Marstallstraße 3 (Weimar)

Die Marstallstraße 3 ist ein denkmalgeschütztes Wohnhaus mit Stützmauer, Brüstung und Garten in der Marstallstraße in der Altstadt von Weimar. Hinter der Brüstung befinden sich zudem Pavillon und Garten des Kirms-Krackow-Hauses. Das Ensemble hat straßenbildprägende Wirkung.

Geschichte

Bei dem Haus Marstallstraße 3 handelt es sich um ein klassizistisches Wohnhaus, das heute von der Klassik Stiftung Weimar genutzt wird. Es wurde 1811 von Henriette Spengler, geb. Eichelmann errichtet. Es steht an der östlichen Parzellengrenze eines ursprünglich bis zur Jakobstraße reichenden Grundstücks, und von dort als auch über einen schmalen Gang von der Vorwerksgasse aus zu erreichen war. In seiner Stellung weicht das Gebäude von der Bauflucht der nach 1815 trassierten Neuen Vorwerksgasse, welche die heutige Marstallstraße ist, ab. Ursprünglich hatte das Gebäude nur zwei Geschosse. Im Jahr 1827 wurde im Auftrag des damaligen Eigentümers Hofmarschall Friedrich Wilhelm von Bielke eine Auffahrt an der Marstallstraße angelegt.

Im Jahr 1859 ließ der Hofbankier und Kommerzienrat Hermann Moritz, der Inhaber des Bankgeschäftes Julius Elkan war, das Haus um ein Geschoss aufstocken und ein neues Dachwerk, ein Kehlbalkendach mit doppelt stehenden Stuhl, daraufsetzen. Die achtachsige Fassade bekam eine Putzbänderung im Erdgeschoss, in den Obergeschossen einen Glattputz mit Gurtgesims und Fensterfaschen sowie ein Konsolkranzgesims an der Traufe. Die zweite rechtsseitige Fensterachse wurde zur Verbesserung des Achsenrhythmus versetzt. Nach Westen wurde dem Gebäude eine große und kleine Terrasse angefügt und einem dort befindlichen Anbau mit einem klassizistischen Dreiecksgiebel sowie Akroterien versehen. Das Innere erfuhr ebenfalls eine grundlegende Umgestaltung. Es entstanden u. a. das repräsentative Vestibül; die Kellerräume, drei parallele, quer ausgerichtete Tonnengewölbe aus Bruchstein, wurden erweitert.

Im Jahr 1885 kam es unter Roderich Moritz, dem Sohn von Hermann Moritz, zu weiteren Veränderungen. Am Hauseingang wurde eine Glasüberdachung angebracht und in das Hinterhaus eine gusseiserne Wendeltreppe eingebaut. Die Restaurierung des Hauses in den Jahren 1985 bis 1990 fußt im Wesentlichen auf dem Zustand von 1859. Eine historische Aufnahme zeigt das Gebäude im eingerüsteten Zustand.[1] Spätere Ergänzungen wie z. B. der Nordgiebel des Vorder- und des Hinterhauses wurden entfernt sowie das Vestibül und das Treppenhaus in der ursprünglichen Fassung restauriert. Die überlieferte Ausstattung mit Stuck- und Holzdeckendecken wurde aufgearbeitet.

Bemerkenswert ist das 1859 geschaffene Vestibül. Es wird über die beiden Flurfenster seitlich des Hauseinganges belichtet und mit einem Schmuckfußboden aus gemusterten Fließen, Holzpaneelen und stuckierten Wandfeldern mit einer Marmorimitation sowie einer kassettierten Stuckdecke versehen. Gegen den podestartig erhöhten Querflur und das Treppenhaus mit halbrundem Grundriss schaffen zwei ionische Säulen mit kanellierten, purpurfarbenen Schäften, welche zusammen mit zwei Pflastervorlagen an den Wänden ein Gebälkstück tragen, eine optische Trennung. In dem westlichen Anbau befindet sich der Salon mit einer Holzvertäfelung an den Wänden und einer Holzkassettendecke. Die hölzerne Wendeltreppe besitzt ein filigranes Balustergeländer.

Der Garten ist nach dem Plan von Johann Valentin Blaufuß (1818/22) als ein auf das Wohnhaus bezogener Nutz- und Ziergarten verzeichnet. Er wurde 1859 in einen repräsentativen Villengarten umgestaltet, wozu man eine Pergola entlang der Straße errichtete, diverse Laub- und Nadelbäume gepflanzt und geschlängelte Wege angelegt hatte. In dieser Gestalt wurde er 1992/93 nach historischen Abbildungen und archäologischen Befunden rekonstruiert. Durch den Geländesprung bedingt, besteht an der Marstallstraße eine Böschungsmauer mit Natursteinverblendung. Ihren oberen Abschluss bildet eine Brüstung aus Terracotta-Formsteinen, welche 1967 nach Vorlage von der Bürgeler Firma Walter Gebauer neu angefertigt wurde. Markant sind die polygonalen Austritte und über Konsolen kranzartig vorkragende Austritte.[2]

Filmgeschichtlich ist die Marstallstraße interessant, weil 1959 eine Szene von Friedrich Schillers Kabale und Liebe unter der Regie von Martin Hellberg dort gedreht wurde, in der die Mauer mit der Brüstung und den gebrannten Tonfliesen deutlich zu erkennen sind. Auch bei den Dreharbeiten zum Film Die geliebten Schwestern mit Florian Stetter, Hannah Herzsprung und Henriette Confurius in den Hauptrollen spielte das Gebäude als Hauptquartier der Filmcrew im Jahr 2012 eine Rolle. Regie führte Dominik Graf.[3] Es gab noch weitere Verwendungen im TV, zum Beispiel als Polizeirevier in Akte Ex.[4]

Commons: Marstallstraße 3 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Marstallstraße 1 und 3; Sanierung des Hauses Nr. 3 auf fotoarchiv.weimar.de
  2. Rainer Müller: Kulturdenkmale in Thüringen: Stadt Weimar, Bd. 4.1.: Altstadt, E. Reinhold Verlag, Erfurt 2009, S. 456 f.
  3. Thorsten Büker und Holger Wetzel: Schiller und seine Frauen: Dominik Graf dreht in Weimar. In: TLZ vom 19. September 2012.
  4. Gerlinde Sommer: „Akte Ex“: Weimar als Drehort für „Heiter bis tödlich“. In: TLZ vom 24. April 2012.

Koordinaten: 50° 58′ 53,2″ N, 11° 19′ 52,2″ O