Martin Luther King Sr.
Martin Luther King Sr. (* 19. Dezember 1899 in Stockbridge, Georgia als Michael King; † 11. November 1984 in Atlanta, Georgia) war ein US-amerikanischer baptistischer Pastor, Missionar und einer der frühen Vertreter der Bürgerrechtsbewegung. Er war der Vater und Namensgeber des Bürgerrechtsführers Martin Luther King Jr. King war von 1931 bis 1975 leitender Pastor der Ebenezer Baptist Church in Atlanta.
Leben
King wurde 1899 in der Ortschaft Stockbridge südlich von Atlanta als Sohn von James Albert King, einem Landarbeiter (Sharecropper) mit teilweise irischer Abstammung, und seiner Frau Delia geboren. In seiner Kindheit erlebte King u. a. den rassistischen Lynchmord an einem Afroamerikaner und wie sein trinkender Vater seine Mutter schlug. King besuche als Junge die Stockbridge Colored School und seine Mutter nahm ihn zu den Gottesdiensten der lokalen Floyd Chapel Baptist Church mit. Nach und nach entwickelte er ein Interesse am Predigen und übte zunächst mit den Hühnern seiner Familie das Halten von Grabreden. 1917 beschloss er, Pfarrer zu werden. Im Frühling 1918 zog King nach Atlanta, wo er bei Reverend A. D. Williams, dem damaligen Pastor der Ebenezer Baptist Church, unterkam. Williams, dessen Tochter King später heirate, wurde zu Kings Mentor.[1]
King schloss seine Highschool-Ausbildung an der Bryant Preparatory School ab und begann, in mehreren schwarzen Kirchen in Atlanta zu predigen. 1925 begann King ein Theologiestudium am Morehouse College, während er nebenbei als Mechanikergehilfe und Heizer bei der Eisenbahn arbeitete. 1927 wurde er Assistenzpfarrer der Ebenezer Church.[2] 1931 erwarb er einen Bachelor of Theology und wurde leitender Pastor der Ebenezer Baptist Church. Gemeinsam mit Williams predigte King ein soziales Evangelium des Christentums, das den Glauben an die persönliche Erlösung mit der Notwendigkeit verband, die Lehren Jesu auf die alltäglichen Probleme ihrer schwarzen Gemeinden anzuwenden.[1]
1934 kam King zum Treffen der Baptist World Alliance (BWA) nach Berlin. Bei einem Besuch von Orten, die mit dem Reformator Martin Luther in Verbindung stehen, wurden die Teilnehmer auch Zeugen des Aufstiegs des Nationalsozialismus. Daneben besuchte er auch Frankreich und das Heilige Land. Inspiriert von seinem Besuch änderte er seinen Namen und den seines Sohnes in Martin Luther King um.[3][1]
Als Gemeindeführer setzte sich King gegen rassistische Diskriminierung und die Rassentrennung ein. So wurde er zum lokalen Führer der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) in Atlanta. 1939 hielt er vor 1000 Aktivisten eine Rede für die Wählerregistrierung von Afroamerikanern, die in dieser Zeit politisch stark diskriminiert wurden, und organisierte einen Marsch zur City Hall von Atlanta. Im folgenden Jahr wurde er Vorsitzender des Committee on the Equalization of Teachers’ Salaries, das sich für die Angleichung der Lehrergehälter für afroamerikanische Lehrer einsetzte.[1] King Sr. unterstützte und beeinflusste auch den Aktivismus seines Sohnes Martin Luther King Jr. und beide predigten gemeinsam.
Als King Jr. im Oktober 1960 bei einer friedlichen Sitzblockade in Atlanta verhaftet wurde, rief Robert F. Kennedy, Bruder und Berater des demokratischen Präsidentschaftskandidaten John F. Kennedy, den Richter an und half dabei, seine Freilassung zu erwirken. Obwohl King Sr. zuvor John Kennedy abgelehnt hatte, weil dieser Katholik war, drückte King Jr. seine Dankbarkeit für diese Anrufe aus und begann Kennedy zu unterstützen. Bis zu diesem Zeitpunkt war King Sr. sein Leben lang als Republikaner registriert gewesen und hatte den Republikaner Richard Nixon unterstützt.[4] King Sr. wurde später ein Anhänger von Jimmy Carter und sprach 1976 und 1980 auf dem Demokratischen Parteitag das Gebet und besuchte das Weiße Haus.
Er war Mitglied des Verwaltungsrats der Clark Atlanta University, des Morehouse College und der National Baptist Convention. Nach der Ermordung von King Jr. hielt er bei zahlreichen Veranstaltungen Reden zu Ehren seines Sohnes.[1] Er veröffentlichte im Jahr 1980 seine Autobiografie mit dem Namen Daddy King: an Autobiography. King Sr. war außerdem Freimaurer und ein Mitglied der Prince-Hall-Freimaurerei für Schwarze.[5] King starb am 11. November 1984 im Alter von 84 Jahren im Crawford W. Long Hospital in Atlanta an einem Herzinfarkt. King wurde neben seiner Frau auf dem South-View Cemetery in Atlanta beigesetzt.[6]
Familie
Am Thanksgiving Day 1926, nach achtjähriger Verlobungszeit, heiratete King Alberta Christine Williams in der Ebenezer Church. Das Paar hatte innerhalb von vier Jahren drei Kinder: Willie Christine King (1927–2023), Martin Luther King Jr. (geb. Michael King Jr., 1929–1968) und Alfred Daniel Williams King (1930–1969).[7]
King Jr. wurde am 4. April 1968 von James Earl Ray ermordet. Der jüngere Sohn von King Sr., Alfred Daniel Williams King, starb unter mysteriösen Umständen, die von den Behörden als Unfalltod durch Ertrinken eingestuft wurden, am 21. Juli 1969, neun Tage vor seinem 39. Geburtstag. Kings Frau Alberta wurde am Sonntag, dem 30. Juni 1974, während des Sonntagsgottesdienstes in der Ebenezer Baptist Church von Marcus Wayne Chenault ermordet. Chenault war ein 23-jähriger Schwarzer aus Ohio, der sich der Theologie der Black Hebrew Israelites angeschlossen hatte.[8] Laut Aussage des Täters war King Sr. das ursprüngliche Ziel des Attentats gewesen, nachdem dieser King Sr. allerdings nicht fand, zielte er auf seine Frau.[9]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e King, Martin Luther, Sr. | The Martin Luther King, Jr. Research and Education Institute. Abgerufen am 26. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ REV. KING DIES AT 84; WITH SON, A LEADER IN RIGHTS MOVEMENT (Published 1984). 12. November 1984 (nytimes.com [abgerufen am 26. Oktober 2025]).
- ↑ DeNeen L. Brown • Washington Post: The story of how Michael King Jr. became Martin Luther King Jr. 15. Januar 2019, abgerufen am 26. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ Joshua D. Farrington: Black Republicans and the Transformation of the GOP. University of Pennsylvania Press, 2016, ISBN 978-0-8122-9326-5 (google.de [abgerufen am 26. Oktober 2025]).
- ↑ Chico-Lelandstanford #111: Black History Month: Celebrating Famous Black Freemasons! 21. Februar 2019, abgerufen am 26. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Bo Emerson: Martin Luther King Jr.’s Atlanta: Other historic sites. In: The Atlanta Journal-Constitution. ISSN 1539-7459 (ajc.com [abgerufen am 26. Oktober 2025]).
- ↑ Stephen B. Oates: Let the trumpet sound : the life of Martin Luther King, Jr. New York : New American Library, 1983, ISBN 978-0-452-25442-8 (archive.org [abgerufen am 26. Oktober 2025]).
- ↑ Rebecca Burns: The murder of Alberta King. In: Atlanta Magazine. 28. Juni 2012, abgerufen am 26. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch).
- ↑ Church shooting evokes memories, prayers and more letters to the editors | Chattanooga Times Free Press. 24. Juni 2015, abgerufen am 26. Oktober 2025 (englisch).