Marlene Hardt
Marlene Hardt (* 30. Mai 1965 in Moresnet) ist eine belgische Juristin und Ombudsperson der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. Sie übernahm das Amt am 1. April 2017 und ist für die Bearbeitung von Beschwerden gegen Verwaltungsbehörden und Institutionen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft zuständig.
Persönliches
Marlene Hardt wurde am 30. Mai 1965 in Moresnet geboren. Sie spricht Deutsch als Muttersprache, Französisch sehr gut und Niederländisch gut. Sie ist verheiratet.
Ausbildung
Von 1984 bis 1986 absolvierte Marlene Hardt eine Kandidatur der Rechte an der Université de Liège (U.Lg.). Anschließend studierte sie von 1987 bis 1989 an der Katholieke Universiteit Leuven (K.U.L.), wo sie den Lizentiat der Rechte erwarb. Im Jahr 1989 bis 1990 sammelte sie praktische Erfahrungen durch ein Praktikum in einer Rechtsanwaltskanzlei in Brüssel. Von 1991 bis 1993 schloss sie ein Studium der Krankenhauswissenschaften an der Université catholique de Louvain (U.C.L.) mit einem Lizentiat ab.
Beruflicher Werdegang
Marlene Hardt war von 1992 bis 1998 als Direktionsassistentin im Sankt-Nikolaus-Hospital in Eupen tätig. Von 1998 bis 2008 arbeitete sie als Juristin bei der Verbraucherschutzzentrale, wo sie als Schuldenberaterin und -vermittlerin im Rahmen der kollektiven Schuldenregelung agierte und in Fragen des Miet- und Verbraucherrechts beriet. Von 2008 bis 2016 war sie Referentin für Soziales im Ministerium der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Dort überwachte sie die Öffentlichen Sozialhilfezentren, war Mitglied des Vergabekomitees des Entschuldungsfonds und betreute Bürgeranfragen im sozialen Bereich.
Sie wurde 2017 vom Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft für eine Amtszeit von sechs Jahren ernannt,[1] die 2024 einmalig verlängert wurde.[2] Als Ombudsfrau agiert sie unabhängig und neutral, ohne Weisungen von Behörden zu erhalten.[2] Ihre Hauptaufgaben umfassen die Untersuchung von Beschwerden gegen die Verwaltung der Deutschsprachigen Gemeinschaft, die Vermittlung zwischen Bürgern und Behörden sowie die Empfehlung von Lösungen. Sie verfasst jährliche Berichte an das Parlament und setzt sich für die Einhaltung von Standards guter Verwaltungspraxis ein.[3]
Zu den Zuständigkeitsbereichen der Ombudsfrau gehören u. a.
- Ministerien und Verwaltungen der Deutschsprachigen Gemeinschaft,
- Bildungseinrichtungen,
- Gesundheitswesen und soziale Dienste,
- Institutionen mit öffentlichem Auftrag.
Beschwerden werden vertraulich behandelt, und die Ombudsfrau leitet anonyme Eingaben nicht weiter. Sie ist nicht zuständig für Streitigkeiten mit privaten Unternehmen, Bundesbehörden oder ausländischen Institutionen, sondern verweist diese an die jeweiligen Ombudsdienste.[4]
Netzwerke und Aktivitäten
Marlene Hardt ist Mitglied im Vorstand der Concertation permanente des Médiateurs et Ombudsmans (CPMO), dem belgischen Netzwerk der Ombudsmänner, wo sie mit Kollegen wie dem Mediator der Wallonie und dem Ombudsmann für den Postsektor zusammenarbeitet. Sie ist zudem Teil der International Ombudsman Institute (IOI).[5] Jährliche Berichte der Ombudsfrau dokumentieren die Tätigkeit, darunter der Jahresbericht 2019, der Beschwerden zu Themen wie Sozialhilfe, Bildung und Verwaltungsverfahren analysiert.[6]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Marlene Hardt wird neue Ombudsfrau. Belgischer Rundfunk.
- ↑ a b Die Ombudsperson. In: Ombudsdienst der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Abgerufen am 16. Oktober 2025.
- ↑ Christian Schmitz: Vielfältige Gründe für Missverständnisse. In: Grenzecho. 30. April 2025, abgerufen am 24. Oktober 2025.
- ↑ Der Ombudsdienst ist vernetzt. In: dg-ombudsdienst.be. Abgerufen am 24. Oktober 2025.
- ↑ Die Ombudsfrau ist Mitglied beim Internationalen Ombudsmann Institute. In: IOI. Abgerufen am 16. Oktober 2025.
- ↑ Jahresberichte des Ombudsdienstes der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. 2010 – 2024. Abgerufen am 17. Dezember 2025.