Elwira Sergejewna Schatajewa
Elwira Sergejewna Schatajewa (russisch Эльвира Сергеевна Шатаева, auch als Elvira Shataeva transkribiert; geboren 1. Dezember 1938 in Moskau; gestorben 7. August 1974 im nördlichen Pamir) war eine russische Kletterin und Bergsteigerin, die eine Spezialistin im Mix-Gelände (Fels und Eis) war. Sie führte eine Reihe wesentlicher Besteigungen im Kaukasus und im Pamir durch. Für die Zeit ungewöhnlich war auch, dass Schatajewa viele Touren organisierte, an denen nur Frauen beteiligt waren. 1970 wurde sie mit der höchsten Ehrung für russische Bergsteiger ausgezeichnet.
Leben
Schatajewa wurde in Moskau geboren und wuchs dort auf. Nach der Schule absolvierte sie die Hochschule der Künste, ebenfalls in Moskau. Sie arbeitete nach ihrer Ausbildung 1957 und 1958 in der Produzentenkooperative „8. März“.[1] Sie war bereits sehr früh sportbegeistert und machte sich als Eisschnellläuferin einen Namen. Als sie eine Verletzung erlitt, wurde sie zur Erholung in den Kaukasus geschickt. Im dortigen Bergsteigercamp „Schelda“ entdeckte sie ihre Liebe zu den Bergen.[2] Schatajewa wurde als herzliche und humorvolle Frau beschrieben, die allseits beliebt war. Sie war aber auch sehr ehrgeizig und konnte zu sich selbst unerbittlich in der Erreichung ihrer Ziele sein.[3]
Sie lebte in Moskau und war verheiratet.
Alpinistische Karriere
Im Alter von 24 Jahren wandte sich Schatajewa dem Klettern zu und wurde schnell eine gute Höhenbergsteigerin. Ab 1964 widmete sie sich intensiv dem Bergsteigen.[2] Ihr gelangen große Touren, wie etwa die Besteigung des Pik Schtschurowskowo (4259 m) oder die Überschreitung des Uschba (4710 m) im Kaukasus. Neben ihren Besteigungen arbeitete sie auch als Instruktorin im Bereich Alpinismus.[2]
In den 1970er Jahren entschied sich Schatajewa vor allem in Frauenseilschaften zu klettern und einen weiblichen Stil am Berg zu fördern. Da sie eine hervorragende Sportlerin war, wurde ihr erlaubt, in den Westen zu reisen. Somit war sie in der Lage, an Treffen der RHM (Rendez-vous Hautes Montagnes), einer Vereinigung kletternder Frauen, in der Schweiz und in Österreich teilzunehmen.[4]
Von da an organisierte Schatajewa reine Frauenteams, so für die Besteigung des Pik Korschenewskaja (7105 m) in Tadschikistan 1972 und die Überschreitung des doppelgipfeligen Uschba (4710 m) in Georgien 1973. Für die Besteigung des Pik Korschenewskaja erhielten die Teilnehmerinnen die „Medaille für herausragende sportliche Leistungen“.[1]
1974 plante Schatajewa eine große Überschreitung am Pik Lenin (7134 m) (an der Grenze von Kirgisistan und Tadschikistan) im nördlichen Pamir mit einem reinen Frauenteam im Rahmen des ersten internationalen Bergsteigertreffens innerhalb der Sowjetunion. Zum Team zählten Ilsijar Muchamedowa, Walentina Fatejewa, Nina Wassiljewa, Irina Ljubimzewa, Tatjana Bardaschewa, Ljudmila Manscharowa und Galina Perechodjuk. Der Druck auf Schatajewa war groß, da Frauenbergsteigen immer noch kritisch gesehen wurde.[5]
Am 5. August 1974 erreichte das Team den Gipfel und meldete sich per Funk im Basislager. Da die Gruppe den Gipfel überschreiten wollte, übernachteten sie in Gipfelnähe. Nach einem ersten kurzen Abstieg am 6. August 1974 gelang es ihnen wegen des sich rapide verschlechternden Wetter nicht, sich komplett in den Schnee einzugraben. Bis zum Abend des 7. August 1974 kamen alle acht Bergsteigerinnen auf einer Höhe von etwa 7000 Metern ums Leben. Eine letzte Funknachricht wurde um 20:30 Uhr versendet.[6][7] Ob die Bergsteigerinnengruppe vor dem heraufziehenden Sturm per Funk gewarnt wurde, ließ sich später nicht verifizieren. Fest steht jedoch, dass sie relativ schlecht ausgerüstet war.[8] Am 8. August 1974 stießen andere Bergsteiger beim Aufstieg auf sieben der Toten. Eine Woche später fand ein weiteres Team, dem auch Schatajewas Ehemann Wladimir Schatajew angehörte, die achte Tote.
Das Ereignis verstärkte die Kritik am Frauenbergsteigen und führte dazu, dass es Bergsteigerinnen in der Sowjetunion schwerer gemacht wurde, eigenständig Expeditionen zu planen und durchzuführen.
Auszeichnungen
- 18.12.1970 Meisterin des Alpinismus: höchste Auszeichnung im russischen Bergsport[4]
- 1972 Medaille für herausragende sportliche Leistungen
Literatur
- Vladimir Shatayev: Degrees of Difficulty.
Einzelnachweise
- ↑ a b Альпинисты Северной столицы. Шатаева Эльвира Сергеевна. Abgerufen am 30. Dezember 2024 (russisch).
- ↑ a b c Caroline Fink, Karin Steinbach: Erste am Seil: Pionierinnen in Fels und Eis. Wenn Frauen in den Bergen ihren eigenen Weg gehen. Tyrolia, Innsbruck 2013, ISBN 978-3-7022-3252-8, S. 132.
- ↑ Caroline Fink, Karin Steinbach: Erste am Seil: Pionierinnen in Fels und Eis. Wenn Frauen in den Bergen ihren eigenen Weg gehen. Tyrolia, Innsbruck 2013, ISBN 978-3-7022-3252-8, S. 130.
- ↑ a b Caroline Fink, Karin Steinbach: Erste am Seil: Pionierinnen in Fels und Eis. Wenn Frauen in den Bergen ihren eigenen Weg gehen. Tyrolia, Innsbruck 2013, ISBN 978-3-7022-3252-8, S. 128.
- ↑ Caroline Fink, Karin Steinbach: Erste am Seil: Pionierinnen in Fels und Eis. Wenn Frauen in den Bergen ihren eigenen Weg gehen. Tyrolia, Innsbruck 2013, ISBN 978-3-7022-3252-8, S. 133.
- ↑ Peak Lenin: Climbing disaster showcased bravery and pioneering spirit of Soviet women climbers. In: edition.cnn.com. 15. Juli 1974, abgerufen am 13. Februar 2024.
- ↑ Causes of the tragedy on the Pamir 1974. The death of climbers Group Elvira Shatayeva. Abgerufen am 30. Dezember 2024.
- ↑ Caroline Fink, Karin Steinbach: Erste am Seil: Pionierinnen in Fels und Eis. Wenn Frauen in den Bergen ihren eigenen Weg gehen. Tyrolia, Innsbruck 2013, ISBN 978-3-7022-3252-8, S. 129.