Marie Schandri
Margaretha Marie Schandri (getauft 16. Juni 1800 in Luhe; gestorben 10. November 1868 in Regensburg) war eine deutsche Köchin und die Autorin eines der bekanntesten Kochbücher im süddeutschen Raum, welches inzwischen nach 150 Jahren in der 99. Auflage erschienen ist.
Leben
Die Herkunft von Marie Schandri war lange nicht geklärt, inzwischen sind jedoch Dokumente aufgetaucht, nach denen sie als Margaretha Schandri am 16. Juni 1800 in Luhe katholisch getauft wurde. Ihr Vater war der Wagner und Luher Bürger Michael Schandri, ihre Mutter war Kunigunde Herdegen. Sie hatte mindestens vier Geschwister, Johanna genannt Anna, Magdalena, Katharina und Konrad. Diese waren später bei der Testamentseröffnung von Marie Schandri anwesend. Ihr Testament unterzeichnete sie mit einer unsicheren Handschrift mit dem Namen „Margretha Schandri“, dieser findet sich auch auf dem Taufeintrag. Marie war eine Kurzform des Namens Margretha. Weiter ist über ihre Kindheit und Jugend nichts bekannt. Sie zog um 1820 nach Regensburg.[1]
Chefköchin
Dort arbeitete sie im Gasthaus „Zum Goldenen Kreuz“. Sie war zunächst Küchenhilfe und stieg schließlich bis zur Chefköchin auf. Insgesamt arbeitete sie über 40 Jahre in dem Gasthaus[2] und wohnte in der Rote-Hahnen-Gasse, direkt in der Nähe des Gasthauses. Das Gasthaus war europaweit bekannt und zog illustre Gäste an. Zu diesen zählten nach einem überlieferten Fremdenbuch der bayerische König Ludwig I., Kaiserin Alexandra von Rußland und Prinz Gustav von Schweden. Es war nicht nur eine noble Herberge, sondern besaß auch ein hervorragendes Unterhaltungsangebot. Es verfügte seit 1865 über einen Tanzsaal, dessen Boden auf Federn gelagert war. Die sogenannten Kreuzbälle im Gasthaus „Zum Goldenen Kreuz“ gehörten zu den außergewöhnlichen kulturellen Veranstaltungen Regensburgs und zogen Gäste aus ganz Europa an. Auch viele politische Veranstaltungen fanden dort statt, wie die letzte Ministerkonferenz des preußischen Kabinetts vor dem Deutschen Krieg am 21. Juli 1866 im sogenannten „kleinen Saal“ unter dem Vorsitz von König Wilhelm I., in Begleitung von Ministerpräsident Otto von Bismarck und weiteren hohen preußischen Militärs und Beamten.[1]
Kochbuch
Als Chefköchin des Gasthauses gehörte es zu ihren Aufgaben, für dieses Publikum zu kochen und sie zählte zu den besten Köchinnen ihrer Zeit. Ihr Wissen hielt sie in einem Kochbuch fest. Dieses erschien erstmals 1866. Das Regensburger Kochbuch ist seitdem in 99 Auflagen erschienen.[1] Innerhalb der ersten drei Jahre wurden 75.000 Stück verkauft und es galt Ende des 19. Jahrhunderts als das „billigste, reichhaltigste und zuverlässigste Kochbuch Süddeutschlands“. Die „934 Original-Kochrezepte aufgrund vierzigjähriger Erfahrung“ von Marie Schandri werden noch heute wertgeschätzt.[3] Auch wenn ihre Kulinarik dem entsprach, was aus heutiger Sicht den Maßstäben der Spitzenküche entspricht, lag ihr die bürgerliche Küche am Herzen und neben entsprechenden Rezepten finden sich in ihrem Kochbuch auch nützliche Ratschläge zum Thema Hygiene, zum nachhaltigen Umgang mit Lebensmitteln oder dazu, wie man sich beim Kochen gut organisiert.[4]
Marie Schandri starb am 10. November 1868 durchaus wohlhabend. Sie wurde auf dem sogenannten Lazarusfriedhof begraben. Der Friedhof wurde 1909 geschlossen und 1959 dem Regensburger Stadtpark angegliedert. Als ihr Testament am 27. November 1868 am Stadtgericht in Regensburg eröffnet wurde, waren ihre Schwestern Magdalena, Katharina und Johanna anwesend, wie auch ihr Bruder Konrad. Sie machte ihre Schwester Johanna, „Anna“ zu ihrer Erbin. Das Erbe umfasste ihr finanzielles Vermögen in Höhe von 3.200 Gulden und ihre Mobilien, sowie ihren Anteil am Elternhaus in Luhe.[1]
Ehrungen
Der Marie-Schandri-Preis wurde nach ihr benannt, mit ihm werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die sich um die gastronomische Kultur in Ostbayern verdient gemacht haben.[5]
In Regensburg wurde Marie Schandri mit einem FrauenOrt geehrt.
Literatur
- Günter Handel: Margaretha Schandri – Die Köchin des „Goldenen Kreuzes“, in: Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg (Hg.): Verhandlungen des historischen Vereins. Band 139 (1999). S. 235–242.
- Maria A. Panzer: Bavarias Töchter. Regensburg, 1997, S. 97–100.
- Ute Winkler-Stumpf: „Neun Loth süße Mandeln …“ – Die Köchin Marie Schandri, in: Ute Kätzel, Karin Schrott (Hg.): Regensburger Frauenspuren. Regensburg, 1995, S. 146–149.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Günther Handel: Margaretha Schandri – Die Köchin des „Goldenen Kreuzes“. In: Historischer Verein für Oberpfalz und Regensburg (Hg.): Verhandlungen des historischen Vereins. Band 139 (1999). S. 235-242. (PDF), abgerufen am 16. Dezember 2025
- ↑ Regensburgisches Diarium 2.0, 2024, abgerufen am 16. Dezember 2025
- ↑ Stadt Regensburg - Kulturdatenbank - Marie Schandri. In: regensburg.de. Abgerufen am 16. Dezember 2025.
- ↑ Starke Frauen Bayern: Marie Schandri. In: bayerns-frauen.de. Starke Frauen Bayern, abgerufen am 16. Dezember 2025.
- ↑ Marie Schandri-Preis – Bailliage Bavière Orientale. In: baviere-orientale.de. Abgerufen am 16. Dezember 2025.