, da dieser Sport auch Abenteuer enthält. Im Jahr 2000 reiste sie mit einem russischen kommerziellen Tourenanbieter in den Kaukasus und nahm an Besteigungen von Fünftausendern teil. Die Besteigung des Pik Brno musste sie wegen einer Höhenkrankheit abbrechen. Sie beschloss aber zu bleiben, akklimatisierte sich und war dann doch noch erfolgreich.[1]
Neben dem Höhenbergsteigen ist für Kopteva vor allem Sportklettern wichtig. Die wichtigsten Sportkletterregionen in der Ukraine sind auf der Krim, Kopteva hat auf der Halbinsel viel geklettert. Nachdem die Krim, wie auch alle Gebiete in der Russischen Föderation, seit 2014 für Kopteva nicht mehr zugänglich war, wandte sie sich zunehmend nach Westeuropa.[1] Seit 2018 lebt sie in Garmisch-Partenkirchen und ist als Bergführerin tätig.[2] Sie spricht Ukrainisch, Russisch, Deutsch und Englisch.
Kopteva klettert gern in Frauenseilschaften, insbesondere mit Galina Tschibitok (auch transkribiert als Galina Chibitok) und Anna Jasinskaja (auch transkribiert als Anna Yasinskaya) war sie viel unterwegs. Nach Koptevas Meinung ist die passende Partnerin für den Erfolg ausschlaggebend, das Können und das Durchhaltevermögen müssten passen, aber auch die Harmonie im Team sei wichtig.[1] Obwohl Kopteva zusammen mit Tschibitok und Jasinskaja über Jahre hinweg schwerste Routen meisterte, hat sie zu den beiden Kletterinnen keinen Kontakt mehr. Aufgrund des russischen Krieges gegen die Ukraine würde sie heute keinen Kontakt mehr zu russischen Staatsbürgern und Staatsbürgerinnen pflegen.[2] Tschibitok ist Russin.
Alpinistische Karriere
Kopteva begann im Alter von 19 Jahren mit dem Klettern und Bergsteigen und konnte sehr schnell ihre Fähigkeiten ausbauen. Sie begann bei Sportkletter-Wettkämpfen anzutreten und wurde viermalige ukrainische Landesmeisterin. Sie war Mitglied der ukrainischen Kletter-Nationalmannschaft.[3] Im Jahr 2005 wurde sie auch Meisterin der GUS in den Klassen Fels und Technik.
Sie war nicht nur an künstlichen Wänden erfolgreich, sondern ist auch eine gute Kletterin im Fels. Ihr gelangen zusammen mit Anna Jasinskaja mehr als 20 Erstbegehungen auf der Krim. Während des Trainings für die Meisterschaften in der Ukraine war sie oft und lange auf der Halbinsel, da diese perfekte Trainingsmöglichkeiten bietet.[4] Auf der Krim gelang Kopteva auch eine Solo-Route mit insgesamt zehn Seillängen: die Route „Center“ an der Marcheka.[5]
Kopteva ist aber nicht nur Kletterin, sondern auch eine begabte Höhenbergsteigerin. International bekannt wurde sie, als sie im August 2011 zusammen mit Galina Tschibitok und Anna Jasinskaja am Great Trango Tower in Pakistan eine neue, harte Route mit der extremen Länge von 2580 Metern und einem Schwierigkeitsgrad von 6b, A3 eröffnete.[6] Sie errichteten neun Zwischenlager in einem Portaledge und benötigten für die Begehung 38 Tage in der Wand, viele unter schlechten Bedingungen. Sie wechselten sich beim Vorsteigen der Route ab.[7] Am Ende gaben sie der Route den Namen „Parallelniy Mir“ – Parallelwelt.[8] Die drei waren die ersten Frauen und das erste reine Frauenteam, dem eine Erstbegehung am Great Trango Tower gelang. Für diese Begehung erhielten sie den Schneeleopard-Orden und den Karl Unterkircher Award.[3] 2013 bestieg sie zusammen mit Anastassija Petrowa (auch transkribiert als Anastasia Petrova) und Galina Tschibitok den 6500 Meter hohen Tengmoche über die nordöstliche Route.[9] Im Oktober 2017 eröffneten Kopteva und Galina Tschibitok in einer mehrtägigen Anstrengung eine neue Route zum Gipfel des Kemailong, sie nannten diese Route „On the Way to Amsterdam“.[10]
Von ihren vielen Besteigungen und Begehungen sind insbesondere die Zweitbegehung des Amin Brakk zu nennen, die Besteigung des Tengkangpoche in Nepal über die neue Route „Battle of Love“ mit einer Länge von 1900 Metern und einer Schwierigkeit VI, 6b A2.[3]
Für ihre Erfolge in Fels und Eis hat sie zahlreiche Auszeichnungen erhalten, wie den Steel Angel Award[11], den sie insgesamt viermal gewonnen hat, den Karl Unterkircher Award und den Schneeleopard-Orden.[12]
Erstbesteigungen und Erstbegehungen (Auswahl)
- 2005 Mt. Parandas C Wand, die erste Begehung im Team AK Odessa
- Kyajo Ri in Nepal (28 Seillängen, Schwierigkeit bis zu VI, M6, 90 Grad)[3]
- 2011 die Route „Parallelniy Mir“ (2580 m, 7b) an der Nordwestwand des Great Trango Towers, Südwestgipfel, Pakistan[13]
- 2013 Die Route „Battle for Love“ (1900m VI 6b A2) am Tengkanpoche in Nepal (über eine neue Route von 1900 m und einer Schwierigkeit VI, 6b A2) zusammen mit Galina Tschibitok[14]
- 2014 die Route „Daughter of Samurai“ (900 m mit einer Schwierigkeit VI, A2/a3) am Golden Sentinel in Indien zusammen mit Galina Tschibitok[3]
- 2017 die Route „On the Way to Amsterdam“ am Kameilong, China (970 m, 1280 m zu klettern, 25 Seillängen, ED+, A2-A3, 6a, 6b), zusammen mit Galina Tschibitok[3]
Auszeichnungen
- Schneeleopard-Orden
- Karl Unterkircher Award[15]
- viermalige ukrainische Meisterin in den Disziplinen Fels und Technik[4]
- 2005 Meisterin der GUS in den Klassen Fels und Technik[4]
- 2007 Meisterin im FAR-FrauenCup[4]
- 2009 Gewinnerin des Steel Angel Award 2009[4], 2010, 2013 und 2017. 2017 war dies zusammen mit Galina Tschibitok.[16]
- 2019 Gewinnerin des Grit and Rock’s First Ascent Award in der Kategorie Leistung[17]
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ a b c Марина Коптева: "Мы лезем в горы не для того, чтобы умирать, а для того, чтобы получать что-то новое". In: 4sport.ua. 6. Juni 2018, abgerufen am 1. Dezember 2025 (russisch).
- ↑ a b Eva Hupfer: Pionierinnen am Berg - Marina, Anna und Galina. In: Austrian Mountain Girls. 14. Juni 2023, abgerufen am 1. Dezember 2025.
- ↑ a b c d e f Reinhold Messner: Mord am Unmöglichen: Spitzenkletterer aus aller Welt hinterfragen die Grenzen des Möglichen. Malik, München 2018, ISBN 978-3-89029-513-8, S. 194.
- ↑ a b c d e Девушка-мечта. Украинская альпинистка Марина Коптева. 2012, abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
- ↑ Marina Kopteva. First Female Solo Ascent on Marcheka, 981m, Crimea / English. Climbing / Mountain.RU. Abgerufen am 28. September 2025.
- ↑ Eva Maria Bachinger: Frauen am Berg – Weder schwächlich noch ängstlich. In: naturfreunde.de. Abgerufen am 28. September 2025.
- ↑ Great Trango Tower, new Ukrainian – Russian route in the Karakorum. In: planetmountain.com. Abgerufen am 4. Dezember 2025.
- ↑ Eva Maria Buchinger: Frauen an der Spitze – auch Bergsteigerinnen suchen neue Ufer. In: Bergauf. Österreichischer Alpenverein, Februar 2020, S. 48-50, abgerufen am 1. Dezember 2025.
- ↑ 4sport.ua. 2013, abgerufen am 28. September 2025 (englisch).
- ↑ Kemailong, North Face and East Ridge. In: AAC Publications -. The American Alpine Club, 2018, abgerufen am 1. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Марина Коптева: "Большие стены с женскими командами". In: 4sport.ua. 30. April 2021, abgerufen am 1. Dezember 2025 (ua).
- ↑ Марина Коптева. Премия Стальной Ангел. Abgerufen am 1. Dezember 2025 (russisch).
- ↑ Lindsay Griffin: Great Trango Tower, Southwest Summit (6,237m), Northwest Face, Parallelniy Mir. In: AAC Publications. American Alpine Club, 2012, abgerufen am 1. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Lindsay Griffin: Tengkangpoche (6,487m), northeast face, The Battle for Love (variant to Moonlight). In: AAC Publications. American Alpine Club, 2014, abgerufen am 1. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Damen-Trio gewinnt "Karl Unterkircher Award". In: alpin.de. Abgerufen am 1. Dezember 2025.
- ↑ Обладательницы премии. Премия Стальной Ангел. Abgerufen am 1. Dezember 2025 (russisch).
- ↑ Anna Callaghan: Alpinist Masha Gordon Wants More Women to Claim More Peaks. In: Outside Online. 23. Februar 2018, abgerufen am 1. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).